Johannes 15, 1-8
Predigt in Lobetal von Roland Schindler
Ich bin der wahre Weinstock und mein Vater ist der Weingärtner. Eine jede Re-be an mir, die keine Frucht bringt, wird er wegnehmen; und eine jede, die Frucht bringt, wird er reinigen, dass sie mehr Frucht bringe.
Ihr seid schon rein wegen des Wortes, das ich zu euch geredet habe.
Bleibt in mir und ich in euch. Wie die Rebe keine Frucht bringen kann aus sich selbst, wenn sie nicht am Weinstock bleibt, so auch ihr nicht, wenn ihr nicht in mir bleibt.
Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht; denn ohne mich könnt ihr nichts tun.
Wer nicht in mir bleibt, der wird weggeworfen wie eine Rebe und verdorrt, und man sammelt sie und wirft sie ins Feuer und sie müssen brennen.
Wenn ihr in mir bleibt und meine Worte in euch Bleiben, werdet ihr bitten, was ihr wollt, und es wird euch widerfahren.
Darin wird mein Vater verherrlicht, dass ihr viel Frucht bringt und werdet meine Jünger.
Wissen sie, was sie werden sollten – ich meine nicht die Berufswahl; ich meine ihr Wesen, ihr Leben an sich. Es geht nicht um „Junge“ oder „Mäd-chen“ – es geht darum, was aus uns wird, was in unserem Leben durch-schlägt, was uns bestimmt und prägt. Manchmal schaut man ja ein Baby an und sagt: „Ganz der Papa“ – man meint natürlich nur die Augenpartie! Alle können wieder beruhigt durchatmen! Man hofft doch auf ein völlig neues Wesen – da soll ein Mensch seine Identität finden, sein Wesen be-kommen, das Wesentliche soll sich in seiner Persönlichkeit durchsetzen.
Aber bei Gott ist das anders. Er hat sich gedacht: das wünsche ich mir, dass er so wird wie Jesus! In der Bibel heißt es: „Denn in ihm ist alles ge-schaffen, was im Himmel und auf Erden ist, das Sichtbare und das Un-sichtbare…“ (Kolosser 1, 16a). Jesus ist das Modell, auf das hin wir Men-schen von Gott ins Leben geliebt wurden. Und das ist nun eine unserer wesentlichen Aufgaben in unserem Leben: Werde Christus ähnlich! Das ist der Wille Gottes und daran hat Gott seine helle Freude.
Wir feiern heute den Sonntag „Jubilate“ – Psalm 66,1 bringt den Grund-ton: „Jauchzet Gott, alle Lande!“ Aber nicht nur die Menschen sollen über Gott jubeln – auch Gott über seine Menschen! Es ist etwas Wunderbares, wenn durch unser Wesen Jesus zum Ausdruck gebracht werden kann, wenn immer mehr ER durch unser Handeln und Sein zum Vorschein kommt.
Wie kann das geschehen? Was können wir dazu beitragen?
1. Das Wunder der Frucht
Unser Wort stammt aus den letzten Tagen des Herrn Jesus, die er mit sei-nen Jüngern auf erden sichtbar verbrachte. Er sagt ihnen Wesentliches. Er legt ihnen eine Sache ans Herz, die darüber entscheiden wird, ob unser Leben gelingt oder nicht: Frucht bringen!
Nun, Frucht bringen, das ist eigentlich etwas ganz Normales für einen gu-ten Baum, eine gute Pflanze im Garten, eine gesunde Pflanze auf dem Feld. Frucht ist eine ganz normale Folge. Das kann man erwarten – es dauert etwas, aber „Frucht“ wird sich einstellen.
Aber wie ist es mit der Frucht, die in unserem Leben wachsen soll. Jesus sagt: „Eine jede Rebe, die keine Frucht bringt, wird der Weingärtner weg-nehmen.“
Das ist eine klare Sache: Triebe, die keine Frucht bringen, werden abge-schnitten.
Was ist mit „Frucht“ gemeint? Die Bibel geht davon aus, dass der Mensch, der durch die Güte Gottes in einen heilsamen Lebenszusammenhang hi-neingekommen ist, gleichsam in den „Wurzelstock der Liebe Gottes“, dass dieser Mensch mit der Zeit durch die Gegenwart des liebenden Gottes ge-prägt wird. Das wird in den neutestamentlichen Briefen immer wieder an-gesprochen – z.B. hier im Kolosser Brief: „
„Früchte“ sind die Bereiche in einem Leben, die in den Begegnungen mit anderen sichtbar und erfahrbar werden. Früchte sieht man ja. In unserem Leben soll also etwas wachsen und reifen, das andere erfahren und sagen können: O, das war ein genießbarer Mensch!
In unserem Leben soll also die Liebe Gottes immer stärker zum Ausdruck gebracht werden. In unserem Leben kann Güte ein Bereich sein, der Men-schen gut tut, sie ermutigt und erfrischt.
Wir sollen das nun nicht dem Zufall überlassen, sondern sehr bewusst darum beten und entschieden in unserem Leben Bereiche gestalten, die es fördern, Jesus-ähnlicher zu werden.
2. Der Prozess des Reifens
Um Jesus ähnlicher zu werden, braucht es Prozesse des Reifens. Bei Pflan-zen kann ich das Wachstum hemmen oder fördern – ich kann eine Toma-tenpflanze in den Kühlschrank stellen oder ich kann sie gießen und sie der Wärme der Sonne aussetzen. Das hat Auswirkungen.
Es ist nicht egal, wie wir unser Leben führen, was wir in der Freizeit ma-chen, welche Filme wir sehen und welche Spiele wir spielen – es ist nicht egal, wie wir mit unseren Aufgaben umgehen, ob wir sie auf den letzten Drücker so gerade eben erledigen oder ob wir uns mit Freude der Aufgabe widmen. Es ist nicht egal, wie wir in kritischen Situationen reagieren – ob wir laut werden oder ob wir besonnen handeln.
Gott beteiligt uns an unserem Leben – er hat uns aus Bindungen in die Freiheit der Kinder Gottes gebracht – er möchte uns beteiligen, wenn es um die Gestaltung des Lebens in dieser neuen Freiheit geht.
Es liegt nun an uns, was wir in unserem Leben wachsen lassen. Wir ent-scheiden mit, was sich in unserem Leben ausdrücken darf und was nicht. Dazu gibt es drei prima Hilfestellungen:
a. Freundschaft
Freundschaft ist ein großes Geschenk. Freunde muss man suchen – die findet man nicht so einfach. Als wir vor viereinhalb Jahren nach Bochum kamen, habe ich oft meinen Freund in Nürnberg angerufen und mit ihm über das gesprochen, was mich bewegt. Es tut gut, mit jemand ehrlich reden zu können. Es tut gut, sich anzuhören, was ein anderer zu einem sagt, was ihm auffällt, was wahrnimmt. Es ist schön, wenn jemand für ei-nen betet.
Freundschaft ist eine Lebensgabe. Wenn wir mit jemanden das Leben tei-len, in keinem Abhängigkeitsverhältnis zu ihm stehen und völlig frei sind für ihn, dann ist man frei, ihm wahrhaftig zu begegnen. Wer darf ihnen die Wahrheit sagen? Wer darf seinen Finger in ihre wunden Punkte legen? Wer darf sie mal kritisch hinterfragen? Wer freut sich, wenn sie in ihrem Leben und in ihrer Persönlichkeit weiter kommen?
Wer kennen Freund oder keine Freundin hat, der ist arm. Bitten sie Gott um einen Freund, eine Freundin! Und halten sie ihre Augen offen – wer suchet, der wird finden! Übrigens: Seit Herbst letzten Jahres habe ich ei-nen Freund in Bochum gefunden – genial, mit ihm spazieren zu gehen und über Gemeinde, Ehe, Erziehung und meine Macken zu reden!
b. Gemeinde
Die zweite Gabe, die uns unterstütz, dass wir unser Potential erweitern und wachsen, ist unsere Gemeinde. Gott hat uns bewusst in eine Gemein-de gestellt, als er uns zu sich gerufen hat. Hier können wir das Leben mit Gott praktisch üben, indem wir Menschen dienen, sie Wert schätzen, Kon-flikte wahr nehmen und klären und uns Schuld vergeben, wenn wir uns verletzt haben. Gemeinde ist ein Trainingszentrum des Lebens – es ist keine Wellnessstation und auch keine vorletzte Ruhestätte. Es ist ein Ort, in dem wir miteinander Leben üben und Leben zur Entfaltung bringen können.
c. die Bibel
Paulus legt einem jungen und verantwortungsvollen Mitarbeiter die Bibel als ein Instrument ans Herz, das dazu dient, Herausforderungen gewach-sen zu sein und das Wesentliche zu tun. In 2. Timotheus 3, 14-17 schreibt er dem Timotheus: „Du aber bleibe bei dem, was du gelernt hast und was dir anvertraut ist; du weißt ja, von wem du es gelernt hast und dass du von Kind auf die Heilige Schrift kennst, die dich unterweisen kann zur Se-ligkeit durch den Glauben an Christus Jesus. Denn alle Schrift, von Gott eingegeben, ist nütze zur lehre, zur Zurechtweisung, zur Besserung, zur Erziehung in der Gerechtigkeit, dass der Mensch Gottes vollkommen sei, zu allem guten Werk geschickt.“
Durch die Bibel redet Gott mit uns und stellt uns in das Licht seiner Liebe. Hier sehen wir, wie wir sind. Her hören wir, was wir tun sollen.
Und genau diese heilsame Korrektur durch Gottes Wort, durch Gemeinde oder durch Freundschaft mögen manche nicht. Das ist nicht sehr lieblich. Das ist herausfordernd. Da findet man seine Aufgaben und seine persönli-chen Trainingsfelder. Wer´s leicht haben möchte, der spart sich das. Des-halb haben wenige echte Freundschaft, klare Gemeindezugehörigkeit und regelmäßige Bibellektüre. Das hat Konsequenzen. Was soll da wachsen?
3. Das Geheimnis verheißungsvollen Gebetes
Kommen wir zum Ziel des Ganzen Abschnitts und unserer Überlegungen nach dem Wachstum unserer Persönlichkeit mehr und mehr in Christus hinein: Gott soll verherrlicht werden. Jesus sagt: „Darin wird mein Vater verherrlicht, dass ihr viel Frucht bringt und werdet meine Jünger“. Darum ging es ja Jesus. Darum ging es auch im Gebet unseres Herrn – er betete nicht dafür, dass es ihm besser ginge und er erfolgreicher wirken konnte, sondern dass sich sein himmlischer Vater in seinem Leben verherrlicht.
Wenn wir so beten, dann beten wir „in Jesu Namen“. Gott soll herrlich groß gemacht werden in unserem Leben und durch unsere Gemeinden. Nicht von uns soll die Rede sein – von ihm!
Wir in Jesu Namen betet, wer in seinem Leben Jesus zum Ausdruck kom-men lässt, der ehrt Gott und der erlaubt Gott, im eigenen Leben zu wirken und zu gestalten.
Eine Gemeinde, die mit sich selbst beschäftigt ist wird immer eine bedeu-tungslose Gemeinde sein. Gut, schön, dass es sie gibt. Aber würde es sie nicht geben, würde nichts fehlen – man würde es nicht merken. Darum geht es in unserem Leben und in unserer Gemeinde, dass wir Jesus immer mehr Raum geben und wir ihm ähnlicher werden. Was von ihm her in un-ser Leben kommt, gehört schon zu dem Neuen, das er schafft und schaf-fen wird – deshalb wird es bleiben. Seine Liebe und Güte, seine Barmher-zigkeit und Mitmenschlichkeit, sein Zuwenden und sein Einladen, seine Ansage der Herrschaft Gottes jetzt und hier – das alles bleibt!
Deshalb lasst uns nicht müde werden und lasst uns nicht müde leben – wir wollen Gottes Geist Raum schaffen, dass er durch sein Wort unser We-sen mehr und mehr kennzeichnet. Deshalb wollen wir uns herausfordern, in der Liebe zu wachsen. Deshalb wollen wir nicht müde werden, Schwa-che zu stärken, Ungeliebte zu lieben, Bedeutungslosen Wert zu geben und Übersehene zu achten. Vor allem lasst uns teilen, was wir haben. Lasst uns großzügig und hilfsbereit sein. Gott will durch uns wirken – das allein wird Menschen ändern.
Deshalb möchte Gott, dass sie ihr Profil in seinem Sohn Jesus schärfen und vertiefen. Er möchte, dass auf dieser Welt gejubelt wird über ihn – nicht nur an Jubilate, sondern an jedem Tag! Und er möchte mitjubeln und sich freuen an seinen Kindern!
Amen
Abonnieren
Kommentare zum Post (Atom)
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen