Hesekiel 18, 1-4.21-24.30-32
Liebe Gemeinde,
Sprichwörter kennen wir alle. Sprichwörter, die wir in unserem Alltag nutzen und die dann eine bestimmte Situation mal mehr und mal weniger gut widerspiegeln. Ich hab mal im Internet recherchiert und ein paar Sprichwörter rausgeschrieben und für heute mitgebracht. Da habe ich Sprichwörter gefunden wie:„Trocken Brot macht Wangen rot.“ - ist wohl eine gute Nachricht für die von uns, die gerne Brot mögen. „Ehrlich währt am längsten.“ „Hunger ist der beste Koch.“ - was auch immer das bedeuten mag. Eine gute Nachricht für diejenigen von uns, die öfters mal mit Bronchitis zu kämpfen haben: „Wer lang hustet, wird alt.“ „Jeder ist seines Glückes Schmied.“ „Der Ehrliche ist immer der Dumme.“ Sicherlich kann man diese Reihe noch beliebig lang fortsetzen. Wir könnten vermutlich auch eine Runde machen mit dem Thema: Wer kennt die meisten oder die lustigsten oder die besten Sprichwörter. Aber ich glaube, die genannten Beisiele reichen für's erste.
Wie auch immer, schon an den Sprichwörtern, die ich gesagt habe, kann man eine Sache deutlich erkennen: Nicht immer haben Sprichwörter auch recht, denn schon allein in den von mir aufgeführten Sprichwörtern waren zwei, die sich grundsätzlich widersprechen. Ich gehe jetzt einfach mal davon aus, dass ihr noch frisch und aufnahmefähig seid und gut aufgepasst habt. Dann habt ihr sicherlich auch gemerkt, welche das waren. Da heißt es zum einen: „Der Ehrliche ist immer der Dumme.“ und zum anderen „Ehrlich währt am längsten.“ So, für welche Variante sollte ich mich nun entscheiden? Es können ja nicht beide gleichzeitig gelten, denn sie widersprechen sich ja. Und wenn wir mal auf unsere Erfahrungen blicken, dann können wir sicherlich Beispiele für beide Varianten finden: Auf der einen Seite gibt es bestimmt Situationen, in denen man ehrlich war, obwohl es vielleicht leichter gewesen wäre, nicht ehrlich zu bleiben. Und am Ende hat man gemerkt: Ja, es hat sich ausgezahlt, ehrlich zu bleiben. Es war genau richtig so. Am Ende hat mir Gott duch meine Ehrlichkeit zum Recht verholfen. Aber auch die andere Variante haben die einen oder anderen von euch sicher schon erlebt: Nämlich dass man ehrlich war, und deswegen einiges an Nachteilen in Kauf nehmen musste und man sich letztlich vielleicht fragt: Warum bin ich so blöd und bleibe ehrlich? Wir merken, bei diesen Sprichwörtern kommt es oft, wie bei so vielem anderen auch, auf die Situation und auf unseren Blickwinkel an.
Aber warum erzähle ich überhaupt so viel über Sprichwörter heute morgen? Natürlich gibt es dafür einen Grund. Denn unser Predigttext für heute beginnt auch mit einem Sprichwort, das damals in Israel gängig und gebräuchlich war. „Die Eltern haben saure Trauben gegessen und den Kindern werden die Zähne stumpf.“ In anderen Worten: Die Suppe, die sich die Eltern eingebrockt haben, müssen die Kinder auslöffeln. Das Sprichwort, sowie der Rest des Predigttexts, beschäftigen sich mit der Frage, worauf es eigentlich ankommt. Worauf kommt es an bei einem gelingenden Leben mit Ewigkeitswert? Wer oder was stellt die Weichen dafür, wie es mir geht? Wer ist für mein Ergehen verantwortlich? Genau wie eben bei den Beispielen von Sprichwörtern wird auch die Frage gestellt: Stimmt das Sprichwort überhaupt? Sieht die Realität so aus, wie es das Sprichwort besagt, oder ist es doch ganz anders? Anhand des Predigttextes möchte ich auf diese Frage drei Antworten geben. Aber das kommt erst im zweiten Schritt. Zunächst einmal möchte ich mit uns gemeinsam die Situation etwas genauer betrachten, in die hinein der Text ursprünglich gesprochen wurde.
Der Text ist um 590 v. Chr. entstanden. Und diese Zeit war eine für Israel sehr sehr schwierige Zeit. Wenn wir uns die Geschichte Israels genauer ansehen, werden wir auch verstehn, warum. Ich lade uns ein, eine kleine Zeitreise zu machen, zurück in das Jahr 597 v. Chr. Anfang des Jahres stirbt nämlich der König Jojakim, der bis dahin amtierende König Israels im Alter von 36 Jahren. Jojakim hatte sich in seiner Regierungszeit nicht nach dem Willen Gottes gerichtet, sondern mehr oder weniger getan, was ihm gut und richtig erschien, und was dazu diente, seine Macht möglichst noch zu erweitern. Er hatte sich auf ein Bündnis mit den Ägyptern eingelassen und verlangte vom Volk Israel hohe Steuern und Abgaben. Die gab er dann an den Pharao weiter. 11 Jahre lang war er König gewesen. Dann starb er und sein Sohn Jojachin [Puh, schwierig mit diesen ganzen Namen, die immer so ähnlich klingen...] wird König. Immerhin 18 Jahre ist er alt, als er König von Israel wird! Wie das oft der Fall ist, wird die politische Lage Israels durch den Wechsel ein wenig instabil. Der alte König ist gestorben, und vermutlich genau diese Situation ist ausschlaggebend für König Nebukadnezar, den König von Babylon, einen Feldzug gegen Israel zu starten. Er und sein Heer belagern Jerusalem und nach Angaben der babylonischen Chronik gelingt es ihnen am 16. März 597 v. Chr. Jerusalem einzunehmen. Der Tempel wird geplündert, von den Israeliten werden hohe Tributzahlungen gefordert. 10.000 Menschen – und zwar überwiegen die Jerusalemer Oberschicht, inklusive dem König Jojachin in seiner Familie, werden gefangen genommen und nach Babylon verschleppt und sie müssen im Exil in Babylon, weit weg von zu Hause, leben. Die Lage ist katastrophal, die Verhältnisse nicht besonders gut, die Hoffnung nicht besonders groß. Die Frage, warum Gott eine solche Katastrophe an seinem Volk zu lässt, stellt sich denjenigen, die verschleppt wurden. Ihre Antwort: Unsere Eltern haben uns die Suppe eingebrockt. Sie haben nicht auf Gottes Gebote gehört und danach gelebt. Und als Strafe dafür wurden wir nun in Exil verschleppt. Wir können an dieser Situation sowieso nichts ändern.
Zu den Verschleppten gehört auch der Prophet Hesekiel. Er lebte mitten unter ihnen in Tel-Abib im östlichen Babylon und spricht in dieser schwierigen Lage als Prophet immer wieder zum Volk Israel. Durch ihn redet Gott persönlich zum Volk und lässt seinen Willen ausrichten. Ich möchte euch den Predigttext jetzt noch einmal vorlesen, und ich lade euch ein, dass ihr einmal versucht, euch vorzustellen, ihr wärt die ersten Hörer – ihr wärt das Volk Israel, das von einem fremden Volk besiegt und verschleppt wurde und das nun weit weg von zu Hause leben muss. Und weiter, dass ihr das Volk wärt, das mit der Auffassung lebt, dass man an der Situation sowieso nichts ändern kann, da es ja unsere Vorfahren waren, die dafür verantwortlich gemacht werden können und müssen. Was sagt der Text zu dieser Auffassung?
Ich lese nochmal aus Hesekiel 18 die Verse 1-4. 21-24 und 30-32.
Was sagt uns dieser Text nun darüber, worauf es ankommt in Bezug auf ein gelingedes Leben?
Es kommt auf mich an, nicht auf meine Herkunft, meine Vorfahren etc.
Zunächst einmal räumt Hesekiel grundlegend mit der Auffassung auf, dass jeder Mensch seinem Schicksaal ergeben ist, da man die Konsequenzen der Schuld der Elterngeneration tragen muss. Er zitiert das Sprichwort, das in Israel populär ist. Ein Sprichwort, das jedem die Möglichkeit gibt, sich auf seiner persönlichen Situation auszuruhen. Ein Sprichwort, das lähmt, anstatt Mut zu machen zum Handeln: „Die Eltern haben saure Trauben gegessen, den Kindern werden die Zähne stumpf!“ Tja, wir sind hoffnungslos unserer Situation ergeben. Wir können eh nichts ändern - NEIN!!! So soll es gerade nicht mehr sein in Israel. Bitte, bitte, hört doch endlich auf, das immer und immer wieder zu sagen. Nur wer sündigt soll sterben. Nicht der, dessen Eltern oder Großeltern gesündigt haben. Jeder muss die Konsequenzen für sein Handeln, aber auch nur für sein Handeln tragen. Nicht für die Verfehlungen seiner Vorfahren. Jedem ist die Chance zu eigenen Entscheidungen eröffnet.
Zunächst ist dabei im Text an die Wahl zwischen Sünde und der Konsequenz Tod und Gerechtigkeit mit der Konsequenz Leben gedacht. Jeder kann selber entscheiden, ob er in Sünde, also getrennt von Gott leben, und dafür den ewigen Tod in Kauf nehmen möchte. Oder aber, ob er sein Leben an Gottes Wort und nach seinen guten Geboten richten und dafür Leben, richtiges, gutes, ewiges Leben bekommen möchte.
Wenn das alte Testament jedoch von Tod und Leben redet, sind diese Begriffe weiter gefasst, als wir sie heute verstehen: Leben beschreibt hier nicht nur den physischen Zustand „lebendig“ - also: kann atmen, sich bewegen, das Herz schlägt, sondern Leben bedeutet ein von Gottes Geist erfülltes Leben. Ein Leben, das von Gott her kommt – von dem, der es geschaffen hat, und der allen Dingen ihren Lebensatem gibt. Wer versucht, sein Leben selber in die Hand zu nehmen und getrennt von Gott lebt, der ist nach alttestamentlichem Verständnis auch dann schon tot, wenn er physisch noch lebt.
Das bedeutet, dass sich die Frage nach Tod oder Leben nicht nur auf die Zukunft, also ewiges Leben und ewigem Tod, erstreckt, sondern auch auf viele andere Bereiche meines Lebens. Volk Israel, ergebt ihr euch den widrigen Umständen eurer Gefangenschaft, oder macht ihr euch auf, um euer Leben trotz all dieser schlechten Voraussetzungen zu gestalten? Wenn das Volk Israel aus seiner Lähmung erwacht, wird unter ihnen ein Umdenken geschehen. Leute werden beginnen, Verantwortung zu übernehmen, zu Handeln, und Leben zu gestalten.
Was bedeutet das in unsere Situation hinein gesprochen? Wir sind ja schließlich nicht im Exil in Babylon sondern leben hier und heute. Aber die Botschaft ist, davon bin ich überzeugt, für uns genauso aktuell wie für das Volk Israel damals. Unsere Beziehung zu Gott ist nicht abhängig von unserer Herkunft. „Gott hat keine Enkelkinder“, um hier nochmal ein weiteres Sprichwort zu zitieren. Jeder Mensch ist selber verantwortlich für seine Haltung Gott gegenüber. Jeder Mensch hat die Freiheit, sein Leben mit und von Gott her zu gestalten oder auch getrennt von ihm. Und das, was für meine Beziehung zu Gott gültig ist, gilt auch hier für die Gestaltung meines Lebens allgemein. Jeder Mensch hat die Freiheit, sein Leben zu gestalten oder eben auch nicht.
Ich denke, dass es in vielerlei Hinsicht doch Situationen gibt, wo wir vielleicht ähnlich denken, wie das Volk Israel. Wo wir vielleicht die Umstände dafür verantwortlich machen, dass es uns eben nicht besser geht oder dass wir nicht in der Lage sind, unser Leben aktiv zu gestalten oder Missstände zu ändern. „Ich bin eben so geprägt.“ „Meine Eltern haben es mir nicht anders mitgegeben.“ „Das war doch schon immer so. Wie sollte ich es ändern können?“
Sicherlich gibt es Dinge, die jeder von uns mit sich herum trägt, für die er nichts kann, die ihm andere Menschen – seine Eltern, Erfahrungen oder was auch immer mitgegeben kann. Dinge, die wir nicht so einfach abschütteln können. Aber trotzdem, so möchte ich jetzt sagen, lautet die Frage, und gleichzeitig die Entscheidung, vor die wir immer wieder gestellt werden: Nehme ich meine Situaiton als unveränderlich an, oder begreife ich mein Leben als Geschenk von Gott, dass ich gestalten kann? Gott eröffnet uns die Perspektive unser Leben in dem Rahmen, den er uns gesteckt hat, aktiv und bewusst zu gestalten. Dieser Gedanke begeistert und motiviert mich. Er fordert mich heraus, Chancen wahrzunehmen und zu nutzen.
Mehr als jede andere Generation vor uns haben wir heute unendlich viele Optionen, zwischen denen wir wählen können. Möchte ich diesen oder jenen Beruf lernen. Meine Arbeitsstelle behalten oder nach ein paar Jahren wechseln? Eine Fortbildung machen? In den Urlaub hier oder da hin zu fahren? Meine Zeit zu Hause zu verbringen oder lieber mit Freunden? Oder doch lieber ein neues, ganz ausgefallenes Hobby auszuprobieren? In mancherlei Hinsicht mag uns das lähmen, da wir gar nicht wissen, wie wir uns entscheiden sollen. Aber wir dürfen lernen, diese Optionen als Chancen und Angebote von Gott her zu begreifen unser Leben zu gestalten. Es kommt nicht in erster Linie nur auf das an, was mir mitgegeben wurde, sondern auf mich. Ich trage die Verantwortung für mein Leben – im Hinblick meiner Einstellung Gott gegenüber und im Hinblick auf meine Lebengestaltung. Lasst uns immer wieder lernen, das als Chance wahrzunehmen.
Gottes Wille ist Leben für alle
Vielleicht ist dieser erste Gedanke, den ich ausgeführt habe, nicht für jeden von uns so motivierend, wie er für mich ist. Vielleicht weckt er in dem einen oder anderen von uns auch eine Angst: „Was ist, wenn ich mein Leben nicht richtig gestalte? Was passiert, wenn ich Fehler mache? Auch wenn ich nicht die Verantwortung für die Sünden meiner Eltern und Großeltern übernehmen muss, meine eigenen Sünden reichen doch sicherlich schon aus, um mich ins Aus zu befördern!“ Vielleicht sind es solche Gedanken, die uns wiederum lähmen wollen, und abhalten wollen, das Potenzial, das Gott in uns hinein gelegt hat, auszuschöpfen.
Aber wenn es uns so geht, dann gibt es in dem Text auch eine gute Nachricht für uns: Gott geht es nicht darum, gefühllos und kalt Gerechtigkeit aufzurichten. Nach dem Motto: Wenn du gut gehandelt hast, hast du Glück gehabt. Sonst hast du eben deine Chance vertan. So ist Gott nicht. Nein, sein Wille ist Leben für alle Menschen, und zwar gutes und gelingendes Leben. In Vers 23 heißt es: „'Glaubt ihr', fragt Gott der Herr, 'dass ich mich über den Tod eines gottlosen Menschen freue? Ich freue mich vielmehr darüber, wenn er sein Verhalten ändert und am Leben bleibt.'“ Dieser Ansatz zieht sich durch die ganze Bibel hindurch. Gottes Wille ist Leben für seine Menschen, nicht der Tod! Er hat eine tiefe Sehnsucht danach, mit uns Leben zu gestalten. Und nicht nur mit uns, sondern mit allen Menschen. Und dabei möchte er uns auch helfen.
Um noch einmal mit dem Sprichwort vom Anfang zu sprechen: Die gute Nachricht liegt nicht nur darin, dass uns die Zähne nicht stumpf werden von den sauren Trauben, die unsere Eltern gegessen haben. Nein, sondern sie geht noch weit darüber hinaus. Nach Gottes Logik müssen unsere Zähne noch nicht einmal von den Trauben stumpf werden, die wir selber essen. Denn Gott will Leben. Aber wie soll das aussehen? Der Trick, so möchte ich sagen, um stumpfe Zähne zu vermeiden, ist gleichzeitig mein dritter Punkt: Es geht um die Umkehr. Darum, sich einzugestehen, dass man falsch gehandelt hat und einen neuen Anfang zu wagen.
Die Herausforderung für mich: Mich täglich neu zu Gott stellen
Die Möglichkeit zur Umkehr ist täglich neu gegeben. Jederzeit bin ich dazu eingeladen und aufgefordert, mich neu zu Gott zu stellen, um Vergebung für meine Sünden zu bitten und einen neuen Anfang zu machen. Die einmalige Bekehrung zu Gott hin, oder der einmalige Vorsatz, mein Leben nach Gottes Maßstäben zu gestalten, ist noch lange keine Garantie dafür, dass das auch immer so bleibt, sondern unser Glaube und unser Leben mit Gott ist ein lebenslanger Prozess. Eine einmalige Entscheidung von uns kann nie eine Garantie dafür sein, dass von nun an mein gesamtes Leben in den Bahnen nach Gottes Ordnungen ablaufen wird. Nein, sondern es ist viemehr höchst wahrscheinlich, dass wir immer wieder Dinge tun, die nicht dem Willen Gottes entsprechen. Mir geht es oft so. Da habe ich mir vorgenommen, das nächste Mal doch ganz bestimmt geduldiger zu sein in einer bestimmten Situation. Und dann kommt diese Situation und ich merke: Ich habe es schon wieder icht geschafft. Anstelle einen Konflikt in Ruhe anzugehen werde ich wütend, rege mich auf und der Streit ist vorprogrammiert. Es gibt auch Punkte, in denen ich tatsächlich vorwärts komme und es schaffe, Dinge anders zu machen. Aber es gibt in meinem Alltag genug Stolperfallen, die sich mir immer und immer wieder in den Weg stellen. Ich gehe jetzt einfach mal davon aus, dass es euch da ähnlich geht. Deswegen ist meine täglich neue Entscheidung für Gott und für ein Leben nach seinen Vorstellungen gefragt.
Für das Volk Israel hat dieser Punkt noch einmal eine ganz andere Brisanz: Sie sind in einer sehr schwierigen Lage. Und gerade da sind sie dazu aufgefordert, ihre missliche Lage nicht als Strafe Gottes zu sehen, sondern als Chance zu Umkehr und Erneuerung. Denn Gottes Wille, gelingendes Leben zu schenken, bleibt auch in und trotz schwierigen Umständen bestehen. Dies können wir, davon bin ich überzeugt, auch auf unser Leben und auf unsere schwierigen Situationen übertragen. Sehen wir sie als unglaubliche Last an oder vielmehr als Chance zur Umkehr? Dieses Wochenende hatte ich Besuch von einer guten Freudin von mir. Abends kamen wir ins Gespräch über eine Zeit in ihrem Leben, die für sie sehr schwierig war – in der in ihrem Herzen viele Verletzungen stattgefunden haben und vieles kaputt gegangen ist. Als ich sagte, wie leid mir das tut, und dass ich, wenn ich nur irgend könnte, verhindern wollte, dass es weiteren Menschen so geht wie ihr in dieser Situation, sagte sie zu mir: „Nein Cordi. Weil die Zeit war, auch wenn sie hart war, gut. Ich habe viel gelernt. Sicher hätte ich es auch anders lernen können, aber Gott hat diese Zeit genutzt, um an mir zu arbeiten und mein Herz zu schleifen und um mich ihm näher zu bringen.“ Ich habe nicht schlecht gestaunt, aber ich glaube, dass es genau darum geht: Auch schwierige Zeiten als Chancen zu begriefen. Und wenn wir beginnen, sie positiv zu sehen, dann kann jede Zeit zur Segenszeit werden, wenn ich sie nutze, um in meinem Herzen neu umzukehren zu Gott hin. Nocheinmal kommt hier also der Punkt vom Anfang zum Tragen: Es kommt auf mich und meine Entscheidugen an, und nicht in erster Linie auf die Umstände, in dene ich mich wieder finde.
Martin Buber hat einmal gesagt: „Die Schuld des Menschen ist, dass er in jedem Augenblick die Umkehr tun kann – und nicht tut.“ Wie Recht hat er mit diesem Satz! Umzukehren, und mir vor meinem Gegenüber und vor Gott einzugestehen, dass ich falsch lag, ist oft nicht einfach. Deswegen ist es von großer Bedeutung, mich immer wieder neu vor Gott zu prüfen, Dinge in Ordnung zu bringen, Vergebung zu erfahren, mich neu auszurichten. Und das täglich. Die Verheißung für eine Umkehr ist toll: Gott verheißt uns Leben. Und nicht nur irgendeins, sondern Leben mit einer göttlichen Qualität.
Am Beispiel von Hesekiel können wir drei Dinge sehen, auf die es ankommt: Zunächst einmal, dass jeder von uns für sein Leben und seine Beziehung zu Gott selbst verantwortlich ist. Im zweiten Schritt aber, dass Gottes Wille Leben für alle Menschen ist und als drittes, dass es entscheidend ist, mich täglich wieder neu zu Gott zu stellen und so mein Herz verändern zu lassen. Lasst uns deshalb uns immer wieder neu zu Gott hinwenden, weil wir wissen, dass sein Wille ein erfüllendes Leben für uns und alle Menschen ist.