Freitag, 26. Dezember 2008

19.10.2008 Aber auf dein Wort hin – von Gott wieder etwas erwarten

Erlebt Gottesdienst am 19. Oktober 2008

Predigt von Roland Schindler

1 Es begab sich aber, als sich die Menge zu ihm drängte, um das Wort Gottes zu hören, da stand er am See Genezareth

2 und sah zwei Boote am Ufer liegen; die Fischer aber waren ausgestiegen und wuschen ihre Netze.

3 Da stieg er in eines der Boote, das Simon gehörte, und bat ihn, ein wenig vom Land wegzufahren.

4 Und als er aufgehört hatte zu reden, sprach er zu Simon: Fahre hinaus, wo es tief ist, und werft euere Netze zum Fang aus!

5 Und Simon antwortete und sprach: Meister, wir haben die ganze Nacht gearbeitet und nichts gefangen; aber auf dein Wort will ich die Netze auswerfen.

6 Und als sie das taten, fingen sie eine große Menge Fische und ihre Netze begannen zu reißen.

7 Und sie winkten ihren Gefährten, die im anderen Boot waren, sie sollten kommen und mit ihnen ziehen. Und sie kamen und füllten beide Boote voll, so dass sie fast sanken.

8 Als das Simon Petrus sah, fiel er Jesus zu Füßen und sprach: Herr, geh weg von mir; ich bin ein sündiger Mensch.

9 Denn ein Schrecken hatte ihn erfasst und alle, die bei ihm waren, über diesen Fang, den sie miteinander getan hatten,

10 ebenso auch Jakobus und Johannes, die Söhne des Zebedäus, Simons Gefährten. Und Jesus sprach zu Simon: Fürchte dich nicht! Von nun an wirst du Menschen fangen.

11 Und sie brachten die Boote ans Land und verließen alles und folgten ihm nach.

Ich weiß ja nicht, was Euch so zu Evangelisation einfällt – aber ich hätte hier ein paar Anregungen (packe aus meinem Rucksack aus: Vorschlaghammer, Staubwedel, Taucherbrille).

Manche meinen ja, dass Evangelisation so etwas ist wie das Hantieren mit einem Vorschlaghammer. Man hat Gottes Gericht den Menschen um die Ohren, und dann schaut man, was überlebt hat.

Andere meinen, Evangelisation ist „Schnee von gestern“. Zeltevangelisation, Chöre, Zeugnisse, lange Ansprachen – alles Dinge, die nicht mehr in unsere Zeit passen. Evangelisation ist out.

Und wieder andere gehen bei diesem Wort auf Tauchstation. Denn mit Evangelisation verbinden sie viel Arbeit. Da gibt es jede Menge zu tun. Vorarbeit, jeden Abend mit Menschen reden, Nacharbeit – Arbeit ohne Ende. Da taucht man lieber ab.

Ich finde es sehr lohnend, wenn wir heute morgen miteinander unser Bibelwort betrachten und miteinander neu entdecken, was es mit der Evangelisation auf sich hat und was dabei wichtig ist.

1. Gott evangelisiert

Ich weiß nicht, ob euch das überrascht. Aber das Evangelisieren ist Gottes Sache. Es geht ja um seine Kinder. Er liebt sie, sucht sie, geht ihnen nach, nimmt immer wieder neue Anläufe, ihr Herz zurückzugewinnen. Stellen sie sich einen Vater vor, dass Kind abends nicht nach Hause kommt. Würde er vielleicht sagen: nun, unser soziales Netz in Deutschland ist ja gut, er wird schon irgendwo aufgelesen werden und essen bekommen? Oder würde er sagen: „Mal eine Woche warten – dann werden wir weiter sehen? Oder vielleicht: „Na, ich lass mal die Tür über Nacht offen – vielleicht kommt er wieder“!

Nein – wir würden alles stehen und liegen lassen und unser Kind suchen. Wir würden alles in Bewegung bringen, damit viele beim Suchen mithelfen. Wir würden keine Ruhe geben, bis wir es gefunden haben. Wir würden keine ruhige Nacht haben, ehe wir es wieder in unsere Arme schließen können.

Liebe Freunde: Gott evangelisiert! Gott sucht seine verlorenen Kinder! Würde das an uns hängen, wäre das tragisch. Wir haben doch ständig mit uns zu tun. Wir sind mit unseren Gemeinden beschäftigt und schlagen uns mit unseren Problemen herum. Wir haben nur einen kleinen Blickwinkel. Wir übersehen viele.

Aber Gott sucht seine Kinder. Jesus zieht umher von Ort zu Ort und stellt den Menschen seinen himmlischen Vater vor – ihren Vater. Er wirbt um Vertrauen. Er klopft an und bittet: öffnet euch für Gott! Jesus hätte ja auch ein Büro in Nazareth aufmachen können. Sprechzeiten täglich von 8 Uhr bis 20 Uhr. Aber nein. Er wartet nicht auf die Menschen. Er geht los und sucht sie. Er geht durch die letzten Winkel des Landes. Er geht dorthin, wo andere einen großen Bogen herum machen. Er sucht leidenschaftlich Gottes Kinder. Er Evangelisiert. Wollen wir einen Evangelisten kennenlernen, dann müssen wir Jesus anschauen. Wollen wir wissen, was die Grundvoraussetzung dazu ist, dann brauchen wir sein Herz! Ein Herz, das leidenschaftliche Sehnsucht nach Gottes verlorenen Kindern hat.

Aber wie kommen wir nun ins Spiel?

Sofort. Denn Jesus ist wieder auf den Weg zu den Menschen und da sind ganze Massen von Menschen. Und nun geht er auf Petrus zu und sagt:

Lass mich in dein Schiff einsteigen und bring mich zu den Menschen.

2. Wir sollen Jesus zu den Menschen bringen.

Auch das ist erstaunlich. Also Gotte evangelisiert, Gottes Sohn sucht Gottes verlorene Kinder. Und nun kommt er zu Petrus und sagt: „ich möchte in dein Boot einsteigen. Rudere mich ein wenig hinaus. Dann kann ich wunderbar zu den Leuten reden. Dann hören sie mich gut.“

Warum macht Jesus das? Er könnte doch auch über das Wasser laufen. Echt, das könnte er. Ist er doch in einer anderen Geschichte auch – hat sogar den Petrus versucht zu erklären, wie das funktioniert – aber lassen wir das. Also, Jesus braucht doch den Petrus gar nicht. Jesus könnte über das Wasser gehen. Das wäre viel Publikumswirksamer. Da hätte er die Aufmerksamkeit der Leute. Da wären die Augen groß, der Mund auf und die Ohren gespitzt.

Aber Jesus verzichtet darauf. Er sagt: Petrus, bring mich in eine gute Position.

Liebe Freunde, Jesus kommt zu uns, zu dir und zu mir und er fragt: Lässt du mich in dein Lebensboot einsteigen und bringst du mich bitte zu deinen Nachbarn, zu deinen Freunden, zu den Menschen, mit denen du zusammenarbeitest, zu denen, an die du denkst, zu denen, die sich um dich kümmern. Ich möchte sie durch dich zu Gott einladen!

Liebe Geschwister – das ist die Frage! Wollen wir das? Sind wir dazu bereit! Nehmen wir Jesus mit in unseren Alltag, in unsere Begegnungen und in unsere Beziehungen!?

Jetzt ist es sehr wichtig, dass wir nicht den ersten Punkt vergessen. Jesus evangelisiert! Nicht wir! Jesus ist derjenige, der die Leidenschaftlichkeit hat und die Liebe und er findet auch den rechten Ton. Jesus ist Fachmann in Sachen „Anklopfen“!

Also: Du sollst Jesus zu den Menschen in deiner Umgebung tragen und ihm Raum geben, dass er durch dich reden kann. Sei dafür offen! Erlaube es ihm! Bitte ihn, dass du ein Gespür dafür bekommst, was von Jesus her zu sagen und zu tun ist!

Und nun zum dritten: worum geht es bei der Evangelisation?

3. In der Evangelisation geht es darum, dass die Menschen den Fang ihres Lebens machen und in Jesus Gott erkennen.

Das ist jetzt ein bisschen lang – aber das werden wir schon Stück für Stück auflösen. Also, die Geschichte mit dem Fischfang ist eigentlich dazu da, dass Petrus erkennt, worum es überhaupt geht. Deshalb sagt er völlig unvermittelt: „Fahre hinaus, wo es tief ist, und wirf die Netze aus!“ Eigentlich scheint Jesus wirklich nicht vom Fach zu sein, denn so fängt mein keine Fische. Nicht um die Zeit und nicht an dem Ort!

Aber Petrus sagt etwas, das auch wir nie vergessen sollten: „Auf dein Wort hin will ich das tun!“

Und nun geschieht Ungeheueres! Es zappelt, es zischt, das Wasser kocht – Fische über Fische. Sie machen den Fang ihres Lebens!

Petrus könnte ja nun auch folgendes machen; er könnte sagen: „Also Jesus, das war schon nicht schlecht. Ich schlage vor: Morgen, gleiche Zeit, gleicher Ort! Was hältst du davon, wenn wir beide ins Geschäft kommen. Ich fahr dich ab und zu und du machst wieder den Trick mit den Fischen!“ Aber das tut Petrus nicht!

Petrus geht in die Knie. Petrus sieht in diesem Jesus nicht einen optimalen Geschäftspartner sondern den lebendigen Gott. Und Petrus erkennt in diesem Augenblick wer er selbst ist. Und er schließt völlig richtig und sagt: „Herr, geh weg von mir, ich bin ein sündiger Mensch!“

Petrus erkennt: wir passen nicht zusammen. Das geht nicht gut. Das überlebe ich nicht. Ich bin so weit von dir weg. Ich habe mich getrennt. Ich lebe nicht mehr in deinen Lebensordnungen. Ich habe schlimme Gedanken. Ich habe manches in meinem Leben vermasselt - auch im Leben anderer. Nein – ich bin ein sündiger Mensch!

Doch diese Geschichte erstaunt auf Schritt und Tritt. Denn Jesu sagt: „Du Petrus, komm mit mir, ich möchte dich zu meinem Teilhaber machen und du sollst nun in meinem Auftrag Menschen dazu helfen, dass sie den Fang ihres Lebens machen!

Darum geht es: Menschen sollen den Fang ihres Lebens machen und in dem Erzählen und Berichten über Jesus ihm plötzlich begegnen und in ihm den lebendigen Gott erkennen, der sie wieder ins Leben zurückbringt und in seine Gemeinschaft einlädt.

Das ist Evangelisation!

Liebe Geschwister, wir werden zusammen mit anderen Gemeinden in der Evangelischen Allianz ProChrist veranstalten. Gott sucht seine Kinder! Stellt euer Leben zur Verfügung, damit er durch euch bei Menschen anklopfen kann. Sie sollen sich im öffnen dürfen. Sie sollen den Fang ihres Lebens machen!

Amen

24.12.2008 Die Wende

Titus 3, 4-7
Gottesdienst am 1. Weihnachtsfeiertag 2008 in Lobetal von Roland Schindler

Als aber erschienen ist die Freundlichkeit und Menschenliebe Gottes, unseres Heilands,
machte er uns selig, nicht um der Werke der Gerechtigkeit willen, die wir getan hatten, sondern nach seiner Barmherzigkeit - durch das Bad der Wiedergeburt und Erneuerung im Heiligen Geist,
den er über uns reichlich ausgegossen hat, durch Jesus Christus, unsern Hei-land,
damit wir, durch dessen Gnade gerecht geworden, Erben des Ewigen Lebens würden nach unserer Hoffnung.

Ich habe ihnen ein Bild mitgebracht – ich fand es in der Dienstagsausgabe der WAZ von dieser Woche – wie man sich Weihnachten ohne Jesus vor-stellen muss. So etwa: - Bild von Dagobert Duck: „Weihnachten liegt mir nicht. Ich kann niemanden leiden und mich kann auch niemand leiden.“
Weihnachten ohne Jesus: Dagobert Duck ist Weihnachtsmuffel durch und durch. Mit dem Fest der Liebe hat er es nicht besonders. Liebe ist viel zu verschwenderisch und kostet zu viel. Zeit und Geld – das behält er für sich – und zwar in der Variante: Zeit für mein Geld! So badet er lieber in sei-nem Geldspeicher und taucht durch sein Hartgeld.
Hartgeld – hartes Herz – das ist Dagobert. Bei ihm ist es noch nicht Weih-nachten geworden.

Was wäre bei uns ein Weihnachten ohne Jesus. Vielleicht ein Fest der Ge-schenke! Geschenke über Geschenke aber keine Liebe und keine Güte. Eine Zeit lang ist das nett. Aber irgendwann brauchen wir einen Menschen und keine Abspeisung mit einem Geschenk. Wir brauchen einen, er uns Zeit schenkt, Zuneigung und Hilfe. Geschenke sind nett – aber sie erfüllen nicht. Im Gegenteil: je mehr man hat, desto mehr will man. Aber das Herz und die Freundlichkeit eines Menschen sind viel kostbarer als Geschenke.

Weihnachten ist das Fest der Liebe. Klar, jeder Mensch hat in seinem Her-zen Liebe und Freundlichkeit. Aber wir haben diese Eigenschaften und Be-gabungen nur sehr begrenzt. Wir haben etwas davon, und das Wenige ist schnell aufgebraucht.
Was bei uns Menschen an Liebe und Freundlichkeit vorhanden ist, reicht nur für sehr wenige. Und manchmal für die auch nicht so ganz. Es reicht für die eigene Familie und für ein paar sympathische Freunde. Aber dann ist es aus damit. Es sieht nicht gut aus mit unseren Herzen!

Aber Weihnachten bringt die Wende in unsere Herzen! Denn durch Jesus ist…
1. … uns die Menschenliebe und Freundlichkeit Gottes erschienen und macht selig
Erschienen – das griechische Wort beschreibt die „Epiphanie“ Gottes. In diesem Wort steckt das Wort „Licht“. Hier geht ein Licht auf. Hier leuchtet etwas völlig Neues auf: Menschenliebe und Freundlichkeit aus einem vol-lem Herzen! Merkwürdig: Gerade Gott zeichnet Menschenliebe und Freundlichkeit aus. Man meint eigentlich, dass dies Eigenschaften von uns sind. Wir entdecken: das ist das Wesen Gottes. Wir Menschen sind eher tierlieb als Menschenliebhaber. In allen Jesusgeschichten des Neuen Tes-tamentes erfahren Menschen diese Freundlichkeit und Menschenliebe ganz konkret. Sie hören keine netten Geschichten darüber. Sie erfahren es am eigenen Leib: Gott liebt sie und er hat ein Herz für sie. Es berührt ihm zu-tiefst, wie es um sie bestellt ist und er wendet sich ihnen zu. Er schenkt seine Liebe und Freundlichkeit sehr unterschiedlich: als Heilung, als Ver-gebung von Schuld, als Aufnahme in seine Gemeinschaft, in sein Team, als Hilfe in konkreter Notlage oder als Hoffnung in hoffnungsloser Situati-on. Gottes Freundlichkeit und Menschenliebe sind nicht Gefühle – es sind Taten!

Die Menschenliebe und Freundlichkeit Gottes kommt sozusagen handfest und ganz konkret. Und das bringt eine Wende in unser Leben. Denn weil wir als Person diese Menschenliebe und Freundlichkeit erfahren, weil unser Herz durch sie berührt wird, vollzieht sich etwas schier Unmögliches: Das sehr begrenzte Kontingent unserer Fähigkeit, Menschen zu lieben und freundlich zu ihnen zu sein weitet sich. Das kann man erfahren. Das funk-tioniert tatsächlich. Menschen, die unsere Freundlichkeit noch nie erfahren haben erleben uns plötzlich von einer Seite, die ihnen bislang verschlossen war.
Unser Menschliches Herz ist wie ein trockener Schwamm, der diese We-sensmerkmale Gottes aufsaugt und dann regelrecht vorrätig hat. Unsere Aufgabe ist es nur, uns in dieses Licht der Liebe und Freundlichkeit Gottes immer wieder selbst zu begeben. Das geschieht vor allem in der Gemein-schaft der Christen, der Gemeinschaft derer, die von Gottes Liebe und Freundlichkeit ergriffen wurden. Das geschieht dort, wo man diesem Gott zujubelt und ihm seinen Dank zum Ausdruck bringt. Deshalb ist Gemein-schaft so wichtig, denn Menschenfreundlichkeit gibt es nicht in der Ein-samkeit meines persönlichen Gebetes, sondern immer dort, wo ich sie brauche!

2. Gottes Menschenfreundlichkeit hat ein Ziel: Unsere Seligkeit!
Seligkeit ist nun nicht gerade ein Begriff, der sich uns sofort erschließt. Dieses Wort meint einen Zustand der Freude und Zufriedenheit, der Tat-kraft und der Hoffnung. Seligkeit ist also kein Zustand des gemütlichen Dahinschlummerns nach einem guten Essen. Seligkeit ist das Aufbrechen zu Abenteuern mit optimaler Ausrüstung und starkem Team. Seligkeit ist ein bewusstes und intensives Leben. Seligkeit bedeutet, dass meine Ver-gangenheit geklärt, meine Gegenwart erfüllt und meine Zukunft gesichert ist. Seligkeit ist Leben!
Manche meinen, dass Seligkeit so etwas ist wie 10 Siege des VfL in Folge. Die Bibel sagt, Seligkeit ist das erklärte Ziel Gottes mit seinen Menschen und nicht ein zufälliges, kaum anzunehmendes Ereignis. Gott will, dass du ein Leben führst, in dem du dich freust und in dem du einfach zufrieden bist. Und dieses Leben ist nicht abhängig von anderen Menschen oder Er-eignissen. Es ist nur abhängig davon, dass seine Menschenliebe und Freundlichkeit auch in unser Leben kommt.
Dazu ist Jesus geboren, dazu hat Jesus Zeichen der Liebe und Freundlich-keit in unserer Welt getan, dafür hat er gelitten, dafür ist er gestorben, wurde auferweckt und dazu ist er zu seinem Vater in seine unsichtbare Welt zurückgekehrt!
Wie kommt also seine Liebe und Freundlichkeit zu uns? Wie kommt die entscheidende Wende in unser Leben? Wie kann sich unser hartes Herz verändern? Nur durch Gott! Nur Gott kann das! Und er macht das durch seinen Heiligen Geist.

Ja, ich weiß, dass wir heute nicht Pfingsten feiern. Aber wir können Weih-nachten ohne den Heiligen Geist nicht begreifen. Ohne den Geist Gottes verstehen wir Weihnachten nicht. Denn erst durch den Geist Gottes kommt Gott in unsere Herzen. Der Geist Gottes ist mit dem Vater und dem Sohn eine Einheit. Und er nimmt uns hinein in Gott – er nimmt uns hinein in die Einheit Gottes, er macht uns zu Kindern Gottes.

Eine Frage bleibt nun noch: Wie kommt Gottes Geist in unser Leben? Un-ser Wort sagt, durch eine Badeveranstaltung: durch das „Bad der Wieder-geburt und Erneuerung“.
Nun wissen wir alle, dass Bäder angesagt sind in dem Augenblick, in dem wir unser Äußeres tüchtig verunstaltet haben. Wenn wir total verschwitzt und schmutzig sind, dann ist baden angesagt, oder eine angenehme Du-sche! Auf alle Fälle muss der Schmutz weg, der Schweiß muss ab und die müden Knochen müssen belebt werden. So ist das auch mit unserem Her-zen. Wenn es in unserem Herzen nicht gut aussieht, wenn es da äußerst unangenehme Gerüche hat, wenn da Schmutz und Unrat herumliegt, wenn da wenig Menschenliebe und Freundlichkeit ist, dann kann Gott das auswaschen, abwaschen und erneuern. Wenn wir diese Einsicht in unser Herz haben, wenn wir Gottes Herz kennen gelernt haben und wissen, wie es eigentlich beschaffen sein müsste, dann können wir sagen: „Ja Herr, komm du in mein Herz und reinige es. Vergib mir meine Schuld und Lieb-losigkeit. Vergib, dass ich bislang alles nur für mich eingesetzt habe. Ich will ab jetzt so leben wie du, ich will mit dir leben, aus dir leben und für dich leben. Komm, Heiliger Geist, und fülle du die Liebe Gottes in mein Herz.“
Das ist die Wende!
Jetzt beginnt das Leben!
Jetzt ist Weihnachten in deinem Herzen. Durch den Heiligen Geist ist Jesus in dir geboren!

Weil Jesus auf diese Welt gekommen ist, gibt es Hoffnung für Dagobert. Weil Jesus die Wende gebracht hat, müssen harte Herzen nicht hart blei-ben. In Jesus ist die Menschenliebe und Freundlichkeit Gottes zu uns ge-kommen, damit wir das Leben neu beginnen!
Amen



09.11.2009 Wissen, worauf es ankommt

Predigt von Roland Schindler
1. Thessalonicher 5, 1ff.

1 Von den Zeiten und Stunden aber, liebe Brüder, ist es nicht nötig, euch zu schreiben;
2 denn ihr selbst wisst genau, dass der Tag des Herrn kommen wird wie ein Dieb in der Nacht.
3 Wenn sie sagen werden: „Es ist Friede, es hat keine Gefahr -, dann wird sie das Verderben schnell überfallen wie die Wehen eine schwangere Frau und sie werden nicht entfliehen.
4 Ich aber, liebe Brüder, seid nicht in der Finsternis, dass der Tag wie ein Dieb über euch komme.
5 Denn ihr alle seid Kinder des Lichts und Kinder des Tages. Wir sind nicht von der Nacht noch von der Finsternis.
6 So lasst uns nun nicht schlafen, wie die andern, sondern lasst uns wachen und nüchtern sein.
7 Denn die schlafen, die schlafen des Nachts, und die betrunken sind, die sind des Nachts betrun-ken.
8 Wir aber, die wir Kinder des Tages sind, wollen nüchtern sein, angetan mit dem Panzer des Glau-bens und der Liebe und mit dem Helm der Hoffnung und des Heils.
9 Denn Gott hat uns nicht bestimmt zum Zorn, sondern dazu, das Heil zu erlangen durch unsern Herrn Jesus Christus,
10 der für uns gestorben ist, damit, ob wir wachen oder schlafen, wir zugleich mit ihm leben.
11 Darum ermahnt euch untereinander und einer erbaue den andern, wie ihr auch tut.

Wir leben in einer wunderbaren Freiheit. Aber wie soll man diese Freiheit nutzen? Wie soll man mit ihr umgehen. Der Sprachwissenschaftler Paul de Legarde sagte einmal: „Freiheit heißt nicht, dass wir tun dürfen, was wir wollen, sondern dass wir werden dürfen, was wir sollen.“
Du darfst werden, was du eigentlich sein sollst! Eine wunderbare und spannende Aufgabe. Dabei muss man natürlich wissen, was wir sein sol-len. Paul de Legarde rät: „Werde ein Deutscher“. Die Bibel sagt: „Denn Gott hat uns … dazu bestimmt, das Heil zu erlangen durch unsern Herrn Jesus Christus, der für uns gestorben ist, damit, ob wir wachen oder schlafen, wir zugleich mit ihm leben.“ (1. Thessalonicher 5, 9-10)
Wir sollen in Christus leben und Christus werden. Ein Christ ist also in ers-ter Linie nicht ein Mensch, der in einer Kirche Mitglied ist oder der in einer Gemeinde mitarbeitet, sondern ein Mensch, der entdeckt: Ich soll mit Je-sus Christus leben und ich soll so werden wie er.

Am Ende des Jahres, wenn die Tage kürzer werden und die Abende län-ger, sind wir herausgefordert uns dem zu stellen, was wichtig ist. Wir sol-len uns konzentrieren auf das, worauf es ankommt: Christ werden!

Ein schönes Bild für einen Menschen, der weiß, worauf es ankommt, fin-den wir in Paul Potts. Sehen wir uns das Video an, in dem Paul Potts das wurde, was er werden wollte.

Paul Potts war ein einfacher und unauffälliger Mensch. Er studierte zwar Philosophie und erwarb seinen Abschluss mit einer Arbeit über „Die Frage des Bösen und des Leids in einer von Gott geschaffenen Welt.“ Doch da-nach schlug er sich durch als Arbeiter in einer Supermarktkette und später als Handyverkäufer. Seine heimliche Leidenschaft war das Singen. Er sang in mehreren Kirchenchören mit und gewann 1999 bei einer Talentshow den ersten Preis. Doch ihn stoppen immer wieder Schicksalsschläge: 2002 hatte er einen Blinddarmdurchbruch, dann musste ihm ein gutartiger Tu-mor entfernt werden und schließlich erlitt er bei einem Fahrradsturz einen Schlüsselbeinbruch. Singen konnte er erst wieder vor der Castingshow „Britain´s Got Talent“.
Potts konnte nicht viel, hatte sehr bescheidene Mittel, aber er wusste, worauf es ankommt: Seine Stimme zu verbessern und seine Stimme zu nutzen. Dieses Ziel verfolgte er. Und am 17. Juni 2007 gewann er diese Castingshow. Er erhielt ein Preisgeld von 100.000 Brit. Pfund und konnte endlich seine Schulden bezahlen und seine Zähne richten lassen.
Potts wusste, worauf es ankommt. Er wollte Sänger werden. Dieses Ziel verfolgte er. Er setzte seine Mittel ein, um seine Stimme zu schulen. Fuhr nach Italien und nahm Gesangsunterricht.

Ich wünsche uns, dass wir diese Leidenschaft gewinnen, und dass wir die Freiheit nutzen, die uns zur Verfügung stellt, „…um werden zu dürfen, was wir sein sollen“: Christen!

Dazu gibt uns Paulus in diesem Brief an die Thessalonicher 3 Übungsein-heiten:
1. Den Herrn erwarten
Paulus sagt den Menschen in Thessaloniki: es gibt ein geschichtliches Er-eignis, das garantiert eintrifft und das gleichzeitig das Ziel der Zeit ist: Je-sus kommt wieder. Und Gott möchte, dass wir dieses Ereignis nicht zit-ternd und zagend erleben, sondern voll Freude. Wir sind dazu bestimmt, bei diesem Ereignis in Jubel auszubrechen.
Die einen wird lähmendes Entsetzen packen und die anderen werden wei-nen vor Glück. Deshalb sollen wir jetzt schon dieses Ereignis eindeutig auf der Rechnung und im Bewusstsein haben. Jesus kommt wieder! Deshalb sollen wir uns ausrichten auf Jesus. Unser Leben benötigt eine klare Rich-tung, damit wir die vielen Entscheidungen auch treffen können, wissen, was zu tun ist, unser Lebenskapital richtig einsetzen und nicht sinnlos ver-zocken.
Die Bibel versteht unter Sünde so etwas wie „am Ziel vorbei leben“. Der Mensch soll sein Leben in einer klaren Ausrichtung gestalten – aber er tut das nicht. Er nützt Freiheit, um tun zu können, was er will. Und so lebt er an dem Ziel seines Lebens vorbei. Das nennt die Bibel Sünde. Zielverfeh-lung ist tragisch. Wenn das Leben nicht ins „Schwarze“ trifft, geht es in der Weite verloren.
Jesus ist dazu gekommen, dass wir wieder wissen, wozu wir da sind. Wir sollen in der Gegenwart Gottes leben. Wir sollen aus ihm heraus leben und für ihn unsere Gaben einsetzen. Jesus lädt uns ein, ihm nachzufolgen und so wieder in die Gegenwart Gottes zurück zu finden.
Wir dürfen mit Jesus leben und ihm ähnlich werden. Das soll unser Leben prägen, unseren Alltag, unsere Beziehung, unsere Arbeit, unsere Freizeit, unsere Ziele und unsere Wünsche.
Dann wird die Freude im Leben wachsen, diesem Jesus zu begegnen. Dann wird die Sehnsucht kommen, ganz bei ihm zu sein. Dann wird dieses Wissen zum Trost: Ja, Herr Jesus, Du kommst wieder – Herr, komm bald! Dann wird dieser Zeitpunkt unser Zielpunkt. Wir wissen: entweder kommt der Herr zu uns oder wir kommen zu ihm – wann das sein wird, wissen wir nicht. Aber dass diese Begegnung bevorsteht, das wissen wir.

2. Handlungsfähig erhalten
Das zweite Übungsfeld: Erhalte deine Handlungsfähigkeit!
Warten meint nicht: stell dich in die Ecke und vertreibe dir die Zeit, bis Jesus kommt. Warten bedeutet nicht die Zeit tot schlagen, sondern die Zeit auskaufen.
Bild: wenn wir auf einen lieben Menschen warten, dass ist dieses warten gepaart mit hoher Konzentration darauf, alles so zu gestalten, dass er sich nach seiner Ankunft freut und wohl fühlt, dass er weiß: Ich bin erwartet!
Wartende sind Handelnde.
Wachen heißt aber auch: ich bin herausgefordert, frisch und munter zu sein sein, Gestaltungs- und Handlungsfähig zu sein. Verliert nicht euere Gestaltungs- und Handlungsfähigkeit; Lebt euch nicht ohnmächtig.
Problem heute: Unsere Welt bindet uns an uns selbst; wir sind festgelegt auf unsere Bedürfnisse; wir sind ausgerichtet auf unsere Erwartungen; wir sind hergerichtet als Konsumenten.
Davon müssen wir uns lösen.
Wachen und nüchtern sein: Handlungsfähig bleiben!
Wir benötigen dazu Licht, denn die Bibel sagt: Der Herr ist mein Licht und mein Heil; Licht ist der Ort der Geborgenheit in der Gegenwart Gottes. Licht treibt die Furcht aus! Dieses Licht spendet nicht eine brennende Ker-ze oder eine glühende Lampe. Dieses Licht ist das Wort Gottes. Hier fin-den wir eine rechte Sehhilfe für unser Leben. Hier entdecken wir, worauf es heute ankommt.

Deshalb gilt es nun, in dieser Ausrichtung sein Leben zu gestalten und da-bei handlungsfähig zu bleiben. Wer auf das Ziel ausgerichtet bleibt, der lebt so, dass er weiß, worauf es ankommt; Er kann Prioritäten setzen. Er kann die Dinge tun, die bleiben = die Werke, die Jesus zuvor getan hat, dass wir in ihnen wandeln sollen; Die Werke folgen uns nach – so sagt es Luther; Sollen sie Bestand haben, dann können es nur Jesu Werke sein.

3. Geschützt bleiben
Wir leben im Schnittfeld von Welten. Wir leben in einer Zeit, in der Fins-ternis herrscht – aber das Licht schon eingebrochen ist – Licht und Fins-ternis vertragen sich nicht. Sie schließen jeweils das andere aus. Wie kön-nen wir hierin leben – indem wir uns schützen mit den Gaben, die Gott uns gegeben hat.
Panzer des Glaubens und der Liebe = er schützt unsere Seele. Wir sol-len Vertrauen und Liebe im Leben wach halten. Das geschieht, indem wir im Gebet bleiben; Von Gott empfangen wir, was wir nicht in uns vorfinden und was wir nicht haben; diese Rohstoffe liegen nicht in unseren Genen – das hat Gott. Und er möchte uns damit reich versorgen.
Gott will uns Vertrauen geben: Habt vertrauen – gerade an den Stellen, an denen ihr euch sorgt; Habt vertrauen!
Wer in seinem Leben vertrauen zu Gott hat und von ihm geliebt lebt, der lebt gesund!
Die Liebe Gottes ist eine Macht, die unser Leben ausrichtet – auf Gott hin und auf den Nächsten hin. Wer liebt, der nimmt Gottes Herzensanliegen auf.
Helm der Hoffnung und des Heils - schützt unseren Geist; Wir haben eine Hoffnung, die uns niemand nehmen kann! Wir haben ein Heil, das uns jetzt schon in Besitz genommen hat! Heilsames Leben kann sich jetzt in unserem Alltag entfalten! Ich darf erwartungsvoll leben!

Wer glaubt, der wagt.
Wer liebt, der sieht seine Mitmenschen und nimmt sie ernst.
Wer hofft, gibt nicht auf.
Hoffnung ist nicht utopisch, sonder sie ist in Jesu Tod und Auferstehung verbürgt.
Wir sollen uns nicht in die vergehende Welt einbauen, wie in eine Küche ein Küchenschrank eingebaut wird – dieser Schrank kommt eben nur in einem Raum vor. Wir aber leben in dieser Welt und doch auch schon im Anbruch einer Herrschaft, von der nur derjenige etwas weiß, der Gott kennt und sich auf sein Wort einlässt.
Frage: Schirmen wir uns durch die Art und Weise, wie wir unser Leben führen, von unserem Herrn ab oder nicht? Halten wir ihn auf „Distanz“ o-der halten wir die Angebote dieser Welt auf Distanz.
Wir sollen durch eigenes Nachdenken immer wieder Wege finden, wie wir die Gegenwart Gottes den Menschen als Hoffnung bezeugen können. Un-ser eigenes Denken dürfen wir nicht aufgeben – das ist unbequem aber wichtig. Vielleicht ist es gerade deshalb so wichtig, dass wir jetzt über den Tag nachdenken, weil wir uns in der dunkelsten Jahreszeit befinden; Die Nacht wird mit zwei Zuständen verbracht: Schlaf oder Rausch; Rausch = Rasen, Zustand der Besinnungslosigkeit.

Wir werden Herausgefordert wahrzunehmen, dass wir im Anbruch des neuen Tages leben, der schon im Kommen ist und dennoch vorerst ver-borgen ist. Im Licht leben wir nur insofern, indem wir durch das Wort Got-tes in der Gegenwart seines Sohnes leben. So können wir unser Leben gestalten. So können wir von Gott her für Menschen da sein.
Gott hat uns diese Schutzgaben für unser Leben zur Verfügung gestellt. Er gibt sie. Nicht wir müssen uns schützen – wir müssen uns von Gott schüt-zen lassen. Gott, der Herr, er ist derjenige, der uns bewahrt und der für uns in dieser Welt wirkt.

Wie hieß das noch: „Freiheit heißt nicht, dass wir tun dürfen, was wir wol-len, sondern dass wir werden dürfen, was wir sollen.“ Wir dürfen die Zeit nützen, Jesus ähnlicher zu werden – das freut Gott und das weckt Hoff-nung bei den Menschen, die nicht wissen, wie es wird in ihrem Leben und in dieser „dunklen“ Welt.
Amen

21.12.2008 Haben wir Grund zum Jubeln?

Lukas 1, 46-55

Predigt am 21. Dezember 2008 in Lobetal von Roland Schindler

Und Maria sprach: Meine Seele erhebt den Herrn,

und mein Geist freut sich Gottes, meines Heilandes:

denn er hat die Niedrigkeit seiner Magd angesehen. Siehe, von nun an werden mich selig preisen alle Kindeskinder.

Denn er hat große Dinge an mir getan, der da mächtig ist und dessen Name heilig ist.

Und seine Barmherzigkeit währt von Geschlecht zu Geschlecht bei denen, die ihn fürchten.

Er übt Gewalt mit seinem Arm und zerstreut, die hoffärtig sind in ihres Herzens Sinn.

Er stößt die Gewaltigen vom Thron und erhebt die Niedrigen.

Die Hungrigen füllt er mit Gütern und lässt die Reichen leer ausgehen.

Er gedenkt der Barmherzigkeit und hilft seinem Diener Israel auf,

Wie er geredet hat zu unseren Vätern, Abraham und seinen Kindern in Ewigkeit.

Haben wir Grund zum Jubeln? Nun, sicher hat nicht jeder Grund dazu. Eine Familie hatte Besuch und sie saßen zu Tisch. Der Vater bat seine 4 jährige Tochter, dass sie das Tischgebet sprechen sollte. Sie meinte: „Papi, aber du kannst das doch viel besser!“ Er: „Das ist ganz einfach. Sprich doch einfach das Gebet nach, das ich heute Morgen gebetet habe.“ Das Mädchen überlegt kurz, dann faltet es die Hände, kneift die Augen zu und spricht: „Oh Gott, wie sollen wir bloß den schrecklichen Besuch heute Mittag überleben. Amen.“

Nein, es hat nicht jeder Grund zum Jubeln!

Verjubelt wurde ja einiges in diesem Jahr. Aber gejubelt wurde eigentlich nur in Spanien. Und das auch nur Anfang Juli.

Nein, es ist nicht die Zeit zum Jubeln. Die Wirtschaftslage ist angespannt. Die Kanzlerin hat das Frühwarnsystem eingeschaltet und bereitet uns darauf vor, dass es im neuen Jahr noch schwieriger werden wird.

Nein, gejubelt wird nicht. Gut, es sieht noch nicht zu Schwarz aus. Jedenfalls war der Umsatz im Weihnachtsgeschäft 08 sogar noch etwas höher als im letzten Jahr. Bei vielen wackelt der Job oder zumindest ist die berufliche Zukunft so sicher nicht. Aber zu wenige Euros sind eine Sache, die andere ist die, ob uns in unseren Familien und uns ganz persönlich zum Jubeln zumute ist.

Das Wort „jubeln“ kommt von jubilieren, was soviel wie „jauchzen, jodeln“ bedeutet. Jauchzen bedeutet, dass man Grund hat, einen Freudenschrei auszustoßen.

Und das geschieht hier in unserem Bibelwort. Ein junges Mädchen jauchzt laut und jubelt so stark, dass es uns bis heute zu Gehör kommt.

Es ist übrigens sehr erstaunlich, dass sie jubelt, denn sie hat vernehmen müssen, dass sie schwanger wird, dass ihr sozusagen von Gottes Geist ein Kind in den Schoß gelegt wird. Sie ist noch nicht verheiratet. Was wird das geben? Was werden die Leute sagen? Wird ihr die Verachtung der Familie entgegenschlagen?

Sie hört, dass dieses Kind „Sohn des Höchsten“ genannt wird – vielleicht wäre ihr „Sohn der Maria“ lieber? Aber davon steht hier nichts.

In dieser Situation jubeln? Da muss man schon sehr genau hinhören, um zu erfahren, was der eigentliche Grund der Freude ist, die aus Maria nur so heraussprudelt.

Drei Kennzeichen erfahren wir, an denen wir erkennen können, ob es Grund zum Jubeln gibt oder Grund dazu, sich ernsthaft Sorgen zu machen.

1. Maria erfährt Gottes Barmherzigkeit

Maria jubelt deshalb, weil sie Gottes Handeln in ihrem Leben erfahren hat. An dieser Stelle werden viele Zeitgenossen sehr skeptisch: jubeln, weil Gott handelt?

Ein Buch prägte die Religionsgeschichte des letzten Jahrhunderts: 1976 Erschien das Buch „Die Gottesvergiftung“ von Tilmann Moser. Es geht dabei um die wuterfüllte Auseinandersetzung mit der religiösen Erziehung und einem bedrohlichen Gottesbild des Autors sowie einer psychoanalytischen Untersuchung der Struktur der Kirchenlieder und Choräle, die speziell dem Gefühl der Geborgenheit in Gott gelten. Tilmann Moser hat nur Zwänge erlebt. Gefängnis, Druck und Angst. Wie soll man da gesund bleiben können?

Zum Beginn unseres Jahrhunderts schrieb Richard Dawkins das Buch „Der Gotteswahn“. Er schreibt: „Stellen wir uns doch mit John Lennon mal eine Welt vor, in der es keine Religion gibt – keine Selbstmordattentäter, keinen 11. September, keine Anschläge auf die Londoner U-Bahn, keine Kreuzzüge, keine Hexenverfolgung, keinen Gunpowder Plot, keine Aufteilung Indiens, keinen Krieg zwischen Israelis und Palästinensern, kein Blutbad unter Serben/Kroaten/Muslimen, keine Verfolgung von Juden als »Christusmörder«, keine »Probleme« in Nordirland, keine »Ehrenmorde…“

Er fordert, dass man Gott herausschneidet aus der Weltgeschichte. Er würde jubeln, wenn Gott tot wäre.

Was um alles in der Welt hat da aber Maria erfahren, dass sie nicht eingeschüchtert reagiert, nicht gefügig gemacht wurde und scheinbar unter keinen Druck geraten ist? Nicht als Zwang hat sie das alles erfahren – vielmehr als eine Art „Auszeichnung“. Maria jubelt über einen Gott, der sich von Generation zu Generation „barmherzig“ zeigt. Er hat ein Herz, er ist gütig und freundlich, er hilft und stärkt, er tröstet und ermutigt, er ringt darum, dass seine Menschen entdecken, was das Leben ist.

Jesus wird in eine Welt geboren, die randvoll gefüllt ist mit Gottesbildern. Überall verehrt man Götter. Überall betet man Dinge und Wesen an, Opfert Zeit und Geld und erwartet dafür Erfolg, Wohlstand – zumindest Spaß. Jesus sagt selbst, dass es später eine Menge Menschen geben wird, die zu ihm sagen: „Herr, Herr!“ Und er muss sagen: Es liegt nicht im Namen, es liegt nicht in Begriffen, es geht nicht um eine richtige und falsche Theologie, sondern es geht um „Barmherzigkeit“! Hast du barmherzig gelebt? Hast du geteilt, geholfen, getragen, gekleidet, gestärkt und gepflegt? Und hast du dir diese Barmherzigkeit und diese Liebe von meinem Vater im Himmel schenken lassen?

Oh ja, es gibt einen Glauben der Krank macht und einen Gott, der Angst macht. Hier tritt aber ein Gott aus dem Verborgenen, der nicht tausend Namen hat und der nicht heute so und morgen so ist. Hier zeigt sich ein Gott, der völlig eindeutig ist: barmherzig und gütig!

Und das hat Auswirkungen. Maria sagt: „Er hat die Niedrigkeit seiner Magd angesehen…“ Herunterblicken auf die Niedrigkeit – das ist die Blickrichtung Gottes – das ist seine Bewegung. Niedrigkeit – da ist einer unbedeutend, austauschbar, verzichtbar, Spielball der Mächtigen, ein Bauer auf dem Schachfeld der Gesellschaft. Und Gott beugt sich herab und trifft eine Liebeswahl. Er wählt Maria, damit er mit seiner Barmherzigkeit endlich das Herz der Menschen verändern kann. Deshalb werden nun Generationen um Generationen Marias Namen in Verbindung mit Gottes Güte und Liebe nennen. Dieser Name ist eingebrannt als Markierung für einen Wendepunkt im Fahrplan der Weltgeschichte.

Gott ist barmherzig und seine Barmherzigkeit wird Mensch, erreicht Menschen, rettet Menschen, erneuert Menschen. Das muss unsere Welt wissen. Das müssen die Menschen neu entdecken! Das muss ihnen gesagt werden – von uns!

2. Maria jubelt, weil sie um das Ende weiß.

„Er übt Gewalt mit seinem Arm und zerstreut, die hoffärtig sind in ihres Herzens Sinn. Er stößt die Gewaltigen vom Thron und erhebt die Niedrigen. Die Hungrigen füllt er mit Gütern und lässt die Reichen leer ausgehen.“ Wo denn? Wo geschieht das denn?

In unserer Welt werden doch die Reichen noch Reicher, die Hungrigen noch Hungriger, die Gewaltigen noch Grausamer und die Stolzen noch hochmütiger.

Das ist es doch, was die Kritiker den Christen vorwerfen: Wenn es einen Gott gäbe, müsste die Welt nicht anders aussehen? Aber Gott scheint ohnmächtig zu sein und seine Leute „Besserwisser“.

Dach Maria besingt hier nicht den Status Quo der Gottesherrschaft. Maria hat den Blick frei auf das, was am Ende der Weltzeit zählt. Es ist Zukunftsmusik, die hier ertöt. Aber eine Zukunftsmusik, die bereits jetzt die Gegenwart prägen und die Herzen verändern will.

Maria zeigt uns, dass unser Leben eine Wegstrecke zurücklegt. Es gibt einen Lebensweg. Am Ende dieses Weges wird man sehen, worauf es ankommt – das sieht man nicht vorher. Aber das hört man! Das wird hineingesungen seit jenem Tag. Dem kann man sich nicht entziehen – man kann sich verschließen, aber nicht davonlaufen und so tun, als würde man es nicht hören.

In Maria wächst schon der, der das in uns Menschen möglich machen kann, dass wir ein Herz bekommen, barmherzig leben können, uns an Gott freuen können und für Menschen da sein können. In Maria wächst dieser Jesus – und er will auch in uns wachsen und Gestalt annehmen. Er will durch uns in dieser Welt Zeichen der Güte und Barmherzigkeit Gottes setzen. Öffnet euch diesem Herrn! Das geht nicht ohne unsere Bereitschaft – Gott will unsere Einsicht und unser Vertrauen wecken. Er will unsere Offenheit erbitten. Wir dürfen ihn aufnehmen. Er hat Erfahrungen mit einfachen Behausungen und seltsamen Gerüchen. Er kam in den Stall – dann wird ers auch bei uns aushalten. Er kommt mit seiner prägenden Kraft. Er schenkt uns Würde und Mut. Er richtet uns auf und erhebt uns. Er ermutigt uns, diese Welt zu verändern.

Maria zeigt uns einen Blick aufs Ende. Vom diesem Ende her dürfen wir unser Leben gestalten. Lasst uns ein eindeutiges Leben gestalten. Wir können es, weil wir wissen, was am Ende zählt und worauf es jetzt ankommt. Lebt barmherzig. Lebt vom Herzen Gottes her.

3. Gott ist treu.

Treue ist die Kraft, dem andern die Barmherzigkeit nicht aufzukündigen und zu entziehen. Er hätte 1000 Gründe „Schluss“ zu machen. Aber Gott hält seine Treue durch. Deshalb kommt am Ende dieses Lobliedes auch Israel ins Spiel. Das Volk, das die erste Adresse war, hat die Annahme der größten Gabe verweigert, die Gott gibt. Dieses Volk wartet heute noch auf den, der die Weltgeschichte nachhaltig verändert und die Herrschaft des Barmherzigen Gottes aufrichtet.

Gottes Treue hält immer noch sein Volk Israel. Keinen lässt er los. Er geht nach. Er leidet mit. Er liebt dennoch. Er schreit sich immer noch die Kehle aus dem Hals und rennt sich die Hacken ab. Er ist treu. Er bleibt treu.

Wenn wir Trost brauchen, dann müssen wir nur auf Israel schauen. Gott ist zu seinem Volk treu – dann ist er auch zu uns treu. Letztlich bringt uns Gottes Treue zum Ziel, nicht unsere Treue. Unsere Treue ist nur ein schwaches Abbild der Treue Gottes.

Gott leidet, weil sein Volk sich nicht in seine offenen Jesusarme wirft. Und das Volk leidet, weil es nichts von Gottes Erbarmen und Vergebung weiß – es ahnt nur etwas von der tiefen Liebe Gottes und von einem neu werden in dieser Liebe.

Maria singt ein lautes Jubellied über Gottes Barmherzigkeit, Gottes gnädiges Gericht und Gottes Treue. Sie jubelt über Gott. Sie betet Gott an – das ist das Ziel des Lebens: Gott anbeten und ihn ehren! Anbetung = vom Ende her die Dinge sehen – Gericht ist vollzogen; Wir sind durch Christus im Stand des Heils! Wir sind nicht auf einem guten Weg, wir sind am Ziel; deshalb können wir frei sein, ihm zu dienen und mit unserem Leben ihm „Danke“ sagen;

Maria lebt aus der Schrift – lebt aus den Psalmen.

Wenig ist überliefert von ihr – dieser Psalm sagt aber das Wesentliche aus. Und er fordert uns heraus, in ihn einzustimmen und mitzujubeln.

Amen

Mittwoch, 17. Dezember 2008

14.12.2008 Zweifeln und Staunen

Zweifeln und Staunen
Matthäus 11, 2-6
Predigt von Roland Schindler
Als Johannes im Gefängnis von den Werken Christi hörte, sandte er seine Jün-ger und ließ ihn fragen: Bist du es, der da kommen soll, oder sollen wir auf ei-nen anderen warten?
Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Geht hin und sagt Johannes wieder, was ihr hört und seht: Blinde sehen und Lahme gehen, Aussätzige werden rein und Taube hören, Tote stehen auf und Armen wird das Evangelium gepredigt; und selig ist, wer sich nicht an mir ärgert.

Kennen sie Ileana Ros-Lehtinen? Diese Dame war in der letzten Woche in den Schlagzeilen der Weltpresse. Denn sie erhielt einen Anruf – einen von der Sorte, wie man ihn nicht täglich erhält. Am anderen Ende der Leitung meldete sich nämlich ein gewisser Barak Obama. Er erkundigte sich, wie es ihr denn so ginge. Darauf hin entgegnete Ros-Lehtinen: „Junge, Du bist ein wesentlich besserer Imitator als dieser Kerl bei Saturday Night Live“. Dann hat sie ihm alles Gute gewünscht und aufgehängt. Der neue US-Präsident ruft doch nicht bei gewöhnlichen Menschen an, dachte die re-publikanische Abgeordnete aus Florida, und würgte Obama noch ein zwei-tes mal ab. Darauf hin rief Obamas designierter Stabschef Rahm Emanuel bei der Abgeordneten an, um Obama anzukündigen. Ros-Lethinen be-dankte sich für die Ehre, als Opfer eines Telefonscherzes ausgesucht wor-den zu sein – und legte wieder auf. Erst als Obama über den Ausschuss-kollegen Howard Berman bei ihr noch einmal anklopfte und bat, diesmal nicht aufzulegen, dämmerte ihr Erstaunliches. Ros-Lehtinen sagte später, dass sie sich bei dem Präsidenten in spe entschuldigt hatte und mit ihm ein gutes Gespräch über außenpolitische Themen führte – übrigens: Oba-ma wollte ihr nur gratulieren, dass sie die Wiederwahl geschafft hatte und somit zu seiner Mannschaft gehörte.
Zweifel – der neue Präsident ruft doch nicht bei ganz normalen Menschen an! Damit kann man doch nun wirklich nicht rechnen. Was interessiert ihn schon mein Leben?

Zweifel plagten auch Johannes, der danach benannt wurde, dass er die Menschen zur Taufe vor dem nahenden Gericht Gottes aufforderte. Denn er wusste: Gott kommt! Der Messias Gottes kommt und er richtet die Herrschaft Gottes auf. Dann wird damit abgerechnet, dass die Menschen Gottes Ehre mit den Füßen getreten haben, sein Wort missachtet hatten, seine Anordnungen belächelten und seine Gaben einfach als selbstver-ständlich einsackten. Wenn dieser Messias kommt, dann führt er Gottes Volk wieder vom Tabellenkeller an die Tabellenspitze der mächtigen Län-der. Dann werden alle zur Verantwortung gezogen, die vorher nicht mit ihm gerechnet und auf ihn gesetzt haben.
Johannes der Täufer sitzt im Gefängnis. Herodes machte, was alle Herr-scher machen mit jenen, die ihre Stimme öffentlich gegen moralische Missstände und gesellschaftliche Vergehen erheben – er beseitigte ihn. Er ließ ihn im Gefängnis verschwinden. Und da sitzt nun Johannes und über-legt: hat er nicht vor einiger Zeit den getauft, der als Messias auftreten soll? Ist er nicht sein Wegbereiter? Ist er nicht derjenige, der das Volk auf ihn hinweisen wollte, damit es im Herzen „klar Schiff“ macht und einen neuen Kurs im Leben einschlägt?

Wie passt das nun zusammen: Der Messias Gottes ist da und mir geht es schlecht? Wie passt das zusammen: Gott kommt zu seinem Volk und ich bin total unfrei und der Willkür anderer ausgeliefert? Wie lässt sich das vereinbaren: Gott richtet sein Reich auf – aber draußen vor der Tür, scheinbar außerhalb meines Lebens?

Drei wesentlichen Hinweisen in diesem Wort gilt es zu folgen, damit wir Menschen vom Zweifeln zum Staunen kommen.

1. Zweifel äußern
Johannes formuliert seine Zweifel und er spricht darüber mit den Leuten, die um ihn sind. Er bekommt immer wieder von Anhängern und Freunden besuch. Mit Ihnen redet er darüber, was ihn so beschäftigt: „Ist Jesus der Messias Gottes? Oder sollen wir auf einen andern warten?“
Es ist nicht augenscheinlich, dass mit Jesus der Messias da ist und mit ihm der Anfang einer heilsamen Geschichte in die Unheilsgeschichte dieser Welt eingebrochen ist. Es ist so wenig davon im Leben des Johannes zu erkennen. Müsste Jesus nicht kommen und ihn aus dem Gefängnis führen. Müsste Jesus nicht diesen Herodes Antipas, der schon seit über 30 Jahren am herrschen ist und der einfach macht was er will, beseitigen. Müsste Jesus nicht um seinen Verdienst wissen? Müsste Jesus nicht… ?
Fragen über Fragen hat sich Johannes gestellt. Fragen werden zu Zweifeln und bohrten Löcher in sein Bild von Jesus als Messias Gottes. Aber dann fasste er sich ein Herz und schickte seine Leute zu Jesus mit genau dieser Frage: Bist du es, auf den wir warten oder kommt da doch noch ein ande-rer?

Johannes formuliert seine Zweifel – er vergräbt sie nicht in sich. Es wer-den so viele Zweifel in Schweigen gepackt – so wirken sie zerstörerisch und löchern die Hoffnung und entleeren sie letztlich. Das Problem an den Zweifeln ist nicht, dass man sie hat – das ist selbstverständlich. Das Prob-lem ist, dass man sie für sich behält. Man meint, dass Menschen, die es irgendwie mit Gott ernst meinen, keine Zweifel haben dürfen. Zweifel sind unchic! Zweifel sind ein Indiz dafür, dass mit meinem Glauben irgend et-was nicht stimmt. Hat Jesus nicht einen jungen Mann nach seiner Aufer-stehung gerügt, weil er an der Realität der Auferstehung Jesu seine Zwei-fel hatte und weil er diese erst aufgeben wollte, wenn der Auferstandene vor ihm erscheint und er sich wirklich überzeugen konnte – die Wunden betasten und die Person erkennen konnte. Hat er anschließend nicht ge-sagt: „Selig sind die, die nicht zweifeln und doch glauben!“?
Nein, hat er nicht. Jesus hat gesagt: Selig sind die, die nicht sehen und doch glauben. Jesus verbietet nicht den Zweifel – der Zweifel ist normal. Jesus fordert heraus: lass es nicht dabei bleiben. Spreche deine Fragen und Zweifel aus. Lass es nicht zu, dass sie deine Hoffnung zerstören. Rin-ge um Antworten!

2. An Jesus nicht Irre werden
Die Freunde des Johannes kommen also zu Jesus und stellen die Frage. Und nun wird es hochinteressant. Denn Jesus müsste ja nun diese Frage beantworten mit Ja oder mit Nein. Eine klare Frage will doch eine eindeu-tige Antwort!
Aber Jesus sagt: Schaut, was ich so mache – er war gerade damit be-schäftigt, sich Kranken und Hilfsbedürftigen zuzuwenden und ihnen die Hilfe Gottes zuzusagen. Hört, was andere über mich sagen – fragt nach, was für Erfahrungen sie mit mir gemacht haben. Das lässt sich alles auf einen Nenner bringen: „Blinde sehen und Lahme gehen, Aussätzige wer-den rein und Taube hören, Tote stehen auf und Armen wird eine erstaun-lich frohe Botschaft verkündigt!“ Geht, und sagt das Johannes!

Nun muss man wissen, dass diese Zusammenfassung, die Jesus bezüglich seines Wirkens macht, damals, im Fahrplan der Weltgeschichte eine ent-scheidende Zäsur markierte. Der Messias kennzeichnet die Wende im Fahrplan dieser Welt. Vor vielen Jahrhunderten trat ein Prophet auf und setzte dafür zwei Markierungen. Hier werden Merkmale zur Identifikation geliefert: „Dann werden die Augen der Blinden aufgetan und die Ohren der Tauben geöffnet werden. Dann werden die Lahmen springen wie ein Hirsch und die Zunge der Stummen wird frohlocken…“ (Jesaja 35,6f.) und: „Der Geist Gottes des Herrn ist auf mir, weil der Herr mich gesalbt hat (das bedeutet, Gott hat ihn zum König bestimmt!). Er hat mich gesandt, den Elenden gute Botschaft zu bringen, die zerbrochenen Herzen zu ver-binden, zu verkündigen den Gefangenen die Freiheit, den Gebundenen, dass sie frei und ledig sein sollen: zu verkündigen ein gnädiges Jahr des Herrn und einen Tag der Vergeltung unseres Gottes…“ (Jesaja 61, 1f.)
Jesus sprach: Geht zu Johannes und sagt ihm. Was ihr mich tun seht!

Wir wissen von keiner Reaktion des Johannes. Wir wissen nur um diese Aufforderung Jesu: Sieh und hör, was mit mir gekommen ist und noch eins gibt er mit: „Selig, wer sich nicht an mir ärgert!“ Johannes muss sel-ber einen Schluss aus dieser Mitteilung ziehen. Johannes muss sich der Herausforderung stellen, sein Verhältnis, seine Beziehung zu Jesus zu ü-berdenken und zu korrigieren.

Es geht um Jesus. Bitte ärgert euch nicht über ihn. Bitte vertraut ihm. Es geht in unserem Glauben nur um diese Person – um nicht anderes. Viele Menschen denken ja, mit dem Glauben an Jesus ist es wie mit dem Weih-nachtsmann: Da muss man einen ganzen Sack voll Sachen glauben! Da muss man an eine Jungfrauengeburt glauben, einen Spaziergang über die Wasseroberfläche für möglich halten, die Heilung von Unheilbaren für möglich halten und dann auch noch darauf setzen, dass Jesus Tote zum Leben erweckt. Man muss sich in den Galaxien und Sonnensystemen Platz für einen Gott vorstellen und für wahr halten, dass er ausgerechnet dieses Staubkorn „Erde“ mit allen seinen Milliarden Menschen geschaffen hat. Man muss an ein altes Buch glauben und am Sonntag zum Erlebtgottes-dienst gehen. Ein Sack voller Dinge, die wir glauben müssen. Und wenn wir´s nicht tun, dann schickt er noch den mit der Rute.
Nein – das ist nicht das, was die Bibel mit „Glauben“ meint. Dabei geht es nur um eine einzige Sache – vielmehr um eine Person: Jesus! Ihm sollen wir vertrauen. An ihm sollen wir uns festhalten, wenn wir den Boden unter den Füßen verlieren. Auf ihn sollen wir bauen, wenn in unserem Leben al-les zerbricht. Auf ihn sollen wir uns verlassen, wenn wir nicht mehr wis-sen, wie es weiter geht und mit ihm sollen wir rechnen, wenn wir am Ende sind. Jesus! Alles andere hat mit ihm zu tun und wird sich zu seiner Zeit klären. Es geht nur um Jesus!
Bitte – werde nicht an ihm irre! Bitte, schreibe ihn nicht ab! Bitte, schreibe ihn nicht vor, wie er zu sein hat! Bitte, entdecke ihn neu! Bitte identifiziere ihn eindeutig: der Messias!

3. Sein Reich ist im Kommen
Mit Jesus Christus ist das Reich Gottes im Kommen. Es hat schon Anfänge gegeben. Es hat schon Dokumentationen seiner Kraft gegeben. Es gibt eine unglaubliche Nachricht von einem Gott, der Schuld selbst sühnt und Schuldige eigenhändig begnadigt und wie Kinder aufnimmt.
Das hat begonnen. Das sieht man noch nicht überall. Aber wo dieser Jesus ist, dort wirkt sich das Neue schon aus! Wo dieser Jesus ist, dort ist Hoff-nung, dort ist Glaube, dort ist Liebe. Wo dieser Jesus ist, dort geschieht die Wende zum Heilsamen! Wo dieser Jesus ist, dort wird die Prophezei-ung aus alter Zeit sogar übertroffen: von Totenauferweckung steht in die-sem Zusammenhang nichts – aber Jesus weckt Tote auf!
Aber das alles gibt es nur „anfänglich!“ Wo dieser Jesus ist, dort beginnt der Herrschaftsraum Gottes, dort beginnen Menschen Gott Platz im Leben einzuräumen und ihr Leben mit Armen und Benachteiligten zu teilen.

Liebe Geschwister, wir befinden uns mitten im Advent. Wir erinnern uns daran, dass Jesus Gekommen ist und Kommen wird. Wir lassen uns her-ausfordern in einer Welt, in der es um das HABEN geht, volle Kanne auf das WERDEN zu setzen. Wer auf Jesus setzt, der wird werden, was Jesus versprochen hat: ein Mensch, der sich an seinem Gott freut und der eine lohnende Zukunft vor sich hat!
Das ist im Werden. Da spricht manches in meinem Leben dagegen. Aber an anderen Stellen und in manchem Leben hat sich das Neue schon mäch-tig in Szene gesetzt. Zögernd und langsam wächst es an vielen Orten. Kaum wahrnehmbar. Verborgen – es ist eben am Beginnen!

Werde bitte nicht an Jesus irre – entdecke ihn neu! Lerne ihn kennen! Hal-te dich an ihm fest! Und dann – dann wirst du auch Erfahrungen mit die-sem Herrn machen. Du wirst ihn wahrnehmen. Du wirst Spuren seines Wirkens und Herrschens in deinem Leben erkennen! Spuren – noch keine Manifestationen! Aber Du wirst eindeutige Hinweise auf diesen Jesus Christus bekommen und wirst staunen!
Wir können heute die Zeit nutzen, damit Jesus noch bei vielen Menschen ankommen kann. Wir können, wie Johannes, Wegbereiter sein. Wir kön-nen Zeugen sein, die man nach Jesus fragen kann. Wir können ab und zu sichtbar machen, dass sich eine heilsame Wende in unserem Leben ereig-net hat.

Ileana Ros-Lehtinen staunte nicht schlecht, dass sie Herrn Obama bekannt war – ja dass er Interesse an ihrem Ergehen hatte und ihr gratulieren wollte! Der lebendige Gott hat Interesse an dir. Er will Jesus immer wieder neu in dein Leben schicken, damit deine Hoffnung nicht verkümmert. Er will, dass du bei seiner letzten und nachhaltigsten Ankunft in seiner Regie-rungsmannschaft bist! Ist das nicht zum Staunen!

Amen

30.11.2008 ER füllt!

Predigt am 30. November 2008 – 1. Advent

von Roland Schindler

Matthäus 21, 1 – 11

1 Als sie nun in die Nähe von Jerusalem kamen, nach Betfage an den Ölberg, sandte Jesus zwei Jünger voraus

2 und sprach zu ihnen: Geht hin in das Dorf, das vor euch liegt, und gleich werdet ihr eine Eselin angebunden finden und ein Füllen bei ihr; bindet sie los und führt sie zu mir!

3 Und wenn jemand etwas sagen wird, so sprecht: Der Herr bedarf ihrer. Sogleich wird er sie euch überlassen.

4 Das geschah aber, damit erfüllt würde, was gesagt ist durch den Propheten, der da spricht: (Sacharja 9,9)

5 „Sagt der Tochter Zion: Siehe, dein Esel kommt zu dir sanftmütig und reitet auf einem Esel und auf dem Füllen, dem Jungen des Lasttieres.“

6 Die Jünger gingen hin und taten, wie Jesus ihnen befohlen hatte,

7 und brachten die Eselin und das Füllen und legten ihre Kleider darauf und er setzte sich darauf.

8 Aber eine sehr große Menge breitete ihre Kleider auf den Weg; andere hieben Zweige von den Bäumen und streuten sie auf den Weg.

9 Die Menge aber, die ihm voranging und nachfolgte, schrie: Hosianna dem Sohn Davids! Gelobt sei, der da kommt in dem Namen des Herrn! Hosianna in der Höhe!

10 Und als er in Jerusalem einzog, erregte sich die ganze Stadt und fragte: Wer ist das?

11 Die Menge aber sprach: das ist Jesus, der Prophet aus Nazareth in Galiläa.

Erwartungen haben – wer hat sie nicht. Frauen haben Erwartungen an Männer und Männer an die Frauen. Kinder haben Erwartungen, Erwachsene haben sie und auch Senioren. Wer lebt, der hat Erwartungen. Wer keine Erwartungen mehr hat, der hat irgendwie mit dem Leben abgeschlossen.

Wir haben Erwartungen an Menschen. Erwartungen verbinden sich mit unserem Glauben. Erwartungsvoll kommen wir in den Gottesdienst.

Drei Stichworte möchte ich heute Morgen etwas genauer ansehen. Es sind drei Verben. Es sind drei Herausforderungen an uns, damit die Adventszeit zu gestalten.

1. Erfüllen

Das Leben von Jesus Christus wird in den Berichten des Neuen Testamentes ständig begleitet von einem Wort: „erfüllt“. Bereits vor seiner Geburt hören wir es: „Das ist aber alles geschehen, damit erfüllt würde, was der Herr durch den Propheten gesagt hat, der da spricht (Jesaja 7,14): Siehe, eine Jungfrau wird schwanger sein und einen Sohn gebären, und sie werden ihm den Namen Immanuel geben.“ Und bei seinem Tod am Kreuz hören wir es wieder: „damit erfüllt würde was gesagt ist durch den Propheten (Psalm 22,19): sie haben meine Kleider unter sich geteilt und haben über mein Gewand das Los geworfen.“ Dazwischen finden wir es weitere 24 Mal.

Mit diesem Jesus werden Versprechen, die Gott in früheren Zeiten seinem Volk gegeben hat, eingelöst. Wir sollten deshalb sehr genau auf diesen Jesus achten. Wenn er die Zusagen Gottes erfüllt, wenn er Sehnsucht nach Gottes Gegenwart stillt und sie in unserem Alltag bringt, dann ist er entscheidend wichtig.

In unserem Wort hören wir auch ein „erfüllt“: „Damit erfüllt würde, was gesagt ist durch den Propheten, der da spricht (Sacharja 9,9): Sagt der Tochter Zion: Siehe, dein König kommt zu dir sanftmütig und reitet auf einem Esel und auf einem Füllen, dem Jungen eines Lasttiers.“

Ach, was hat Israel Jahrhunderte hindurch auf diesen König gewartet. Gefangen in Ohnmacht waren sie immer Spielball von anderen mächtigen Königen. Und gebunden an ihr Temperament und den Drang nach schnellen Lösungen wurden sie auch immer wieder ein Opfer ihrer Erwartungen, die eigentlich immer am „warten“ scheiterten und die immer mit dem „sofort“, nach dem „auf der Stelle und jetzt“ kokettierten.

Sie mussten vieles einstecken. Klar – die Sehnsucht wuchs. Wenn doch endlich dieser König käme. Gott hat das doch versprochen. Wann ist es endlich so weit.

Und nun sahen sie Jesus kommen. Auf einem Esel. Daneben ein Füllen! Muss er es nicht sein?! Wenn er nicht, wer dann! Wie heißt es doch bei dem Propheten Jesaja: „Du, Tochter Zion, freue dich sehr, und du, Tochter Jerusalem, jauchze! Siehe, dein König kommt zu dir, ein Gerechter und ein Helfer, arm und reitet auf einem Esel, auf einem Füllen einer Eselin. Denn ich will die Wagen wegtun aus Ephraim und die Rosse aus Jerusalem, und der Kriegsbogen soll zerbrochen werden.“

Erfüllt! Es ist so weit! Die Menschen geraten in Aufregung. Jerusalem ist aus dem Häuschen. Gott füllt sein Versprechen – mit Jesus! In diesem Jesus kommt der König! In diesem Jesus kommt die Hilfe Gottes! In diesem Jesus erscheint die Wende in der Geschichte dieser Menschen: Gott richtet seine Herrschaft auf! Jetzt wird alles anders werden!

Und wo Gott seine Versprechen erfüllt, füllen sich leere Herzen mit Hoffnung. Er füllt leere Hände mit Mut. Es geht ein Ruck durch die Leute.

2. Erwarten

Doch die Menschen sehen zwar Jesus – aber an ihrem Blick kleben immer noch ihre Erwartungen: „Weg mit der Besatzungsmacht! Schluss mit der Bevormundung! Endlich werden wir wieder selbstbestimmt leben können. Keiner wird uns diktieren, was wir zu glauben, was wir zu tun und zu lassen haben.“

Erwartungen sind gefährlich.

Erwartungen ketten uns an unsere Vorstellungen.

Erwartungen blockieren das „Erkennen“.

Gott füllt seine Versprechen in diesen Jesus. Auf ihn sollten sie warten. Ihn sollten sie erwarten. Ihn sollten sie aufnehmen. Doch nun sehen sie ihn nur im Zusammenhang ihrer Erwartungen. Und wie gefährlich das ist, sieht man kurze Zeit später. Wer die unsere Erwartungen nicht erfüllt, der taugt nichts; der muss weg!

Kennen wir das: Wer mich enttäuscht hat, der ist abgeschrieben. Wer meinen Erwartungen nicht entspricht, von dem wende ich mich ab. Dann begebe ich mich wieder neu auf die Suche. Irgendwer muss doch meinen Erwartungen entsprechen.

Erwartungen sind gefährlich. Oft werden sie nicht ausgesprochen. Aber wenn die geheimen Erwartungen nicht erfüllt werden, dann kommt oft nur die eine Reaktion über kurz oder lang: Schluss mit dem Menschen.

Erwartungen können sich auch auf eine Gemeinde konzentrieren. Da sind endlich Menschen, die sich um mich kümmern. Endlich sind Leute da, die mich mögen.

Vielleicht sind sie ja heute auch mit Erwartungen an den Prediger gekommen: Na hoffentlich hat er seine Haare geschnitten! Er wird doch wohl im 20-Minuten Limit bleiben….

Wir alle haben Erwartungen. Wir müssen lernen, mit unseren Erwartungen umzugehen. Wichtig ist vor allem, dass man seine Erwartungen ausspricht. Nur so wird aus einer Erwartung das, was sie eigentlich ist: ein Wunsch. Und nun kann man abklären, ob ein Wunsch erfüllt wird, ob er verändert wird oder ob ihm – oft mit guten Gründen – nicht entsprochen werden kann.

Wir sollen Jesus erwarten. Können wir das überhaupt? Advent bedeutet „Ankunft, ankommen“. Wir Menschen sollen uns auf die Ankunft von Jesus Christus vorbereiten. Er ist zwar schon gekommen, aber er soll zu mir kommen. Er war schon auf der Erde, aber er wird wiederkommen. Das ist auch ein Versprechen, das Gott gegeben hat. Übrigens ist das das letzte Versprechen, dessen Erfüllung noch aussteht. Aber er wird es auch erfüllen – zu seiner Zeit. Und bis es soweit ist, sollen wir uns darin üben, Jesus zu erwarten!

Er kommt nicht mit Macht, nicht mit einer Armee und nicht in einem grandiosen Schauspiel. Er kommt auf einem Esel. Er kann es sich leisten, denn er ist der einzige König, der nicht von Menschen zum König erklärt wurde, oder der sein Königreich einem anderen entrissen hätte. Er kommt als König. Er ist es – innerlich, von der Vollmacht her. Die irdischen Könige legen alles Gewicht auf das Äußere – doch Jesus kommt arm und einfach. Aber dennoch souverän. Er kommt als ein Herr, der zu helfen weiß und der das Recht Gottes wieder herstellt, nämlich: Dass Gott geehrt wird und dass man auf sein Wort hört. So gelingt das Leben!

Diesen Jesus sollen wir erwarten und empfangen und uns immer wieder neu nach ihm ausstrecken. Und dann merken wir etwas davon, dass Gott in ihm seine Versprechen gefüllt hat – er füllt uns! Er füllt uns mit Frieden und Zuversicht, mit Gaben, die wir so nötig haben.

3. Erzählen

Deshalb müssen wir das weitererzählen. Die Menschen wissen nicht mehr, dass Advent mit Jesus zu tun hat. Die Menschen haben die Adventszeit entleert, indem sie Jesus herausgeschnitten haben. Adventszeit ohne Jesus wird Stress. Weihnachten ohne Jesus sentimental. Ostern ohne Jesus banal und Pfingsten ohne Jesus ist leer.

Wir müssen den Menschen sagen, dass Advent nicht dazu da ist, einen Lichterwettkampf mit der Nachbarstraße zu führen. Advent bedeutet auch nicht, die Weihnachtsgeschenke einzukaufen oder Plätzchen zu backen. Advent bedeutet: sich einlassen auf diesen Jesus. Diesen Herrn im Leben zu erwarten – ihn zu bitten: Komm bitte bei mir vorbei! Ich brauche dich. Ich bin so zerrissen von meinen vielen Ängsten und so enttäuscht von meinen Erwartungen. Eigentlich bin ich auch vom Glauben und der Kirche enttäuscht. Aber ich habe gehört, dass Jesus eine Wende ins Leben bringen kann. Ich hörte von einem Frieden, den er bringt – einen Frieden, der mich zufrieden macht.

Ich habe gehört, dass er helfen kann. Ach ich bin ja so ratlos und so hilflos. Jesus komm und hilf mir!

Ich habe gehört, dass es ganz sicher ist, dass er wieder in unsere Welt hinein kommt. Ganz zuverlässig soll das sein. Viel zuverlässiger als die nächste Verteuerung der Energiepreise. Es ist verbindlich, was Gott sagt. Da sollte man sich darauf vorbereiten.

Geht zu den Menschen und erzählt ihnen von Jesus. Berichtet von dem Einzug bei den Menschen; sanftmütig kam er, aber stark zu helfen.

Denn ER füllt unser Leben jetzt schon, bevor er am Ende der Zeit das letzte, noch offene, Versprechen Gottes erfüllt.

Amen