Montag, 5. Januar 2009

04.01.2009 Alles ist möglich – Yes, HE can!

Predigt in Lobetal am 4. Januar 2009 von Roland Schindler
Lukas 18, 27


„Was bei den Menschen unmöglich ist, das ist bei Gott möglich.“


Jahreswechsel sind oft Anlass für starke Sprüche. Da gibt es im Rückblick auf das alte Jahr die Sprüche des Jahres. Die Hörer des NDR haben über die Vorschläge Ihres Senders abgestimmt. Im abgelaufenen Jahr hat Ba-rak Obama das Rennen gemacht. Sein „Yes, we can!“ ist in alle Munde. Platz zwei belegte sozusagen die deutsche Variante dieses Ausspruchs – natürlich von einem deutschern Politiker: Sie lautet: „Heißes Herz und klare Kante! Das riecht nach Schweiß und Anstrengung. Aber das ist besser als Hose voll!“ Dieses Zitat stammt aus einer Rede von Franz Müntefering bei seinem politischen Comeback im Münchner Hofbräukeller am 3. Sept. des letzten Jahres. Tja, irgendwie sind die US-Politiker doch prägnanter.
Von Jesus war kein Zitat unter den ersten 10 – dafür aber von Papst Be-nedikt XVI. – und wenn er gut ist, dann war doch ein Zitat von Jesus da-bei – hören wir es einmal. Es handelte sich um ein Wort in Bezug auf die Finanzkrise: „"Auf Sand baut, wer sich nur an sichtbaren Dingen orien-tiert, am Erfolg, an Karriere, an Geld."
Es gibt auch schon starke Sprüche für das neue Jahr – ein Wort von Otto von Bismarck wird sehr hoch gehandelt. Er sagte einmal „Es wird nie so viel gelogen wie vor einer Wahl, während des Krieges oder nach der Jagd.“ Eine gute Vorbereitung auf unser Superwahljahr – oder?

Ist nun unsere Jahreslosung auch eines von vielen starken Sprüchen. „Was bei den Menschen unmöglich ist, das ist bei Gott möglich.“ Prägnan-tes Wort. Das klingt irgendwie nach „Toyota“ – sie wissen schon: „Nichts ist unmöglich….!“

Sehen wir unser Wort aber etwas genauer an. Es steht im Zusammenhang einer spannenden Begegnung. Ein wohlhabender Mann aus der jüdischen Oberschicht kommt zu Jesus und fragt ihn: „Guter Meister, was muss ich tun, damit ich das ewige Leben ererbe?“

Zuerst möchte ich klären, worum es bei dieser Frage geht: Ewiges Leben. Was ist damit gemeint? Damals war den Menschen bewusst: Gott schenkt das Leben. Er hat es eingehaucht. Es ist Gabe Gottes. Und das Leben der Menschen ist das Ziel Gottes. Was Gott schafft, das soll bleiben. Der Mensch hat die Gabe Gottes zerstört, weil er Gott den Rücken zugekehrt hat. Der Mensch orientiert sich in seinem Leben nicht mehr an dem, was Gott sagt, was Gott will oder was Gott am Herzen liegt. Trennung von Gott bedeutet Trennung von dem, der Leben schafft und schenkt, bedeutet: Trennung vom Leben!
Doch Gott hat dem Menschen wieder seinen Willen offen gelegt und ihm seine Lebensregeln mitgeteilt. Das ist ein Weg zurück zu Gott. Das ist ein Weg, zurück zu einem Leben mit ihm, zurück zu einem bleibenden Leben in der Gemeinschaft mit Gott.
Was ist also von uns her gesehen zu tun, damit wir wieder in die Gemein-schaft mit Gott zurückfinden und dem Leben auf die Spur zu kommen, ei-nem Leben, das nicht mit dem Herzstillstand endet, sondern mit einem neuen Herzen ausgezeichnet wird?
Jesus zählt einige dieser Gebote auf. Die Antwort verblüfft: „Das habe ich von Kind auf gehalten.“
Jesus spricht: „Es fehlt dir noch eines. Verkaufe alles, was du hast, und gebe es den Armen, so wirst du einen Schatz im Himmel haben. Und komm, und folge mir nach!“ (Lukas 18, 22)

Das hat getroffen. Des griechische Wort, das hier die Empfindungen des Mannes beschreibt, könnte man auch mit dem Wort „Schmerz“ überset-zen. Die Einladung Jesu empfand er wie einen Tiefschlag, wie eine Zumu-tung, wie einen plötzlichen Wetterwechsel. Plötzlich steht er im Regen. Ein Übersetzer schreibt: „ein Schatten legte sich über sein Gesicht“.

Die Bibel nennt sogleich auch den Grund des Wetterumschwungs und den Ort der Erschütterung: „… er war sehr reich.“ Und deshalb schmerzt die Einladung Jesu. Der Hang am Reichtum macht die Armut an Liebe im Herzen deutlich. Nein, so groß ist seine Liebe nicht! – und an dieser Stelle fragt man sich, wie war es denn mit seiner Liebe bestellt, wenn es doch in den Geboten Gottes nur um die Liebe geht und um nichts weiter? Scheinbar ist der Mangel an Liebe das „Kamel“ in unserem Bild-wort. Der Lieblose ist viel zu beladen, als dass er durch das Tor des Le-bens passt. Das ahnt er und macht sich traurig davon. Er trägt Trauer – aber er ist nicht fähig, an dieser Situation irgendetwas zu ändern.

Liebe Geschwister, an dieser Stelle verlassen wir die Zuschauerrolle und werden in diese Geschichte mit einbezogen. Jesus ruft uns in seine Nachfolge und fordert uns auf, der Liebe in unserem Herzen freien Lauf zu lassen und die Benachteiligten in dieser Welt ein Hoffnungszeichen zu schenken. Und plötzlich tut es weh. Bedingungslos in Jesu Gemein-schaft einzutreten – und bedingungslos zu lieben – das tut weh. Und plötzlich empfinden wir einen Schmerz: wir haben zu viele Termine, zu viele Güter, zu viele sehr berechtigte Vorbehalte, zu viele Verpflichtungen, müssen doch für andere Sorge tragen, wir haben wichtige Hobbys, eine sportliche Leidenschaft, zu viele be-rufliche Pläne, wir sind viel zu erschöpft, haben viel zu starke per-sönliche Vorlieben, zu starke negative Erfahrungen, zu große per-sönliche Probleme, und, und, und.
Viel zu beladen um durch die Tür der Liebe ins Leben einzusteigen. Viel zu reich, um gerettet zu werden und nun vorbehaltlos andere auf diesen Ret-ter hinzuweisen und zum Leben einzuladen.

Und nun sind wir bei unserem Wort der Jahreslosung. Jetzt sehen wir, worum es hier geht. Lebendig in Gottes Gegenwart zu kommen, ein leidenschaftliches Herz in der Liebe Gottes zu erhalten und ande-ren zum Leben zu verhelfen – das können wir nicht. Wir können nicht selig werden. Wir können uns nicht retten. Wir haben zwar, wie der Mann in unserer Geschichte, auch unsere Vorzüge und einige Dinge, die uns durchaus auszeichnen. Aber Jesus sagt: eines fehlt dir noch… Wir tra-gen immer noch zu viel mit uns herum und es trennt noch zu viel von der Liebe Gottes und der Not der Mitmenschen. Nein, wir können nicht – nicht einmal Toyota kann – wir haben das falsche Vermögen!

Jesus sagt: Aber Gott kann! Gott hat scheinbar das rechte Vermögen. Hier steht das Wort „dynatos“ – mächtig, gewaltig, das rechte Vermögen haben. Gott ist randvoll mit dem richtigen Vermögen, das unsere Ärmlich-keit erneuern, verändern kann! Gott kann! In Gottes Herzen ist die Sprengkraft, die vor unseren versteinerten Herzen nicht kapitu-liert.
Wer am 10. Dez. beim Allianzgottesdienst mit Ulrich Parzany war, der hat erfahren, was die stärkste Waffe Gottes ist. Ulrich zitierte Wilhelm Busch, der ihn in seiner Jugend für sein Leben geprägt hat. Busch sagte: „Die stärkste Waffe Jesu ist die Schüssel!“(in Anlehnung an die Fußwaschung; Jesus wäscht die Füße der Jünger; er dient ihnen, weil er sie liebt) – das heißt: seine leidenschaftliche und dienende Liebe verändert Herzen. Keine Engelheere und keine Reden über das Endzeitgericht, keine Blitze vom Himmel sondern die Liebe aus Gottes Herzen ist die Kraft, die die Welt verändern weil sie uns Menschen verändern!

Liebe Geschwister: „Yes, HE can! He is mighty!” Das ist das Wort, mit dem uns Gott ins neue Jahr und in unser Leben, in unseren Alltag schickt! Ich möchte kurz drei Konsequenzen erwähnen:
a. wir sehen unsere Ohnmacht unter einem neuen Gesichts-punkt.
Vielleicht muss Gott in vielen Situationen unseres Leben viel zu lange war-ten, bis wir endlich ohnmächtig werden und nicht mehr weiter wissen: in unserer Gemeindearbeit, in unseren Beziehungen, in der Erziehung unse-rer Kinder, in unserer persönlichen Entwicklung. Wir stehen seinem Han-deln oft mit unseren Ideen und Strategien im Weg. Klar, das ist nicht zwangsläufig so. Aber ich denke, dass wir dort, wo wir uns ohnmächtig ganz auf seine Hilfe werfen lassen, sein Wirken und sein Können neu in unserem Leben und in unserer Gemeinde erfahren.
Ohnmacht ist nicht chic – aber in der Ohnmacht liegt die Chance, ganz auf Gottes Handeln zu hoffen, ihn nun „machen“ zu lassen. Liebe Geschwister – Gott kann! Lassen sie uns unsere Ohnmacht als Chancen begreifen – Gott hat Mittel und Wege – lassen sie ihn machen!
b. wir packen Dinge an, die kein Mensch tun kann
Weil Gott kann, können wir Dinge tun, die kein Mensch tun kann. Wir kön-nen miteinander Gemeindebauen und Menschen untereinander verbinden, die schlichtweg nicht zueinander passen und miteinander harmonieren. Wir bauen Gemeinde, obwohl wir das überhaupt nicht können. Wir tun dies nur im Vertrauen darauf, dass er dabei ist und handelt und wirkt, dass er seine Gemeinde baut zu seiner Ehre.
Wir haben uns entschieden, ProChrist in Bochum durchzuführen – obwohl wir das eigentlich nicht können. Wir haben die Zeit nicht, die Kraft schon überhaupt nicht – und vom Geld reden wir am besten nicht. Wir haben in unseren Gemeinden genug zu tun. Liebe Geschwister, wir tun das, weil Gott kann! Er kann bauen. Er kann Menschen in Bochum erneuern. Er kann durch uns wirken. Er kann dabei sogar unsere Gemeinden bauen! Ja, Gott kann! Deshalb stellten sich Petrus und Paulus auch in schwierigen Zeiten nicht ins Abseits, sondern mitten in den Berennpunkt der Zeit. Deshalb treten Christen immer wieder auf und sind mutige Mahner, lei-denschaftliche Diener der Menschen und eindeutige Bekenner der Macht Gottes.
c. wir haben Hoffnung ohne Ende
Weil Gott kann, deshalb wissen wir uns geborgen. In allen Situationen und in allen Grenzerfahrungen unseres Lebens wissen wir: Er kann! Wir wissen nicht, wie er sein Können erweisen und welche Wege er führen wird – a-ber wir wissen: Am Ende wird das Leben mit ihm in seiner Liebe und Lei-denschaft stehen. Unser Leben endet nicht mit dem Herzstillstand - son-dern weil unser Herr lebendig machen kann, führt er auch durch einen Herzstillstand zu neuem Leben und neuem Herzen.
Gestern war ich in einem Hagener Krankenhaus und habe das Abendmahl einer älteren Dame ausgeteilt, der die Ärzte am Morgen rieten: Verab-schieden sie sich von ihrer Familie. Sie lag in ihrem Bett, schwach und zerbrechlich. Aber sie strahlte über ihr Gesicht. Sie wusste: wenn die Men-schen am Ende sind, ist Gott noch lange nicht am Ende. Er führt zum Le-ben – ob noch hier in dieser Zeit oder durch den Tod in die Ewigkeit, das ist seine Sache. Aber Tatsache ist: Gott kann! Gott wird! Diese Frau war geprägt von dieser Hoffnung.

Liebe Geschwister, unsere Jahreslosung möchte uns Mut machen, damit wir uns ganz auf unseren Herrn verlassen, dass wir Dinge anpacken die wir ohne ihn nicht tun können, dass wir liebend und leidenschaftlich auf-brachen zu den Menschen in unserer Stadt und bekennen: Yes, HE can!

Amen

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