Donnerstag, 30. Juli 2009

26.07.2009 Empfangen, was satt macht

Predigt am 26. Juli 2009 Lobetal von Roland Schindler
Johannes 6, 1-15

1 Danach fuhr Jesus weg über das Galiläische Meer, das auch See von Tiberias heißt. 2 Und es zog ihm viel Volks nach, weil sie die Zeichen sahen, die er an den Kranken tat. 3 Jesus aber ging auf einen Berg und setzte sich dort mit seinen Jüngern. 4 Es war aber kurz vor dem Passah, dam Fest der Juden.
5 Da hob Jesus seine Augen auf und sieht, dass viel Volks zu ihm kommt und spricht zu Philippus: „Wo kaufen wir Brot, damit diese zu essen haben?“ 6 Das sagte er aber, um ihn zu prüfen; denn er wusste wohl, was er tun wollte. 7 Philippus antwortete ihm: Für zweihundert Silbergroschen ist nicht genug für sie, dass jeder ein wenig bekomme. 8 Spricht zu ihm einer seiner Jünger, Andreas, der Bruder des Simon Petrus: 9 „Es ist ein Kind hier, das hat 5 Gerstenbrote und 2 Fische; aber was ist das für so viele?“ 10 Jesus aber sprach: „Lasst die Leute sich lagern.“ Es war aber viel Gras an dem Ort. Da lagerten sich etwa fünftausend Männer.
11 Jesus aber nahm die Brote, dankte und gab sie denen, die sich gelagert hatten; des-gleichen auch von den Fischen, so viele sie wollten.
12 Als sie aber satt waren, sprach er zu seinen Jüngern: „Sammelt die übrigen Brocken, damit nichts umkommt.“ 13 Da sammelten sie und füllten von den fünf Gerstenbroten zwölf Körbe mit Brocken, die denen übrig blieben, die gespeist worden waren.
14 Als die Menschen das Zeichen sagen, das Jesus tat, sprachen sie: „Das ist wahrlich der Prophet, der in die Welt kommen soll.“ 15 Als Jesus nun merkte, dass sie kommen würden und ihn greifen, um ihn zum König zu machen, entwich er wieder auf den Berg, er selbst allein.

Es gibt Dinge, die sind nun einmal so. Nehmen wir zum Beispiel den 1.FC Nürnberg. Er ist eine typische Fahrstuhlmannschaft. Eben in die Bundesli-ga aufgestiegen und schon wird wieder gezittert. Das ist der Herzschmerz eines Clubfans. Kaum ist die Aufstiegsfreude verklungen, muss man schon wieder an seiner Frustrationstoleranz üben.
Oder nehmen wir Schalke 04; sie wollen Meister werden und schaffen es nicht. Sie versuchen alles – und sollten sie in der abgelaufenen Spielzeit vorne stehen, dann kommt halt die Nachspielzeit.
Oder nehmen wir Schweden; da ist es im Juli einfach nass. Da kannst du nichts machen. Da muss man einfach warten, bis es Dezember wird – dann regnet es zumindest nicht mehr.
Oder nehmen wir die Amerikaner – sie sind einfach „das Land der unbe-grenzten Möglichkeiten. Da ist zum Beispiel Joey Chestnut. Wo andere Grenzen haben, scheint er unbegrenzte Möglichkeiten zu haben. Bei einem Hamburgerwettessen hat er in 8 Minuten 103 Hamburger verdrückt. Da-mit ist er Weltmeistern im Hamburgeressen. Als man ihn anschließend fragte, wie es ihm geht, meinte er: „Ganz gut, nur sei jetzt etwas hung-rig.“
Die Hamburger sind in den scharfen Sachen unschlagbar. Das ist halt so. Siggi Siegler hat den Currywurst-Schärfe Wettbewerb gewonnen. Er sprach nach dem Championat von „Freudentränen“, während sich seine Kontrahenten wahlweise entweder übergaben oder im Rettungswagen be-handeln ließen. Die Schärfewettesser steigen bei einem Schärfegrad von 80.000 Scoville ein – zum Vergleich: Tabasco hat 5000 Scoville. Siggi schaffte sogar Capsaicin – 16 Millionen Scoville scharf. Das schärfste Zeug der Welt. Man braucht einen Swimmingpool voller Wasser, um einen Trop-fen zu neutralisieren. Die Hamburger sind Spezialisten für scharfe Sachen.
Tja, es gibt Dinge, die sind halt so.

Oder Jesus: der kann Brot vermehren. Das ist eben so. Die Gemeinde schafft das nicht. Aber Jesus und das Brot – das ist einmalig. Manchmal könnte man meinen: Jesus = Brot! Es gibt Dinge, die sind halt so.
Unser Wort „Brot“ bedeutet eigentlich soviel wie „Lebensunterhalt“ oder „Nahrung“. Wenn etwas „brotlos“ ist, dann ist es sinnlos. Wer aber „Brot“ hat, der hat, was er zum Leben braucht.

In unserem Predigtwort sieht man etwas von der Wertschätzung Jesu ge-genüber dem Brot. Er sagt nach der Mahlzeit: „Sammelt die übrigen Bro-cken, damit nichts umkommt.“ Brot ist kostbar. Brot sättigt. Brot stärkt. Brot erhält Leben.

Doch wenn Jesus dieses Brot in die Hand nimmt, dann geschieht eine er-staunliche Wandlung. Wenn er Brot austeilt, dann werden viele satt. Und das Brot, das er austeilt, das sättigt viel tiefer als jedes Vollkornbrot aus unseren guten Bäckereien.

Unser Thema lautet: „Empfangen, was wirklich satt macht.“ Gemeint ist damit, dass unser Hunger immer nur für kurze Zeit gestillt ist. Unser Kör-per verarbeitet das Brot und braucht immer wieder Nachschub. Jesus gibt etwas ähnliches wie Brot – das stillt unseren Lebenshunger bleibend.

Drei Gedanken unseres Predigtwortes dazu:
1. Jesus ist wie ein Lebensbrot
Das Wunder in dieser Geschichte ist nicht das viele Brot, das aus 5 Gers-tenbroten gebrochen 5000 Männer sättigt. Das Wunder in dieser Ge-schichte ist derjenige, der das Brot bricht, der Gott dankt, der die Men-schen, die da hungrig vor ihm sind, liebt, und einfach nicht möchte, dass für einen nichts mehr übrig bleibt.

Das meinen wir doch manchmal: „Führ uns gibt es nichts mehr! Die an-dern, die haben es gut. Die haben, was man für das Leben braucht. Aber für mich gab es in dieser Welt scheinbar nicht einmal mehr einen Rest. Ich muss mit Mangel leben.“
Wer Hunger hat und nichts zu essen hat, bei dem knurrt der Magen. Wer Lebenshunger hat und meint, für ihn hat die „Küche“ des Lebens ge-schlossen, der wird mit der Zeit „knurrig“, der wird mürrisch und gereizt, der wird trotzig und traurig. Hunger tut weh. Lebenshunger auch. Man wird neidisch. Man wird hart. Manchmal auch sarkastisch - ha, die andern – die haben gut reden, die haben gut glauben! Aber ich – für mich bleibt scheinbar nur die Hoffnung auf das Jenseits. Vertröstungen. Ewiges Leben – ha – und jetzt zeitliches Hungern!

Aber an dieser Botschaft soll kein Mensch vorbeihören: Jesus ist gekom-men, damit dein Lebenshunger gestillt wird. Er sieht dich. Wie damals, als die vielen Menschen ihn suchten und er sie sah. Sie wollten eigentlich et-was spektakuläres Erleben. Sie wollten in Erfahrung bringen, ob auch bei ihnen das zutrifft, was da andere sagen: Er macht gesund – er wirkt Heil. Das wollten sie: eine spektakuläre Erfahrung mit Jesus erleben – aber was bekommen sie: etwas zu essen!
Warum gibt Jesus ihnen etwas zu essen? Weil er deutlich macht: Euch treibt nicht die Sehnsucht nach außergewöhnlichen Erfahrungen um – sondern euch treibt ein Hunger des Lebens um. Ihr möchtet ein Leben le-ben, das erfüllt ist, das prall gepackt ist mit guten Erfahrungen. Ihr seid ruhelos bis ihr etwas habt, was euch so erfüllt, dass euer ganzes Leben von dieser Erfüllung geprägt ist. Und das, was ihr sucht, das bin ich! Ich gebe, was satt macht. Ich, der ich anscheinend nichts in der Hand habe, kann dir geben, wonach du dich sehnst; denn ich gebe mich! Und das reicht für alle!

2. Jesus will deinen Hunger stillen
Jesus bist du so kostbar, dass er sich ganz investiert, damit du lebst. Hat sich für dich schon mal jemand so eingesetzt wie Jesus? Zu allen, die dich verklagen, die auf dich zeigen, denen gegenüber du Schulden hast, sagt er: „Was er schuldig geblieben ist, das gebe ich; sein Unrecht sühne ich und seinen Tod sterbe ich. Jesus schenkt sich dir als Gabe, die so erfüllt, dass dein Leben frei wird von Gier, Neid, Schmerz und Unzufriedenheit.

Glaube ist keine Gedankenakrobatik für Zukurzgekommene. Hier wird nicht mit deinen Sehnsüchten und Verletzungen, mit deinen Sorgen und Ängsten jongliert. Hier wird dir nicht weiß gemacht, dass sie nicht mehr da sind, obwohl sie ständig in deinem Schoß landen. Glaube ist die Erfah-rung: Hier ist einer so eindeutig und so unmissverständlich für mich da, dass ich mich auf ihn einlassen und ihm vertrauen kann – auch wenn mei-ne eigentlichen Wünsche immer noch Wünsche sind und keine Realität wurden. Hier ist einer, der mich liebt und der für mich eintritt, der mich stärkt und mich ermutigt, der mich schützt und der mir mein Leben ga-rantiert.

Nicht die Dinge dieser Welt stillen unseren Lebenshunger – sondern Jesus. Kein Mensch vermag und zu erfüllen aber Jesus. Und wen Jesus erfüllt, der wird plötzlich fähig, mit den Dingen recht umzugehen. Nun bekommen Geld und Auto, Gesundheit und Haus, Mode und Brot erst ihren richtigen Wert. Die Dinge in dieser Welt sättigen nicht, sondern vergrößern den Hunger. Wer viel hat, der will noch mehr. Aber wer Jesus hat, der kann teilen.
Auch Menschen erfüllen uns nicht. Aber Jesus erfüllt uns mit seiner Liebe, so dass wir in die Lage versetzt werden, mit Menschen in Beziehung zu leben, mit ihnen auszukommen, Konflikte zu klären, den andern zu helfen und zu fördern. Jetzt fällt die Angst vor dem Alleinsein ab. Jetzt löst sich die Sorge vor einem Verlust. Jetzt entspannt sich meine Person und wird nicht mehr beherrscht oder manipuliert, nicht mehr getrieben oder beses-sen – wenn Jesus deinen Hunger stillt, dann wirst du frei für das Leben! Er hat sich dir so „einverleibt“ dass er alles ausfüllt und erfüllt. Er ist kein flüchtiges Erlebnis sondern eine Gabe zum Leben!

3. Jesus sättigt dich heute
Heute feiern wir Abendmahl. Am 7. Sonntag nach Trinitatis werden wir auf die Gabe des Abendmahls hingewiesen. Wir sollen wahrnehmen: Heute sollst du schmecken und sehen, wie freundlich Gott ist. Heute will er dich stärken. Heute will er dir Brot geben – aber in diesem Brot sich dir selbst einverleiben. Heute will er sich dir im Wein schenken – erfrischend und köstlich. Er will sich dir „köstlich“ schenken. Er hat es sich alles kosten lassen, damit er dich recht verköstigen kann.

Aber wie will das Abendmahl sättigen? Die Gemüsesuppe, von Hildegard und Erika lecker zubereitet, die wir gleich nach dem Gottesdienst schmau-sen werden, die wird satt machen – vorerst – aber ein Stück Brot und ein Schluck Wein?
Brot und Wein machen es nicht, sagt Martin Luther in der Erklärung zum Hauptstück des Abendmahls – sondern der Herr, der dazu sein Wort gibt, der darin seinen Willen kundtut und sagt: Ich bin das Brot des Lebens! Iss im Vertrauen darauf, dass ich zu dir komme und mich so in dein Leben investieren will, dass es in mir gesichert und geschützt ist. Er gibt dir heu-te schon von „seinem Tisch“. Der Ort, von dem uns das Mahl gegeben wird ist eigentlich in Gottes Welt. Dort gibt es am Ende aller Tage ein gro-ßes Festessen. Doch ein Bissen ist schon jetzt für uns da. Einen Schluck gibt’s schon heute. Hierin liegt Kraft und Lebensmut für die kommenden Tage. Hier liegt schon jetzt ein Zeichen für Dich: Gemeinschaft! Du bist nicht allein – er ist da. Du bist nicht allein – er umgibt dich mit Menschen, die dir ganz langsam vertraut werden, die für dich langsam wie Geschwis-ter werden.

Typisch Jesus. Er macht aus wenig viel. Er macht aus Brot eine Mahlzeit zum Leben. Er gibt dir heute, was wirklich satt macht. Satt sein bedeutet, genug zu haben – genug im Sinne von „vergnügt“. Es gibt Dinge, die sind halt so. ER lebt – deshalb wird man im Gottesdienst vergnügt!

Amen!

19.07.2009 Es gibt immer was zu tun!

Predigt über Matthäus 28, 16 – 20 von Roland Schindler

Aber die elf Jünger gingen nach Galiläa auf den Berg, wohin Jesus sie beschieden hatte. (17) Und Jesus trat herzu und sprach zu ihnen: Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden. (19) Darum gehet hin und machet zu Jüngern alle Völker; Taufet sie auf den Namen des Vaters und den Sohnes und des Heiligen Geistes (20) und lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe. Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.

Deutschland ist das Eldorado für Heimwerkler, die unbestrittene Nr. 1 in Europa. Knapp 1000.- Euro gibt der Deutsche durchschnittlich pro Jahr für Werkzeuge, Materialen und weiteren Baubedarf aus. „Es gibt immer was zu tun“ ist wohl der bekannteste Slogan. Sogar ein Buch ist mit diesem Titel erschienen und lädt dazu ein, von der Pieke an alles Rund um Haus und Garten selbst zu werkeln. Eine Frau schrieb begeistert: „Das optimale Geschenk für meinen Mann. Endlich hat er was zu tun. Eine Pergola und einen Teich will er dieses Jahr anlegen – herrlich, ich sehe ihn den ganzen Tag nicht!“

Tja, da bleibt den Engländern, Franzosen und Belgiern nur das Nachsehen. Dabei mischen heute die Frauen kräftig mit. Früher hantierten sie ja ausschließlich mit der „Stichelsäge“, aber heute wünschen sie sich schon zum Geburtstag und zu Weihnachten Bandschleifer, Dekupiersäge und Schlagbohrmaschine.

Ich dachte, da wir heute kein Anspiel haben, machen wir gleich mal die Probe aufs Exempel und sehen, wie gut ihr euch in der Baumarktlandschaft auskennt. Ich nenne die Slogans und ihr sagt mir, welcher Baumarkt damit seine Philosophie zum Ausdruck bringt.

„Ideen muss man haben“ - Hellweg

„Es gibt immer was zu tun“ - Hornbach

„Schön, dass sie da sind“ - Bahr

„Wenn´s gut werden muss“ - Bauhaus

„Wie, wo, was – weiß ….“ - Obi

„Mach dein Ding“ - Hagebau

„Gut für die Umwelt – günstig für sie“ - Toom-Baumarkt

„Hier spricht der Preis“ - Praktiker

„Ein Paradies für Profis und Heimwerker“ - Hammer

„Wir haben den besten Preis“ - Discount Baumarkt B1

Selber „machen“ – das scheint eines unserer Gene zu sein. Wir finden Bautrupps in Schulen und Kindergärten, in Kleingartenanlagen und Vereinsheimen, in Garagen und auf einem Baugerüst in Wanne – sogar in unserer Gemeinde. Schon die Kinder sind nicht aus dem Sandkasten zu kriegen und natürlich gibt es auch ein Kinderbuch mit dem vielsagenden Titel: „Es gibt immer viel zu tun“ – eine Geschichte des „kleinen roten Traktors.“

Doch wir sind nicht eingeladen, Gemeindehäuser zu bauen – Gott lädt uns ein, dass wir seine Gemeinde mitbauen. Er möchte uns begeistern für die lohnenswerteste Aufgabe dieser Welt. Er will uns ermutigen unsere Kraft und unseren Verstand dahingehend einzusetzen, Menschen für Gott zu begeistern. Dazu möchte er uns heute durch „Matthäi am Letzten“ ermutigen.

Wobei – Matthäi am Letzten – wissen sie, wofür das steht? Im Internet erfährt man, dass dieser Ausdruck in Österreich eine stehende Redewendung ist. Wofür sie steht, sieht man an den Übersetzungen – im Deutschein bedeutet diese Redewendung: „Der Zug ist abgefahren“ – im Englischen: „This ist the End“. Wenn jemand am Ende ist, keinen Ausweg mehr sieht oder dem Sterben entgegengeht, wird auch heute noch manchmal sprichwörtlich gesagt: "Bei ihm oder bei ihr ist Matthäi am Letzten."

Diese Redewendung geht auf Martin Luther zurück. In seinem Katechismus schreibt der Reformator zum Hauptstück „Taufe“: "Unser Herr Jesus Christus spricht Matthäi am Letzten ‚Mir ist alle Macht gegeben im Himmel und auf der Erde’ und ‚Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt’." Martin Luther weist alle, die in ihrer Lebenssituation irgendwie wie am Ende ist, darauf hin, dass am Ende des Evangeliums nicht steht "Alles aus und vorbei", sondern "Mir ist alle Macht gegeben" und "Ich bin bei euch alle Tage". Also lieber Volksmud – da hast du aber Martin Luther nicht aufs „Maul geschaut“, als du dir diese Redewendung als geflügeltes Wort einverleibt hast!

„Matthäi am Letzten“ ist also ein Hoffnungswort. Eine Geschichte schien am Ende – doch der Auferstandene Jesus Christus bezeugte sich seinen Nachfolgern und verwandelte resignierte Leute in einen Trupp leidenschaftlicher Menschen, die mit einer „frohen Botschaft“ Menschen neue Hoffnung brachten. Nun wird vor allem Gemeinde gebaut – keine Gemeindehäuser. Menschen werden eingeladen, diesen Gott zu entdecken, der in seiner Gemeinde wirkt, der Gemeinde will und der Gemeinde fördert. Dieser „Bauplatz“ Gemeinde ist ein lohnender Einsatzort für unsere „Bau-Gene“. Hier können wir unsere Gaben entfalten. Hier können wir nach Herzenslust unsere Kreativität und unsere Leidenschaft einbringen. Es gibt keine Aufgabe, die so lohnend und so erfüllend, so herausfordernd und so großartig ist, wie die, auf der „Baustelle“ Gemeinde mitzuwirken. Damit man aber nun genau weiß, welche Werkzeuge man da vor allem benötigt und wo man die am besten erhält, hören wir auf den „Bauauftrag“ des Chefs:

  1. Der Bau klappt nur mit Jesus

Er ist mächtig – er hat alle Macht in der sichtbaren und der unsichtbaren Welt. Er ist Herr! Und als dieser Herr tritt er auf und zeigt, dass er nicht als netter Restaurator auftritt, oder als freundlicher Handwerker, der dein Seelenleben wieder in Ordnung bringt. Er kommt als Herr und Eigentümer deines Lebens. Er ist auch Herr und Eigentümer dieser Welt. Er ist derjenige, der das Leben designt hat. Er hat es entworfen und es gelingt nur mit ihm. Deshalb ist vor allem und zuerst er zu verkündigen und auf ihn hinzuweisen. Wir werden immer wieder von diesem Herrn zu reden haben. Wir werden selbst immer wieder auf diesen Herrn zurückkommen müssen – denn wir werden selbst immer an Grenzen kommen.

Jesus ist wie ein Fundament, auf dem es sich leben lässt. Wer sein Leben auf eine andere Grundlage gestellt hat, der läuft Gefahr, sich mit seinem Leben am Ende zu verlieren. Es geht nun darum, den Menschen auf dieser Welt und besonders in deiner Umwelt auf diesen Jesus aufmerksam zu machen. Entdecke Jesus! Das gilt auch Opelanern!

  1. Jesus empfängt man durch die Taufe und man lernt ihn nur durch die Bibel kennen.

Wie soll das nun gehen, dass dieser Jesus Christus zum Fundament eines Lebens wird? Jesus sagt: Durch die Taufe. Die Taufe ist eine erstaunliche Gabe Gottes. Der heutige Sonntag erinnert uns daran, dass wir getauft sind und will uns in das Wesen dieser Gabe neu hinein nehmen. Schauen wir uns also diese Taufe einmal genauer an.

In der Taufe wird man auf den Namen „Jesus Christus“ getauft und mit Wasser übergossen – eigentlich in das Wasser eingetaucht und wieder herausgehoben. Es ist ein Zeichen dafür, dass man jetzt Jesus gehört. Taufe signalisiert sozusagen einen Besitzerwechsel. Wem man vorher gehört hat – sei es der Angst oder schlechten Gewohnheiten, sei es sich selbst oder sei es den prägenden Worten seines Vaters, sei es der Unzufriedenheit oder sei es der Beliebigkeit – jetzt gehört man Jesus. Er ist sozusagen der, der mich nun besitzt. Er hat seine Hand auf mein Leben gelegt und gesagt: „Fürchte dich nicht mehr, du gehörst jetzt mit und ich werde alles daran setzen, dass dein Leben gelingt und bestand hat.“ Taufe bedeutet, dass man sich entscheiden hat und dem Rechnung trägt, dass man von ihm geliebt und zum Leben befreit wurde. Sich taufen lassen heißt, sich für Jesus entscheiden. Das muss nicht zusammenfallen – das kann auch so gehen, dass man zuerst getauft wurde und dann – viel später – entdeckt, was man in dieser Taufe geschenkt bekommt. Und nun nimmt man ihn – Jesus – an und lebt mit ihm.

Und Taufe bedeutet, dass Gott selbst darin handelt und kommt und durch seinen Geist in uns wohnt. Taufe ist ein Geheimnis – denn darin wirkt Gott. Er erfüllt uns mit seiner Gegenwart. Er erfüllt uns durch seinen guten Geist.

  1. Jesus will, dass wir Menschen nicht mehr alleine sind

Ich habe ein prägnantes Lied von Reinhard May gefunden. Es heißt „Allein.“

„Er drang mir in die Seele, weiß Gott, wie er mich traf,
Der Spott der guten Kinder, ich war das schwarze Schaf.
Im Pausenhof, die Tränen niederkämpfend, stand ich stumm,
Der Inhalt meines Ranzens lag verstreut um mich herum.
Wie wünscht‘ ich mir beim Aufsammeln eine helfende Hand,
Ein Lächeln, einen Trost, und da war keiner, der sich fand.
Ich hatte keinen Freund und schlechte Noten, ist ja wahr,
Und unmoderne Kleider und widerspenst‘ges Haar.

Allein,
Wir sind allein,
Wir kommen und wir gehen ganz allein.
Wir mögen noch so sehr geliebt, von Zuneigung umgeben sein:
Die Kreuzwege des Lebens geh‘n wir immer ganz allein.
Allein,
Wir sind allein,
Wir kommen und wir gehen ganz allein.

Und noch ein Glas Champagner, und sie drückten mir die Hand,
Und alle waren freundlich zu mir, alle war‘n charmant.
Und mancher hat mir auf die Schulter geklopft, doch mir scheint,
Es hat wohl mancher eher sich, als mich damit gemeint.
Die Worte wurden lauter, und sie gaben keinen Sinn,
Das Gedränge immer enger, und ich stand mittendrin
Und fühlte mich gefangen, wie ein Insekt im Sand:
Je mehr es krabbelt, desto weiter rückt der Kraterrand.
Nun, ein Teil meines Lebens liegt hinter mir im Licht,
Von Liebe überflutet, gesäumt von Zuversicht.
In Höhen und in Tiefen, auf manchem verschlung‘nen Pfad
Fand ich gute Gefährten und fand ich guten Rat.
Doch je teurer der Gefährte, desto bitterer der Schluß,
Daß ich den letzten Schritt des Wegs allein gehen muß.
Wie sehr wir uns auch aneinander klammern, uns bleibt nur
Die gleiche leere Bank auf einem kalten, leeren Flur“

Allein – das ist hart. Alleinsein ist schmerzlich. Und das ist so – der Verlust der liebsten Menschen ist am Schmerzlichsten. Aber Jesus sagt: „Siehe, ich bin bei euch, bis ans Ende der Zeit!“ Jesus ist bei uns – er geht mit, er begleitet, er ist treu, er ist „Gott mit uns!“

Dieser Jesus überlässt dich nicht mehr der zerstörenden Einsamkeit. Er schenkt dir immer wieder neu seine heilsame Nähe!

Es gibt viel zu tun – damit die Menschen auf tragfähigem Grund leben. Helft mit, damit sie Jesus kennen lernen und ihr Leben sicher wird.

Er hat viel zu tun – pack mit an!

Amen!

o

5.07.2009 Schüler Jesu haben keine Ferien

Predigt zu Lukas 6, 36 – 42 von Roland Schindler

Seid barmherzig, wie euer Vater barmherzig ist.

Und richtet nicht, so werdet auch ihr nicht gerichtet. Verdammt nicht, so werdet ihr nicht verdammt. Vergebt, so wird euch vergeben.

Gebt, so wird euch gegeben. Ein volles, gedrücktes, gerütteltes und überfließendes Maß wird man in eueren Schoß geben; denn eben mit dem Maß, mit dem ihr messt, wird man euch wieder messen.

Er sagte ihnen aber auch ein Gleichnis: Kann auch ein Blinder einen Blinden den Weg weisen? Werden sie nicht alle beide in die Grube fallen?

Der Jünger steht nicht über dem Meister; wenn er vollkommen ist, so ist er wie sein Meister.

Was siehst du aber den Splitter in deines Bruders Auge und den Balken in deinem Auge nimmst du nicht wahr?

Wie kannst du sagen zu deinem Bruder: Halt still, Bruder, ich will den Splitter aus deinem Auge ziehen, und du siehst selbst nicht den Balken in deinem Auge? Du Heuchler, zieh zuerst den Balken aus deinem Auge und sieh dann zu, wie du den Splitter aus deines Bruders Auge ziehst!

Ferien! Dass Ferien sind, sieht man heute. Viele sind nicht da, sondern unterwegs, auf einer Freizeit oder auf dem Weg in den Urlaub. Ferien – da freuen sich die Schüler. 6 Wochen ohne Hausaufgaben, ohne Vokabeln und Test, ohne Mathe und Englisch. Da kann man entspannen und sich erholen. Da kann man endlich tun, was einem Spaß macht. Keine Pflichten. Herrlich, so ein Schülerleben – oder?

Unser heutiges Predigtwort erinnert uns als Gemeinde Jesu daran, dass wir auch Schüler sind. Das griechische Wort „mathätäs“ bedeutet „Schüler, Lernender“. Wir stehen in der Gefahr, die anderen lehren zu wollen und zu meinen, aus dem Schüler-Sein ein für allemal heraus zu sein. Aber dem ist nicht so. Soll die Gemeinde wachsen, sollen unsere Gespräche mit den Menschen, die Gott noch nicht als liebenden Vater kennengelernt haben fruchten, soll letztlich unser persönliches Leben gelingen, dann sollen wir uns durch dieses Wort zurückführen lassen an den Ort, an dem es um „Sein oder Nichtsein“ geht: An das Vaterherz Gottes. Und das Vaterherz Gottes Hängt am Kreuz. In Jesus ist uns von Gott her Barmherzigkeit widerfahren.

Christen drücken keine Schulbank. Christen leben ständig aus der Vergebung Gottes. Das alleine prägt unser Leben und das alleine erschließt uns den Sinn dieser mahnenden Worte. Und: Schüler Jesu haben keine Ferien. Denn sie sollen nicht nachlassen in dem Bemühen, die Barmherzigkeit Gottes in dieser Welt abzubilden. Denn:

1. Gottes Barmherzigkeit will prägen

Unser Wort klingt ernst, denn es zeigt, dass von unserem Handeln abhängt, was wir selbst erfahren. Es heißt: „Und richtet nicht, so werdet auch ihr nicht gerichtet. Verdammt nicht, so werdet ihr nicht verdammt. Vergebt, so wird euch vergeben. Gebt, so wird euch gegeben.“ Wir ernten also, was wir sähen. Wir empfangen, was wir geben. Gott begegnet uns so, wie wir den Menschen begegnen.

Das müssen wir erst einmal richtig einordnen.

Wir haben Gott kennen gelernt als großherzigen und gütigen Herrn, der uns unser Leben anvertraut hat, der uns seine guten Lebensordnungen geschenkt hat und der uns eingeladen hat, von dem her zu leben, was er schenkt. Er hat uns Talente gegeben, die wir zu seiner Ehre einsetzen können, so dass es Menschen gut geht.

Doch wir haben unser eigenes Leben geführt. Wir waren darauf bedacht, dass es uns gut geht. Wir waren damit beschäftigt, das Beste für uns aus den Gegebenheiten zu holen. Wir waren unser Maßstab – wir haben die Regeln bestimmt, nach denen wir leben.

Wir sind vielen Menschen nicht gerecht geworden. Wir haben vielen nicht gegeben, als sie unsere Hilfe brauchten. Wir sind ihnen nicht „Nächster“ geworden. Wir haben manche Menschen verletzt, anstatt sie zu stärken. Wir haben Gott keine Ehre gemacht. Wir haben an dem vorbei gelebt, was wir sein sollten: seine geliebten Kinder, die ihren Vater groß machen vor den Menschen, mit denen sie leben. In dieses Leben, eine Leben, in der Gott keine Rolle spielt, waren wir verflochten und verstrickt.

Nun hat Gott in seiner Güte uns zur Besinnung gebracht. Er hat uns deutlich gemacht, wohin dieser Lebensstil führt. Wer sich an sich selbst bindet, geht mich sich selbst zugrunde. Wer sich zum Maßstab hat, der hat den Tod zum Partner.

Gott hat uns klar gemacht, wie wir zu ihm zurück können. Er hat uns aufgezeigt, was dieses Leben bislang gebracht hat: übersehene Menschen, vergessene Menschen, verlorene Menschen, verletzte Menschen, erniedrigte Menschen, verängstigte Menschen, verärgerte Menschen. Er zeigt auch, wie das, was wir schuldig geblieben sind, wie der ganze Mangel und das gesamte Elend behoben werden kann: Indem ich mich schuldig spreche und die Schuld auf den Sohn Gottes lege. Jesus hat blutet. Jesus hat bezahlt. Jesus hat Sühne geleistet. Jesus starb. Nun sitzen wir ohne unser Zutun am Tisch unseres Herrn. Nun haben wir eine Perspektive für unser Leben – nicht selbst geschaffen sondern von ihm erhalten.

Das alles wirkt Gott, damit ich lebe. Das schenkt und gewährt er in seiner großen Barmherzigkeit. Er will nicht zerstören – er will erneuern, Leben zurechtbringen und heilen.

So hat mir Gott ein zweites Leben geschenkt, eine neue Chance gewährt. Und nun habe ich einen Ort, an dem mein Leben erneuert werden kann und von dem aus ich mich als Kind Gottes, als Mensch, der mit Gott lebt, bewähren kann. Dieser Ort ist das Herz Gottes. Seine innige Nähe. Sein herzliches Erbarmen.

Von hier her komme ich – aufgerichtet und angenommen, mir wurde vergeben und ich wurde mit Gottes Liebe begabt und ausgestattet. So gelingt mein Leben.

Nur wer täglich von diesem schenkenden und erneuernden Gott herkommt, der kann so leben, wie es ihm gefällt und wie es den Menschen gut tut. Dieses Leben aus der Barmherzigkeit Gottes sollen wir einüben. Diese Schule sollen wir nie schwänzen. Denn nur so können Menschen die Barmherzigkeit Gottes kennenlernen – durch uns!

Wir sollen also unsere Barmherzigkeit den Menschen erfahren lassen – wir sollen die Barmherzigkeit Gottes erfahrbar werden lassen.

Wer nun Gottes Barmherzigkeit erfahren hat, der kann mit Menschen nicht mehr nach seinem Belieben umspringen. Vergebung und Güte ist uns zuteil geworden – was geben wir nun weiter?

An dieser Stelle erinnern wir uns an das Gleichnis über jenen unmöglichen Menschen, der hoch verschuldet nicht nur sein Potential vergeudet hatte, sondern auch das seines Chefs. Der wurde zur Rechenschaft gezogen und musste mit schlimmster Bestrafung rechnen. Er bat um Zeit zum Zurückzahlen und appellierte an die Barmherzigkeit seines Arbeitgebers. Da erbarmte er sich und erließ ihm alle Schuld. Na, da freute sich der Mensch, ging weg und packte den ersten Menschen, der ihm was schuldete am Schlawittchen und forderte: Bezahle mir sofort, was du mit schuldest, oder ich bring dich ins Gefängnis.

Unmöglich!

Deshalb gilt nun für uns Christen: gebt, so wird euch gegeben, vergebt, so wird euch gegeben, richtet nicht, so werdet ihr nicht gerichtet. Seid barmherzig, wie euer Vater im Himmel barmherzig ist!

Das war doch das Elend zur Zeit des Alten Bundes Gottes mit Israel: Gott gewährt Sühne, aber die Menschen behalten ihr hartes Herz. Dieses harte Herz ist das, woran diese Welt zugrunde geht. An diesem harten Herzen zerbrechen Menschen, scheitert Leben.

Deshalb: seid barmherzig! In unserem Leben gibt es viele Prägungen. Da leben wesentliche Züge unserer Eltern weiter. Da wirkt Erworbenes fort, das wir durch uns wichtige Menschen erfahren haben. Da prägt sich unser Wesen aus. Und da ist auch Gottes Barmherzigkeit dabei als wesentliche Grunderfahrung. Wir sollen nun nicht mehr dem Zufall überlassen, was sich auswirkt. Wir sollen unser Leben wach gestalten vom Herzen Gottes her. Das führt zum zweiten Gedanken:

2. Deshalb richten wir nicht mehr, sondern wir stärken, ermutigen und ermuntern

Richten ist Gottes Aufgabe, nicht die unsere. Wir können dem anderen für sein Verhalten kein Strafmaß aufladen – wir sind, wie er, angewiesen auf das herzliche Erbarmen Gottes. Okey, wenn jemand vollkommen ist, wenn jemand von euch sagen kann „Hey, Jesus könnte es nicht besser machen als ich! Ich bin einfach perfekt“ – und wenn dies andere bestätigen würden – dann kann er auch richten. Aber vorher nicht.

Er tut gut daran, dass er den „Balken“ im eigenen Auge wahrnimmt und weiß, wer er ist. Wir stehen in der Gefahr, andere „erziehen“ zu wollen und dabei die eigenen Unzulänglichkeiten und Fehler zu übergehen. Doch wer so vorgehen würde, steht in der Gefahr „blind“ zu werden für das, was dran ist, „blind“ zu werden für die Gegebenheiten.

Wir sollen dem andern nicht den Kopf waschen und ihn zurechtweisen, wir sollen ihn nicht verklagen und belangen. Wir sollen uns aber an seine Seite stellen und ihm dienen. Und wir sollen ihn immer wieder mitnehmen zu dem Ort, ohne den wir selbst nicht mehr leben könnten: Zum Kreuz, zu dem Ort, an dem Gott mich annimmt, mir meine Schuld abnimmt, mir seine Güte zuspricht.

An dieser Stelle möchte ich über Seelsorge reden – Seelsorge, die wir uns gefallen lassen, damit wir sie anderen auch gewähren können. Seelsorge ist die Befähigung, den anderen zu leiten und zu dienen im Wissen um die eigenen Unzulänglichkeiten und Fehler. Seelsorge ist geprägt von der Liebe Gottes. Seelsorge ist gekennzeichnet davon, dem anderen zu helfen, zu unterstützen, zu ermutigen und zu ermahnen. Übrigens: diese Eigenschaften sind Kennzeichen des Heiligen Geistes. Seinen Namen könnte man übersetzen mit „Ermutiger, Ermahner, Ermunterer und Den-anderen- Stärkenden“.

Der heutige 4. Sonntag nach Trinitatis will die Gemeinde daran erinnern, dass sie eine Gemeinde der Sünder ist. Wir sind noch nicht vollkommen. Wir sind noch am Lernen. Wie sollen wir als Gemeinde der Sünder miteinander umgehen? Wir sollen einander tragen, uns dienen und fördern! Deshalb: werdet seelsorgerliche Menschen. Das bedeutet

  1. Bittet Gott um die Gabe, dem andern seelsorgerlich zu begegnen. Bittet ihn darum, dass er euch gibt, was ihr für den anderen benötigt und seid dabei gewiss, dass Gott sehr freigiebig ist. Sein Maß ist erstaunlich: es ist „gedrückt, geschüttelt und überfließend“, was er gibt. Gott knausert nicht. Gott schenkt, damit wir freizügig weitergeben können. Bilden wir Gott in dieser Welt als „großen Kanuser“ ab oder als „freizügigen Geber“, der gerne gibt, was andere stärkt und fördert?
  2. Wer andere leitet, der bedarf selbst der Leitung. Weil wir uns des anderen „Splitter im Auge“ annehmen im Wissen um den „Balken in unserem Auge“, deshalb ist es wichtig, dass wir selbst in der Seelsorge eines Menschen bleiben, zu dem wir Vertrauen haben und vor dem wir ehrlich sein können. Diesem Menschen können wir auch erlauben, uns zu sagen, wie er uns sieht. Das tut gut. Das haben wir nötig. Sonst stehen wir in der Gefahr, an Seestärke zu verlieren und zu erblinden. Gott gibt uns alles was wir benötigen – auch einen Menschen, der uns seelsorgerlich begleiten kann, der uns seine Vergebung zuspricht und der uns seinen Segen vermittelt.
  3. Beginne Seelsorge zu gewähren. Wer mit offenem Herzen unterwegs ist, wer die Barmherzigkeit Gottes erfahren und von ihr wach gemacht wurde, der wird Menschen wahrnehmen, die in ihrem Leben Unterstützung benötigen und die für Hilfe und Begleitung offen sind.

Die Gemeinde der Sünder ist eine seelsorgerliche Gemeinde! Die Gemeinde der Gerechten ist eine kalte und richtende Gemeinde.

Wir sollen also Schüler Jesu sein. Schüler Jesu haben keine Ferien. Dafür haben wir aber auch keine Zeugnisse bekommen. Denn das wissen wir doch: Zuerst gibt es Zeugnisse, dann kommen die Ferien. Keine Ahnung, wer auf diese Reihenfolge gekommen ist. Während meiner Schulzeit wäre es besser gewesen, ich hätte erst die Ferien unbeschwert verbringen können, und dann hätte meine Mutter erst mein Zeugnis zu Gesicht bekommen.

Eigentlich ist das nicht schlecht: wer keine Ferien hat, bekommt auch keine Zeugnisse. Stellt euch vor, am Sonntag vor den Ferien würde in der Gemeinde die Zeugnisse verteilt werden, die Gott einem jeden von uns ausstellt! Da würde es heißen: „Schindler – au weia!“

Gott ist barmherzig!

Amen