Freitag, 29. Mai 2009

24.05.2009 Du bleibst nicht ohne Trost!

Johannes 15, 26 – 16, 4
Predigt von Roland Schindler

Wenn aber der Tröster kommen wird, den ich euch senden werde vom Vater, der Geist der Wahrheit, der vom Vater ausgeht, der wird Zeugnis geben von mir.
Und auch ihr seid meine Zeugen, denn ihr seid von Anfang an bei mir gewesen.

Das habe ich zu euch geredet, damit ihr nicht abfallt.
Sie werden euch von der Synagoge ausstoßen. Es kommt aber die Zeit, dass, wer euch tötet, meinen wird, er tue Gott einen Dienst damit.
Und das werden sie darum tun, weil sie weder meinen Vater noch mich erken-nen.
Aber dies habe ich zu euch geredet, damit, wenn ihre Stunde kommen wird, ihr daran denkt, dass ich´s euch gesagt habe.
Zu Anfang aber habe ich es euch nicht gesagt, denn ich war bei euch.

„Wer nicht hören will, muss fühlen.“ Mit diesem Satz bin ich groß gewor-den. Erziehung kompakt sozusagen.
Diese Weisheit steht nicht in der Bibel. Obwohl es in der Bibel ums Hören geht – aber in der Bibel wird nicht gedroht. Die Bibel lädt ein, dass wir hinhören. Gott redet – er hat den Menschen geschaffen als ein Gegenüber zu ihm – wir können seine Stimme hören. Das zeichnet uns als seine Ge-schöpfe aus! Diese Fähigkeit für unser Menschsein wesentlich. In der Bibel geht es darum, dass wir die Einladung zu einem erfüllten Leben hören.

Das Schicksal Israels hängt davon ab, auf wen sie hören. Auch unser Schicksal ist mit dem Hören verbunden. Hören und gehören sind unlösbar miteinander verbunden. Die Gemeinde Jesu erkennt in der Verklärungsge-schichte worauf es ankommt. Gott sagt: „Das ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe; den sollt ihr hören.“

Hören und Gehören bilden eine Einheit. Was wir hören, das werden wir. Die Stimme, der wir folgen wird zu der Stimme, die uns prägt.

Heute feiern wir den Sonntag „Exaudi“ – Herr höre mein Gebet! Das ruft der, der seinerseits auf den Herrn hört. Die Zeit zwischen Himmelfahrt und Pfingsten ist die Zeit, in der in besonderer Weise auf die Abschiedsre-den Jesu gehört werden soll.
In unserem Wort hören wir, warum das so wichtig ist: „Das habe ich zu euch geredet, damit ihr nicht abfallt.“ Das griechische Wort an dieser Stel-le zeigt deutlich, worum es geht: skandalizo = zu Fall kommen; Jesus sagt: ihr werdet in Situationen geraten, die für euch skandalös aussehen; ihr werdet sagen, dass es ein Skandal ist, dass Gott das zulässt! Die Fol-ge: man wendet sich ab!

Deshalb soll man jetzt bitte zuhören, damit man Jesus nicht den Rücken zukehrt, weil man in ganz notvolle Situationen geraten wird. Man soll bitte jetzt schon darauf achten, dass eine Situation, in der man ist, nichts darüber aussagt, in welcher Lage man sich befindet! Unsere Lage ist nämlich durch Jesus bestimmt! Er bestimmt unser Leben. Er be-stimmt unser Schicksal. Er bestimmt unsere Zukunft. Er bestimmt aber auch unser Leben, denn wir stehen ja in seiner Sendung. Die Leute, mit denen er hier spricht sind die selben, zu denen er Tage später sagen wird: wie mich mein Vater gesandt hat, so sende ich euch! Wir stehen in seiner Sendung. Und weil er abgelehnt wurde, wird auch uns Ablehnung begeg-nen. Weil er Leid erfahren hat, wird Leit auch uns nicht fremd bleiben. Er wurde getötet – das kann auch seinen Leuten geschehen. Daran sollen wir als nicht irre werden. Deshalb

1. schickt Jesus uns den Tröster
Jesus sagt seinen Jüngern, dass er über diese ernste Situationsbeschrei-bung seiner Leute früher nichts sagen musste, denn er war ja sichtbar bei ihnen und die Jünger haben sich in Not und Schwierigkeiten immer an ihn gewandt. Gleichzeitig hat er sie geschützt, weil aller Hass und alle Ableh-nung ihn getroffen hat. Er ist ja das Ziel der Anfeindungen. Ihn will man nicht. Er stört das Machtgefüge in dieser Welt.

Aber das wird sich schlagartig ändern in dem Augenblick, in dem er nicht mehr sichtbar auf dieser Erde ist. Nun ist die Gemeinde sozusagen sein sichtbarer Repräsentant. Die Gemeinde nimmt Jesu Sendung auf. Die Ge-meinde lädt dazu ein, Gott als den Vater von Jesus Christus kennenzuler-nen. Nun richtet sich die Ablehnung gegen sie.

Zum Überleben und zum Durchhalten schickt Jesus direkt vom Vater den Tröster – den Heiligen Geist, der uns in bedrängenden Situationen Festig-keit und Halt gibt. Das Wort „Trost“ kommt mit dem Wort „treu“ aus der selben Wortgruppe. Es geht um das Wissen, dass wir in einem festen Bund mit dem treuen Gott leben – dies wirkt in uns hoffnungsvolle Kraft und einen Halt, der uns in schwierigsten Gegebenheiten ge-lassen sein lässt.

Der Heilige Geist ist die Gabe Jesu an seine Gemeinde. Diesen Heiligen Geist dürfen wir immer wieder neuen Raum in unserem Leben geben. Die-ser Heilige Geist wird folgendes in unserem Leben bewirken:
a. Gottes Geist bewirkt, dass wir Hörende bleiben – er treibt uns immer wieder in das Wort Gottes. Das ist die stärkste Herausforderung in unserer Zeit – einer Zeit die geprägt ist vom „sehen“ und vom „fühlen“: ein Christ wir hören!
b. Gottes Geist schenkt uns die Gewissheit: „Gott hat dich als sein Kind erwählt – du gehörst zu ihm. Keine Angst – du bist nicht allein. Keine Sor-ge, er ist Herr auch in einer Situation, in der du nicht mehr weiter weißt.“
c. Gottes Geist hält unser Leben in der Ausrichtung auf Gott. Er ist ein starker Helfer. Er hilft uns von uns weg zu schauen. Er hilft uns, von uns weg zu hören. Er hilft uns, dass unser Leben ausgerichtet bleibt. Er hilft uns, dass wir uns nicht müde leben in einer Welt, die viel verspricht und alles daran setzt, Menschen „hörunfähig“ zu machen. So hält uns Gottes Geist in der Sendung –

und das ist der zweite Gedanke:
Jesus schickt uns den Tröster, und damit

2. wird das Zeugnis von Jesus nicht verstummen
Es gäbe immer wieder Grund genug, die Botschaft von Jesus Christus in dieser Welt nicht weiterzusagen. Wir hätten genug mit uns zu tun. Wir hätten genug eigene Baustellen, die unsere ganze Konzentration und Kraft benötigen.

Gemeinde wird stumme Gemeinde, wenn die einzelnen Gemeindemitglie-der nicht aus dem Zeugnis der Schrift heraus ihr Leben führen. Gemeinde steht und fällt mit der Botschaft: „Lasst euch versöhnen mit Gott!“ Diese Versöhnungsbotschaft haben wir weiterzusagen. Und nun geht es nicht darum, dass die Prediger in Lobetal dies Sonntag für Sonntag zu gehör bringen. Am Sonntag geht es nur darum, dich zu ermutigen und zu er-muntern, in der Woche „Farbe“ zu bekennen. Es geht einzig und allein darum, dass Du Tag für Tag Jesus bezeugst. Es geht darum, dass du für die Gelegenheiten wach bist, die sich einfach ergeben, wenn man mit Gottes Geist lebt und unterwegs ist. Werde wach für die günstigen Gelegenheiten, Jesus zu bezeugen.

Jesus wird in dem, was wir über ihn anderen Menschen sagen, handeln und wirken. Wir geben keine Infos weiter. Wir erlauben viel mehr, dass der lebendige Herr sich durch uns anderen in Erinnerung ruft. Er wirkt. Er handelt. Er steht da und begegnet in diesem Augenblick dem Menschen.

Lasst euch bitte auf diese Sendung neu ein. Lasst euch für diese Sendung segnen. Sprecht in den Kleingruppen über die Menschen, denen ihr Jesus bezeugt. Und gebt in dem, wie ihr Jesus bekennt, immer die frohe Bot-schaft weiter: „Jesus liebt dich und hat alles dafür getan, dass dein Leben nicht irgendwann zerbricht und verwest, sondern bleibt und in der Ge-meinschaft mit ihm zur Entfaltung kommt.
Deshalb ist Zeugnis von Jesus nicht nur ein „reden“, sondern auch ein „helfen“, „trösten“, „tragen“, „raten“ und einladen – was halt dran ist in der ganz konkreten Situation – es geht um die Begegnung mit Jesus heu-te!

Das führt zum dritten Gedanken:
Jesus sendet uns den Heiligen Geist; denn dadurch

3. schreckt uns die Ablehnung nicht ab
Ablehnung ist für Menschen, die gerne über Jesus reden, die blockierenste Erfahrung. Gottes Geist zeigt uns: Ablehnung ist ganz normal. Das verbin-det dich mit deinem Herrn. Und weil Gott ihm durchgeholfen hat, wird Gott auch dir durchhelfen. Du bist nicht ohne Gott. Er hat dich in eine fes-te Verbindung gebracht – diese Verbindung gibt Kraft und Zuversicht – macht sozusagen tragfähig.
Darf ich mal fragen, wie belastbar du eigentlich bist? Gemeine ist ja der Übungsplatz schlechthin für Belastbarkeit. Hier nimmt man Anteil am Leid der anderen. Hier freut man sich mit anderen. Hier hilft man, wo Not ist. Hier gibt man, wo Mangel herrscht.

Wer nur mit sich selbst beschäftigt ist, der sucht nur Leute, die ihn tragen, von denen er etwas hat. Er wird selbst keinen Finger für andere rühren. Er wird ein hartes Herz behalten, die Liebe Gottes kann ihn nicht verändern.

Man muss sich schon verlassen. Man muss schon vertrauen.
Die Bibel sagt, dass am Ende der Tage Zeiten kommen werden, in denen die Gemeinde Gottes den Lebensgenuss mehr liebt als Gott. Wer mit sich selbst beschäftigt ist, wird ständig seine Sehnsüchte und Bedürfnisse be-friedigen.
Wer mit Gott unterwegs ist, der wird ständig bemüht sein, Gottes Bedürf-nis zu stillen! Aber dabei wird man eben auf Ablehnung stoßen.

Ablehnung gibt es in mancherlei Hinsicht:
- da gibt es die Ablehnung, die aus mir heraus ruft: Du willst ein Mensch sein, der mit Jesus lebt!? Dass ich nicht lache! Halt lieber den Mund und kümmere dich um dich selbst, bevor du mit anderen Leuten über ein Leben mit Jesus redest; oder: wenn es Gott gäbe, müsste es dir dann nicht besser gehen?
- da gibt es die Ablehnung, die von anderen Menschen her kommt: schaut, die Frommen! Sie reden und reden – aber sie verändern die Welt nicht. Warum ist so viel Leid in der Welt? Weil sie zu wenig tun…
- da gibt es die Ablehnung, die mit am Schmerzlichsten ist: die Ab-lehnung von Seiten anderer, die auch an Gott glauben, auch in sei-ner Kirche aktiv sind. Luther schreibt in seiner Hauspostille 1544: „Derhalben ist hier von Nöten, dass man einen Unterschied mache und lerne, dass allezeit zweierlei Kirchen sind. Eine, die falsche Kir-che, die doch einen Namen hat und heißt die christliche Kirche, aber sie ist´s nicht. Die andere, die rechte Kirche, die den Namen nicht hat und ist´s dennoch. Diese zwei Kirchen sind sehr schwer zu er-kennen.“ Es geht ein Riss mitten durch die Kirche, und die, die in Ohnmacht Christus als gekreuzigten und auferstandenen Herrn des Lebens bekennen, werden an den Rand gedrängt, oder hinausge-jagt, wie es in unserem Land ja schon gewesen ist.

Aber in alledem bleibst du nicht ohne Trost! Gottes Geist ist eine bewah-rende Macht und ein handelnder Herr. Er hält dich. Er hilft dir. Er überwin-det Widerstände. Er lässt dich Schwierigkeiten ertragen. Er leitet dich durch schreckliche Zeiten. Er führt dich ins Leben – komme, was da kom-men mag.

Nun erleben wir in unserem Land keine Verfolgung – wir werden höchs-tens belächelt oder als „ewig Gestrige“ abgetan. Doch die Gemeinde Jesu erlebt Verfolgung in anderen Ländern dieser Welt. Gottes Geist verbindet uns mit der leidenden Gemeinde. Dieser Geist schenkt Einheit und lässt nicht zu, dass der Leib Christi in dieser Welt auseinandergerissen wird. Er schenkt Einheit. Er gibt uns die Kraft, dass wir die leidenden Geschwister nicht vergessen. Er macht uns dankbar für den „geschützten Raum“, in dem wir leben. Wir sind betende und helfende Gemeinde für die verfolgten Geschwister.

Durch Jesu Geist auf sein Wort hören – das tut gut. Wer hören wird, der wird leben und immer wieder getrost in der Sendung seines Herrn bleiben.
Amen.

Mittwoch, 27. Mai 2009

10.05.2009 Was man von Gott erkennen kann

Matthäus 11, 25-30

Predigt in Lobetal von Roland Schindler

25 Zu der Zeit fing Jesus an und sprach: Ich preise dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde, weil du dies den Weisen und Klugen vorborgen hast und hast es den Unmündigen offenbart.

26 Ja, Vater; denn so hat es dir wohlgefallen.

27 Alles ist mir übergeben von meinem Vater, und niemand kennt den Sohn, als nur der Vater; und niemand kennt den Vater als nur der Sohn und wen es der Sohn offenbaren will.

28 Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken.

29 Nehmt auf euch mein Joch und lernt von mir; denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen.

30 Denn mein Joch ist sanft, und meine Last ist leicht.

Was bleibt in dieser Welt? Woran können wir uns fest machen? Oder - was hält uns fest? Wo kann man Geborgenheit finden? Hören wir auf ein Lied der Gruppe „Silbermond“: „Irgendwas bleibt“.

Stefanie singt von der Sehnsucht nach Sicherheit.

„Sag mir, dass dieser Ort hier sicher ist

Und alles Gute steht hier still

Und dass das Wort, das du mir heute gibst

Morgen noch genau so gilt.

Diese Welt ist schnell und hat verlernt beständig zu sein denn Versuchungen setzen ihre Frist

Doch bitte schwör, dass, wenn ich wiederkomm

Alles noch beim Alten ist

Gib mir ein kleines bisschen Sicherheit

In einer Welt, in der nichts sicher scheint

Gib mir in dieser schnellen Zeit irgendwas das bleibt.

Gib mir einfach nur ein bisschen Halt

Und wieg mich einfach nur in Sicherheit

Hol mich aus dieser schnellen Zeit…..“

Kennen sie diese Sehnsucht nach Sicherheit. Man sehnt sich nach verlässlichen Menschen in seiner Nähe. Man sehnt sich nach verlässlichen Größen im Leben.

Politiker versuchen diesem Verlangen gerecht werden zu wollen. Im Februar dieses Jahres fand in München die Sicherheitskonferenz statt. Wie kann man die globale Instabilität bewältigen? Welche Schutzmechanismen braucht es? Wie können wir uns schützen, dass irgendwo in der Welt etwas so ins Rollen kommt, dass alle anderen Länder wie von einer Lawine überschüttet werden, die niemand stoppen kann.

Sicherheit – viele Menschen sind von dieser Frage umgetrieben. Sogar Kinder stellen sich ihr: Im März 09 brachte der „Spiegel“ einen Artikel über eine Studie unter benachteiligten Kindern. Das Resümee: „Sehnsucht nach Liebe und Sicherheit“. Und die „Zeit“ bringt die Sehnsucht der Menschen in unserem Land nach der globalen Finanzkrise auf den Punkt: Man sehnt sich nicht nach sozialer Verantwortung, sondern nach persönlicher Sicherheit.

Ist da irgendetwas, das unser Leben sicher macht? Sind da Arme die tragen und ist da Beistand, der einfach zu mir hält?

Auch in der Bibel finden wir diese Frage. Der Autor des Matthäusevangeliums fragt nach der Sicherheit für die Menschen, die ihr Vertrauen auf Jesus setzen. Denn in ihrem Leben gibt es eine seltsame Diskrepanz zwischen dem Verlangen nach Geborgenheit und dem, was sie tatsächlich erleben. In Kapitel 10 berichtet er, wie die Menschen von Jesus gerufen werden und wie er sie vorbereitet auf den Auftrag, den Menschen die Machtübernahme Gottes zu verkündigen. Kann Gott nun Sicherheit garantieren? Was haben die zu erwarten, die auf diese Karte setzen?

Doch anstelle eines starken Sicherheitsnachweises hören die Leute um Jesus etwas völlig anderes. Jesus sagt seinen Leuten etwas von Verfolgungen, davon, dass sie wie Schafe mitten unter Wölfe gesendet werden, von schmerzhaften Trennungen quer durch die eigene Familie, von Nachstellungen und Verleumdungen. Er spricht von einer Welle der Gewalt gegen seine Leute und davon, getötet zu werden. Er spricht davon, dass man zu den Außenseitern gehört und dass man Menschen, die einem lieb sind, verliert. Gut - er spricht davon, dass man auf diesem „verbrannten Land“ auch Oasen der Hoffnung findet – man findet Unterschlupf und erfährt Stärkung.

Matthäus fährt nahtlos fort mit seinem Bericht über die Situation der Nachfolger und schildert die nagenden Zweifel eines Wegbereiters von Jesus von Nazarth – einem gewissen Johannes, den man auch „Täufer“ nennt. „Kommst du wirklich im Auftrag Gottes um hier auf Erden ein Reich des Friedens zu errichten?“ Er war im Gefängnis. Wer gibt ihm Sicherheit?

Und weiter geht es im Bericht: Jesus wird in den Städten Galiläas abgelehnt. Kein Bedarf an diesem Jesus! Von dem ist doch nichts zu erwarten!

Wie reagiert Jesus nun auf all diese Tatsachen? Wie stellt er sich dieser Realität? Welche Zusagen gibt er? Was darf dann einer erwarten, der sein Vertrauen auf ihn setzt? Wird man am Ende auch enttäuscht? Wird am Ende alles so sein wie bei den andern: Krisen, Altwerden, Einsamkeit, Schwäche, Bedeutungslosigkeit und Leid.

Jesu Reaktion und seine Einladung an uns, ebenfalls wie er zu reagieren, erstaunen:

1. Jesus jubelt über Gott

Das muss man sich vorstellen: Jesus sagt seinen Jüngern: Ihr werdet in dieser Welt nicht ankommen. Jesus zeigt, dass Johannes nicht angekommen ist und er hat erlebt, wie er regelrecht abgeblitzt ist. – Und nun jubelt er? Ist er unter die Zyniker gegangen? Will er sagen: Kopf hoch – es kann noch schlimmer kommen?

Aber sehen wir genau hin und achten wir auf das, was Jesus in diesem Moment prägt und wichtig ist – so wichtig, dass es alles andere in den Schatten stellt.

Jesus schaut auf seinen himmlischen Vater und er nennt ihn: Machthaber der unsichtbaren, der himmlischen und der sichtbaren, der irdischen Welt. Und Jesus singt und jubelt, dass dieser Machthaber alle Kompetenz und alle Vollmachten für die Schöpfung hat. Er hat alles in den Händen. Er hat die Macht, jederzeit einzugreifen und Situationen zu verändern. Gott ist also der Herr der Welt.

Und er jubelt darüber, dass Gott seine Macht auf Jesus übertragen hat. Es gibt einen Brennpunkt von Macht in dieser Welt: Jesus! Aber warum kommt er dann nicht an? Warum setzt er nun seine Macht nicht ein, dass hier auf Erden die Herzlosen, die Gewalttätigen, die Egoisten, die Wahnsinnigen, die Jähzornigen und die Einflussreichen platt gemacht werden? Oder er könnte sie doch wenigstens zu Vernunft zwingen. Er könnt doch mit einem Wunder überzeugen. Aber das tut er nicht.

Jesus hat alle Macht in Händen und lebt völlig ohnmächtig, weil er sich nur in seinen himmlischen Vater gesichert und geborgen weiß. Und diese Geborgenheit ist tiefer als das, worin wir meinen, unser Leben sichern zu müssen.

Jesus zeigt noch etwas auf: In dieser Welt hat man nur die Macht, Menschen zu töten oder den Tod des Menschen etwas hinauszuzögern. Gott aber hat eine Macht, die dort erst beginnt, wo alles aufhört, was man auf dieser Welt an Mitteln und Instrumenten hat. Gott kann Menschen im Tod festhalten und er kann Menschen aus dem Tod herausrufen. Er ist der einzige, der wirklich Macht, der wirklich was machen kann. Gott kann Tote lebendig machen.

Über diesen Gott jubelt Jesus. Und er freut sich daran, dass Gott Menschen einen Blick für diese Realität schenken kann – er kann die einmalige Bedeutung Jesu einleuchten lassen. Der lebendige Gott schenkt es, dass Menschen in diesen Jesus den erkennen, der eine Gewalt und Lebenskraft, eine totale Kompetenz und tiefe Barmherzigkeit in sich vereinigt – das ist einmalig. Das erkennt man nicht durch Bildung oder Vitamin B – also, dass man einen Prediger zum Freund hat oder das Patenkind einer Diakonisse ist – sondern das erfährt man, wenn man völlig hilflos und bittend zu Gott kommt. „Den Weisen und Klugen hast du dies verborgen und hast es den Unmündigen offenbart.“ Unmündig heißt nun nicht doof oder ungebildet oder verrückt – entmündigt. Unmündig bedeutet: hier ist einer hilflos sein Leben zu sichern. Er sucht Sicherheit bei Gott. Und Gott offenbart ihn – geh zu Jesus. Jesus ist dafür die einzige Adresse.

2. Jesus lädt Müde und Beladene zu sich

Deshalb ruft Jesus die Menschen zu sich. Nun kommen also nicht alle – aber es sind alle eingeladen, die müde und beladen sind. Er ruft diejenigen, die sich Müde gelebt haben, deren Kräfte zu Sicherung des Lebens nicht mehr reichen, die Sehnsucht nach Sicherheit haben aber dafür keine Adresse kennen. Komm zu Jesus!

Er ruft die Beladenen, die voller Erwartungen anderer leben, die voller Versäumnisse sind, die randvoll mit Verletzungen und schuldhaften Taten sind, die einfach stöhnen unter dieser Last und sich entschlossen haben, das so nicht mehr hinzunehmen. Die sollen kommen!

Und was gibt ihnen dieser mächtig und zugleich ohnmächtige Jesus? Er schenkt die Zusage von Erquickung. „Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid, ich will euch erquicken!“

Was sind Erquickungen? Das Wort bedeutet: ruhig werden und erfrische werden.

Es bedeutet also zum einen ruhig werden: Geprägt von dem Wissen „Es wird gut enden“, kommen Menschen in total unterschiedlichen Situationen zur Ruhe. Kranke wissen sich urplötzlich mit schlimmster Diagnose geborgen und sicher. Menschen ohne Arbeit finden Kraftquellen, die nicht an Beschäftigungsverhältnissen liegen.

Jesus schenkt diese Erfahrung. Diese Zusage gibt er dir heute. Komme was auch kommen mag: er wird dir immer zur rechten Ruhe geben. Darauf darfst du hoffen.

Zum andern gibt er „Erquickunken“. Das können auch regelrechte Situationsveränderungen sein. Da wendet sich ein Blatt. Da kommt ein Mensch zu Hilfe oder eine völlig unvorhergesehene Türe öffnet sich. Das kann auch etwas Handfestes sein – ohne dabei deutlich machen zu wollen, dass der Friede und die Ruhe nicht auch etwas Handfestes ist.

Diese Erquickungen dürfen die Leute erwarten, die ihr ganzes Vertrauen auf Jesus setzen. Diese Erfahrungen werden den Lebensweg – und wenn es sein muss auch den Leidensweg – seiner Leute prägen.

3. Jesus zeigt einen Weg für gesichertes Leben

Und noch etwas will er den Menschen geben, die mit ihm ihr Leben gestalten wollen. „Sein Joch“ will er geben. Was ist damit gemeint? Sollen wir uns zusammenspannen lassen wie Ochsen mit einem Karren? Was meint Jesus mit diesem Begriff?

Damals kamen Menschen zu den Rabbinern, und fragten: „Rabbi, darf ich dein Joch tragen“ – das bedeutet: darf ich das lernen und leben, wie du das Gesetz Gottes auslegst? Das Joch bedeutet die Bürde zu tragen, dem Gesetz Gottes zu genügen und im Angesicht Gottes ein Leben zu führen, an dem er seine Freude hat.

Die Rabbiner haben die Gebote so geschützt, dass sei einen „Zaun des Gesetzes“ um sie legten. Über 600 Zusatzgebote wurden aufgestellt, damit man nun auch wirklich alles einhält. Es gab viel zu befolgen, viel zu lernen, viel zu halten.

Und nun sagt Jesus: „ Nehmt auf euch mein Joch und lernt von mir; denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen. Denn mein Joch ist sanft, und meine Last ist leicht.“

Jesu Art, das Gesetz Gottes auszulegen und zu lehren ist sanft und keine Last. Jesu Lehre vom Gesetz gipfelt im Doppelgebot der Liebe: „Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und von ganzem Gemüt – dies ist das höchste und größte Gebot. Und das andere ist dem gleich: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst!“ (Matthäus 22, 37 – 39).

Gesichertes Leben kommt täglich aus dieser wohltuenden Begegnung mit dem liebenden Gott. Gott lieben bedeutet: ich lasse mich von ihm lieben! Darin gebe ich Gott den Platz, der ihm zusteht und die Bedeutung, die ihm angemessen ist. Dieser Liebe darf ich mir täglich gewiss werden. Aus seiner Liebe darf ich täglich leben – und in dieser Liebe dann den Menschen begegnen.

Diese Liebe Gottes macht stark – so kann man sich Menschen zuwenden, ihnen seine Begleitung schenken, ihnen beistehen. Nun kann man ihnen auch ein bisschen Sicherheit schenken – Sicherheit, in einer Welt, in der nichts sicher scheint. Wir haben etwas zu geben was trägt und wir haben etwas zu verschenken, das bleibt: Liebe Gottes!

Amen

Sonntag, 10. Mai 2009

03.05.2009 Jubeln über wachsen und reifen

Johannes 15, 1-8
Predigt in Lobetal von
Roland Schindler

Ich bin der wahre Weinstock und mein Vater ist der Weingärtner. Eine jede Re-be an mir, die keine Frucht bringt, wird er wegnehmen; und eine jede, die Frucht bringt, wird er reinigen, dass sie mehr Frucht bringe.
Ihr seid schon rein wegen des Wortes, das ich zu euch geredet habe.
Bleibt in mir und ich in euch. Wie die Rebe keine Frucht bringen kann aus sich selbst, wenn sie nicht am Weinstock bleibt, so auch ihr nicht, wenn ihr nicht in mir bleibt.
Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht; denn ohne mich könnt ihr nichts tun.
Wer nicht in mir bleibt, der wird weggeworfen wie eine Rebe und verdorrt, und man sammelt sie und wirft sie ins Feuer und sie müssen brennen.
Wenn ihr in mir bleibt und meine Worte in euch Bleiben, werdet ihr bitten, was ihr wollt, und es wird euch widerfahren.
Darin wird mein Vater verherrlicht, dass ihr viel Frucht bringt und werdet meine Jünger.

Wissen sie, was sie werden sollten – ich meine nicht die Berufswahl; ich meine ihr Wesen, ihr Leben an sich. Es geht nicht um „Junge“ oder „Mäd-chen“ – es geht darum, was aus uns wird, was in unserem Leben durch-schlägt, was uns bestimmt und prägt. Manchmal schaut man ja ein Baby an und sagt: „Ganz der Papa“ – man meint natürlich nur die Augenpartie! Alle können wieder beruhigt durchatmen! Man hofft doch auf ein völlig neues Wesen – da soll ein Mensch seine Identität finden, sein Wesen be-kommen, das Wesentliche soll sich in seiner Persönlichkeit durchsetzen.

Aber bei Gott ist das anders. Er hat sich gedacht: das wünsche ich mir, dass er so wird wie Jesus! In der Bibel heißt es: „Denn in ihm ist alles ge-schaffen, was im Himmel und auf Erden ist, das Sichtbare und das Un-sichtbare…“ (Kolosser 1, 16a). Jesus ist das Modell, auf das hin wir Men-schen von Gott ins Leben geliebt wurden. Und das ist nun eine unserer wesentlichen Aufgaben in unserem Leben: Werde Christus ähnlich! Das ist der Wille Gottes und daran hat Gott seine helle Freude.
Wir feiern heute den Sonntag „Jubilate“ – Psalm 66,1 bringt den Grund-ton: „Jauchzet Gott, alle Lande!“ Aber nicht nur die Menschen sollen über Gott jubeln – auch Gott über seine Menschen! Es ist etwas Wunderbares, wenn durch unser Wesen Jesus zum Ausdruck gebracht werden kann, wenn immer mehr ER durch unser Handeln und Sein zum Vorschein kommt.
Wie kann das geschehen? Was können wir dazu beitragen?

1. Das Wunder der Frucht
Unser Wort stammt aus den letzten Tagen des Herrn Jesus, die er mit sei-nen Jüngern auf erden sichtbar verbrachte. Er sagt ihnen Wesentliches. Er legt ihnen eine Sache ans Herz, die darüber entscheiden wird, ob unser Leben gelingt oder nicht: Frucht bringen!
Nun, Frucht bringen, das ist eigentlich etwas ganz Normales für einen gu-ten Baum, eine gute Pflanze im Garten, eine gesunde Pflanze auf dem Feld. Frucht ist eine ganz normale Folge. Das kann man erwarten – es dauert etwas, aber „Frucht“ wird sich einstellen.
Aber wie ist es mit der Frucht, die in unserem Leben wachsen soll. Jesus sagt: „Eine jede Rebe, die keine Frucht bringt, wird der Weingärtner weg-nehmen.“
Das ist eine klare Sache: Triebe, die keine Frucht bringen, werden abge-schnitten.
Was ist mit „Frucht“ gemeint? Die Bibel geht davon aus, dass der Mensch, der durch die Güte Gottes in einen heilsamen Lebenszusammenhang hi-neingekommen ist, gleichsam in den „Wurzelstock der Liebe Gottes“, dass dieser Mensch mit der Zeit durch die Gegenwart des liebenden Gottes ge-prägt wird. Das wird in den neutestamentlichen Briefen immer wieder an-gesprochen – z.B. hier im Kolosser Brief: „

„Früchte“ sind die Bereiche in einem Leben, die in den Begegnungen mit anderen sichtbar und erfahrbar werden. Früchte sieht man ja. In unserem Leben soll also etwas wachsen und reifen, das andere erfahren und sagen können: O, das war ein genießbarer Mensch!
In unserem Leben soll also die Liebe Gottes immer stärker zum Ausdruck gebracht werden. In unserem Leben kann Güte ein Bereich sein, der Men-schen gut tut, sie ermutigt und erfrischt.

Wir sollen das nun nicht dem Zufall überlassen, sondern sehr bewusst darum beten und entschieden in unserem Leben Bereiche gestalten, die es fördern, Jesus-ähnlicher zu werden.

2. Der Prozess des Reifens
Um Jesus ähnlicher zu werden, braucht es Prozesse des Reifens. Bei Pflan-zen kann ich das Wachstum hemmen oder fördern – ich kann eine Toma-tenpflanze in den Kühlschrank stellen oder ich kann sie gießen und sie der Wärme der Sonne aussetzen. Das hat Auswirkungen.

Es ist nicht egal, wie wir unser Leben führen, was wir in der Freizeit ma-chen, welche Filme wir sehen und welche Spiele wir spielen – es ist nicht egal, wie wir mit unseren Aufgaben umgehen, ob wir sie auf den letzten Drücker so gerade eben erledigen oder ob wir uns mit Freude der Aufgabe widmen. Es ist nicht egal, wie wir in kritischen Situationen reagieren – ob wir laut werden oder ob wir besonnen handeln.

Gott beteiligt uns an unserem Leben – er hat uns aus Bindungen in die Freiheit der Kinder Gottes gebracht – er möchte uns beteiligen, wenn es um die Gestaltung des Lebens in dieser neuen Freiheit geht.
Es liegt nun an uns, was wir in unserem Leben wachsen lassen. Wir ent-scheiden mit, was sich in unserem Leben ausdrücken darf und was nicht. Dazu gibt es drei prima Hilfestellungen:
a. Freundschaft
Freundschaft ist ein großes Geschenk. Freunde muss man suchen – die findet man nicht so einfach. Als wir vor viereinhalb Jahren nach Bochum kamen, habe ich oft meinen Freund in Nürnberg angerufen und mit ihm über das gesprochen, was mich bewegt. Es tut gut, mit jemand ehrlich reden zu können. Es tut gut, sich anzuhören, was ein anderer zu einem sagt, was ihm auffällt, was wahrnimmt. Es ist schön, wenn jemand für ei-nen betet.
Freundschaft ist eine Lebensgabe. Wenn wir mit jemanden das Leben tei-len, in keinem Abhängigkeitsverhältnis zu ihm stehen und völlig frei sind für ihn, dann ist man frei, ihm wahrhaftig zu begegnen. Wer darf ihnen die Wahrheit sagen? Wer darf seinen Finger in ihre wunden Punkte legen? Wer darf sie mal kritisch hinterfragen? Wer freut sich, wenn sie in ihrem Leben und in ihrer Persönlichkeit weiter kommen?
Wer kennen Freund oder keine Freundin hat, der ist arm. Bitten sie Gott um einen Freund, eine Freundin! Und halten sie ihre Augen offen – wer suchet, der wird finden! Übrigens: Seit Herbst letzten Jahres habe ich ei-nen Freund in Bochum gefunden – genial, mit ihm spazieren zu gehen und über Gemeinde, Ehe, Erziehung und meine Macken zu reden!
b. Gemeinde
Die zweite Gabe, die uns unterstütz, dass wir unser Potential erweitern und wachsen, ist unsere Gemeinde. Gott hat uns bewusst in eine Gemein-de gestellt, als er uns zu sich gerufen hat. Hier können wir das Leben mit Gott praktisch üben, indem wir Menschen dienen, sie Wert schätzen, Kon-flikte wahr nehmen und klären und uns Schuld vergeben, wenn wir uns verletzt haben. Gemeinde ist ein Trainingszentrum des Lebens – es ist keine Wellnessstation und auch keine vorletzte Ruhestätte. Es ist ein Ort, in dem wir miteinander Leben üben und Leben zur Entfaltung bringen können.
c. die Bibel
Paulus legt einem jungen und verantwortungsvollen Mitarbeiter die Bibel als ein Instrument ans Herz, das dazu dient, Herausforderungen gewach-sen zu sein und das Wesentliche zu tun. In 2. Timotheus 3, 14-17 schreibt er dem Timotheus: „Du aber bleibe bei dem, was du gelernt hast und was dir anvertraut ist; du weißt ja, von wem du es gelernt hast und dass du von Kind auf die Heilige Schrift kennst, die dich unterweisen kann zur Se-ligkeit durch den Glauben an Christus Jesus. Denn alle Schrift, von Gott eingegeben, ist nütze zur lehre, zur Zurechtweisung, zur Besserung, zur Erziehung in der Gerechtigkeit, dass der Mensch Gottes vollkommen sei, zu allem guten Werk geschickt.“
Durch die Bibel redet Gott mit uns und stellt uns in das Licht seiner Liebe. Hier sehen wir, wie wir sind. Her hören wir, was wir tun sollen.
Und genau diese heilsame Korrektur durch Gottes Wort, durch Gemeinde oder durch Freundschaft mögen manche nicht. Das ist nicht sehr lieblich. Das ist herausfordernd. Da findet man seine Aufgaben und seine persönli-chen Trainingsfelder. Wer´s leicht haben möchte, der spart sich das. Des-halb haben wenige echte Freundschaft, klare Gemeindezugehörigkeit und regelmäßige Bibellektüre. Das hat Konsequenzen. Was soll da wachsen?

3. Das Geheimnis verheißungsvollen Gebetes
Kommen wir zum Ziel des Ganzen Abschnitts und unserer Überlegungen nach dem Wachstum unserer Persönlichkeit mehr und mehr in Christus hinein: Gott soll verherrlicht werden. Jesus sagt: „Darin wird mein Vater verherrlicht, dass ihr viel Frucht bringt und werdet meine Jünger“. Darum ging es ja Jesus. Darum ging es auch im Gebet unseres Herrn – er betete nicht dafür, dass es ihm besser ginge und er erfolgreicher wirken konnte, sondern dass sich sein himmlischer Vater in seinem Leben verherrlicht.
Wenn wir so beten, dann beten wir „in Jesu Namen“. Gott soll herrlich groß gemacht werden in unserem Leben und durch unsere Gemeinden. Nicht von uns soll die Rede sein – von ihm!
Wir in Jesu Namen betet, wer in seinem Leben Jesus zum Ausdruck kom-men lässt, der ehrt Gott und der erlaubt Gott, im eigenen Leben zu wirken und zu gestalten.
Eine Gemeinde, die mit sich selbst beschäftigt ist wird immer eine bedeu-tungslose Gemeinde sein. Gut, schön, dass es sie gibt. Aber würde es sie nicht geben, würde nichts fehlen – man würde es nicht merken. Darum geht es in unserem Leben und in unserer Gemeinde, dass wir Jesus immer mehr Raum geben und wir ihm ähnlicher werden. Was von ihm her in un-ser Leben kommt, gehört schon zu dem Neuen, das er schafft und schaf-fen wird – deshalb wird es bleiben. Seine Liebe und Güte, seine Barmher-zigkeit und Mitmenschlichkeit, sein Zuwenden und sein Einladen, seine Ansage der Herrschaft Gottes jetzt und hier – das alles bleibt!

Deshalb lasst uns nicht müde werden und lasst uns nicht müde leben – wir wollen Gottes Geist Raum schaffen, dass er durch sein Wort unser We-sen mehr und mehr kennzeichnet. Deshalb wollen wir uns herausfordern, in der Liebe zu wachsen. Deshalb wollen wir nicht müde werden, Schwa-che zu stärken, Ungeliebte zu lieben, Bedeutungslosen Wert zu geben und Übersehene zu achten. Vor allem lasst uns teilen, was wir haben. Lasst uns großzügig und hilfsbereit sein. Gott will durch uns wirken – das allein wird Menschen ändern.
Deshalb möchte Gott, dass sie ihr Profil in seinem Sohn Jesus schärfen und vertiefen. Er möchte, dass auf dieser Welt gejubelt wird über ihn – nicht nur an Jubilate, sondern an jedem Tag! Und er möchte mitjubeln und sich freuen an seinen Kindern!

Amen