Montag, 16. Februar 2009

15.02.2009 Das Wort Gottes kommt zum Ziel

Predigt in Lobetal von Birgit Hasenberg


Predigttext (zunächst nur Lukas 8, 4-8):

Als nun eine große Menge beieinander war und sie aus den Städten zu ihm eilten, redete er in einem Gleichnis: Es ging ein Sämann aus zu säen seinen Samen. Und indem er säte, fiel einiges auf den Weg und wurde zertreten, und die Vögel unter dem Himmel fraßen's auf. Und einiges fiel auf den Fels; und als es aufging, verdorrte es, weil es keine Feuch­tigkeit hatte. Und einiges fiel mitten unter die Dornen; und die Dornen gingen mit auf und erstickten's.

Und einiges fiel auf gutes Land; und es ging auf und trug hundertfach Frucht. Als er das sagte, rief er: Wer Ohren hat zu hören, der höre!

Ihr Lieben!

„Es ging ein Sämann aus, zu säen seinen Samen.“ - Mit diesem einen Satz ist Jesus mitten drin im Alltagsgeschehen der Menge, die ihm gefolgt ist.

Große Reden sind sie gewohnt - und große Taten hatten sich herumgesprochen; als guter Wanderprediger ist Jesus bekannt - aber als Geschichtenerzähler hatten sie ihn vorher noch nicht erlebt.

„Es ging ein Sämann aus, zu säen seinen Samen.“

Wenn ich mir die Handbewegung so vorstelle, dann musste ich in diesen Tagen daran denken, dass wahrscheinlich viele von uns genau diese auch “ausgeführt” haben ... allerdings müsste der Satz dann eher heißen: Es ging ein Hausbesitzer aus, zu streuen Salz auf seinen Bürgersteig....

Das klingt zwar nicht so abgerundet wie bei Martin Luther - aber der Wunsch, dass diese Salzkörner etwas Sinnvolles tun, (und nicht nur die Schuhe und die Wohnungen verdrecken), der ist doch auch vorhanden ... und auch so Salzkörner können “falsch” fallen.

Aber vielleicht bleibe ich doch besser bei dem Wortlaut Jesu:

„Es ging ein Sämann aus, zu säen seinen Samen.“

Dieser Einstieg in eine Rede Jesu ist neu - jedenfalls dem geneigten Leser dieses Evangeliums... und irgendwie scheint diese ganze Geschichte nicht richtig zu passen zu dem Mann, der sonst so vollmächtig von Gott und vom Glauben redet:

„Ich bin gekommen, die Sünder zur Buße zu rufen und nicht die Gerechten ... Selig seid ihr Armen; denn das Reich Gottes ist euer.“

Solche - provokativen - Sätze erwarten sein Zuhörer; solche Sätze klingen lange nach; solche Sätze rütteln auf und setzen in Bewegung, so dass die Menge Jesus folgt und mehr von ihm hören will.

„Es ging ein Sämann aus, zu säen seinen Samen.“

Was soll diese Geschichte? Ist Jesus unter die Romantiker gegangen?

Warum erzählt Jesus von der harten Arbeit eines Bauern?

Gekonnt skizziert Jesus die Realität eine Bauern in Palästina; gekonnt skizziert er die Lebensrealität seiner Zuhörer. Ja, seine Zuhörer können sich ohne Probleme in diesen Sämann hineinversetzen ... vielleicht haben sie genau das schon selbst erlebt: zuerst sind sie über das Stück Land gegangen, das zum Ackerfeld werden soll und haben ihren Samen ausgestreut ... auf den Weg, den Felsen, zwischen die Dornen und den noch vom letzten Jahr erhaltenen „guten Boden“: Erst danach sind sie dann mit dem Pflug über das ganze Stück Land gezogen und haben den Boden aufgebrochen, so dass die Samen untergepflügt werden.

Zwischen dem Säen und dem Pflügen liegt die „Risikospanne“. Nicht jeder Samen hat überhaupt die Chance wirklich aufzugehen und dann auch Frucht zu tragen. Bis der Pflug den Boden aufbricht, kann schon viel passiert sein mit so einem Samenkorn. Ja, so ist das im Leben eines Bauern. Es gibt ein „Berufsrisiko“.

Jesus erzählt vom Alltag der Menschen; seine Zuhörer können sich ohne Probleme in ihrer eigenen Mühe um den Samen und das Ackerfeld, in ihrem Hoffen und Bangen um die Ernte wiederfinden.

Was aber soll diese Geschichte, dieses Gleichnis?

Schon Jesu Jünger hatten diese Frage gestellt - und diesmal, anders als bei anderen „Gleichnissen“, die Jesus erzählt hat, hat er auch selbst eine Erklärung beigefügt, die uns der Evangelist nicht verheimlicht.

Ich lese aus Lukas 8 noch die Verse 9-15:

Es fragten ihn aber seine Jünger, was dies Gleichnis zu bedeuten habe.

Er aber sprach: Euch ist´s gegeben, die Geheimnisse des Reiches Gottes zu verstehen, den andern aber in Gleichnissen, damit sie es nicht sehen, auch wenn sie es sehen, und nicht verstehen, auch wenn sie es hören. Das Gleichnis aber bedeutet dies: Der Same ist das Wort Gottes. Die aber auf dem Weg, das sind die, die es hören; danach kommt der Teufel und nimmt das Wort aus ihrem Herzen, damit sie nicht glauben und selig werden. Die aber auf dem Fels sind die: wenn sie es hören, nehmen sie das Wort mit Freuden an. Doch sie haben keine Wurzel; eine Zeit lang glauben sie und zu der Zeit der Anfechtung fallen sie ab. Was aber unter die Dornen fiel, sind die, die es hören und gehen hin und ersticken unter den Sorgen, dem Reichtum und den Freuden des Lebens und bringen keine Frucht. Das aber auf dem guten Land sind die, die das Wort hören und behalten in einem feinen, guten Herzen und bringen Frucht in Geduld.

„Es ging ein Sämann aus, zu säen seinen Samen.“ - Der Same ist das Wort Gottes.

Mit diesem Schlüssel zum Verständnis erhält das Gleichnis vom Sämann eine neue Dynamik: denn nun geht es nicht mehr um das so mühsame und oft so vergeblich erscheinende Tun eines Bauern in Palästina; nun geht es um Gottes Tun und um unsere Aufgabe:

Gott gibt sein Wort in diese Welt und dort soll es „Frucht“ bringen. Ja, so ist das - und doch stimmt es nicht ganz, denn das Wort „Welt“ sprengt den Rahmen des Gleichnisses.

Der Sämann ist ja nicht in ganz Palästina herumgelaufen und hat irgendwohin seinen Samen verstreut, vielleicht sogar in den See Genezareth - und hat dann erwartet, dass irgendein „Wunder“ geschieht und die Samen aufgehen.

Nein, der Sämann hat den Samen auf das Stück Land geworfen, das als Ackerboden bestimmt war ... und so ist das auch mit dem Wort Gottes:

Das Wort Gottes kommt nicht einfach nur so in die Welt; das Wort Gottes kommt zu Menschen, die es hören können.

Das Wort Gottes kommt zu den Menschen - und dann?

Schauen wir doch einmal, was dann passieren kann. Ich gehe jetzt einfach durch die Reihen und “streue” Wort Gottes aus ... [es werden für jeden und jede kleine Kärtchen mit Bibelworten ausgeteilt ... die Gottesdienstbesucher sind eingeladen, das Wort zu lesen, darüber nachzudenken - und dann wer mag, dieses laut vorzulesen und den anderen Anteil zu geben, warum und wie dieses Wort ansprechend ist... - ob das “umgesetzt wird” ist die “Risikospanne der Predigerin]

Durch Menschen, durch die Bibel lässt Gott sein Wort Menschen zu Gehör kommen. Und dann, wenn das Wort zu Gehör gekommen ist, beginnt die „Risikospanne“ für das Wort Gottes.

Erst wenn der Same auf den Boden geworfen ist, - und eigentlich auch untergepflügt werden könnte und aufgehen könnte, kann der Sämann erahnen, an welcher Stelle durch Dornen, Vögel oder Felsen einige der Samen keine Frucht bringen werden. -

Solange der Samen noch im Sack ist, ist es recht müßig über Erfolgs- oder Misserfolgsquoten nachzudenken!

So ist das auch mit dem Wort Gottes; erst wenn Menschen dieses Wort hören - dieses Wort von Gottes Liebe zu seinen Menschen und zu seiner ganzen Schöpfung; - erst dann kann das Wort Gottes überhaupt beginnen, Menschen innerlich anzusprechen, so dass sie sich auf den lebendigen Gott einlassen können und wollen.

Ohne die Verkündigung des Wortes Gottes können Menschen nicht in eine Beziehung zu dem Gott treten von dem die Bibel spricht. Der Mensch an sich und von sich aus hat keine Möglichkeit eine Beziehung zu dem Gott aufzubauen, der der Vater Jesu Christi ist.

Das ist das eine, was auch wir - als Jünger und Jüngerinnen Jesu von den Geheimnissen des Reiches Gottes immer wieder neu verstehen können: Das Wort Gottes will gesagt werden!

Wir haben den Auftrag Zeugen zu sein für Gott und von Gottes Heil für diese Welt. Gemeinsam haben wir als Christen diesen Auftrag (und keinem von uns ist dieser Auftrag dadurch abgenommen, dass es in unseren Gemeinden auch „Hauptamtliche“ gibt.)

Doch auch dann, wenn das Wort Gottes gesagt und gehört wird - wenn der Sämann also losgeht und die Samen auf den Boden streut, - bleibt das Risiko der „Missernte“ nicht aus.

Dass Gottes Wort zum ZIEL kommt, liegt - letztlich - nicht in unserer Hand, nicht in unserer Macht, die wir sein Wort zu Gehör bringen. Attraktiver können wir sein Wort gestalten; einladender können wir uns als Gemeinde präsentieren, damit (wieder) mehr Menschen gerne in unsere Gemeinde, in unsere Gottesdienste kommen.

Ja, es ist gut, wenn wir uns bewusst für das Wort Gottes engagieren - und zum Beispiel in diesem Jahr (wieder) bei ProChrist mit machen. Das ist eine gute Möglichkeit des Einladens, des Werbens für unseren Glauben an den lebendigen Gott.

Aber auch dann - wenn Menschen Gottes Wort hören, kann es sein, dass es sie kalt lässt, dass es sie nicht trifft; es kann sogar sein, dass es sie vielleicht sogar anfänglich anspricht und in ihnen Energien freisetzt, aber dann findet es keinen bleibenden Ort in ihren Herzen; vielleicht wird das Wort auch zu schnell erdrückt von übermächtigen Sorgen und Problemen; vielleicht ...

Doch - wenn das alles auch sein kann, ist es dann nicht eher vergeblich, dass wir Gottes Wort überhaupt den Menschen zu Gehör bringen? Was soll unsere Mühe als Zeugen Gottes, wenn so viel schief laufen kann - nicht nur bei den anderen, sondern auch bei uns selbst?

„Und einiges fiel auf gutes Land; und es ging auf und trug hundertfache Frucht!“

Obwohl die Arbeit und Mühe des Sämanns zu 75% vergeblich erscheint, erfährt er doch eine wunderbare Ernte.

Für den Sämann - wie für den Zeugen des Wortes Gottes - gilt es, sich in Geduld zu üben: die hundertfache Frucht ist nicht über Nacht da - und wir können die Frucht nicht selbst „ma­chen“.

Obwohl auch uns der Umgang mit dem Wort Gottes oft vergeblich erscheint, so dürfen wir gewiss sein: das Wort Gottes kommt zu seinem Ziel:

„Denn gleichwie der Regen und Schnee vom Himmel fällt und nicht wieder dahin zurückkehrt,

sondern feuchtet die Erde und macht sie fruchtbar und lässt wachsen, dass sie Samen gibt, zu säen, und Brot, zu essen,

so soll das WORT, das aus meinem Munde geht, auch sein, spricht der HERR:

Es wird nicht wieder leer zu mir zurückkommen, sondern wird tun, was mir gefällt,

und ihm wird gelingen, wozu ich es sende.“ (Jes 55,10-11)

AMEN.

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