Mittwoch, 27. Mai 2009

10.05.2009 Was man von Gott erkennen kann

Matthäus 11, 25-30

Predigt in Lobetal von Roland Schindler

25 Zu der Zeit fing Jesus an und sprach: Ich preise dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde, weil du dies den Weisen und Klugen vorborgen hast und hast es den Unmündigen offenbart.

26 Ja, Vater; denn so hat es dir wohlgefallen.

27 Alles ist mir übergeben von meinem Vater, und niemand kennt den Sohn, als nur der Vater; und niemand kennt den Vater als nur der Sohn und wen es der Sohn offenbaren will.

28 Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken.

29 Nehmt auf euch mein Joch und lernt von mir; denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen.

30 Denn mein Joch ist sanft, und meine Last ist leicht.

Was bleibt in dieser Welt? Woran können wir uns fest machen? Oder - was hält uns fest? Wo kann man Geborgenheit finden? Hören wir auf ein Lied der Gruppe „Silbermond“: „Irgendwas bleibt“.

Stefanie singt von der Sehnsucht nach Sicherheit.

„Sag mir, dass dieser Ort hier sicher ist

Und alles Gute steht hier still

Und dass das Wort, das du mir heute gibst

Morgen noch genau so gilt.

Diese Welt ist schnell und hat verlernt beständig zu sein denn Versuchungen setzen ihre Frist

Doch bitte schwör, dass, wenn ich wiederkomm

Alles noch beim Alten ist

Gib mir ein kleines bisschen Sicherheit

In einer Welt, in der nichts sicher scheint

Gib mir in dieser schnellen Zeit irgendwas das bleibt.

Gib mir einfach nur ein bisschen Halt

Und wieg mich einfach nur in Sicherheit

Hol mich aus dieser schnellen Zeit…..“

Kennen sie diese Sehnsucht nach Sicherheit. Man sehnt sich nach verlässlichen Menschen in seiner Nähe. Man sehnt sich nach verlässlichen Größen im Leben.

Politiker versuchen diesem Verlangen gerecht werden zu wollen. Im Februar dieses Jahres fand in München die Sicherheitskonferenz statt. Wie kann man die globale Instabilität bewältigen? Welche Schutzmechanismen braucht es? Wie können wir uns schützen, dass irgendwo in der Welt etwas so ins Rollen kommt, dass alle anderen Länder wie von einer Lawine überschüttet werden, die niemand stoppen kann.

Sicherheit – viele Menschen sind von dieser Frage umgetrieben. Sogar Kinder stellen sich ihr: Im März 09 brachte der „Spiegel“ einen Artikel über eine Studie unter benachteiligten Kindern. Das Resümee: „Sehnsucht nach Liebe und Sicherheit“. Und die „Zeit“ bringt die Sehnsucht der Menschen in unserem Land nach der globalen Finanzkrise auf den Punkt: Man sehnt sich nicht nach sozialer Verantwortung, sondern nach persönlicher Sicherheit.

Ist da irgendetwas, das unser Leben sicher macht? Sind da Arme die tragen und ist da Beistand, der einfach zu mir hält?

Auch in der Bibel finden wir diese Frage. Der Autor des Matthäusevangeliums fragt nach der Sicherheit für die Menschen, die ihr Vertrauen auf Jesus setzen. Denn in ihrem Leben gibt es eine seltsame Diskrepanz zwischen dem Verlangen nach Geborgenheit und dem, was sie tatsächlich erleben. In Kapitel 10 berichtet er, wie die Menschen von Jesus gerufen werden und wie er sie vorbereitet auf den Auftrag, den Menschen die Machtübernahme Gottes zu verkündigen. Kann Gott nun Sicherheit garantieren? Was haben die zu erwarten, die auf diese Karte setzen?

Doch anstelle eines starken Sicherheitsnachweises hören die Leute um Jesus etwas völlig anderes. Jesus sagt seinen Leuten etwas von Verfolgungen, davon, dass sie wie Schafe mitten unter Wölfe gesendet werden, von schmerzhaften Trennungen quer durch die eigene Familie, von Nachstellungen und Verleumdungen. Er spricht von einer Welle der Gewalt gegen seine Leute und davon, getötet zu werden. Er spricht davon, dass man zu den Außenseitern gehört und dass man Menschen, die einem lieb sind, verliert. Gut - er spricht davon, dass man auf diesem „verbrannten Land“ auch Oasen der Hoffnung findet – man findet Unterschlupf und erfährt Stärkung.

Matthäus fährt nahtlos fort mit seinem Bericht über die Situation der Nachfolger und schildert die nagenden Zweifel eines Wegbereiters von Jesus von Nazarth – einem gewissen Johannes, den man auch „Täufer“ nennt. „Kommst du wirklich im Auftrag Gottes um hier auf Erden ein Reich des Friedens zu errichten?“ Er war im Gefängnis. Wer gibt ihm Sicherheit?

Und weiter geht es im Bericht: Jesus wird in den Städten Galiläas abgelehnt. Kein Bedarf an diesem Jesus! Von dem ist doch nichts zu erwarten!

Wie reagiert Jesus nun auf all diese Tatsachen? Wie stellt er sich dieser Realität? Welche Zusagen gibt er? Was darf dann einer erwarten, der sein Vertrauen auf ihn setzt? Wird man am Ende auch enttäuscht? Wird am Ende alles so sein wie bei den andern: Krisen, Altwerden, Einsamkeit, Schwäche, Bedeutungslosigkeit und Leid.

Jesu Reaktion und seine Einladung an uns, ebenfalls wie er zu reagieren, erstaunen:

1. Jesus jubelt über Gott

Das muss man sich vorstellen: Jesus sagt seinen Jüngern: Ihr werdet in dieser Welt nicht ankommen. Jesus zeigt, dass Johannes nicht angekommen ist und er hat erlebt, wie er regelrecht abgeblitzt ist. – Und nun jubelt er? Ist er unter die Zyniker gegangen? Will er sagen: Kopf hoch – es kann noch schlimmer kommen?

Aber sehen wir genau hin und achten wir auf das, was Jesus in diesem Moment prägt und wichtig ist – so wichtig, dass es alles andere in den Schatten stellt.

Jesus schaut auf seinen himmlischen Vater und er nennt ihn: Machthaber der unsichtbaren, der himmlischen und der sichtbaren, der irdischen Welt. Und Jesus singt und jubelt, dass dieser Machthaber alle Kompetenz und alle Vollmachten für die Schöpfung hat. Er hat alles in den Händen. Er hat die Macht, jederzeit einzugreifen und Situationen zu verändern. Gott ist also der Herr der Welt.

Und er jubelt darüber, dass Gott seine Macht auf Jesus übertragen hat. Es gibt einen Brennpunkt von Macht in dieser Welt: Jesus! Aber warum kommt er dann nicht an? Warum setzt er nun seine Macht nicht ein, dass hier auf Erden die Herzlosen, die Gewalttätigen, die Egoisten, die Wahnsinnigen, die Jähzornigen und die Einflussreichen platt gemacht werden? Oder er könnte sie doch wenigstens zu Vernunft zwingen. Er könnt doch mit einem Wunder überzeugen. Aber das tut er nicht.

Jesus hat alle Macht in Händen und lebt völlig ohnmächtig, weil er sich nur in seinen himmlischen Vater gesichert und geborgen weiß. Und diese Geborgenheit ist tiefer als das, worin wir meinen, unser Leben sichern zu müssen.

Jesus zeigt noch etwas auf: In dieser Welt hat man nur die Macht, Menschen zu töten oder den Tod des Menschen etwas hinauszuzögern. Gott aber hat eine Macht, die dort erst beginnt, wo alles aufhört, was man auf dieser Welt an Mitteln und Instrumenten hat. Gott kann Menschen im Tod festhalten und er kann Menschen aus dem Tod herausrufen. Er ist der einzige, der wirklich Macht, der wirklich was machen kann. Gott kann Tote lebendig machen.

Über diesen Gott jubelt Jesus. Und er freut sich daran, dass Gott Menschen einen Blick für diese Realität schenken kann – er kann die einmalige Bedeutung Jesu einleuchten lassen. Der lebendige Gott schenkt es, dass Menschen in diesen Jesus den erkennen, der eine Gewalt und Lebenskraft, eine totale Kompetenz und tiefe Barmherzigkeit in sich vereinigt – das ist einmalig. Das erkennt man nicht durch Bildung oder Vitamin B – also, dass man einen Prediger zum Freund hat oder das Patenkind einer Diakonisse ist – sondern das erfährt man, wenn man völlig hilflos und bittend zu Gott kommt. „Den Weisen und Klugen hast du dies verborgen und hast es den Unmündigen offenbart.“ Unmündig heißt nun nicht doof oder ungebildet oder verrückt – entmündigt. Unmündig bedeutet: hier ist einer hilflos sein Leben zu sichern. Er sucht Sicherheit bei Gott. Und Gott offenbart ihn – geh zu Jesus. Jesus ist dafür die einzige Adresse.

2. Jesus lädt Müde und Beladene zu sich

Deshalb ruft Jesus die Menschen zu sich. Nun kommen also nicht alle – aber es sind alle eingeladen, die müde und beladen sind. Er ruft diejenigen, die sich Müde gelebt haben, deren Kräfte zu Sicherung des Lebens nicht mehr reichen, die Sehnsucht nach Sicherheit haben aber dafür keine Adresse kennen. Komm zu Jesus!

Er ruft die Beladenen, die voller Erwartungen anderer leben, die voller Versäumnisse sind, die randvoll mit Verletzungen und schuldhaften Taten sind, die einfach stöhnen unter dieser Last und sich entschlossen haben, das so nicht mehr hinzunehmen. Die sollen kommen!

Und was gibt ihnen dieser mächtig und zugleich ohnmächtige Jesus? Er schenkt die Zusage von Erquickung. „Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid, ich will euch erquicken!“

Was sind Erquickungen? Das Wort bedeutet: ruhig werden und erfrische werden.

Es bedeutet also zum einen ruhig werden: Geprägt von dem Wissen „Es wird gut enden“, kommen Menschen in total unterschiedlichen Situationen zur Ruhe. Kranke wissen sich urplötzlich mit schlimmster Diagnose geborgen und sicher. Menschen ohne Arbeit finden Kraftquellen, die nicht an Beschäftigungsverhältnissen liegen.

Jesus schenkt diese Erfahrung. Diese Zusage gibt er dir heute. Komme was auch kommen mag: er wird dir immer zur rechten Ruhe geben. Darauf darfst du hoffen.

Zum andern gibt er „Erquickunken“. Das können auch regelrechte Situationsveränderungen sein. Da wendet sich ein Blatt. Da kommt ein Mensch zu Hilfe oder eine völlig unvorhergesehene Türe öffnet sich. Das kann auch etwas Handfestes sein – ohne dabei deutlich machen zu wollen, dass der Friede und die Ruhe nicht auch etwas Handfestes ist.

Diese Erquickungen dürfen die Leute erwarten, die ihr ganzes Vertrauen auf Jesus setzen. Diese Erfahrungen werden den Lebensweg – und wenn es sein muss auch den Leidensweg – seiner Leute prägen.

3. Jesus zeigt einen Weg für gesichertes Leben

Und noch etwas will er den Menschen geben, die mit ihm ihr Leben gestalten wollen. „Sein Joch“ will er geben. Was ist damit gemeint? Sollen wir uns zusammenspannen lassen wie Ochsen mit einem Karren? Was meint Jesus mit diesem Begriff?

Damals kamen Menschen zu den Rabbinern, und fragten: „Rabbi, darf ich dein Joch tragen“ – das bedeutet: darf ich das lernen und leben, wie du das Gesetz Gottes auslegst? Das Joch bedeutet die Bürde zu tragen, dem Gesetz Gottes zu genügen und im Angesicht Gottes ein Leben zu führen, an dem er seine Freude hat.

Die Rabbiner haben die Gebote so geschützt, dass sei einen „Zaun des Gesetzes“ um sie legten. Über 600 Zusatzgebote wurden aufgestellt, damit man nun auch wirklich alles einhält. Es gab viel zu befolgen, viel zu lernen, viel zu halten.

Und nun sagt Jesus: „ Nehmt auf euch mein Joch und lernt von mir; denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen. Denn mein Joch ist sanft, und meine Last ist leicht.“

Jesu Art, das Gesetz Gottes auszulegen und zu lehren ist sanft und keine Last. Jesu Lehre vom Gesetz gipfelt im Doppelgebot der Liebe: „Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und von ganzem Gemüt – dies ist das höchste und größte Gebot. Und das andere ist dem gleich: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst!“ (Matthäus 22, 37 – 39).

Gesichertes Leben kommt täglich aus dieser wohltuenden Begegnung mit dem liebenden Gott. Gott lieben bedeutet: ich lasse mich von ihm lieben! Darin gebe ich Gott den Platz, der ihm zusteht und die Bedeutung, die ihm angemessen ist. Dieser Liebe darf ich mir täglich gewiss werden. Aus seiner Liebe darf ich täglich leben – und in dieser Liebe dann den Menschen begegnen.

Diese Liebe Gottes macht stark – so kann man sich Menschen zuwenden, ihnen seine Begleitung schenken, ihnen beistehen. Nun kann man ihnen auch ein bisschen Sicherheit schenken – Sicherheit, in einer Welt, in der nichts sicher scheint. Wir haben etwas zu geben was trägt und wir haben etwas zu verschenken, das bleibt: Liebe Gottes!

Amen

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