Voll auf Sieg - ein starkes Evangelium
1. Korinther 9, 16 - 23
Predigt am 1. Juni 2008 in Lobetal von Roland Schindler
16 Denn dass ich das Evangelium predige, dessen darf ich mich nicht rühmen; denn ich muss es tun. Und wehe mir, wenn ich das Evangelium nicht predige!
17 Täte ich´s aus eigenem Willen, so erhielte ich Lohn. Tue ich´s aber nicht aus eigenem Willen, so ist mir doch das Amt anvertraut.
18 Was ist denn nun mein Lohn? Dass ich das Evangelium predige ohne Entgelt und von meinem Recht am Evangelium nicht Gebrauch mache.
19 Denn, obwohl ich frei bin von jedermann, habe ich nicht doch selbst jedermann zum Knecht gemacht, damit ich möglichst viele gewinne.
20 Den Juden bin ich wie ein Jude geworden, damit ich die Juden gewinne. Denen, die unter dem Gesetz sind, bin ich wie einer unter dem Gesetz geworden – obwohl ich selbst nicht unter dem Gesetz bin – damit ich die, die unter dem Gesetz sind, gewinne.
21 Denen, die ohne Gesetz sind, bin ich wie einer ohne Gesetz geworden – obwohl ich doch nicht ohne Gesetz bin vor Gott, sondern bin unter dem Gesetz Christi -, damit ich die, die ohne Gesetz sind, gewinne.
22 Den Schwachen bin ich ein Schwacher geworden, damit ich die Schwachen gewinne. Ich bin allen alles geworden, damit ich auf alle Weise einige rette.
23 Alles aber tue ich um des Evangeliums willen, um an ihm teilzuhaben.
Was lasse ich mir es kosten, das Evangelium weiterzusagen? Dieses Evangelium ist so kostbar, dass Gott dafür alles gegeben hat. Gott hat seinen ganzen Himmel ausgeräumt und in das Evangelium gepackt. Gott hat sein Herz hinein gegeben.
Übrigens ist das ein unlösbarer Zusammenhang: Evangelium hat immer etwas mit dem Herzen zu tun und immer etwas mit „allem“. Es geht um eine heilsame Erfüllung, und diese heilsame Erfüllung kostet alles und verspricht alles.
So war das eben mit unserem Freund und seinem Wunsch, einen Marathon zu laufen. Er hat vielleicht schon einmal im Zielbereich gestanden, als tausende Läufer beim Ruhrmarathon die letzten Meter zurücklegten – triumphierend, selbstbewusst, stolz, strahlend und jubelnd. Und da dachte er: das will ich auch erleben! Da will ich das nächste Mal dabei sein. Wer aber einen Marathon bestehen will, muss eine Leidenschaft für das Laufen entwickeln. Wer sich lieber tragen lässt, der sollte seine Finger von einem solchen Vorhaben lassen. Denn alles, woran wir unsere Leidenschaft hängen, kostet etwas. Da muss man auf Dinge verzichten und einiges unterordnen. Man muss ja schließlich 41 Kilometer zurücklegen, bevor man sich im Zieleinlauf befindet. Unser Freund hätte besser beim km 16 gestanden. Da hätte er vom Mundwinkel ablesen können: „Meine Güte, worauf habe ich mich da eingelassen“ oder „Was, erst Kilometer 16 – fühlt sich an wie Kilometer 61!“ oder "Wenn ich das nächste mal mit meinen Kumpels zusammen bin, trinke ich nur Wasser…“ Ein Marathon hat seinen Preis.
Paulus wird das Bild vom Lauf sofort anschließend in den Gedankengang einbauen – aber noch ist er ganz bei der Berufung, die ihm gegeben ist: Das Evangelium hat er zu verkündigen!
Diesen Job hat er sich nicht gesucht – Gott hat ihn überwunden und er hat ihn mit dieser Verpflichtung versehen. Paulus kann nicht mehr überlegen – na, was mach ich nächste Woche? Rasenmähen, Einkaufen, freuen auf die EM? Paulus kann nur überlegen: „Wo um alles in der Welt kann ich bloß die gute Nachricht von Jesus weitersagen?“ „Wer muss diese wohltuende Neuigkeit unbedingt hören?“
Wir stellen uns momentan in unserer Stadt zusammen, dass die gute Nachricht von der Liebe Gottes, die Leben erneuern und Menschen wieder aufrichten kann, in unserer Stadt Menschen erreicht. Wir wollen ProChrist sein. Wir machen ProChrist. Aber was bedeutet das?
Damit wir wissen, wie wir mit diesem Evangelium umgehen sollen, gibt uns Paulus zwei wichtige Hinweise:
1. Setzt alles ein für das Evangelium
Dafür, dass dieses Evangelium gehört wird, tut Paulus alles. Er wird den Jude ein Jude, um ihm auf einer Ebene zu begegnen, zu verstehen und in seine Lebenswirklichkeit eine gute Nachricht zu sagen: Gott schenkt sein Heil und erneuert dein Herz, dass du aus der Liebe Gottes heraus leben kannst. Paulus kannte das Lebensgefühl derer, die „unter dem Gesetz“ stehen. Er kannte den Eifer für die Gebote Gottes. Die Forderung Gottes ist zu erfüllen. Akribisch ist auf die Vielzahl von Verordnungen zu achten. Deshalb hat man den Leuten immer wieder „die Leviten gelesen“. Man muss immer wieder hinweisen auf das, was man darf und auf das, was man nicht darf.
Paulus sagt diesen Menschen nun eine frohe Nachricht: Gott hat das Gesetz für dich erfüllt. Er hat alles für dich getan – du darfst nun in seiner gütigen Gegenwart leben und mit den Menschen das Leben und die Güte Gottes teilen.
Paulus wird Menschen, die ohne das Gesetz Gottes leben, wie einer, der von diesem Gesetz nichts weiß. Er kommt hinein in das Leben derer, die in scheinbarer Freiheit leben, die alles dürfen, alles machen, die auf grenzenlosem Terrain leben. Er lernt sie kennen. Er nimmt teil an ihrem Leben. Er nimmt wahr, was sie bewegt. Seine gute Nachricht: du lebst nicht zufällig in der Weite des Universums. Dein Schicksal ist nicht der Beliebigkeit und Sinnlosigkeit ausgeliefert, wie du meinst. Du bist geliebt und wertvoll. Gott hat sich selbst aufgemacht, um dich zu finden und er hat alles gegeben, damit dein Leben nicht verstaubt und verweht, sondern bleibt.
Wer das Evangelium weitersagen will, muss eine Leidenschaft für Menschen entwickeln. Er wird beginnen müssen, sich mit den Menschen zu beschäftigen, hinzusehen, was sie bewegt, woran sie leiden, auf was sie hoffen. Nur wer Menschen begegnet und sie wahrnimmt, kann sie letztlich entdecken und kennen lernen. Sind wir dazu bereit?
Paulus ist dazu bereit, denn er wurde vom Evangelium überwunden. Eigentlich verbrachte er seine Zeit lieber in den Bibliotheken und in den Lehrstuben. Aber die Barmherzigkeit Gottes hat ihn ergriffen, als sich ihm Jesus in den Weg stellte. Und jetzt wurde sein starkes Leben völlig umgekrempelt. Paulus sah nichts mehr – er musste sich helfen lassen. Er musste Barmherzigkeit kennen lernen. Er, der gerade noch Menschen nachjagte, um ihnen die Gebote wieder einzubläuen, erfuhr von diesen Menschen Barmherzigkeit. Sie versorgten ihn. Sie redeten mit ihm freundlich. Sie ermutigten ihn. Sie trösteten ihn. Sie begleiteten ihn auf dem Weg, Jesus Christus wahrnehmen zu können.
Paulus lernte die Menschen aus der Perspektive Gottes zu sehen: seine geliebten Geschöpfe, Gottes wertvolle Lebenspartner, geschaffen, damit Gott sie froh und glücklich macht. Aber sie leben müde und zerbrochen, sind von einem Leben ohne Gottes Güte gezeichnet, halten sich an Dinge, die ihnen später nur noch beim Untergang helfen.
Und da wird nun sein Herz ganz hibbelig. Seine Sehnsucht wurde geweckt, damit diese Menschen wieder froh werden und aufleben. Deshalb wird er den Schwachen ein Schwacher, den Schalkern ein Schalker, den Autofreaks ein Freak, den Gartenfreund ein Gartenkenner, dem Einsamen ein Einsamer und dem Marathonfan ein Marathonläufer. Er wird jedem alles, damit er nur die Gelegenheit hat, ihm die gute Nachricht von Jesus Christus weiterzusagen. Und mehr muss er nicht: nur weitersagen! Alles andere macht Gott. Er muss nicht überzeugen, nicht bedrängen, nicht schimpfen und nicht das madig machen, was dem andern bislang so wichtig war. Er hat eine Frohbotschaft und keine Drohbotschaft! Denn in dieser Botschaft liegt das Herz Gottes!
Paulus lässt es sich viel Kosten, dieses Evangelium weiterzugeben und in die Lebenswelt von Menschen zu bringen. Er wird dabei auch enttäuscht, verlacht, bedroht, geschlagen und verklagt. Aber die Liebe Gottes hat ihn gepackt und er gönnt jedem diese Liebe – sogar seinen Verklägern und Lästerern.
Das Evangelium sagt den Menschen die Barmherzigkeit Gottes zu. Es gibt so viele irrige Meinungen und Aussagen über Gott. Nur wer von der Barmherzigkeit und Güte Gottes berührt wurde weiß aber, was das Geheimnis des Evangeliums ist: Gottes Barmherzigkeit. Deshalb muss diese Botschaft zu den Menschen!
Gönnt den Menschen diese gute Nachricht, dass sich Gott in Jesus aufgemacht hat, sie zu suchen, sie zu finden, mit ihnen zu leben und mit ihnen das Leben zu teilen und das Leben zu feiern!
Deshalb lernt Menschen kennen. Bleibt stehen. Setzt euch zu ihnen. Nehmt sie wahr. Nehmt euch Zeit. Entdeckt den Menschen neben euch – im Arbeitspartner, im Nachbarn, im Fußballfan, in der alten Dame nebenan, im rotzfrechen Knirps aus dem ersten Stock, in der Bankreihe vor dir im Klassenraum oder dem Vorlesungsraum! Und dann sagt ihnen das Evangelium.
2. Erwartet alles durch das Evangelium
Dieses Evangelium hat es in sich. Denn darin steckt ja der ganze Himmel, das ganz Herz Gottes.
Im Evangelium schenkt sich der lebendige Gott den Menschen. Wer das Evangelium hört erfährt Gottes Güte. In diesem Evangelium schenkt sich der lebendige Gott. In diesem Evangelium findet man Christus. Durch diese Botschaft kommt das Leben.
Und wer diesem Evangelium dient, dem dient das Evangelium. Paulus hat erfahren, wie Gott ihm auf den Weg zu Menschen immer wieder hilft, wie er ihn versorgt, wie er ihn ermutigt und stärkt. Paulus wird durch die Gemeinde versorgt und diese Gemeinde entstand ja durch nichts anderes als durch das Evangelium.
Wer dem Evangelium dient, dem dient auch das Evangelium. Das ist eine erstaunliche Geschichte. Wer Zeit und Kraft einsetzt, diese frohe Botschaft zu Menschen zu bringen, der wird dabei hilfreiche Erfahrungen machen, erstaunliche Fertigkeiten bekommen, Freunde gewinnen und über einen barmherzigen Gott staunen, der ihn selbst wunderbar umsorgt und versorgt.
Deshalb lesen wir in der Bibel – Gott versorgt uns durch sie. Wir dürfen in dieser Erwartung an sein gutes Wort herantreten und uns „satt“ lesen. Wir dürfen Gutes erwarten.
Paulus sagt: Wir haben Anteil am Evangelium – das ist so etwas wie eine Versorgungsgemeinschaft. Diese Evangelium ist der offene Himmel in unserem Leben. Gottes Herz finden wir hier offen und er will uns immer wieder neu mit Gutem überschütten.
Deshalb ist evangelisieren auch so eine schöne Aufgabe, denn wir bringen durch das Evangelium Gottes geöffnetes Herz und seine Barmherzigkeit zu den Menschen. Wir müssen nicht Menschen zu Gott schleppen. Wir bringen Gott zu den Menschen.
Dazu möchte Gott uns also in Bochum aufstellen, dass er durch uns zu den Menschen in der Stadt kommen. Dazu möchte er uns seine guten Gaben geben – Leidenschaft ist dabei vorneweg. Es ist eine leidenschaftliche Aufgabe, Gott den Menschen nahe zu bringen.
Deshalb lasst uns für dieses Evangelium immer wieder neu alles tun – es soll zu den Menschen kommen. Und lasst diesem Evangelium auch für euch alles tun – räumt ihm Zeit ein, damit ihr durch das Lesen und Hören von Gottes gutem Wort erfüllt werden.
Wer das Evangelium weitersagen will, der muss nicht aufs Leben verzichten, wie unser Freund, der Marathonläufer. Er muss nicht entsagen und fasten, leiden und darben. Wer dazu beiträgt, dass das Evangelium zum Ziel kommt – nämlich zu traurigen, verzweifelten, einsamen und leidenden Menschenherzen – der wird dabei selbst gestärkt und erfüllt, der wird froh und tragfähig. Mit diesem Evangelium kann man „voll auf Sieg“ setzen – denn darin wirkt der lebendige Gott!
Amen
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