Erlebt Gottesdienst am 19. Oktober 2008
Predigt von Roland Schindler
1 Es begab sich aber, als sich die Menge zu ihm drängte, um das Wort Gottes zu hören, da stand er am See Genezareth
2 und sah zwei Boote am Ufer liegen; die Fischer aber waren ausgestiegen und wuschen ihre Netze.
3 Da stieg er in eines der Boote, das Simon gehörte, und bat ihn, ein wenig vom Land wegzufahren.
4 Und als er aufgehört hatte zu reden, sprach er zu Simon: Fahre hinaus, wo es tief ist, und werft euere Netze zum Fang aus!
5 Und Simon antwortete und sprach: Meister, wir haben die ganze Nacht gearbeitet und nichts gefangen; aber auf dein Wort will ich die Netze auswerfen.
6 Und als sie das taten, fingen sie eine große Menge Fische und ihre Netze begannen zu reißen.
7 Und sie winkten ihren Gefährten, die im anderen Boot waren, sie sollten kommen und mit ihnen ziehen. Und sie kamen und füllten beide Boote voll, so dass sie fast sanken.
8 Als das Simon Petrus sah, fiel er Jesus zu Füßen und sprach: Herr, geh weg von mir; ich bin ein sündiger Mensch.
9 Denn ein Schrecken hatte ihn erfasst und alle, die bei ihm waren, über diesen Fang, den sie miteinander getan hatten,
10 ebenso auch Jakobus und Johannes, die Söhne des Zebedäus, Simons Gefährten. Und Jesus sprach zu Simon: Fürchte dich nicht! Von nun an wirst du Menschen fangen.
11 Und sie brachten die Boote ans Land und verließen alles und folgten ihm nach.
Ich weiß ja nicht, was Euch so zu Evangelisation einfällt – aber ich hätte hier ein paar Anregungen (packe aus meinem Rucksack aus: Vorschlaghammer, Staubwedel, Taucherbrille).
Manche meinen ja, dass Evangelisation so etwas ist wie das Hantieren mit einem Vorschlaghammer. Man hat Gottes Gericht den Menschen um die Ohren, und dann schaut man, was überlebt hat.
Andere meinen, Evangelisation ist „Schnee von gestern“. Zeltevangelisation, Chöre, Zeugnisse, lange Ansprachen – alles Dinge, die nicht mehr in unsere Zeit passen. Evangelisation ist out.
Und wieder andere gehen bei diesem Wort auf Tauchstation. Denn mit Evangelisation verbinden sie viel Arbeit. Da gibt es jede Menge zu tun. Vorarbeit, jeden Abend mit Menschen reden, Nacharbeit – Arbeit ohne Ende. Da taucht man lieber ab.
Ich finde es sehr lohnend, wenn wir heute morgen miteinander unser Bibelwort betrachten und miteinander neu entdecken, was es mit der Evangelisation auf sich hat und was dabei wichtig ist.
1. Gott evangelisiert
Ich weiß nicht, ob euch das überrascht. Aber das Evangelisieren ist Gottes Sache. Es geht ja um seine Kinder. Er liebt sie, sucht sie, geht ihnen nach, nimmt immer wieder neue Anläufe, ihr Herz zurückzugewinnen. Stellen sie sich einen Vater vor, dass Kind abends nicht nach Hause kommt. Würde er vielleicht sagen: nun, unser soziales Netz in Deutschland ist ja gut, er wird schon irgendwo aufgelesen werden und essen bekommen? Oder würde er sagen: „Mal eine Woche warten – dann werden wir weiter sehen? Oder vielleicht: „Na, ich lass mal die Tür über Nacht offen – vielleicht kommt er wieder“!
Nein – wir würden alles stehen und liegen lassen und unser Kind suchen. Wir würden alles in Bewegung bringen, damit viele beim Suchen mithelfen. Wir würden keine Ruhe geben, bis wir es gefunden haben. Wir würden keine ruhige Nacht haben, ehe wir es wieder in unsere Arme schließen können.
Liebe Freunde: Gott evangelisiert! Gott sucht seine verlorenen Kinder! Würde das an uns hängen, wäre das tragisch. Wir haben doch ständig mit uns zu tun. Wir sind mit unseren Gemeinden beschäftigt und schlagen uns mit unseren Problemen herum. Wir haben nur einen kleinen Blickwinkel. Wir übersehen viele.
Aber Gott sucht seine Kinder. Jesus zieht umher von Ort zu Ort und stellt den Menschen seinen himmlischen Vater vor – ihren Vater. Er wirbt um Vertrauen. Er klopft an und bittet: öffnet euch für Gott! Jesus hätte ja auch ein Büro in Nazareth aufmachen können. Sprechzeiten täglich von 8 Uhr bis 20 Uhr. Aber nein. Er wartet nicht auf die Menschen. Er geht los und sucht sie. Er geht durch die letzten Winkel des Landes. Er geht dorthin, wo andere einen großen Bogen herum machen. Er sucht leidenschaftlich Gottes Kinder. Er Evangelisiert. Wollen wir einen Evangelisten kennenlernen, dann müssen wir Jesus anschauen. Wollen wir wissen, was die Grundvoraussetzung dazu ist, dann brauchen wir sein Herz! Ein Herz, das leidenschaftliche Sehnsucht nach Gottes verlorenen Kindern hat.
Aber wie kommen wir nun ins Spiel?
Sofort. Denn Jesus ist wieder auf den Weg zu den Menschen und da sind ganze Massen von Menschen. Und nun geht er auf Petrus zu und sagt:
Lass mich in dein Schiff einsteigen und bring mich zu den Menschen.
2. Wir sollen Jesus zu den Menschen bringen.
Auch das ist erstaunlich. Also Gotte evangelisiert, Gottes Sohn sucht Gottes verlorene Kinder. Und nun kommt er zu Petrus und sagt: „ich möchte in dein Boot einsteigen. Rudere mich ein wenig hinaus. Dann kann ich wunderbar zu den Leuten reden. Dann hören sie mich gut.“
Warum macht Jesus das? Er könnte doch auch über das Wasser laufen. Echt, das könnte er. Ist er doch in einer anderen Geschichte auch – hat sogar den Petrus versucht zu erklären, wie das funktioniert – aber lassen wir das. Also, Jesus braucht doch den Petrus gar nicht. Jesus könnte über das Wasser gehen. Das wäre viel Publikumswirksamer. Da hätte er die Aufmerksamkeit der Leute. Da wären die Augen groß, der Mund auf und die Ohren gespitzt.
Aber Jesus verzichtet darauf. Er sagt: Petrus, bring mich in eine gute Position.
Liebe Freunde, Jesus kommt zu uns, zu dir und zu mir und er fragt: Lässt du mich in dein Lebensboot einsteigen und bringst du mich bitte zu deinen Nachbarn, zu deinen Freunden, zu den Menschen, mit denen du zusammenarbeitest, zu denen, an die du denkst, zu denen, die sich um dich kümmern. Ich möchte sie durch dich zu Gott einladen!
Liebe Geschwister – das ist die Frage! Wollen wir das? Sind wir dazu bereit! Nehmen wir Jesus mit in unseren Alltag, in unsere Begegnungen und in unsere Beziehungen!?
Jetzt ist es sehr wichtig, dass wir nicht den ersten Punkt vergessen. Jesus evangelisiert! Nicht wir! Jesus ist derjenige, der die Leidenschaftlichkeit hat und die Liebe und er findet auch den rechten Ton. Jesus ist Fachmann in Sachen „Anklopfen“!
Also: Du sollst Jesus zu den Menschen in deiner Umgebung tragen und ihm Raum geben, dass er durch dich reden kann. Sei dafür offen! Erlaube es ihm! Bitte ihn, dass du ein Gespür dafür bekommst, was von Jesus her zu sagen und zu tun ist!
Und nun zum dritten: worum geht es bei der Evangelisation?
3. In der Evangelisation geht es darum, dass die Menschen den Fang ihres Lebens machen und in Jesus Gott erkennen.
Das ist jetzt ein bisschen lang – aber das werden wir schon Stück für Stück auflösen. Also, die Geschichte mit dem Fischfang ist eigentlich dazu da, dass Petrus erkennt, worum es überhaupt geht. Deshalb sagt er völlig unvermittelt: „Fahre hinaus, wo es tief ist, und wirf die Netze aus!“ Eigentlich scheint Jesus wirklich nicht vom Fach zu sein, denn so fängt mein keine Fische. Nicht um die Zeit und nicht an dem Ort!
Aber Petrus sagt etwas, das auch wir nie vergessen sollten: „Auf dein Wort hin will ich das tun!“
Und nun geschieht Ungeheueres! Es zappelt, es zischt, das Wasser kocht – Fische über Fische. Sie machen den Fang ihres Lebens!
Petrus könnte ja nun auch folgendes machen; er könnte sagen: „Also Jesus, das war schon nicht schlecht. Ich schlage vor: Morgen, gleiche Zeit, gleicher Ort! Was hältst du davon, wenn wir beide ins Geschäft kommen. Ich fahr dich ab und zu und du machst wieder den Trick mit den Fischen!“ Aber das tut Petrus nicht!
Petrus geht in die Knie. Petrus sieht in diesem Jesus nicht einen optimalen Geschäftspartner sondern den lebendigen Gott. Und Petrus erkennt in diesem Augenblick wer er selbst ist. Und er schließt völlig richtig und sagt: „Herr, geh weg von mir, ich bin ein sündiger Mensch!“
Petrus erkennt: wir passen nicht zusammen. Das geht nicht gut. Das überlebe ich nicht. Ich bin so weit von dir weg. Ich habe mich getrennt. Ich lebe nicht mehr in deinen Lebensordnungen. Ich habe schlimme Gedanken. Ich habe manches in meinem Leben vermasselt - auch im Leben anderer. Nein – ich bin ein sündiger Mensch!
Doch diese Geschichte erstaunt auf Schritt und Tritt. Denn Jesu sagt: „Du Petrus, komm mit mir, ich möchte dich zu meinem Teilhaber machen und du sollst nun in meinem Auftrag Menschen dazu helfen, dass sie den Fang ihres Lebens machen!
Darum geht es: Menschen sollen den Fang ihres Lebens machen und in dem Erzählen und Berichten über Jesus ihm plötzlich begegnen und in ihm den lebendigen Gott erkennen, der sie wieder ins Leben zurückbringt und in seine Gemeinschaft einlädt.
Das ist Evangelisation!
Liebe Geschwister, wir werden zusammen mit anderen Gemeinden in der Evangelischen Allianz ProChrist veranstalten. Gott sucht seine Kinder! Stellt euer Leben zur Verfügung, damit er durch euch bei Menschen anklopfen kann. Sie sollen sich im öffnen dürfen. Sie sollen den Fang ihres Lebens machen!
Amen
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