Freitag, 29. Mai 2009

24.05.2009 Du bleibst nicht ohne Trost!

Johannes 15, 26 – 16, 4
Predigt von Roland Schindler

Wenn aber der Tröster kommen wird, den ich euch senden werde vom Vater, der Geist der Wahrheit, der vom Vater ausgeht, der wird Zeugnis geben von mir.
Und auch ihr seid meine Zeugen, denn ihr seid von Anfang an bei mir gewesen.

Das habe ich zu euch geredet, damit ihr nicht abfallt.
Sie werden euch von der Synagoge ausstoßen. Es kommt aber die Zeit, dass, wer euch tötet, meinen wird, er tue Gott einen Dienst damit.
Und das werden sie darum tun, weil sie weder meinen Vater noch mich erken-nen.
Aber dies habe ich zu euch geredet, damit, wenn ihre Stunde kommen wird, ihr daran denkt, dass ich´s euch gesagt habe.
Zu Anfang aber habe ich es euch nicht gesagt, denn ich war bei euch.

„Wer nicht hören will, muss fühlen.“ Mit diesem Satz bin ich groß gewor-den. Erziehung kompakt sozusagen.
Diese Weisheit steht nicht in der Bibel. Obwohl es in der Bibel ums Hören geht – aber in der Bibel wird nicht gedroht. Die Bibel lädt ein, dass wir hinhören. Gott redet – er hat den Menschen geschaffen als ein Gegenüber zu ihm – wir können seine Stimme hören. Das zeichnet uns als seine Ge-schöpfe aus! Diese Fähigkeit für unser Menschsein wesentlich. In der Bibel geht es darum, dass wir die Einladung zu einem erfüllten Leben hören.

Das Schicksal Israels hängt davon ab, auf wen sie hören. Auch unser Schicksal ist mit dem Hören verbunden. Hören und gehören sind unlösbar miteinander verbunden. Die Gemeinde Jesu erkennt in der Verklärungsge-schichte worauf es ankommt. Gott sagt: „Das ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe; den sollt ihr hören.“

Hören und Gehören bilden eine Einheit. Was wir hören, das werden wir. Die Stimme, der wir folgen wird zu der Stimme, die uns prägt.

Heute feiern wir den Sonntag „Exaudi“ – Herr höre mein Gebet! Das ruft der, der seinerseits auf den Herrn hört. Die Zeit zwischen Himmelfahrt und Pfingsten ist die Zeit, in der in besonderer Weise auf die Abschiedsre-den Jesu gehört werden soll.
In unserem Wort hören wir, warum das so wichtig ist: „Das habe ich zu euch geredet, damit ihr nicht abfallt.“ Das griechische Wort an dieser Stel-le zeigt deutlich, worum es geht: skandalizo = zu Fall kommen; Jesus sagt: ihr werdet in Situationen geraten, die für euch skandalös aussehen; ihr werdet sagen, dass es ein Skandal ist, dass Gott das zulässt! Die Fol-ge: man wendet sich ab!

Deshalb soll man jetzt bitte zuhören, damit man Jesus nicht den Rücken zukehrt, weil man in ganz notvolle Situationen geraten wird. Man soll bitte jetzt schon darauf achten, dass eine Situation, in der man ist, nichts darüber aussagt, in welcher Lage man sich befindet! Unsere Lage ist nämlich durch Jesus bestimmt! Er bestimmt unser Leben. Er be-stimmt unser Schicksal. Er bestimmt unsere Zukunft. Er bestimmt aber auch unser Leben, denn wir stehen ja in seiner Sendung. Die Leute, mit denen er hier spricht sind die selben, zu denen er Tage später sagen wird: wie mich mein Vater gesandt hat, so sende ich euch! Wir stehen in seiner Sendung. Und weil er abgelehnt wurde, wird auch uns Ablehnung begeg-nen. Weil er Leid erfahren hat, wird Leit auch uns nicht fremd bleiben. Er wurde getötet – das kann auch seinen Leuten geschehen. Daran sollen wir als nicht irre werden. Deshalb

1. schickt Jesus uns den Tröster
Jesus sagt seinen Jüngern, dass er über diese ernste Situationsbeschrei-bung seiner Leute früher nichts sagen musste, denn er war ja sichtbar bei ihnen und die Jünger haben sich in Not und Schwierigkeiten immer an ihn gewandt. Gleichzeitig hat er sie geschützt, weil aller Hass und alle Ableh-nung ihn getroffen hat. Er ist ja das Ziel der Anfeindungen. Ihn will man nicht. Er stört das Machtgefüge in dieser Welt.

Aber das wird sich schlagartig ändern in dem Augenblick, in dem er nicht mehr sichtbar auf dieser Erde ist. Nun ist die Gemeinde sozusagen sein sichtbarer Repräsentant. Die Gemeinde nimmt Jesu Sendung auf. Die Ge-meinde lädt dazu ein, Gott als den Vater von Jesus Christus kennenzuler-nen. Nun richtet sich die Ablehnung gegen sie.

Zum Überleben und zum Durchhalten schickt Jesus direkt vom Vater den Tröster – den Heiligen Geist, der uns in bedrängenden Situationen Festig-keit und Halt gibt. Das Wort „Trost“ kommt mit dem Wort „treu“ aus der selben Wortgruppe. Es geht um das Wissen, dass wir in einem festen Bund mit dem treuen Gott leben – dies wirkt in uns hoffnungsvolle Kraft und einen Halt, der uns in schwierigsten Gegebenheiten ge-lassen sein lässt.

Der Heilige Geist ist die Gabe Jesu an seine Gemeinde. Diesen Heiligen Geist dürfen wir immer wieder neuen Raum in unserem Leben geben. Die-ser Heilige Geist wird folgendes in unserem Leben bewirken:
a. Gottes Geist bewirkt, dass wir Hörende bleiben – er treibt uns immer wieder in das Wort Gottes. Das ist die stärkste Herausforderung in unserer Zeit – einer Zeit die geprägt ist vom „sehen“ und vom „fühlen“: ein Christ wir hören!
b. Gottes Geist schenkt uns die Gewissheit: „Gott hat dich als sein Kind erwählt – du gehörst zu ihm. Keine Angst – du bist nicht allein. Keine Sor-ge, er ist Herr auch in einer Situation, in der du nicht mehr weiter weißt.“
c. Gottes Geist hält unser Leben in der Ausrichtung auf Gott. Er ist ein starker Helfer. Er hilft uns von uns weg zu schauen. Er hilft uns, von uns weg zu hören. Er hilft uns, dass unser Leben ausgerichtet bleibt. Er hilft uns, dass wir uns nicht müde leben in einer Welt, die viel verspricht und alles daran setzt, Menschen „hörunfähig“ zu machen. So hält uns Gottes Geist in der Sendung –

und das ist der zweite Gedanke:
Jesus schickt uns den Tröster, und damit

2. wird das Zeugnis von Jesus nicht verstummen
Es gäbe immer wieder Grund genug, die Botschaft von Jesus Christus in dieser Welt nicht weiterzusagen. Wir hätten genug mit uns zu tun. Wir hätten genug eigene Baustellen, die unsere ganze Konzentration und Kraft benötigen.

Gemeinde wird stumme Gemeinde, wenn die einzelnen Gemeindemitglie-der nicht aus dem Zeugnis der Schrift heraus ihr Leben führen. Gemeinde steht und fällt mit der Botschaft: „Lasst euch versöhnen mit Gott!“ Diese Versöhnungsbotschaft haben wir weiterzusagen. Und nun geht es nicht darum, dass die Prediger in Lobetal dies Sonntag für Sonntag zu gehör bringen. Am Sonntag geht es nur darum, dich zu ermutigen und zu er-muntern, in der Woche „Farbe“ zu bekennen. Es geht einzig und allein darum, dass Du Tag für Tag Jesus bezeugst. Es geht darum, dass du für die Gelegenheiten wach bist, die sich einfach ergeben, wenn man mit Gottes Geist lebt und unterwegs ist. Werde wach für die günstigen Gelegenheiten, Jesus zu bezeugen.

Jesus wird in dem, was wir über ihn anderen Menschen sagen, handeln und wirken. Wir geben keine Infos weiter. Wir erlauben viel mehr, dass der lebendige Herr sich durch uns anderen in Erinnerung ruft. Er wirkt. Er handelt. Er steht da und begegnet in diesem Augenblick dem Menschen.

Lasst euch bitte auf diese Sendung neu ein. Lasst euch für diese Sendung segnen. Sprecht in den Kleingruppen über die Menschen, denen ihr Jesus bezeugt. Und gebt in dem, wie ihr Jesus bekennt, immer die frohe Bot-schaft weiter: „Jesus liebt dich und hat alles dafür getan, dass dein Leben nicht irgendwann zerbricht und verwest, sondern bleibt und in der Ge-meinschaft mit ihm zur Entfaltung kommt.
Deshalb ist Zeugnis von Jesus nicht nur ein „reden“, sondern auch ein „helfen“, „trösten“, „tragen“, „raten“ und einladen – was halt dran ist in der ganz konkreten Situation – es geht um die Begegnung mit Jesus heu-te!

Das führt zum dritten Gedanken:
Jesus sendet uns den Heiligen Geist; denn dadurch

3. schreckt uns die Ablehnung nicht ab
Ablehnung ist für Menschen, die gerne über Jesus reden, die blockierenste Erfahrung. Gottes Geist zeigt uns: Ablehnung ist ganz normal. Das verbin-det dich mit deinem Herrn. Und weil Gott ihm durchgeholfen hat, wird Gott auch dir durchhelfen. Du bist nicht ohne Gott. Er hat dich in eine fes-te Verbindung gebracht – diese Verbindung gibt Kraft und Zuversicht – macht sozusagen tragfähig.
Darf ich mal fragen, wie belastbar du eigentlich bist? Gemeine ist ja der Übungsplatz schlechthin für Belastbarkeit. Hier nimmt man Anteil am Leid der anderen. Hier freut man sich mit anderen. Hier hilft man, wo Not ist. Hier gibt man, wo Mangel herrscht.

Wer nur mit sich selbst beschäftigt ist, der sucht nur Leute, die ihn tragen, von denen er etwas hat. Er wird selbst keinen Finger für andere rühren. Er wird ein hartes Herz behalten, die Liebe Gottes kann ihn nicht verändern.

Man muss sich schon verlassen. Man muss schon vertrauen.
Die Bibel sagt, dass am Ende der Tage Zeiten kommen werden, in denen die Gemeinde Gottes den Lebensgenuss mehr liebt als Gott. Wer mit sich selbst beschäftigt ist, wird ständig seine Sehnsüchte und Bedürfnisse be-friedigen.
Wer mit Gott unterwegs ist, der wird ständig bemüht sein, Gottes Bedürf-nis zu stillen! Aber dabei wird man eben auf Ablehnung stoßen.

Ablehnung gibt es in mancherlei Hinsicht:
- da gibt es die Ablehnung, die aus mir heraus ruft: Du willst ein Mensch sein, der mit Jesus lebt!? Dass ich nicht lache! Halt lieber den Mund und kümmere dich um dich selbst, bevor du mit anderen Leuten über ein Leben mit Jesus redest; oder: wenn es Gott gäbe, müsste es dir dann nicht besser gehen?
- da gibt es die Ablehnung, die von anderen Menschen her kommt: schaut, die Frommen! Sie reden und reden – aber sie verändern die Welt nicht. Warum ist so viel Leid in der Welt? Weil sie zu wenig tun…
- da gibt es die Ablehnung, die mit am Schmerzlichsten ist: die Ab-lehnung von Seiten anderer, die auch an Gott glauben, auch in sei-ner Kirche aktiv sind. Luther schreibt in seiner Hauspostille 1544: „Derhalben ist hier von Nöten, dass man einen Unterschied mache und lerne, dass allezeit zweierlei Kirchen sind. Eine, die falsche Kir-che, die doch einen Namen hat und heißt die christliche Kirche, aber sie ist´s nicht. Die andere, die rechte Kirche, die den Namen nicht hat und ist´s dennoch. Diese zwei Kirchen sind sehr schwer zu er-kennen.“ Es geht ein Riss mitten durch die Kirche, und die, die in Ohnmacht Christus als gekreuzigten und auferstandenen Herrn des Lebens bekennen, werden an den Rand gedrängt, oder hinausge-jagt, wie es in unserem Land ja schon gewesen ist.

Aber in alledem bleibst du nicht ohne Trost! Gottes Geist ist eine bewah-rende Macht und ein handelnder Herr. Er hält dich. Er hilft dir. Er überwin-det Widerstände. Er lässt dich Schwierigkeiten ertragen. Er leitet dich durch schreckliche Zeiten. Er führt dich ins Leben – komme, was da kom-men mag.

Nun erleben wir in unserem Land keine Verfolgung – wir werden höchs-tens belächelt oder als „ewig Gestrige“ abgetan. Doch die Gemeinde Jesu erlebt Verfolgung in anderen Ländern dieser Welt. Gottes Geist verbindet uns mit der leidenden Gemeinde. Dieser Geist schenkt Einheit und lässt nicht zu, dass der Leib Christi in dieser Welt auseinandergerissen wird. Er schenkt Einheit. Er gibt uns die Kraft, dass wir die leidenden Geschwister nicht vergessen. Er macht uns dankbar für den „geschützten Raum“, in dem wir leben. Wir sind betende und helfende Gemeinde für die verfolgten Geschwister.

Durch Jesu Geist auf sein Wort hören – das tut gut. Wer hören wird, der wird leben und immer wieder getrost in der Sendung seines Herrn bleiben.
Amen.

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