1. Petrus 4, 7-11
Predigt in Lobetal von Roland Schindler
7 Es ist aber nahe gekommen das Ende aller Dinge. So seid nun besonnen und nüchtern zum Gebet.
8 Vor allen Dingen habt untereinander beständige Liebe; denn „die Liebe deckt auch der Sünden Menge“ (Sprüche 10,12).
9 Seid gastfrei untereinander ohne Murren.
10 Und dient einander, ein jeder mit der Gabe, die er empfangen hat, als die guten Haushalter der mancherlei Gnaden Gottes;
11 Wenn jemand predigt, dass er´s rede als Gottes Wort; wenn jemand dient, dass er´s tue aus der Kraft, die Gott gewährt, damit in allen Dingen Gott gepriesen werde durch Jesus Christus. Sein ist die Ehre und Gewalt von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen.
Das Ende aller Dinge ist nahe gekommen – so seid nun besonnen und nüchtern – nun, dass ist beileibe nicht selbstverständlich, dass der Mensch dann besonnen handelt. Vor kurzem las ich folgendes: Ein älterer Fußballfan von Arminia Bielefeld war lange krank und bekam die ärztliche Auskunft, dass er nicht mehr sehr lange Zeit hätte. Daraufhin kündigte dieser Fan seine Mitgliedschaft bei Arminia Bielefeld und beantragte gleichzeitig eine Mitgliedschaft beim FC Bayern München. Seine Kumpels waren entrüstet, wie man so etwas tun könne. Daraufhin der Mann: „Wieso? Es ist doch besser, es stirbt einer von denen als einer von uns!“
Wie gesagt – es ist nicht gesagt, dass man unbedingt besonnen und nüchtern handelt, wenn es zu Ende geht.
Wir aber werden heute morgen herausgefordert, besonnen zu handeln und nüchtern zu entscheiden – wir sollen wissen, worauf es ankommt! Petrus sagt: „Es ist nahe gekommen das Ende aller Dinge“. Das Wort, das Petrus hier für „Ende“ benützt, bedeutet gleichzeitig auch „Ziel“ – und es scheint mir besser wiederzugeben, worum es hier geht. Gott macht kein Ende der Dinge, sondern Gott kommt mit den Dingen zum Ziel. Gott wirkt auf seine Verheißungen, auf seine Zusagen zu. Gott gleitet nichts aus der Hand – zielorientiert und bewusst führt er die Weltgeschichte.
Albert Einstein sagte einmal das berühmte Zitat: „Gott würfelt nicht!“ Er war in der Diskussion mit seinem Freund, dem Naturwissenschaftlicher Max Born über die Quantenmechanik – dabei ging es einen Teilbereich, für den er eine Zufallstheorie entwickelt hatte. Einstein protestiert. Gott schafft klare Ausgangspunkte. Die Naturgesetze gelten verlässlich. Und gibt es einmal eine Ausnahme, dann bestätigt diese die Regel. Nein, Gott ist kein Glücksspieler und die Welt fährt nicht „Geisterbahn“ – Petrus sagt: Wir befinden uns auf der Zielgeraden!
Also, weil das Ziel der Zeit nahe kommt, sollen wir dementsprechend handeln – und zwar besonnen und nüchtern. Besonnen meint die Ausrichtung unseres Denkens und Sinnens auf dieses Ziel der Zeit, das damit gesetzt ist, dass unser Herr wieder kommt. Und das geht Hand in Hand mit einer geistlichen Übung: dem Fasten und Beten. Das Fasten dient dem bewussten Gestalten eines Freiraumes für das Gebet. Ich möchte ihnen diese geistliche Übung aufs Herz legen: Fasten und Beten sind Freunde eines besonnenen Lebensstils. Wir sollen klug sein und wissen, worauf es ankommt. Gebetet wird nicht zufällig – es wird bewusst gebetet oder es wird nicht gebetet. Und das Gebet hilft, dass wir einen klaren Blick für die Dinge in dieser Welt bekommen und auch für unser eigenes Leben. Das Gebet führt uns vor den lebendigen Gott und wir bekommen damit etwas Abstand – das schärft den Blick. Nicht sofort – aber das ist zu üben. Also, lassen sie uns das Gebet üben!
Praktisch: einen fernsehfreien Abend; oder einen Fastentag im Monat; vielleicht verabredet mit einem Freund oder einer Freundin. Gemeinsames Gebet und Bibellesen. Entscheiden sie sich dafür und gehen sie entschlossen vor, sonst verkommt diese hilfreiche Gabe des Gebetes zu einem Nebenjob für Notfälle!
Weil das Ziel der Zeit nahe kommt, sollen wir die Zeit wertschätzen und nützen, anstatt sie zu vergeuden. Diese Zeit ist kostbar! Diese Zeit gilt es zu gestalten und für Gott so einzusetzen, dass er geehrt und gelobt wird. Man soll erkennen, was für ein wunderbarer Gott um seine Menschen ringt!
Dieser nüchterne Lebensstil fordert uns zu drei klaren Handlungen auf:
1. Öffnet euere Herzen
Wir sind herausgefordert, untereinander eine „beständige“ Liebe zu haben. Die Liebe zum nächsten soll nicht nur von guten Ansätzen geprägt sein, sondern von einer durchhaltenden Kraft. Liebe hält Spannungen aus. Liebe geht einen Weg mit – auch wenn es spannend wird. Die Liebe Gottes ist kein Freund von Scheidungen. Die Liebe Gottes soll bei uns gefunden werden. Es kann nicht sein, dass Gemeinde von der Liebe Gottes redet aber man dann bei den einzelnen Gemeindegliedern nichts davon erfährt.
Die Liebe Gottes soll also so trainiert werden in unserem Gemeindealltag, dass daraus eine nachhaltige, prägende und tragfähige Herzenshaltung erwächst. Das Interesse am andern soll nicht zu Ende sein, wenn man daheim ist. Man bleibt im Gebet mit ihm verbunden. Wenn man von einer schwierigen Situation wissen, dann führt das immer wieder zur Begegnung und dazu, den andern in dieser Phase nicht alleine zu lassen.
Unser Diakonieprojekt ist nichts anderes als eine gute Gelegenheit, die Liebe Gottes in dieser konkreten Hinwendung zu den älteren Geschwistern unserer Gemeinde und den älteren Menschen in unserer Nachbarschaft zu üben.
Weil Gottes Liebe kein Gefühl ist sondern Kraft und Treue, ist es unerlässlich, diese Liebe immer wieder neu aufzunehmen. Das geschieht im Gebet, dem Bibellesen und beim Singen oder Beten von Chorälen und Psalmen. Diese Liebe ist tragfähig – man kann anderen in ihrer Not beistehen und sie umsorgen. Man kann helfen und trösten. Und dabei wird man nicht ausbrennen und selbst den Boden unter den Füssen verlieren, denn diese Liebe wird gefüllt aus dem Herzen Gottes – groß wie ein Ozean und unerschöpflich!
Übrigens: Das Vorhandensein nachhaltiger Liebe wird ein Echtheitszeichen unserer Gemeinde sein.
2. Öffnet euere Häuser
Jetzt wird es interessant. Wir meinen ja oft, wenn die Dinge im Herz angekommen sind, dann sind sie in der Tiefe und am Ziel. Nein – wenn sie aus dem Herzen herauskommen, dann kommt diese Liebe zum Ziel! Die Liebe Gottes will gestalten und wirken in unserem Leben. Sie würde in unserem Herzen versickern. Sie würde es in unserem Herzen nicht aushalten.
Liebe will gestalten. Sie will die Türen öffnen. Offene Herzen wirken geöffnete Türen. Das verleiht gleichzeitig den offenen Herzen Glaubwürdigkeit. Denn was sieht man von einem geöffneten Herzen? – erst einmal wenig. Gut, da wird man auf andere zu gehen und ihnen begegnen, sich mit ihnen unterhalten und nach dem Ergehen erkundigen.
Aber erst die geöffneten Türen sind sozusagen der Echtheitserweis eines offenen Herzens.
Damals war Gastfreundschaft etwas Wesentliches. Man war unterwegs und man war angewiesen auf diese Möglichkeit der Einkehr, des Schutzes und der Erfrischung. Viele Pilger wollten nach Jerusalem – auf dem Weg benötigten sie gastfreundliche Leute. Eine akute Notlage konnte sich einstellen – auch da sollte man die Türe öffnen.
Wie könnte Gastfreundschaft bei uns heute aussehen? Was bedeutet Gastfreundschaft im Zeitalter von Auto, Wohnwagen, Billighotels, rund-um-die-Uhr geöffnete Läden und Pannenhilfe?
- offene Türen für Menschen, die Hilfe benötigen und bei ihnen klingeln; lassen sie sich stören beim Fernsehen oder beim Hausputz – öffnen sie und helfen sie
- offene Türen für Fremde; In unserem Land leben viele Menschen aus anderen Kulturen – laden sie ab und zu einen Fremden ein; Zeigen sie ihm etwas von der Herzlichkeit der Deutschen, von der Backkunst und der Kaffee- oder Teezubereitung. In unserem Land baut man immer stärkere Mauern zu Fremden. Politische und kommunale Projekte werden das Problem eines spannungsgeladenen Miteinanders nicht in den Griff bekommen. Seien sie gastfrei!
- offene Türen für Notleidende: Wem kann ich einmal in der Woche zum Essen einladen…
Der Sonntag wäre ein sehr guter Tag, sich Zeit für Menschen zu nehmen. Beginnen sie bewusst damit, gastfreundliche Menschen eines gastfreundlichen Gottes zu sein.
3. Öffnet euere Begabungen
Das Zentrum ist damit aber noch nicht erreicht. Es geht noch tiefer. Es wird noch eindeutiger, was mit dem offenen Herzen und der beständigen Liebe gemeint ist. Die Häuser öffnen, das ist eine wichtige Konkretion. Aber wir sollen nicht nur die Stullen daheim auspacken – wir sollen unsere Begabungen untereinander auspacken und sie füreinander einsetzen. Jeder von uns ist ein begabter Mensch. Setzen sie ihre Begabungen ein!
Das ist keine Bitte an dieser Stelle – das ist ein Befehl! Unser Gott stellt es nicht in unser Belieben, was wir mit unseren Gaben und Fähigkeiten machen.
Heute geht es vielen Menschen in unserem Land leider nur um gute Unterhaltung. Irgendwie gut unterhalten zu werden, das ist wünschenswert. Bitte verstehen sie mich nicht falsch – nichts gegen einen netten und unterhaltsamen Abend. Aber doch nicht ständig! Wer sich nur noch unterhalten lässt, der beschränkt sich aufs Konsumieren. Dabei verkümmert aber das Leben! Dabei übt man nicht mehr seine Begabungen und trainiert nicht mehr seine Fähigkeiten. Hier lernt man nichts mehr dazu. Und wir wissen – wo sich nichts mehr entwickelt, dort verwickelt man sich in so viele Dinge und wird gefangen, träge und müde.
Wir sind nicht da, uns gut zu unterhalten. Wir sind dazu da, andere zu halten, zu unterstützen, zu stärken und zu fördern. Und bei dabei werden wir selbst erfüllt und erfrischt, gestärkt und entwickeln eine unverkennbare Persönlichkeit.
In den letzten drei Predigten ging es eigentlich immer um das selbe Thema: Ein Christ ist ein Diener Gottes, der sich von Gott dienen lässt, und der sich dann damit anderen Menschen zuwendet.
Man dient entweder Gott oder man dient anderen Mächten. Also – bringen sie ihre Gaben ein – in die Gemeinde, in die Nachbarschaft, in die Ehe, in die Begegnungen mit Menschen.
Und wenn wir von Gott her den Menschen dienen, dann geht das immer gleich ab: Gott gibt, wir geben weiter! Das ist so klasse! Da wird man nie ärmer! Da wird man nie leer! Da wird man nie einsam!
Wer predigt – der muss sich vorher von Gott selbst sagen lassen, was zu sagen ist! Er gibt nur weiter, was er selbst zuerst hört. Er fordert auf zu tun, was er vorher selbst zu tun beginnt!
Wer so dient, der dient mit Kraft – mit Gottes Kraft! Hier kommt Gott zum tragen, denn wenn ich mich nicht tragen lassen, dann komme ich im Dienen nicht weit. Ich brauche Gott ständig!
Wenn man ständig Gott braucht, dann wird Gott geehrt! Da freut er sich. Er ist der beste Gebrauchsgegenstand! Total resistent gegen Abnutzung! Nur wer so an Gott hängt, kann andere auch zu Gott einladen! Nur wer seine Begabungen einbringt, zeigt letztlich etwas von der Liebe Gottes in dieser Welt!
Denn – und das ist doch kein Geheimnis – Gott hat ihnen ganz liebevolle Gaben geschenkt. Er hat dabei gelächelt, als er sich vorstellte, wie die dem Nachbarn gut tun, dem Fremden in der Wohnung gegenüber, dem Gemeindemitglied in ihrer Nähe…
Wir befinden uns auf der Zielgeraden der Zeit. Wir haben keine Zeit zu verplempern. Wir brauchen nicht einmal den Fußballverein zu wechseln, falls wir in einem wären – denn dort gäbe es genügend Leute zum einladen und zum Bedienen! Denn, wir wissen doch, worauf es ankommt!
Amen!
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