Freitag, 26. Dezember 2008

09.11.2009 Wissen, worauf es ankommt

Predigt von Roland Schindler
1. Thessalonicher 5, 1ff.

1 Von den Zeiten und Stunden aber, liebe Brüder, ist es nicht nötig, euch zu schreiben;
2 denn ihr selbst wisst genau, dass der Tag des Herrn kommen wird wie ein Dieb in der Nacht.
3 Wenn sie sagen werden: „Es ist Friede, es hat keine Gefahr -, dann wird sie das Verderben schnell überfallen wie die Wehen eine schwangere Frau und sie werden nicht entfliehen.
4 Ich aber, liebe Brüder, seid nicht in der Finsternis, dass der Tag wie ein Dieb über euch komme.
5 Denn ihr alle seid Kinder des Lichts und Kinder des Tages. Wir sind nicht von der Nacht noch von der Finsternis.
6 So lasst uns nun nicht schlafen, wie die andern, sondern lasst uns wachen und nüchtern sein.
7 Denn die schlafen, die schlafen des Nachts, und die betrunken sind, die sind des Nachts betrun-ken.
8 Wir aber, die wir Kinder des Tages sind, wollen nüchtern sein, angetan mit dem Panzer des Glau-bens und der Liebe und mit dem Helm der Hoffnung und des Heils.
9 Denn Gott hat uns nicht bestimmt zum Zorn, sondern dazu, das Heil zu erlangen durch unsern Herrn Jesus Christus,
10 der für uns gestorben ist, damit, ob wir wachen oder schlafen, wir zugleich mit ihm leben.
11 Darum ermahnt euch untereinander und einer erbaue den andern, wie ihr auch tut.

Wir leben in einer wunderbaren Freiheit. Aber wie soll man diese Freiheit nutzen? Wie soll man mit ihr umgehen. Der Sprachwissenschaftler Paul de Legarde sagte einmal: „Freiheit heißt nicht, dass wir tun dürfen, was wir wollen, sondern dass wir werden dürfen, was wir sollen.“
Du darfst werden, was du eigentlich sein sollst! Eine wunderbare und spannende Aufgabe. Dabei muss man natürlich wissen, was wir sein sol-len. Paul de Legarde rät: „Werde ein Deutscher“. Die Bibel sagt: „Denn Gott hat uns … dazu bestimmt, das Heil zu erlangen durch unsern Herrn Jesus Christus, der für uns gestorben ist, damit, ob wir wachen oder schlafen, wir zugleich mit ihm leben.“ (1. Thessalonicher 5, 9-10)
Wir sollen in Christus leben und Christus werden. Ein Christ ist also in ers-ter Linie nicht ein Mensch, der in einer Kirche Mitglied ist oder der in einer Gemeinde mitarbeitet, sondern ein Mensch, der entdeckt: Ich soll mit Je-sus Christus leben und ich soll so werden wie er.

Am Ende des Jahres, wenn die Tage kürzer werden und die Abende län-ger, sind wir herausgefordert uns dem zu stellen, was wichtig ist. Wir sol-len uns konzentrieren auf das, worauf es ankommt: Christ werden!

Ein schönes Bild für einen Menschen, der weiß, worauf es ankommt, fin-den wir in Paul Potts. Sehen wir uns das Video an, in dem Paul Potts das wurde, was er werden wollte.

Paul Potts war ein einfacher und unauffälliger Mensch. Er studierte zwar Philosophie und erwarb seinen Abschluss mit einer Arbeit über „Die Frage des Bösen und des Leids in einer von Gott geschaffenen Welt.“ Doch da-nach schlug er sich durch als Arbeiter in einer Supermarktkette und später als Handyverkäufer. Seine heimliche Leidenschaft war das Singen. Er sang in mehreren Kirchenchören mit und gewann 1999 bei einer Talentshow den ersten Preis. Doch ihn stoppen immer wieder Schicksalsschläge: 2002 hatte er einen Blinddarmdurchbruch, dann musste ihm ein gutartiger Tu-mor entfernt werden und schließlich erlitt er bei einem Fahrradsturz einen Schlüsselbeinbruch. Singen konnte er erst wieder vor der Castingshow „Britain´s Got Talent“.
Potts konnte nicht viel, hatte sehr bescheidene Mittel, aber er wusste, worauf es ankommt: Seine Stimme zu verbessern und seine Stimme zu nutzen. Dieses Ziel verfolgte er. Und am 17. Juni 2007 gewann er diese Castingshow. Er erhielt ein Preisgeld von 100.000 Brit. Pfund und konnte endlich seine Schulden bezahlen und seine Zähne richten lassen.
Potts wusste, worauf es ankommt. Er wollte Sänger werden. Dieses Ziel verfolgte er. Er setzte seine Mittel ein, um seine Stimme zu schulen. Fuhr nach Italien und nahm Gesangsunterricht.

Ich wünsche uns, dass wir diese Leidenschaft gewinnen, und dass wir die Freiheit nutzen, die uns zur Verfügung stellt, „…um werden zu dürfen, was wir sein sollen“: Christen!

Dazu gibt uns Paulus in diesem Brief an die Thessalonicher 3 Übungsein-heiten:
1. Den Herrn erwarten
Paulus sagt den Menschen in Thessaloniki: es gibt ein geschichtliches Er-eignis, das garantiert eintrifft und das gleichzeitig das Ziel der Zeit ist: Je-sus kommt wieder. Und Gott möchte, dass wir dieses Ereignis nicht zit-ternd und zagend erleben, sondern voll Freude. Wir sind dazu bestimmt, bei diesem Ereignis in Jubel auszubrechen.
Die einen wird lähmendes Entsetzen packen und die anderen werden wei-nen vor Glück. Deshalb sollen wir jetzt schon dieses Ereignis eindeutig auf der Rechnung und im Bewusstsein haben. Jesus kommt wieder! Deshalb sollen wir uns ausrichten auf Jesus. Unser Leben benötigt eine klare Rich-tung, damit wir die vielen Entscheidungen auch treffen können, wissen, was zu tun ist, unser Lebenskapital richtig einsetzen und nicht sinnlos ver-zocken.
Die Bibel versteht unter Sünde so etwas wie „am Ziel vorbei leben“. Der Mensch soll sein Leben in einer klaren Ausrichtung gestalten – aber er tut das nicht. Er nützt Freiheit, um tun zu können, was er will. Und so lebt er an dem Ziel seines Lebens vorbei. Das nennt die Bibel Sünde. Zielverfeh-lung ist tragisch. Wenn das Leben nicht ins „Schwarze“ trifft, geht es in der Weite verloren.
Jesus ist dazu gekommen, dass wir wieder wissen, wozu wir da sind. Wir sollen in der Gegenwart Gottes leben. Wir sollen aus ihm heraus leben und für ihn unsere Gaben einsetzen. Jesus lädt uns ein, ihm nachzufolgen und so wieder in die Gegenwart Gottes zurück zu finden.
Wir dürfen mit Jesus leben und ihm ähnlich werden. Das soll unser Leben prägen, unseren Alltag, unsere Beziehung, unsere Arbeit, unsere Freizeit, unsere Ziele und unsere Wünsche.
Dann wird die Freude im Leben wachsen, diesem Jesus zu begegnen. Dann wird die Sehnsucht kommen, ganz bei ihm zu sein. Dann wird dieses Wissen zum Trost: Ja, Herr Jesus, Du kommst wieder – Herr, komm bald! Dann wird dieser Zeitpunkt unser Zielpunkt. Wir wissen: entweder kommt der Herr zu uns oder wir kommen zu ihm – wann das sein wird, wissen wir nicht. Aber dass diese Begegnung bevorsteht, das wissen wir.

2. Handlungsfähig erhalten
Das zweite Übungsfeld: Erhalte deine Handlungsfähigkeit!
Warten meint nicht: stell dich in die Ecke und vertreibe dir die Zeit, bis Jesus kommt. Warten bedeutet nicht die Zeit tot schlagen, sondern die Zeit auskaufen.
Bild: wenn wir auf einen lieben Menschen warten, dass ist dieses warten gepaart mit hoher Konzentration darauf, alles so zu gestalten, dass er sich nach seiner Ankunft freut und wohl fühlt, dass er weiß: Ich bin erwartet!
Wartende sind Handelnde.
Wachen heißt aber auch: ich bin herausgefordert, frisch und munter zu sein sein, Gestaltungs- und Handlungsfähig zu sein. Verliert nicht euere Gestaltungs- und Handlungsfähigkeit; Lebt euch nicht ohnmächtig.
Problem heute: Unsere Welt bindet uns an uns selbst; wir sind festgelegt auf unsere Bedürfnisse; wir sind ausgerichtet auf unsere Erwartungen; wir sind hergerichtet als Konsumenten.
Davon müssen wir uns lösen.
Wachen und nüchtern sein: Handlungsfähig bleiben!
Wir benötigen dazu Licht, denn die Bibel sagt: Der Herr ist mein Licht und mein Heil; Licht ist der Ort der Geborgenheit in der Gegenwart Gottes. Licht treibt die Furcht aus! Dieses Licht spendet nicht eine brennende Ker-ze oder eine glühende Lampe. Dieses Licht ist das Wort Gottes. Hier fin-den wir eine rechte Sehhilfe für unser Leben. Hier entdecken wir, worauf es heute ankommt.

Deshalb gilt es nun, in dieser Ausrichtung sein Leben zu gestalten und da-bei handlungsfähig zu bleiben. Wer auf das Ziel ausgerichtet bleibt, der lebt so, dass er weiß, worauf es ankommt; Er kann Prioritäten setzen. Er kann die Dinge tun, die bleiben = die Werke, die Jesus zuvor getan hat, dass wir in ihnen wandeln sollen; Die Werke folgen uns nach – so sagt es Luther; Sollen sie Bestand haben, dann können es nur Jesu Werke sein.

3. Geschützt bleiben
Wir leben im Schnittfeld von Welten. Wir leben in einer Zeit, in der Fins-ternis herrscht – aber das Licht schon eingebrochen ist – Licht und Fins-ternis vertragen sich nicht. Sie schließen jeweils das andere aus. Wie kön-nen wir hierin leben – indem wir uns schützen mit den Gaben, die Gott uns gegeben hat.
Panzer des Glaubens und der Liebe = er schützt unsere Seele. Wir sol-len Vertrauen und Liebe im Leben wach halten. Das geschieht, indem wir im Gebet bleiben; Von Gott empfangen wir, was wir nicht in uns vorfinden und was wir nicht haben; diese Rohstoffe liegen nicht in unseren Genen – das hat Gott. Und er möchte uns damit reich versorgen.
Gott will uns Vertrauen geben: Habt vertrauen – gerade an den Stellen, an denen ihr euch sorgt; Habt vertrauen!
Wer in seinem Leben vertrauen zu Gott hat und von ihm geliebt lebt, der lebt gesund!
Die Liebe Gottes ist eine Macht, die unser Leben ausrichtet – auf Gott hin und auf den Nächsten hin. Wer liebt, der nimmt Gottes Herzensanliegen auf.
Helm der Hoffnung und des Heils - schützt unseren Geist; Wir haben eine Hoffnung, die uns niemand nehmen kann! Wir haben ein Heil, das uns jetzt schon in Besitz genommen hat! Heilsames Leben kann sich jetzt in unserem Alltag entfalten! Ich darf erwartungsvoll leben!

Wer glaubt, der wagt.
Wer liebt, der sieht seine Mitmenschen und nimmt sie ernst.
Wer hofft, gibt nicht auf.
Hoffnung ist nicht utopisch, sonder sie ist in Jesu Tod und Auferstehung verbürgt.
Wir sollen uns nicht in die vergehende Welt einbauen, wie in eine Küche ein Küchenschrank eingebaut wird – dieser Schrank kommt eben nur in einem Raum vor. Wir aber leben in dieser Welt und doch auch schon im Anbruch einer Herrschaft, von der nur derjenige etwas weiß, der Gott kennt und sich auf sein Wort einlässt.
Frage: Schirmen wir uns durch die Art und Weise, wie wir unser Leben führen, von unserem Herrn ab oder nicht? Halten wir ihn auf „Distanz“ o-der halten wir die Angebote dieser Welt auf Distanz.
Wir sollen durch eigenes Nachdenken immer wieder Wege finden, wie wir die Gegenwart Gottes den Menschen als Hoffnung bezeugen können. Un-ser eigenes Denken dürfen wir nicht aufgeben – das ist unbequem aber wichtig. Vielleicht ist es gerade deshalb so wichtig, dass wir jetzt über den Tag nachdenken, weil wir uns in der dunkelsten Jahreszeit befinden; Die Nacht wird mit zwei Zuständen verbracht: Schlaf oder Rausch; Rausch = Rasen, Zustand der Besinnungslosigkeit.

Wir werden Herausgefordert wahrzunehmen, dass wir im Anbruch des neuen Tages leben, der schon im Kommen ist und dennoch vorerst ver-borgen ist. Im Licht leben wir nur insofern, indem wir durch das Wort Got-tes in der Gegenwart seines Sohnes leben. So können wir unser Leben gestalten. So können wir von Gott her für Menschen da sein.
Gott hat uns diese Schutzgaben für unser Leben zur Verfügung gestellt. Er gibt sie. Nicht wir müssen uns schützen – wir müssen uns von Gott schüt-zen lassen. Gott, der Herr, er ist derjenige, der uns bewahrt und der für uns in dieser Welt wirkt.

Wie hieß das noch: „Freiheit heißt nicht, dass wir tun dürfen, was wir wol-len, sondern dass wir werden dürfen, was wir sollen.“ Wir dürfen die Zeit nützen, Jesus ähnlicher zu werden – das freut Gott und das weckt Hoff-nung bei den Menschen, die nicht wissen, wie es wird in ihrem Leben und in dieser „dunklen“ Welt.
Amen

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