Montag, 21. Juli 2008

20.07.2008 Wissen, worauf es ankommt!

1. Petrus 4, 7-11

Predigt in Lobetal von Roland Schindler

7 Es ist aber nahe gekommen das Ende aller Dinge. So seid nun besonnen und nüchtern zum Gebet.

8 Vor allen Dingen habt untereinander beständige Liebe; denn „die Liebe deckt auch der Sünden Menge“ (Sprüche 10,12).

9 Seid gastfrei untereinander ohne Murren.

10 Und dient einander, ein jeder mit der Gabe, die er empfangen hat, als die guten Haushalter der mancherlei Gnaden Gottes;

11 Wenn jemand predigt, dass er´s rede als Gottes Wort; wenn jemand dient, dass er´s tue aus der Kraft, die Gott gewährt, damit in allen Dingen Gott gepriesen werde durch Jesus Christus. Sein ist die Ehre und Gewalt von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen.

Das Ende aller Dinge ist nahe gekommen – so seid nun besonnen und nüchtern – nun, dass ist beileibe nicht selbstverständlich, dass der Mensch dann besonnen handelt. Vor kurzem las ich folgendes: Ein älterer Fußballfan von Arminia Bielefeld war lange krank und bekam die ärztliche Auskunft, dass er nicht mehr sehr lange Zeit hätte. Daraufhin kündigte dieser Fan seine Mitgliedschaft bei Arminia Bielefeld und beantragte gleichzeitig eine Mitgliedschaft beim FC Bayern München. Seine Kumpels waren entrüstet, wie man so etwas tun könne. Daraufhin der Mann: „Wieso? Es ist doch besser, es stirbt einer von denen als einer von uns!“

Wie gesagt – es ist nicht gesagt, dass man unbedingt besonnen und nüchtern handelt, wenn es zu Ende geht.

Wir aber werden heute morgen herausgefordert, besonnen zu handeln und nüchtern zu entscheiden – wir sollen wissen, worauf es ankommt! Petrus sagt: „Es ist nahe gekommen das Ende aller Dinge“. Das Wort, das Petrus hier für „Ende“ benützt, bedeutet gleichzeitig auch „Ziel“ – und es scheint mir besser wiederzugeben, worum es hier geht. Gott macht kein Ende der Dinge, sondern Gott kommt mit den Dingen zum Ziel. Gott wirkt auf seine Verheißungen, auf seine Zusagen zu. Gott gleitet nichts aus der Hand – zielorientiert und bewusst führt er die Weltgeschichte.

Albert Einstein sagte einmal das berühmte Zitat: „Gott würfelt nicht!“ Er war in der Diskussion mit seinem Freund, dem Naturwissenschaftlicher Max Born über die Quantenmechanik – dabei ging es einen Teilbereich, für den er eine Zufallstheorie entwickelt hatte. Einstein protestiert. Gott schafft klare Ausgangspunkte. Die Naturgesetze gelten verlässlich. Und gibt es einmal eine Ausnahme, dann bestätigt diese die Regel. Nein, Gott ist kein Glücksspieler und die Welt fährt nicht „Geisterbahn“ – Petrus sagt: Wir befinden uns auf der Zielgeraden!

Also, weil das Ziel der Zeit nahe kommt, sollen wir dementsprechend handeln – und zwar besonnen und nüchtern. Besonnen meint die Ausrichtung unseres Denkens und Sinnens auf dieses Ziel der Zeit, das damit gesetzt ist, dass unser Herr wieder kommt. Und das geht Hand in Hand mit einer geistlichen Übung: dem Fasten und Beten. Das Fasten dient dem bewussten Gestalten eines Freiraumes für das Gebet. Ich möchte ihnen diese geistliche Übung aufs Herz legen: Fasten und Beten sind Freunde eines besonnenen Lebensstils. Wir sollen klug sein und wissen, worauf es ankommt. Gebetet wird nicht zufällig – es wird bewusst gebetet oder es wird nicht gebetet. Und das Gebet hilft, dass wir einen klaren Blick für die Dinge in dieser Welt bekommen und auch für unser eigenes Leben. Das Gebet führt uns vor den lebendigen Gott und wir bekommen damit etwas Abstand – das schärft den Blick. Nicht sofort – aber das ist zu üben. Also, lassen sie uns das Gebet üben!

Praktisch: einen fernsehfreien Abend; oder einen Fastentag im Monat; vielleicht verabredet mit einem Freund oder einer Freundin. Gemeinsames Gebet und Bibellesen. Entscheiden sie sich dafür und gehen sie entschlossen vor, sonst verkommt diese hilfreiche Gabe des Gebetes zu einem Nebenjob für Notfälle!

Weil das Ziel der Zeit nahe kommt, sollen wir die Zeit wertschätzen und nützen, anstatt sie zu vergeuden. Diese Zeit ist kostbar! Diese Zeit gilt es zu gestalten und für Gott so einzusetzen, dass er geehrt und gelobt wird. Man soll erkennen, was für ein wunderbarer Gott um seine Menschen ringt!

Dieser nüchterne Lebensstil fordert uns zu drei klaren Handlungen auf:

1. Öffnet euere Herzen

Wir sind herausgefordert, untereinander eine „beständige“ Liebe zu haben. Die Liebe zum nächsten soll nicht nur von guten Ansätzen geprägt sein, sondern von einer durchhaltenden Kraft. Liebe hält Spannungen aus. Liebe geht einen Weg mit – auch wenn es spannend wird. Die Liebe Gottes ist kein Freund von Scheidungen. Die Liebe Gottes soll bei uns gefunden werden. Es kann nicht sein, dass Gemeinde von der Liebe Gottes redet aber man dann bei den einzelnen Gemeindegliedern nichts davon erfährt.

Die Liebe Gottes soll also so trainiert werden in unserem Gemeindealltag, dass daraus eine nachhaltige, prägende und tragfähige Herzenshaltung erwächst. Das Interesse am andern soll nicht zu Ende sein, wenn man daheim ist. Man bleibt im Gebet mit ihm verbunden. Wenn man von einer schwierigen Situation wissen, dann führt das immer wieder zur Begegnung und dazu, den andern in dieser Phase nicht alleine zu lassen.

Unser Diakonieprojekt ist nichts anderes als eine gute Gelegenheit, die Liebe Gottes in dieser konkreten Hinwendung zu den älteren Geschwistern unserer Gemeinde und den älteren Menschen in unserer Nachbarschaft zu üben.

Weil Gottes Liebe kein Gefühl ist sondern Kraft und Treue, ist es unerlässlich, diese Liebe immer wieder neu aufzunehmen. Das geschieht im Gebet, dem Bibellesen und beim Singen oder Beten von Chorälen und Psalmen. Diese Liebe ist tragfähig – man kann anderen in ihrer Not beistehen und sie umsorgen. Man kann helfen und trösten. Und dabei wird man nicht ausbrennen und selbst den Boden unter den Füssen verlieren, denn diese Liebe wird gefüllt aus dem Herzen Gottes – groß wie ein Ozean und unerschöpflich!

Übrigens: Das Vorhandensein nachhaltiger Liebe wird ein Echtheitszeichen unserer Gemeinde sein.

2. Öffnet euere Häuser

Jetzt wird es interessant. Wir meinen ja oft, wenn die Dinge im Herz angekommen sind, dann sind sie in der Tiefe und am Ziel. Nein – wenn sie aus dem Herzen herauskommen, dann kommt diese Liebe zum Ziel! Die Liebe Gottes will gestalten und wirken in unserem Leben. Sie würde in unserem Herzen versickern. Sie würde es in unserem Herzen nicht aushalten.

Liebe will gestalten. Sie will die Türen öffnen. Offene Herzen wirken geöffnete Türen. Das verleiht gleichzeitig den offenen Herzen Glaubwürdigkeit. Denn was sieht man von einem geöffneten Herzen? – erst einmal wenig. Gut, da wird man auf andere zu gehen und ihnen begegnen, sich mit ihnen unterhalten und nach dem Ergehen erkundigen.

Aber erst die geöffneten Türen sind sozusagen der Echtheitserweis eines offenen Herzens.

Damals war Gastfreundschaft etwas Wesentliches. Man war unterwegs und man war angewiesen auf diese Möglichkeit der Einkehr, des Schutzes und der Erfrischung. Viele Pilger wollten nach Jerusalem – auf dem Weg benötigten sie gastfreundliche Leute. Eine akute Notlage konnte sich einstellen – auch da sollte man die Türe öffnen.

Wie könnte Gastfreundschaft bei uns heute aussehen? Was bedeutet Gastfreundschaft im Zeitalter von Auto, Wohnwagen, Billighotels, rund-um-die-Uhr geöffnete Läden und Pannenhilfe?

- offene Türen für Menschen, die Hilfe benötigen und bei ihnen klingeln; lassen sie sich stören beim Fernsehen oder beim Hausputz – öffnen sie und helfen sie

- offene Türen für Fremde; In unserem Land leben viele Menschen aus anderen Kulturen – laden sie ab und zu einen Fremden ein; Zeigen sie ihm etwas von der Herzlichkeit der Deutschen, von der Backkunst und der Kaffee- oder Teezubereitung. In unserem Land baut man immer stärkere Mauern zu Fremden. Politische und kommunale Projekte werden das Problem eines spannungsgeladenen Miteinanders nicht in den Griff bekommen. Seien sie gastfrei!

- offene Türen für Notleidende: Wem kann ich einmal in der Woche zum Essen einladen…

Der Sonntag wäre ein sehr guter Tag, sich Zeit für Menschen zu nehmen. Beginnen sie bewusst damit, gastfreundliche Menschen eines gastfreundlichen Gottes zu sein.

3. Öffnet euere Begabungen

Das Zentrum ist damit aber noch nicht erreicht. Es geht noch tiefer. Es wird noch eindeutiger, was mit dem offenen Herzen und der beständigen Liebe gemeint ist. Die Häuser öffnen, das ist eine wichtige Konkretion. Aber wir sollen nicht nur die Stullen daheim auspacken – wir sollen unsere Begabungen untereinander auspacken und sie füreinander einsetzen. Jeder von uns ist ein begabter Mensch. Setzen sie ihre Begabungen ein!

Das ist keine Bitte an dieser Stelle – das ist ein Befehl! Unser Gott stellt es nicht in unser Belieben, was wir mit unseren Gaben und Fähigkeiten machen.

Heute geht es vielen Menschen in unserem Land leider nur um gute Unterhaltung. Irgendwie gut unterhalten zu werden, das ist wünschenswert. Bitte verstehen sie mich nicht falsch – nichts gegen einen netten und unterhaltsamen Abend. Aber doch nicht ständig! Wer sich nur noch unterhalten lässt, der beschränkt sich aufs Konsumieren. Dabei verkümmert aber das Leben! Dabei übt man nicht mehr seine Begabungen und trainiert nicht mehr seine Fähigkeiten. Hier lernt man nichts mehr dazu. Und wir wissen – wo sich nichts mehr entwickelt, dort verwickelt man sich in so viele Dinge und wird gefangen, träge und müde.

Wir sind nicht da, uns gut zu unterhalten. Wir sind dazu da, andere zu halten, zu unterstützen, zu stärken und zu fördern. Und bei dabei werden wir selbst erfüllt und erfrischt, gestärkt und entwickeln eine unverkennbare Persönlichkeit.

In den letzten drei Predigten ging es eigentlich immer um das selbe Thema: Ein Christ ist ein Diener Gottes, der sich von Gott dienen lässt, und der sich dann damit anderen Menschen zuwendet.

Man dient entweder Gott oder man dient anderen Mächten. Also – bringen sie ihre Gaben ein – in die Gemeinde, in die Nachbarschaft, in die Ehe, in die Begegnungen mit Menschen.

Und wenn wir von Gott her den Menschen dienen, dann geht das immer gleich ab: Gott gibt, wir geben weiter! Das ist so klasse! Da wird man nie ärmer! Da wird man nie leer! Da wird man nie einsam!

Wer predigt – der muss sich vorher von Gott selbst sagen lassen, was zu sagen ist! Er gibt nur weiter, was er selbst zuerst hört. Er fordert auf zu tun, was er vorher selbst zu tun beginnt!

Wer so dient, der dient mit Kraft – mit Gottes Kraft! Hier kommt Gott zum tragen, denn wenn ich mich nicht tragen lassen, dann komme ich im Dienen nicht weit. Ich brauche Gott ständig!

Wenn man ständig Gott braucht, dann wird Gott geehrt! Da freut er sich. Er ist der beste Gebrauchsgegenstand! Total resistent gegen Abnutzung! Nur wer so an Gott hängt, kann andere auch zu Gott einladen! Nur wer seine Begabungen einbringt, zeigt letztlich etwas von der Liebe Gottes in dieser Welt!

Denn – und das ist doch kein Geheimnis – Gott hat ihnen ganz liebevolle Gaben geschenkt. Er hat dabei gelächelt, als er sich vorstellte, wie die dem Nachbarn gut tun, dem Fremden in der Wohnung gegenüber, dem Gemeindemitglied in ihrer Nähe…

Wir befinden uns auf der Zielgeraden der Zeit. Wir haben keine Zeit zu verplempern. Wir brauchen nicht einmal den Fußballverein zu wechseln, falls wir in einem wären – denn dort gäbe es genügend Leute zum einladen und zum Bedienen! Denn, wir wissen doch, worauf es ankommt!

Amen!

Dienstag, 8. Juli 2008

06.07.2008 Voll durch die Wüste und voll versorgt

Predigt in Lobetal am 6. Juli 2008 von Roland Schindler

2. Mose 16, 2-3; 11-18

2 Und es murrte die ganze Gemeinde der Israeliten wider Mose und Aaron in der Wüste.

3 Und sie sprachen: Wollte Gott, wir wären in Ägypten gestorben durch des Herren Hand, als wir bei den Fleischtöpfen saßen und hatten Brot die Fülle zu essen. Denn ihr habt uns dazu herausgeführt in diese Wüste, dass ihr die ganze Gemeinde an Hunger sterben lasst.

11 Und der Herr sprach zu Mose:

12 Ich habe das Murren der Israeliten gehört. Sage ihnen: Gegen Abend sollt ihr Fleisch zu essen haben und am Morgen von Brot satt werden und sollt innewerden, dass ich, der Herr, euer Gott bin.

13 Und am Abend kamen Wachteln herauf und bedeckten das Lager. Und am Morgen lag Tau rings um das Lager.

14 Und als der Tau weg war, siehe, da lag´s in der Wüste rund und klein wie Reif auf der Erde.

15 Und als es die Israeliten sahen, sprachen sie untereinander: Man hu? Denn sie wussten nicht, was es war. Mose aber sprach zu ihnen: Es ist das Brot, das euch der Herr zu essen gegeben hat.

16 Das ist´s aber, was der Herr geboten hat: Ein jeder sammle, soviel er zum Essen braucht, einen Krug voll für jeden nach der Zahl der Leute in seinem Zelte.

17 Und die Israeliten taten´s und sammelten, einer viel, der andere wenig.

18 Aber als man´s nachmaß, hatte der nicht darüber, der viel gesammelt hatte, und der nicht darunter, der wenig gesammelt hatte. Jeder hatte gesammelt, soviel er zum Essen brauchte.

Anspiel

So gelangweilt muss man sich das Volk Gottes vorstellen. Sie saßen da und guckten fern! Sie hatten immer das gleiche Programm: „Telägypten“ – „Kochstudio Ramses“. Lecker Fleischtöpfchen.

Da saßen sie und schwelgten in Erinnerungen. Das Wasser lief ihnen im Mund zusammen. Sie kochten – leider nur innerlich, sie murrten, sie knurrten. Sie waren sozusagen mit ihrer Gesamtsituation unzufrieden.

Und wie das so ist, wenn man unzufrieden ist, dann macht man andere an der miesen Situation verantwortlich: Mose ist schuld; Aaron hat uns in diese Situation gebracht.

Tja, wie sind sie eigentlich hierher gekommen. Die Bibel berichtet, dass die Israeliten früher nach Ägypten zogen, weil es dort genug zu essen gab. Es war eine große Teuerung über alle Länder gekommen – die Benzinpreise stiegen, alles wurde teuerer – am Ende half nur noch der Auszug in ein fremdes Land.

Ich erzähle nur grob: Anfangs willkommen – dann geduldet und schließlich argwöhnisch beäugt. Neue Regenten saßen auf dem Thron. Sie wussten nichts mehr von der Wohltat, durch dieses Volk ausging. Josef war einer von ihnen und hatte in Ägypten weitsichtig und klug gehandelt. Durch Gottes Güte hat er die Hungersnot vorhergesehen und hatte große Kornspeicher bauen lassen. Aber das war alles Schnee von gestern. Und unter der heißen Sonne Ägypten hielten sich diese Geschichten nicht lange. Nun sah man, wie dieses Volk sich stetig vermehrte und man wollte es eindämmen – aus dem Argwohn wuchsen Repressalien. Man zwang sie zur Arbeit. Sie mussten Ziegel brennen für die Prachtbauten des Pharao. Schließlich behandelte man sie wie Sklaven. Man zwang sie zur Arbeit und zeigte ihnen, wer das sagen hat.

Aber Gott gefiel das nicht. Diese Leute hatte er nicht als Ziegelbrenner für die Prachtbauten eines Regenten gedacht. Gott befreit Israel aus dieser Tyrannei und er zerbricht die Macht des Pharaos. So kommt es frei, wird gerettet – am Schluss durch eine wundersame Flucht durch das Schilfmeer. Gott befreit sein Volk – und er führt es geradeweg in die Wüste. Warum ist das so – warum Wüste und nicht Schlaraffenland? Warum Entbehrung und nicht Fülle? Warum Leid und nicht Freude?

Heute Werden wir herausgefordert, das Wort „Wüste“ in einem neuen Zusammenhang wahrzunehmen. Heute soll es darum gehen, dass ein Leben in der Wüste – oder in einer Wüstenzeit – eine Herausforderung ist, Gott kennen zu lernen und von Gott versorgt zu werden.

Voll durch die Wüste und voll versorgt – so lautet das Thema dieser Predigt.

1. Gott befreit

Wozu hat Gott dieses Volk befreit? Den Grund musste Mose im Namen Gottes immer wieder dem Pharao und dem Volk sagen: „Lass mein Volk ziehen, dass es mir diene in der Wüste!“ (2. Mose 7,16)

Dazu hat Gott also das Volk befreit – dass es ihm dient; nicht mehr dem Pharao – sondern dem lebendigen Gott!

So ist das Leben von Gott gedacht: sich von Gott dienen zu lassen und Gott zu dienen – sich von Gott versorgen zu lassen und Gott zu danken.

Gott ruft sein Volk zum Dienst – Jesus ruft die Menschen zur Nachfolge – die Gemeinde ruft Einzelne zur Mitarbeit! Leben ist das wechselseitige „Geben“ und „Nehmen“ in der Beziehung zwischen Gott und uns Menschen. Gott bedeutet soviel wie „Versorger“ und gleichzeitig „Angebeteter“.

„Dienen“ kommt von „laufen“ – man ist also ständig unterwegs: hin zum Herrn und dann dorthin, wo man in seinem Namen etwas zu verrichten hat.

Liebe Geschwister, dienen wir dem lebendigen Gott? Laufen wir für ihn, laufen wir zu ihm? Für wen sind wir unterwegs und in wessen Namen machen wir unseren Job?

Gott hat auch uns befreit, dass wir ihm dienen sollen. Damals, vor dem Auszug Israels aus Ägypten, ist viel Blut geflossen. Befreiung geht einher mit „Blutvergießen“. Jesus hat sein Blut vergossen, um uns zu befreien! Er hat gelitten und leidenschaftlich gekämpft, damit wir wieder in die Gemeinschaft mit seinem Vater zurückfinden. Gott hat viel hingeblättert, bis er uns in seinen Dienst stellen konnte. Dienen wir ihm? Laufen wir zu ihm? Ist er für uns die erste Adresse bei den Nöten unseres Lebens – oder verfahren wir nach unseren alten Strategiemustern: Krise – schlecht – wehmütig zurückblicken – unzufrieden motzen – sich verstecken und schmollen – weglaufen und sich den Tod wünschen…

Aber Gott hat uns befreit. Wir gehören ihm. Also jetzt gilt: Krise – zu Gott laufen – ihm das Problem sagen – von ihm Hilfe erwarten – bis zum Eintreffen der Hilfe „locker“ bleiben und über Alternativen nachdenken…

Gerne möchte ich über zwei Leute etwas sagen, die in Lebenskrisen kamen. Der eine war Lehrer und wurde arbeitslos. Er war ein guter Lehrer, ein leidenschaftlicher Lehrer – aber der Stellenplan ließ keine Stellenbesetzungen zu. So half er sich und seiner Familie mit Nachhilfeunterricht über die Runden und begann nebenbei ein Buch zu schreiben über ein Thema, das ihn lange Beschäftigt hatte – es ging um einen christlichen Jugendverband in der Zeit unter dem Nationalsozialistischen Terrorregime. Als er sein Buch nach eineinhalb Jahren intensiver Arbeit abgeschlossen hatte, bekam er eine neue Stelle als Lehrer.

Die zweite Person, über die ich gerne etwas sagen möchte, war eine Frau, die ab etwa dem 60sten Lebensjahr sich immer schwerer tat, das Haus zu verlassen. Sie hatte ein starkes rheumatisches Leiden und große Gelenkprobleme. Früher begleitete sie gerne ihren Mann auf dessen Reisen, nahm Anteil, wurde für viele Menschen eine mütterliche Freundin, die immer einen weisen Rat hatte. Dann kam die Zeit, dass sie an die Wohnung gefesselt war. Sie sagte zu mir: „Gott hat mich jetzt zum Gebet stationiert!“ Sie betete für so viele Leute. War für sie ständig zu Gott unterwegs. Sie saß am Telefon und rief an, erkundigte, nahm Anteil und half weiter mit weisen Ratschlägen.

Wem dienst du – das ist die entscheidende Frage?

2. Gott versorgt

Gott führt durch Wüsten und manchmal auch durch Wüstenzeiten, aber er geht mit und versorgt seine Menschen. Er lässt niemanden allein und wirkt immer so, dass er sich herrlich und wunderbar erweist – er ist ein Gott, der immer wieder neu herausfordert, dass man über ihn staunt und jubelt. Die Herausforderung der Wüste lautet: Lass Gott deinen Mangel decken! Wende dich an ihn! Lerne ihn gerade in den Wüstenzeiten deines Lebens kennen und richte dein Leben auf ihn aus. Und: bleib in seinem Dienst – lass dir nicht nur von ihm dienen, sondern diene auch ihm, und versorge andere mit seinen Gaben!

Ich finde es tröstlich, dass Gott nicht von ferne zuschaut, bis seine Leute endlich die richtige Lösung gefunden haben. Gott greift ein und gibt Anordnungen zum Sammeln – mitten in der Wüste. Fleisch und Brot sind einzusammeln an Orten, wo man jeden auslachen würde, wenn er mit einem Sammelkorb auftaucht. Aber Gott gibt Anordnung zum Sammeln – und es wird gesammelt.

Es erstaunt mich, dass Gott so gibt, dass es für einen Tag reicht. Und keine Sorge: morgen versorgt er weiter. Gott gibt jeden Tag frisch, was man für den Tag benötigt.

Gott versorgt – und es reicht für die Sippe

Gott versorgt – und es reicht für die Nachbarn

Gott versorgt – und es reicht für deinen Tag. Jeden Tag!

Gott versorgt – und es reicht auch für die Diener!

Gott versorgt – und wer ihm dient, der bleibt frei, der lebt sich nicht erneut in eine sklavische Abhängigkeit.

Ich möchte an dieser Stelle ausdrücklich anmerken, dass Gott nicht nur die geistlichen Gaben gibt. Man meint immer, er sei ausschließlich für Glaube, Liebe und Hoffnung zuständig, er sei zuständig für Kraft zum Gestalten unseres Lebens und für Weisheit. Gott hilft auch in den praktischen Nöten unseres Lebens! Gott hilft konkret, praktisch und zuverlässig. Wenn wir ihm nur nicht vorschreiben, wie er zu helfen hat. Damals baten die Israeliten auch nicht um einen Bazar oder einen EDEKA. Gott überraschte sie mit Wachteln und Manna – er handelt in der Regel in seiner Schöpfung und durch seine Schöpfung – auch durch seine Geschöpfe. Aber er handelt! Wir dürfen ihm in allen Dingen vertrauen!

Deshalb sitzen Gottes Leute nicht mehr trübsinnig vor dem Fernseher. Sie blicken auch nicht mehr wehmütig in die Vergangenheit. Sie haben zu tun. Sie dienen dem lebendigen Gott und sie dienen Menschen. Sie sind unterwegs! Gott sein dank! So kommt man voll versorgt durch die Lebenswüste!

Amen

Mittwoch, 2. Juli 2008

29.06.2008 Wahre Champions

Predigt in Lobetal am 29. Juni 2008 von Roland Schindler

1. Petrus 2, 1-10

Dass die Achillessehne ein neuralgischer Punkt ist, das wissen wir. Die Göttin Thetis wollte ihrem Sohn Achilles was Gutes tun und badete ihn im Fluss Styx, der die Ober- und Unterwelt trennt. Wo auch immer das Wasser dieses Fluss hinkommt – so die Sage – wird man unsterblich. Dummerweise hielt Achilles seinen Fuß über der Ferse fest – es wurde zu seinem wunden Punkt. Aber heute Abend ist der wunde Punkt die Wade – die Wade von Michael Ballack. Spielt er oder spielt er nicht – es steht doch so viel auf dem Spiel! Ob aber die Deutsche Fußballnationalmannschaft die wahren Champions sind, wird sich zeigen – denn es steht noch nicht fest, wer gewinnt und wer verliert.

Nun prognostiziert man ja schon lange, dass die Gemeinde verloren hat. Der Zerbruch unserer Volkskirche deutet ein siechendes Ende. Man muss dabei aber bedenken: im 4. Jahrhundert wurden Gemeinde und Staat zusammen gezwungen – ein Wunder, dass das so lange gehalten hat. Nun aber wird Kirche vielleicht wieder, was sie einmal gewesen ist: eine Gemeinschaft von Außenseitern, die an Jesus glaubt und der übrigen Weltgesellschaft das Zeugnis des Auferstandenen Christus vorhält. Nicht mehr und nicht weniger war die Gemeinde in den ersten Jahrzehnten. Es war eine bedrängte und eine verfolgte Gemeinde. Das Geheimnis dieser Gemeinde war aber nicht die Art und weise, wie sie zusammen lebt sondern, dass sie alles was sie ist, alleine durch Gott ist. Sie ist durch Gott geworden. Sie ist für Gott da. Sie lebt von dem, was Gott ihr gibt.

Diese Gemeinde lebt das, was von Anbeginn gelebt werden soll: Sie lebt Gemeinschaft mit Gott.

Diese Gemeinde ist das ganze Ziel der Heilsgeschichte Gottes – oder besser gesagt: hier beginn, worum es Gott zutiefst geht. Hier leben Menschen im liebevollen Gehorsam gegenüber seinem Wort.

1. Nicht wir Menschen sind die Champions – Gott ist ein freundlicher Sieger!

1. Petrus 2, 1-3 So legt nun ab, alle Bosheit und allen Betrug und Heuchelei und alle üble Nachrede und seid begierig nach der vernünftigen, lauteren Milch, wie die neugeborenen Kindlein, damit ihr durch sie zunehmt zu euerem Heil, da ihr ja geschmeckt habt, dass der Herr freundlich ist.

- Grund für den Gehorsam ist die Freundlichkeit Gottes. Grund für den Glauben ist die Freundlichkeit Gottes. Diese Freundlichkeit hat unser Misstrauen überwunden. Dieser Freundlichkeit und Güte haben wir uns geöffnet. Wir haben sie geschmeckt – im Abendmahl. Die Grundlage unseres Glaubens ist Jesus, der sich als Opfer für unsere Sünden hingab. Vergebung – das ist Freundlichkeit. Schuld wird nicht angerechnet: das ist die Güte Gottes. Und das nicht nur als einmaliges Geschehen – dies ist vielmehr das Erkennungszeichen der Gemeinde geworden: Gemeinde schmeckt und sieht immer wieder neu, wie freundlich Gott ist. Da ist man also auf den Geschmack gekommen und das schmeckt man immer wieder. – Da lebt man nicht von aus sich heraus – man lebt von den täglichen Erfahrungen, die man mit der Freundlichkeit Gottes macht. Man lebt nicht aus Konserven, in denen eine fromme Vergangenheit eingeweckt ist.

- In einer Gemeinde zu leben ist eine ganz praktische Sache. In der Gemeinde übt man, sich in dieser Freundlichkeit zu begegnen. Man übt Altes abzulegen indem man Gottes Güte und Freundlichkeit aufnimmt. Bosheit, Betrug, Heuchelei und üble Nachrede sollen wir lassen – wir sollen eindeutig werden. Wo wir auch sind, wir gehören zu Gott und sind gefangen in seiner Freundlichkeit. Das Alte passt nun nicht mehr. Das sind Kleider, die uns nicht mehr stehen. Kleider machen Leute – heiß es. Wir sind nun eingekleidet durch Gottes Güte. Die sollen wir zur Schau stellen, die sollen wir zeigen am Laufsteg dieser Welt.

- Gemeinde wird in das Wesen Gottes hinein genommen. Gemeinde folgt nach. Jesus ist das Licht der Welt – und nun heißt es von der Gemeinde: Mache dich auf und werde Licht. Gott ist Liebe und nun heißt es: liebet einander! Gott ist sanftmütig – und die Gemeinde soll ihre Lindigkeit jedermann zukommen lassen. Gott prägt die, die bei ihm sind. So ist Gemeinde! Fromm sein bedeutet soviel wie: ein wahrer Champion sein. Wer fromm ist, der lebt ganz von Gottes Sieg her, von Gottes Treue. Champions brauchen Übung. Ohne Training und ständiges Üben wird man nicht in den Sieg Gottes hineinkommen. Fromm wird man in der Gemeinschaft mit andern Christen. Das ist Geschenk an die, die sich selbst in die Gemeinde schenken. Hier wird man gütig, geduldig, freundlich, tragfähig und liebend. Auch wenn das nur im Ansatz erreicht wird, wenn wir darin nicht perfekt werden, so beginnen wir mit dem Üben immer wieder neu, weil wir die Güte Gottes geschmeckt haben. Und Übung macht zu Champions.

2. Gemeinde ist eine ständige Bewegung zu Jesus

1. Petrus 2, 3-5 Zu ihm kommt als zu dem lebendigen Stein, der von den Menschen verworfen ist, aber bei Gott auserwählt und kostbar. Und auch ihr – als lebendige Steine erbaut euch zum geistlichen Hause und zur heiligen Priesterschaft, zu opfern Gott geistliche Opfer, die Gott wohlgefällig sind durch Jesus Christus.

- das ist die Bewegung einer Gemeinde: sie geht immer wieder zu Jesus. Und hier geschieht etwas Einmaliges: wer bei Jesus ist, der kann sich erbauen zu einem geistlichen Haus, zu einer heiligen Priesterschaft. Menschen, die zum „Lebendigen Eckstein“ gehen, werden zu „lebendigen Steinen“. Lebendige Steine gibt es eigentlich nicht. Steine leben nicht. Steine sind unbeweglich, hart und kalt. Lebendige Steine machen – das kann alleine Gott. Johannes der Täufer sagte einmal: „Gott vermag aus diesen Steinen Abraham Kinder zu erwecken!“ Und Jesus kann das auch – wer zu Jesus geht wird verwandelt. Er kann sich einfügen in ein lebendiges Ganzes. In der Gemeinde lebt zusammen, was eigentlich nicht zusammen passt. Hier sind also Leute, die würde sich nie zusammenfügen lassen. Viel zu unterschiedlich. Viel zu anstrengend. Jeder ist anders. Jeder hat eine andere Sicht und andere Ziele. Jeder ist ein Individuum, ein Individualist. Der andere ist da immer der Gegner - die personifizierte Bedrohung. Und doch: Wer zu Jesus kommt, der erlebt dieses Wunder. Hier hält zusammen, was eigentlich nicht zusammen gehört. Hier lebt miteinander, was sich eigentlich aus dem Weg gehen würde. Nur weil Jesus die Grundlage ist, nur deshalb geht das. Ein geistliches Haus, in dem Gott richtig gerne ist und wo man ihn finden kann, gibt es auf dieser Welt nicht mehr. Das war früher einmal der Tempel Gottes – doch der wurde zerstört. Jetzt ist etwas Atemberaubendes geschehen. Gott lässt sich nicht in einem Haus aus Steinen finden, sondern in einem Haus der lebendigen Steine. Das ist das Geheimnis der Gemeinde: An diesem Ort will sich Gott finden und erfahren lassen.

- Bausteine entfalten da erst ihren Wert, wo sie in einen Bau eingefügt sind. Liegen sie auf einem Haufen herum, dann sind es bloß Steine. Wertlos. Aber wenn sie eingebaut sind, dann tragen sie bei zum Bau des Ganzen – man kann sie nicht mehr herausnehmen, ohne dem Bau zu schaden. Deshalb hat Zinzendorf gesagt: „Ich statuiere: kein Christsein ohne Gemeinde.“ Wachstum der Gemeinde Jesu und Wachstum eines einzelnen Christen hängen auf das tiefste zusammen: erst wo sie sich einbauen lassen, dort wird etwas wachsen. Erbaut euch! Wollt das auch – wer das nicht will, der bleibt letztlich alleine. Geistliches Leben ist ganz und gar ein Geschenk und es ist ganz und gar unser Tun. Geistliche Übung: Baut euch in eine Gemeinde ein. Unser heutiger Sonntag ist der 6. Sonntag nach Trinitatis. Dieser Sonntag erinnert immer an die Taufe. Hier geht es um euere Entscheidung: Ihr seid zu Jesus gekommen und damit habt ihr euch in seine Gemeinde eingefügt! Diese Entscheidung habt ihr getroffen – steht zu ihr und lebt in Gottes Gemeinde.

- Gemeinde hat einen Auftrag: Sie bringt geistliche Opfer. Der Tempel des Herrn war ein Zeichen seiner Güte. Hier lebte man vom Opfer – das man für seine eigene Schuld gibt. Hier kommt man Gott nahe – da kann Schuld nicht stehen bleiben – da muss gesühnt werden. Damals opferte man Gott Tiere, aber das Haus der lebendigen Steine lebt ganz von dem Opfer, das Gott gegeben hat. Dieses Opfer wird hier ausgeteilt und dieses Versöhnungsopfer lädt die Welt ein: Kommt zu Gott – er lädt zur Versöhnung ein. Bei ihm ist Lebensraum und Lebenskraft. Denn der wahre Champion hat sein Leben für uns Menschen gegeben.

- Gemeinde, die andere zur Versöhnung mit Gott einlädt, ist eine Gemeinde, an der sich Gott freut. Sie ist wohlgefällig. Man kann viel zu dieser Gemeinde sagen und über ihre Leute. Aber das tut Gott nicht. Er trägt jeden einzelnen Menschen, jeden einzelnen lebendigen Stein. Er trägt ihn ein Leben lang, und freut sich daran. Ist euch das klar: Gott hat an euch Wohlgefallen.

3. Gemeinde ist er Ort des Gerichts in dieser Welt

Darum steht in der Schrift (Jesaja 28, 16): „Siehe, ich lege in Zion einen auserwählten, kostbaren Eckstein; und wer an ihn glaubt, der soll nicht zuschanden werden“. Für euch nun, die er glaubt, ist er kostbar; für die Ungläubigen aber ist „der Stein, den die Bauleute verworfen haben und der zum Eckstein geworden ist, ein Stein des Anstoßes und ein Fels des Ärgernisses“ (Psalm 118, 22; Jesaja 8, 14); sie stoßen sich an ihm, weil sie nicht an das Wort glauben, wozu sie auch bestimmt sind.

- Gemeinde fordert zum Glauben an Jesus Christus heraus. Sie tut das, weil sie dazu gesandt ist. Gemeinde ist ein stetiger Hinweis auf einen liebenden und heiligen Gott, der seine Menschen nicht sich selbst überlässt, sondern der sie zu sich ruft. Gemeinde wird ein steter Ort der Entscheidung und der Scheidung. Gemeinde wird ein Ort, wo man sich freut über den, der umkehrt und zu Gott kommt und wo man leidet an dem, der sein Leben ohne Gott gestalten will. Eine Gemeinde, die nicht mehr zu Jesus ruft, ist keine Gemeinde mehr. Sie hat sich zu etwas anderem gemacht – sie hat Gott verwehrt, sie zusammenzufügen, damit die Welt gerettet wird.

- Aus diesem Grund ist Gemeinde immer eine verfolgte Gemeinde. Die Welt hat Jesus nicht gewollt; die Welt will auch die Gemeinde nicht. Das einzige, was uns im liebevollem Dienst für die Menschen in unserer Stadt bleiben lässt, ist die große Liebe, die Gott in unsere Herzen gegossen hat durch den heiligen Geist. Und es ist die Kraft Gottes, die widerstehen lässt.

4. Gemeinde – die wahren Champions

Ihr aber seid das auserwählte Geschlecht, die königliche Priesterschaft, das heilige Volk, das Volk des Eigentums, dass ihr verkündigen sollt die Wohltaten dessen, der euch berufen hat von der Finsternis zu seinem wunderbaren Licht; die ihr einst nicht ein Volk wart, nun aber „Gottes Volk“ seid, und einst nicht in Gnaden wart, nun aber in Gnaden seid (Hosea 2, 25).

- Champions sind wir durch Jesus. Das haben wir nicht aus uns selbst gemacht. Zu Champions, die von seinem Sieg leben, wurden wir befreit. Ihr wart nicht ein Volk – ihr wart ganz unterschiedliche Grüppchen. Ihr wart dabei, hattet aber eueren Rückzugsraum. Ihr habt mitgemacht, aber immer nur ein Stück weit. Und jetzt: Jetzt seid ihr sein Volk. Jetzt lebt ihr miteinander und tragt euch. Und ihr habt miteinander den Auftrag, den Menschen in dieser Stadt die Wohltaten Gottes zu verkündigen. Das würde keiner alleine können. Das würde auch kein Grüppchen können. Das kann man nur zusammen. Wenn man alleine bliebe, dann würde man vielleicht auch freundlich sein und andern was Gutes tun. Aber man würde den Menschen nicht die Wohltaten Gottes bezeugen. Also: kommt zusammen und haltet euch zusammen. Seid, was ihr durch Gottes Gnade und leidenschaftliche Hingabe sein: sein Volk. Rutscht wieder enger zusammen. Lebt euch nicht ohnmächtig – lebt euch wieder zusammen. Übt wieder Gemeinschaft: täglich füreinander beten; Wöchentlich zusammenkommen; jeder mit einem Dienst für den gemeinsamen Auftrag (der eine betet, der andere gibt, der nächste organisiert, wieder andere gestalten Räume, weitere Singen, andere dienen Menschen, wieder andere predigen...)!

- Freud euch: Ihr seid in Gnaden. Dass ihr gnädig angesehen seid, das ist nun nicht mehr das Ergebnis von einem tollen und gelungenen Dienst. Das ist nicht mehr Folge einer Leistung. Ihr lebt in einem bleibenden gnädigen Stand – weil sich Jesus für euch hingegeben hat. Glaubt das und freut euch! Weil wir in einem Stand der Gnade leben, können wir auch mit anderen Leuten gnädig sein. Weil wir in einem Stand der Gnade leben, deshalb können wir wahrhaftig leben. Wir leben ohne Masken! Wir sind Champions, weil wir auf den einen Champion hinweisen!

Wahre Champions also, obwohl es an uns genug zu meckern gäbe – es gäbe genug Einwände; es gäbe genug, was dagegen spricht. Aber weil Gott in unserer Mitte ist, deshalb gilt das. Weil er da ist, deshalb können wir freundlich und gütig, geduldig und eindeutig sein.

Keine Ahnung, wer heute Abend Champion wird – aber jeder, der in dieser Welt Sieger wird, muss sich morgen schon wieder unter Beweis stellen, ob er noch Champion ist. Jesus aber ist ein für allemal Champion – er bleibt. Seine Gemeinde bleibt auch – sie wird nicht überwunden werden. Wirklich: wahre Champons!

Dienstag, 1. Juli 2008

22.06.2008 Gemeinde nach dem Herzen Gottes

Gemeinde nach dem Herzen Gottes
2. Thessalonicher 3, 1-5

Predigt in Lobetal am 22. Juni 2008 von Roland Schindler


1 Weiter, liebe Brüder, betet für uns, dass das Wort des Herrn laufe und gepriesen werde wie bei euch

2 und dass wir erlöst werden vor den falschen und bösen Menschen; denn der Glaube ist nicht jedermanns Ding.

3 Aber der Herr ist treu; der wird euch stärken und bewahren vor dem Bösen.

4 Wir haben aber das Vertrauen zu euch in dem Herrn, dass ihr tut und tun werdet, was wir gebieten.

5 Der Herr aber richte euere Herzen aus auf die Liebe Gottes und auf die Geduld Christi.


Treffen sich zwei alte Bekannte
. Vor ihnen ein begläserter Tisch in irgendeinem Restaurant. Nach kurzem Austausch fasst der eine in die Innentasche seines Jacketts, und blättert Bilder wie Trumpfkarten auf den Tisch: „Mein Haus, mein Auto, mein Boot!“ – Sie kennen sicher diese vielsagende Werbung.

Kennen sie auch die: Treffen sich zwei bekannte Gemeinden. Einer der Prediger geht nach vorne und greift in die Inntasche seines Jacketts: „Unsere Vision, unsere Mitarbeiterliste, unsere Spendeneingänge aus den vergangenen zwei Wochen!“


Aber Nein! Das sind nicht wir! Wir gehen ohne Neid miteinander um und belegen nicht einmal die heiratswilligen und heiratsfähigen Mitarbeiter mit einem „Gemeindeausgeverbot“! Wir sind völlig frei – freuen uns mit, wenn in der anderen Gemeinschaft nach vorne geht, wenn Krisen gemeistert werden und neue Mitarbeiter gewonnen werden.

Denn wir leben nicht von dem, was wir tun und machen, sondern davon, dass „… der Herr treu ist, dass er uns stärkt und vor dem Bösen bewahrt“.

Jesus ist treu – von ihm her leben wir! Wir leben von seiner Güte, von seinen Ideen, aus seiner Kraft und in seinem Sieg. Unser Mitwirken in seiner Mannschaft ist keine Zitterpartie – wir leben auf Grund seines Sieges! Seine Treue hat er durchgehalten, seine Liebe hat er nicht aufgekündigt und sein Leben hat er ganz für uns eingesetzt. Und so – sagt Paulus – so ist der Herr! So ist Jesus! Er ist ganz für uns! Er ist treu! Dieses Wort kann man auch mit „gläubig“ übersetzen – er glaubt an euch! Er glaubt an diese Gemeinde, er glaubt an diese Mannschaft und er glaubt daran, dass er euch optimal in dieser Welt aufgestellt hat!

Paulus sagt – in seiner Treue macht er euch „stark“ – und stark sein bedeutet in der Bibel „fest mit Gott verbunden“ sein. Er macht euch fest! In einer Welt, in der alles auseinander bricht und auseinander drängt, macht er fest und hält er zusammen! Es ist ein starkes Zeichen, wenn Menschen in ihrer Gemeinde bleiben und wenn Menschen in ihrer Beziehung bleiben – das macht Gott!

Und dieser treue Herr wacht über uns, dass wir der Macht des Bösen nicht erliegen. Die Bibel macht an dieser Stelle sehr deutlich, dass wir das Böse nicht besiegen können – auch nicht bekämpfen. Aber wir können durch Christus dem Bösen widerstehen. Dem Bösen widerstehen bedeutet: in seinem Angesicht Halt haben in der Treue des Herrn Jesus und in seiner Gemeinde die Erfahrung machen: diese Macht bindet nicht mehr, sondern ich darf immer wieder neu Jesus dienen!

Angesichts dieses treuen Herrn macht Paulus aber auch sehr deutlich, was jetzt zu tun ist: lasst es zu, dass „der Herr euere Herzen ausrichtet auf die Liebe Gottes und auf die Geduld Christi“.

Ausrichten bedeutet so viel wie „das Leben eindeutig mach, Geradlinigkeit schenken, Profil geben“! Jesus soll so wirken können, dass euer Leben von der Liebe Gottes und der Geduld und Tragkraft Jesu geprägt wird!

Bleibt in dieser Kurs- und Lebenskorrektur!

Lebt in dieser Ausrichtung und lebt mit diesem „Ausrichter“ – mit diesem Steuermann! Zeichen dafür ist, dass man sich von Geschwistern auch etwas sagen lässt. Man hört gut hin, wenn andere etwas sagen und bedenkt das in aller Ruhe.

Und weil wir diese Ausrichtung haben, deshalb können wir einander dienen – wir Lobetaler euch Hattingern und auch umgekehrt. Wir können diese Dienst in zweierlei Hinsicht einander gewähren:

1. Wir können im Gebet für die jeweils andere Gemeinde bleiben, damit das Evangelium dort bezeugt und geglaubt wird.

In unserem Gemeindegottesdienst wird immer etwas vom Herzen Gottes sichtbar: wir haben die Freiheit, für die anderen Gemeinden zu bitten, für den Siegeslauf der Jesusnachricht einzutreten und dafür, dass Gott lauter applaudiert wird als einem Sieg der Nationalmannschaft!

Macht Gott nicht arm, indem ihr nur an euch denkt! Verliert die anderen nicht aus dem Herzen – denn es ist ja ein Herz, ganz nach dem Geschmack Gottes!

2. Betet dafür, dass die andern bewahrt werden von „falschen und bösen“ Menschen. Hier geht es um Leute, die in der Gemeinde sind, aber einfach nicht an dem Platz, an dem sie Gott dienen sollen. Es sind Leute, die am falschen Platz sind – sie stehen anderen im Wege, sie blockieren und beschweren. Sie spielen Theater. Sie leben nicht eindeutig.

Und dann gibt es noch die bösen Leute – sie sind das Gegenteil der „wohltuenden und barmherzigen“. Sie haben ein hartes Herz – die Schönheit Gottes leuchtet nicht aus ihrem Innern!

In dieser Weise sollen wir nun füreinander da sein!

Und wenn wir uns wieder Begegnen, dann können wir sagen:

Unser Halt, unser Profil, unsere Verbundenheit!


Amen