Dienstag, 8. Juli 2008

06.07.2008 Voll durch die Wüste und voll versorgt

Predigt in Lobetal am 6. Juli 2008 von Roland Schindler

2. Mose 16, 2-3; 11-18

2 Und es murrte die ganze Gemeinde der Israeliten wider Mose und Aaron in der Wüste.

3 Und sie sprachen: Wollte Gott, wir wären in Ägypten gestorben durch des Herren Hand, als wir bei den Fleischtöpfen saßen und hatten Brot die Fülle zu essen. Denn ihr habt uns dazu herausgeführt in diese Wüste, dass ihr die ganze Gemeinde an Hunger sterben lasst.

11 Und der Herr sprach zu Mose:

12 Ich habe das Murren der Israeliten gehört. Sage ihnen: Gegen Abend sollt ihr Fleisch zu essen haben und am Morgen von Brot satt werden und sollt innewerden, dass ich, der Herr, euer Gott bin.

13 Und am Abend kamen Wachteln herauf und bedeckten das Lager. Und am Morgen lag Tau rings um das Lager.

14 Und als der Tau weg war, siehe, da lag´s in der Wüste rund und klein wie Reif auf der Erde.

15 Und als es die Israeliten sahen, sprachen sie untereinander: Man hu? Denn sie wussten nicht, was es war. Mose aber sprach zu ihnen: Es ist das Brot, das euch der Herr zu essen gegeben hat.

16 Das ist´s aber, was der Herr geboten hat: Ein jeder sammle, soviel er zum Essen braucht, einen Krug voll für jeden nach der Zahl der Leute in seinem Zelte.

17 Und die Israeliten taten´s und sammelten, einer viel, der andere wenig.

18 Aber als man´s nachmaß, hatte der nicht darüber, der viel gesammelt hatte, und der nicht darunter, der wenig gesammelt hatte. Jeder hatte gesammelt, soviel er zum Essen brauchte.

Anspiel

So gelangweilt muss man sich das Volk Gottes vorstellen. Sie saßen da und guckten fern! Sie hatten immer das gleiche Programm: „Telägypten“ – „Kochstudio Ramses“. Lecker Fleischtöpfchen.

Da saßen sie und schwelgten in Erinnerungen. Das Wasser lief ihnen im Mund zusammen. Sie kochten – leider nur innerlich, sie murrten, sie knurrten. Sie waren sozusagen mit ihrer Gesamtsituation unzufrieden.

Und wie das so ist, wenn man unzufrieden ist, dann macht man andere an der miesen Situation verantwortlich: Mose ist schuld; Aaron hat uns in diese Situation gebracht.

Tja, wie sind sie eigentlich hierher gekommen. Die Bibel berichtet, dass die Israeliten früher nach Ägypten zogen, weil es dort genug zu essen gab. Es war eine große Teuerung über alle Länder gekommen – die Benzinpreise stiegen, alles wurde teuerer – am Ende half nur noch der Auszug in ein fremdes Land.

Ich erzähle nur grob: Anfangs willkommen – dann geduldet und schließlich argwöhnisch beäugt. Neue Regenten saßen auf dem Thron. Sie wussten nichts mehr von der Wohltat, durch dieses Volk ausging. Josef war einer von ihnen und hatte in Ägypten weitsichtig und klug gehandelt. Durch Gottes Güte hat er die Hungersnot vorhergesehen und hatte große Kornspeicher bauen lassen. Aber das war alles Schnee von gestern. Und unter der heißen Sonne Ägypten hielten sich diese Geschichten nicht lange. Nun sah man, wie dieses Volk sich stetig vermehrte und man wollte es eindämmen – aus dem Argwohn wuchsen Repressalien. Man zwang sie zur Arbeit. Sie mussten Ziegel brennen für die Prachtbauten des Pharao. Schließlich behandelte man sie wie Sklaven. Man zwang sie zur Arbeit und zeigte ihnen, wer das sagen hat.

Aber Gott gefiel das nicht. Diese Leute hatte er nicht als Ziegelbrenner für die Prachtbauten eines Regenten gedacht. Gott befreit Israel aus dieser Tyrannei und er zerbricht die Macht des Pharaos. So kommt es frei, wird gerettet – am Schluss durch eine wundersame Flucht durch das Schilfmeer. Gott befreit sein Volk – und er führt es geradeweg in die Wüste. Warum ist das so – warum Wüste und nicht Schlaraffenland? Warum Entbehrung und nicht Fülle? Warum Leid und nicht Freude?

Heute Werden wir herausgefordert, das Wort „Wüste“ in einem neuen Zusammenhang wahrzunehmen. Heute soll es darum gehen, dass ein Leben in der Wüste – oder in einer Wüstenzeit – eine Herausforderung ist, Gott kennen zu lernen und von Gott versorgt zu werden.

Voll durch die Wüste und voll versorgt – so lautet das Thema dieser Predigt.

1. Gott befreit

Wozu hat Gott dieses Volk befreit? Den Grund musste Mose im Namen Gottes immer wieder dem Pharao und dem Volk sagen: „Lass mein Volk ziehen, dass es mir diene in der Wüste!“ (2. Mose 7,16)

Dazu hat Gott also das Volk befreit – dass es ihm dient; nicht mehr dem Pharao – sondern dem lebendigen Gott!

So ist das Leben von Gott gedacht: sich von Gott dienen zu lassen und Gott zu dienen – sich von Gott versorgen zu lassen und Gott zu danken.

Gott ruft sein Volk zum Dienst – Jesus ruft die Menschen zur Nachfolge – die Gemeinde ruft Einzelne zur Mitarbeit! Leben ist das wechselseitige „Geben“ und „Nehmen“ in der Beziehung zwischen Gott und uns Menschen. Gott bedeutet soviel wie „Versorger“ und gleichzeitig „Angebeteter“.

„Dienen“ kommt von „laufen“ – man ist also ständig unterwegs: hin zum Herrn und dann dorthin, wo man in seinem Namen etwas zu verrichten hat.

Liebe Geschwister, dienen wir dem lebendigen Gott? Laufen wir für ihn, laufen wir zu ihm? Für wen sind wir unterwegs und in wessen Namen machen wir unseren Job?

Gott hat auch uns befreit, dass wir ihm dienen sollen. Damals, vor dem Auszug Israels aus Ägypten, ist viel Blut geflossen. Befreiung geht einher mit „Blutvergießen“. Jesus hat sein Blut vergossen, um uns zu befreien! Er hat gelitten und leidenschaftlich gekämpft, damit wir wieder in die Gemeinschaft mit seinem Vater zurückfinden. Gott hat viel hingeblättert, bis er uns in seinen Dienst stellen konnte. Dienen wir ihm? Laufen wir zu ihm? Ist er für uns die erste Adresse bei den Nöten unseres Lebens – oder verfahren wir nach unseren alten Strategiemustern: Krise – schlecht – wehmütig zurückblicken – unzufrieden motzen – sich verstecken und schmollen – weglaufen und sich den Tod wünschen…

Aber Gott hat uns befreit. Wir gehören ihm. Also jetzt gilt: Krise – zu Gott laufen – ihm das Problem sagen – von ihm Hilfe erwarten – bis zum Eintreffen der Hilfe „locker“ bleiben und über Alternativen nachdenken…

Gerne möchte ich über zwei Leute etwas sagen, die in Lebenskrisen kamen. Der eine war Lehrer und wurde arbeitslos. Er war ein guter Lehrer, ein leidenschaftlicher Lehrer – aber der Stellenplan ließ keine Stellenbesetzungen zu. So half er sich und seiner Familie mit Nachhilfeunterricht über die Runden und begann nebenbei ein Buch zu schreiben über ein Thema, das ihn lange Beschäftigt hatte – es ging um einen christlichen Jugendverband in der Zeit unter dem Nationalsozialistischen Terrorregime. Als er sein Buch nach eineinhalb Jahren intensiver Arbeit abgeschlossen hatte, bekam er eine neue Stelle als Lehrer.

Die zweite Person, über die ich gerne etwas sagen möchte, war eine Frau, die ab etwa dem 60sten Lebensjahr sich immer schwerer tat, das Haus zu verlassen. Sie hatte ein starkes rheumatisches Leiden und große Gelenkprobleme. Früher begleitete sie gerne ihren Mann auf dessen Reisen, nahm Anteil, wurde für viele Menschen eine mütterliche Freundin, die immer einen weisen Rat hatte. Dann kam die Zeit, dass sie an die Wohnung gefesselt war. Sie sagte zu mir: „Gott hat mich jetzt zum Gebet stationiert!“ Sie betete für so viele Leute. War für sie ständig zu Gott unterwegs. Sie saß am Telefon und rief an, erkundigte, nahm Anteil und half weiter mit weisen Ratschlägen.

Wem dienst du – das ist die entscheidende Frage?

2. Gott versorgt

Gott führt durch Wüsten und manchmal auch durch Wüstenzeiten, aber er geht mit und versorgt seine Menschen. Er lässt niemanden allein und wirkt immer so, dass er sich herrlich und wunderbar erweist – er ist ein Gott, der immer wieder neu herausfordert, dass man über ihn staunt und jubelt. Die Herausforderung der Wüste lautet: Lass Gott deinen Mangel decken! Wende dich an ihn! Lerne ihn gerade in den Wüstenzeiten deines Lebens kennen und richte dein Leben auf ihn aus. Und: bleib in seinem Dienst – lass dir nicht nur von ihm dienen, sondern diene auch ihm, und versorge andere mit seinen Gaben!

Ich finde es tröstlich, dass Gott nicht von ferne zuschaut, bis seine Leute endlich die richtige Lösung gefunden haben. Gott greift ein und gibt Anordnungen zum Sammeln – mitten in der Wüste. Fleisch und Brot sind einzusammeln an Orten, wo man jeden auslachen würde, wenn er mit einem Sammelkorb auftaucht. Aber Gott gibt Anordnung zum Sammeln – und es wird gesammelt.

Es erstaunt mich, dass Gott so gibt, dass es für einen Tag reicht. Und keine Sorge: morgen versorgt er weiter. Gott gibt jeden Tag frisch, was man für den Tag benötigt.

Gott versorgt – und es reicht für die Sippe

Gott versorgt – und es reicht für die Nachbarn

Gott versorgt – und es reicht für deinen Tag. Jeden Tag!

Gott versorgt – und es reicht auch für die Diener!

Gott versorgt – und wer ihm dient, der bleibt frei, der lebt sich nicht erneut in eine sklavische Abhängigkeit.

Ich möchte an dieser Stelle ausdrücklich anmerken, dass Gott nicht nur die geistlichen Gaben gibt. Man meint immer, er sei ausschließlich für Glaube, Liebe und Hoffnung zuständig, er sei zuständig für Kraft zum Gestalten unseres Lebens und für Weisheit. Gott hilft auch in den praktischen Nöten unseres Lebens! Gott hilft konkret, praktisch und zuverlässig. Wenn wir ihm nur nicht vorschreiben, wie er zu helfen hat. Damals baten die Israeliten auch nicht um einen Bazar oder einen EDEKA. Gott überraschte sie mit Wachteln und Manna – er handelt in der Regel in seiner Schöpfung und durch seine Schöpfung – auch durch seine Geschöpfe. Aber er handelt! Wir dürfen ihm in allen Dingen vertrauen!

Deshalb sitzen Gottes Leute nicht mehr trübsinnig vor dem Fernseher. Sie blicken auch nicht mehr wehmütig in die Vergangenheit. Sie haben zu tun. Sie dienen dem lebendigen Gott und sie dienen Menschen. Sie sind unterwegs! Gott sein dank! So kommt man voll versorgt durch die Lebenswüste!

Amen

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