Mittwoch, 20. August 2008

10. 8.2008 Ein Gott der mit uns geht

Schultütensonntag am 10. 8.2008


Predigt in Lobetal von Roland Schindler


Jesaja 41,10

Fürchte dich nicht, ich bin mit dir; weiche nicht, denn ich bin dein Gott. Ich stärke dich, ich helfe dir auch, ich halte dich durch die rechte Hand meiner Gerechtigkeit.

Schultütensonntag feiern wir heute – ein wunderschöner Tag. Frohe Gesichter – zumindest bei den Eltern schulpflichtiger Kinder.

Es gibt viele Leute, die stolz sind auf ihre Schulzeit. Peter Ustinov hat einmal gesagt: „Die englische Schulbildung ist die beste der Welt – falls man sie überlebt!“

Nun sind wir glücklicherweise in Deutschland, und da lernt man ja gründlich und viel, so dass jemand mal gesagt hat: „Das einzige, an das ich mich aus meiner Schulzeit erinnern kann, sind meine Bildungslücken.“ Na ja, es dauert schon etwas, bis man alles weiß und für den Nobelpreis reif ist. Wie sagte doch ein Erstklässler nach seinem ersten Schultag, als seine Mutter in gespannt fragte: „Na, wie war es denn?“ Der Knabe antwortete: „War nicht schlecht, aber wir sind nicht fertig geworden – muss morgen noch mal hin.“

Dabei ist Schule etwas Wunderschönes. Gorch Fock sagte einmal: „Du kannst dein Leben nicht verlängern, du kannst es auch nicht verbreitern. Aber du kannst es vertiefen!“ Wir können eintauchen in unsere Welt, um sie zu verstehen, um über sie zu staunen, um uns darin zurecht zu finden. Wir können unsere Fähigkeiten entwickeln und Begabungen formen - wunderschöne Aufgaben.

Und wir Erwachsenen können an diesem Tag auch bedenken, dass es noch viel zu lernen gibt und es gut tut, gedanklich rege zu bleiben und sich neue Lernfelder zu erschließen. Wir tun den Kindern Gutes damit, wenn wir sie als Lernende begleiten!

Morgen beginnt die Schule und das bringt manche in Aufregung und Unruhe. Sachen müssen wieder hervorgeholt werden, die man in den letzten Wochen überhaupt nicht brauchte. Wo liegt das Federmäppchen? Wer hat den Sportbeutel gesehen? Wo war noch gleich die Tintenpatrone?

Wir dachten, dass wir heute schon mal das „Finden“ üben. Wir haben heute morgen im Raum, unter manchen Stühlen, hinter Vorhängen oder auf Fensterbrettern Sachen versteckt, die man für die Schule braucht. Und wir nennen immer eine dieser Sachen und bitten ein oder zwei Kinder, nach ihnen zu suchen. Cordelia, Miriam und ich werden dann zu je zwei dieser Gegenstände ein paar Gedanken sagen, die uns Mut zum Lernen machen – den Großen und den Kleinen.

Wir beginnen mit dem Radiergummi. Bitte sucht zwei Stück und bringt sie nach vorne.

Radiergummi: Das Wort „radieren“ ist seit dem 15. Jahrhundert bezeugt und bedeutet: „auskratzen, reinigen“. Es ist klasse, dass man Fehler korrigieren kann. Man muss einen falschen Anfang nicht weiterführen – man kann das Falsch wegradieren und neu beginnen. Der Radiergummi erinnert mich an die Vergebung Gottes. Ich muss nicht auf der eingeschlagenen Bahn weiterfahren und den Weg, der sich als nicht richtig herausstellt, muss ich nicht weiter folgen. Ich darf neu beginnen. Dabei wird nicht einfach das Falsche wegradiert – es wird gereinigt: mit dem Blut Jesu. Jesus hat es sich viel kosten lassen, damit wir nicht festgelegt leben müssen.

Ich darf in diesem Jahr die Hausaufgaben nicht auf den letzten Drücker machen – ich kann lernen, meine Arbeit zu erledigen. Dann kann ich mit einem guten Gefühl ans Spielen gehen.

Wir Erwachsenen können uns Zeit nehmen für die Fragen der Kinder – wir müssen nicht unsere Ruhe haben – Ruhe hängt mit Zufriedenheit zusammen; wenn alle zufrieden sind, lässt es sich viel besser ruhen.

Ja, der Radiergummi erinnert mich an die Vergebung.

Patrone / Füllkonverter

Ihr alle kennt sicherlich diese Patronen. Man macht sie in den Füller rein, und dann kann man damit schreiben. Und wenn man schon eine ganze Menge geschrieben hat, dann passiert was? Richtig, dann geht sie leer. Man muss eine neue reintun und die alte wegschmeißen.

Ich glaube, in unserem Leben ist das so ähnlich. Wenn wir leben, dann ist nicht immer alles ganz einfach. Leben kostet Kraft. Zum Beispiel, wenn ihr morgen wieder in die Schule geht und dann immer Hausaufgaben machen müsst und für arbeiten lernen und mit euren Lehrern und Mitschülern rumplagen müsst. Auch für Erwachsene ist das machmal so. Die Eltern brauchen viel Kraft bei der Erziehung ihrer Kinder, im Beruf, beim Bewältigen von all den verschiedenen Problemen, die auf uns zukommen. Und da kann es schon mal passieren, dass die Kraft, die man hat, leer wird, so wie eine Patrone im Füller.

Aber da gibt es ja noch ein anderes Ding hier. Wisst ihr, was das hier ist? Das ist ein Füllkonverter. Im Prinzip ist es genau so etwas wie eine Patrone. Nur viel cooler. Nämlich man kann es wieder auffüllen. Wenn es leer ist, steckt man es in ein Tintenfass, dreht hier hinten dran und schwup die wup ist der Füllkonverter wieder voll und man kann weiter schreiben.

Ich glaube, wenn wir mit Jesus leben, dann kann es uns so gehen, wie mit diesem Füllkonverter hier. Jesus hat einmal gesagt: Ich bin das Brot des Lebens. Wer zu mir kommt, den wird nicht hungern; und wer an mich glaubt, den wird nimmermehr dürsten.“ Joh 6,35

Mit anderen Worten: Wer zu Jesus kommt, wird immer wieder neu aufgefüllt werden und nicht leer gehen. Wenn wir unser Leben mit Jesus leben, dann heißt es nicht unbedingt, dass es einfacher, leichter wird. Aber Jesus hat versprochen, dass er bei uns ist und uns immer wieder Kraft gibt, die wir brauchen. Wenn wir bei Jesus bleiben und mit ihm Leben, wird unsere Patrone nicht mehr leer werden.

Füller:

Lineal: Wer weiß das noch: was ist die kürzeste Verbindung zweier Punkte? Genau, eine Gerade. Für einen sauberen Strich benötigen wir ein Lineal. Zwei Punkte werden optimal verbunden. Dabei denke ich ans Kreuz – zwei Geraden; die eine deutet die optimale Verbindung zwischen Gott und Mensch an, die andere die beste Verbindung zwischen uns Menschen.

Buntstifte

Hier ist ein Päckchen Buntstifte. Irgendwie macht es doch Spaß, sie zu benutzen, oder? Man kann alles bunt malen und die Dinge sehen nicht mehr so langweilig aus. Benutzt ihr die Buntstifte oft in der Schule? Also, ich muss sagen, dass wir in der Schule leider nicht so oft Buntstifte benutzt haben. Wir mussten in der Grundschule erst immer mit Bleistiften schreiben und später dann mit Füller oder auch mal mit Kuli.

Im Leben ist das vielleicht manchmal ähnlich. Man hätte so viele Möglichkeiten, das Leben bunt zu machen, aber dazu hat man oft gar keine Zeit. Die Hausaufgaben in der Schule, die Verpflichtungen zu Hause in der Familie oder im Beruf. Man kämpft sich so durch seinen Lebenstrott und es bleibt keine Zeit, mal nach rechts oder links zu sehen. So, als wenn man immer nur mit Bleistift schreiben würde.

Ist das alles, was Gott für uns hat?

In der Bibel sagt Jesus, dass er gekommen ist, dass wir Leben die Fülle und volle Genüge haben sollen. Das hört sich doch nicht an, wie nur Bleistift, oder? Das, finde ich, hört sich nach ganz vielen Farben an, unendlich schön und bunt. Gott möchte unser Leben bunt machen, heraus aus dem Grau in Grau des Bleistifts. Das ist sein Versprechen für uns. Hört sich doch gut an, oder?

Turnschuh:

Unser Bibelwort sagt uns: „Fürchte dich nicht!“ Gott lässt uns wissen, dass es nicht gut ist, mit Angst zu leben. Gott ist eindeutig gegen die Angst und lässt unmissverständlich der Furcht keinen Raum!

Gott ruft diesen Vers nicht irgendwen zu – er ruft ihn dem zu, den er erwählt hat. Ja, Gott hat auch eine Liebeswahl getroffen. Er hat Israel erwählt, weil er ganz und gar Gott für dieses Volk sein will. Und Gott hat Israel erwählt, um von da aus alle Völker und alle Menschen zu sich einzuladen: Vertraut mir und lasst mich eueren Gott sein! In Jesus Christus erwählt er Menschen – hat er euch beide erwählt.

Und ihr habt ja gesagt zu dieser Erwählung. Ihr wusstet es, eine Erwählung bedarf einer Antwort. Ihr habt „Ja“ gesagt!

Und als Gottes Erwählte habt ihr euch erwählt.

Ich weiß gar nicht, wer von euch gewählt hat und wer „JA“ gesagt hat. Dieses „JA“ war wichtig. In diesem „JA“ hängt genau so viel wie in der Liebeswahl. Aber ihr wusstet, dass das nicht reicht!

Gott setzt uns nicht in einen Erlebnispark, sondern in eine chaotische Welt. Unser Leben ist ein einziges Lernfeld, in dem man erfährt, wie Gott ist.

Er geht mit an die Schule. Er unterstützt euch beim Konzentrieren. Er macht euch Mut, nachzufragen, wenn ihr etwas nicht verstanden habt. Er schenkt euch die Freude, Neues zu wagen und Schüler zu bleiben – auch im Alter.

Fürchtet euch nicht! Das sagt Gott seinen Leuten, weil er ihnen Zukunft schenkt, und weil es viel zu gefährlich ist, alleine in diese Zukunft aufzubrechen. Da gibt es zu viele ungewisse Faktoren. Aber einer ist gewiss und auf den ist Verlass: Gott!

Werde ich alles packen, was von mir verlangt ist? Werde ich den Lernstoff bewältigen? Werde ich die fehlende Grammatik in Englisch nachholen können? Du bist nicht allein!

„Weicht nicht zurück!“ so fordert euch dieses Wort weiter heraus. Weicht nicht aus, wenn es schwierig wird. Weicht nicht aus, wenn ihr vor der Schule steht! Weicht nicht, wenn ihr vor der Klassenarbeit seit! Weicht nicht, wenn die Kraft fehlt. Weicht nicht – weicht nicht von euerem Herrn.

Wer nicht auf ihn schaut, der weicht! Glaubt ihr nicht so bleibt ihr nicht – warum? Weil Gott uns Halt gibt.

Gott sagt: „Ich stärke dich, ich helfe dir, ich halte dich durch die rechte Hand meiner Gerechtigkeit.

Halt und Hoffnung liegt nicht in Menschen. Das liegt nicht im Wissen, nicht in unseren Genen und nicht in der Milchschnitte, sondern im lebendigen Gott. Und ihn brauchen wir auch für unser Miteinander. Wir brauchen seine Liebe und Kraft auch für unser Leben, für unsere Aufgaben, für unsere Herausforderungen.

Ihr dürft als Geliebte Gottes in die Schule und in die Zukunft gehen. Ihr dürft mit viel Hoffnung unterwegs sein. Ihr dürft Großes erwarten – Gott begleitet euch und deshalb liegt das Leben vor euch! Ein Zitat am Schluss. Martin Luther hat einmal gesagt: „Wenn die Schulen zunehmen, dann steht es wohl im Land.“

Amen

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