Sonntag, 22. März 2009

08.03.2009 Aufruhr im Weinberg

Predigt am 8. März 2009 in Lobetal von Roland Schindler

Markus 12, 1-12

Und er fing an, zu ihnen in Gleichnissen zu reden: Ein Mensch pflanzte einen Weinberg und zog einen Zaun darum und grub eine Kelter und baute einen Turm und verpachtete ihn an Weingärtner und ging außer Landes.

Und er sandte, als die Zeit kam, einen Knecht zu den Weingärtnern, damit er von den Weingärtnern seinen Anteil an den Früchten des Weinbergs hole.

Sie nahmen ihn aber, schlugen ihn und schickten ihn mit leeren Händen fort.

Abermals sandte er zu ihnen einen anderen Knecht; den schlugen sie auf den Kopf und schmähten ihn.

Und er sandte noch einen anderen; den töteten sie; und viele andere; die einen schlugen sie, die anderen töteten sie.

Da hatte er noch einen, seinen geliebten Sohn; den sandte er als letztes auch zu ihnen und sagte sich: Sie werden sich vor meinen Sohn scheuen.

Sie aber, die Weingärtner, sprachen untereinander: Dies ist der Erbe; kommt, lasst uns ihn töten, so wird das Erbe unser sein!

Und sie nahmen ihn, und töteten ihn und warfen ihn hinaus vor den Weinberg.

Was wird nun der Herr des Weinbergs tun? Er wird kommen und die Weingärtner umbringen und den Weinberg andern geben.

Habt ihr nicht dieses Schriftwort gelesen (Psalm 118, 22-23) „Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, ist zum Eckstein geworden. Vom Herrn ist das geschehen und ist ein Wunder vor unseren Augen.“?

Und sie trachteten danach, ihn zu ergreifen, und fürchteten sich doch vor dem Volk!

In diesem Gleichnis erfahren wir, worum es im Leben geht: um Haushalterschaft. Uns Menschen ist etwas Großartiges anvertraut, und darüber müssen wir Rechenschaft ablegen vor dem, der es uns anvertraut. So einfach ist das mit dem Leben. Und so einfach ist das, mit unserem Gleichnis.

1. Es geht um Vertrauen, das durch Aufruhr zerstört wird

Jesus erzählt dieses Gleichnis nicht irgendwelchen Menschen, sondern denjenigen, den Gott etwas Wunderbares anvertraut hat: den Tempel in Jerusalem.

Klar, das Wort „Tempel“ kommt hier überhaupt nicht vor – aber die Zuhörer wussten sofort, dass davon die Rede ist. Auch der Zusammenhang dieser Begebenheit macht das deutlich: Jesus ist nach Jerusalem gezogen – der Stadt Gottes, in der Gottes Tempel stand. Der Tempel ist Zeichen der Gegenwart Gottes und Zeichen der Treue und Barmherzigkeit Gottes, weil hier Versöhnung gestiftet und Gemeinschaft mit dem barmherzigen Gott wieder ermöglicht wird. Doch in der Stadt des Tempels findet Jesus keine Früchte der Barmherzigkeit – sie ist wie ein wunderschöner Feigenbaum, an dem keine Frucht findet. Hier, wo Gott wohnt wollte, gibt es keine Erfrischung, hier wird kein Verlangen nach Leben gestillt und hier gibt es keinen Geschmack der Freundlichkeit Gottes.

Und weil das so ist, geht Jesus in den Tempel und räumt mächtig auf. Er jagt alle davon die aus der Barmherzigkeit Gottes ein Geschäft gemacht haben. Jesus geht es darum, dass der Tempel wieder ein Ort der Ehre Gottes wird. Doch er ist zu einem Dokument menschlicher Hartherzigkeit verkommen.

Und so eilten die herbei, die damit betraut waren, diesen Tempel in der Verantwortung vor Gott zu führen und ihn nach dem Herzen Gottes zu gestalten. Und die fragen Jesus: Sag mal, wer gibt dir das Recht, hier so aufzuräumen und so zu handeln?

Und Jesus sagt: Ich bin der Sohn des Eigentümers!

Und er sagt ihnen in diesem Gleichnis die ganze Geschichte des Tempels in Kurzform. Gott setzt alle seine Kraft und sein ganzes Wesen in diesen Weinberg – auf dieser wüsten Erde schafft er einen Ort, auf dem Gutes wächst – der Weinstock, ein Inbegriff der Freude!

Deshalb war für jeden sichtbar über dem Portal des Tempels, den Herodes der Große errichten ließ, ein großer, goldener Weinstock abgebildet, wie eine große Einladung: Kommt her zu mir alle, die ihr nach Leben dürstet – kommt und kauft umsonst! Kommt, ihr sollt Gutes hören und leben (nach Jesaja 55, 1ff.).

Aber hier findet man nichts Gutes mehr. Hier findet man nichts mehr, das uns in die Freude eines Lebens mit dem lebendigen Gott führt.

Es gab nämlich einen Zwischenfall: es fand ein Aufstand statt. Diejenigen, denen der Tempel anvertraut wurde, die haben ihn für die eigenen Interessen benutzt und jeden abgewiesen und sorgfältig entfernt, der sie an den eigentlichen Besitzer und ihre Aufgabe erinnerte.

Aufruhr im Weinberg. Die Haushalter haben sich zum Eigentümer erklärt!

Und jetzt, am Ende der Geschichte, schickt der Eigentümer seinen geliebten Sohn. Der Sohn ist die große Einladung: nun kommt bitte zur Besinnung! Gebt Gott die Ehre! Bittet ihn um Vergebung! Fleht um Erbarmen und um Erneuerung euerer Beauftragung – ihr könnt jetzt die Gnade Gottes finden.

Aber es spitzt sich nur noch zu, was seinen tragischen Anfang genommen hat: die Verhärtung und Verrohung der Herzen derer, die Gott zu Repräsentanten seiner Güte und Barmherzigkeit gerufen hat, werden gegenüber der immer weiter wachsenden Güte und Geduld des Weinbergbesitzers noch verschlossener und rebellischer. Sie erkennen seinen Sohn und beschließen, das Kapitel „Wer ist Eigentümer des Weinbergs?“ ein für allemal zu beenden. Der Sohn muss weg – und deshalb werden sie ihn töten und aus dem Weinberg des Tempels werfen.

Gleichnisse, das haben wir schon gehört, sind Gerichtsworte. Durch die Gleichnisse soll etwas Entscheidendes wieder „gerichtet“, aufgerichtet und hergerichtet werden. Das Gleichnis Jesu ist eine letzte Einladung an die Schriftgelehrten und Pharisäer, zu Gott zurückzukommen – doch es wird letztlich nur zur Überführung der Schuld. Der Tempel stand in der Verantwortung des Hohen Rates – und seine Repräsentanten standen nun vor Jesus – und sie drehten ihm den Rücken zu und gingen weg, weil sie einen Entschluss gefasst hatten.

Nun könnten wir ja heute sagen: Tragische Geschichte – aber was geht das uns an?

2. Es geht um ein Menschsein, das durch Rebellion zerstört wird

Jesus ist mit einer klaren Botschaft zu uns gekommen: Gott will nun seine Herrschaft aufrichten. Deshalb wendet euch ihm zu und gebt euerem Leben eine neue Ausrichtung!

Wir Menschen leben nämlich nicht aus Versehen. Wir leben gewollt und wir leben mit einem Auftrag: Entfaltet euer Leben in der Liebe zu Gott und in der Liebe zu den Mitmenschen. Das ist der Wille Gottes über deinen Leben: „es ist dir gesagt Mensch, was gut ist und was der Herr von dir fordert, nämlich Gottes Wort halten, und Liebe üben, und demütig sein vor deinem Gott!“ (Micha 6,8)

Paulus sagt einmal den Leuten in einer Großstadtgemeinde, die meinten, dass sie leben konnten wie sie es wollten: „Ja wisst ihr nicht, dass euer Leib ein Tempel des Heiligen Geistes ist, der in euch ist, und den ihr von Gott habt, und dass ihr nicht euch selbst gehört? Denn ihr seid teuer erkauft; darum preist Gott mit euerem Leib!“ (1. Korinther 6, 19f.)

Das bedeutet, dass wir dazu leben, durch unser Leben die Liebe und Güte Gottes in dieser Welt zu dokumentieren. Wir leben nicht dazu, damit es uns gut geht. Wir leben dazu, dass es den Menschen in unserer Nähe gut geht!

Wie verhältst du dich nun angesichts dieser Wahrheit? Richte dieses Menschsein wieder her, indem du dich auf diesen Gott wieder neu einlässt – ihn bestimmen lässt.

3. Es geht um ein Menschsein mit Herz, das durch einen Eckstein wieder hergerichtet wird.

Man kann mit Jesus scheinbar verfahren wie man will – aber eines kann man nicht machen: ihn als Zierde in sein Leben einbauen. Jesus sagt: Ich bin wie ein Stein – entweder ein Stein des Anstoßes, oder ein Grundstein, der dir einen Neuaufbau deines Lebens ermöglicht. Jesus ist Anstoß oder Basis eines Neuaufbaus! Er ist das eine oder das andere – aber nie und nimmer ist er ein Zierstein für den Vorgarten deines Lebens. Denn er ist der Markstein Gottes, der die Besitzverhältnisse wieder zurecht rückt und klärt.

Man kann Jesus für nicht existent und tot erklären, man kann sagen, dass er nichts zu sagen hat, man kann ihm den Mund verbieten. Das geht. Aber man kann ihn nicht ins Leben lassen, damit es mit ihm noch angenehmer in die Richtung geht, in die man will. Ich kann Jesus nicht benützen! Das verweigert er. Er lässt es nicht zu. Er ist ein kantiger Stein, der nicht für unsere Lebenspläne zurechtzuschleifen ist.

Jesus möchte Eckstein in deinem Leben werden.

Die Zuhörer gingen damals zornig weg. Sie wollten Jesus aus ihrem Leben entfernen. Und du?

Amen!

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