Mittwoch, 19. August 2009

09.08.2009 Vermögend leben

Gottesdienst am 9. August 2009 in Lobetal

Matthäus 25, 14 – 30

14 Denn es ist wie mit einem Menschen, der außer Landes ging: Er rief seine Knechte und vertraute ihnen sein Vermögen an;

15 dem einen gab er fünf Zentner Silber, dem anderen zwei, dem dritten einen, jedem nach seiner Tüchtigkeit, und zog fort.

16 Sogleich ging der hin, der fünf Zentner empfangen hatte, und handelte mit ihnen und gewann fünf weitere hinzu.

17 Ebenso gewann der, der zwei Zentner empfangen hatte, zwei weitere dazu.

18 Der aber einen empfangen hatte, ging hin, grub ein Loch in die Erde und verbarg das Geld seines Herrn.

19 Nach langer Zeit kam der Herr dieser Knechte und forderte Rechenschaft von ihnen.

20 Da trat hinzu, der fünf Zentner empfangen hatte, und legte weitere fünf Zentner dazu und sprach: Herr, du hast mir fünf Zentner anvertraut; siehe da, ich habe damit weitere fünf Zentner gewonnen.

21 Da sprach der Herr zu ihm: Recht so, du tüchtiger und treuer Knecht, du bist über wenigem treu gewesen, ich will dich über viel setzten; geh hinein zu deines Herren Freude.

22 Da trat auch herzu, der zwei Zentner empfangen hatte, und sprach: Herr, du hast mir zwei Zentner anvertraut; siehe, ich habe damit zwei weitere gewonnen.

23 Sein Herr sprach zu ihm: Recht so, du tüchtiger und treuer Knecht, du bist über wenigem treu gewesen, ich will dich über viel setzen; geh hinein zu deines Herren Freude!

24 Da trat auch herzu, der einen Zentner empfangen hatte, und sprach: Herr, ich wusste, dass du ein harter Mann bist: Du erntest, wo du nicht gesät hast, und sammelst ein, wo du nicht ausgestreut hat;

25 und ich fürchtete mich, ging hin und verbarg deinen Zentner in der Erde. Siehe, da hast du das Deine.

26 Sein Herr aber antwortete und sprach zu ihm: Du böser und fauler Knecht! Wusstest du, dass ich ernte, wo ich nicht gesät habe, und einsammle, wo ich nicht ausgestreut habe?

27 Dann hättest du mein Geld zu den Wechslern bringen sollen, und wenn ich gekommen wäre, hätte ich das Meine wiederbekommen mit Zinsen.

28 Darum nehmt ihm den Zentner ab und gebt ihn den, der zehn Zentner hat.

29 Denn wer da hat, dem wird gegeben werden und er wird die Fülle haben; wer aber nicht hat, dem wird auch, was er hat, genommen werden.

30 Und den unnützen Knecht werft in die Finsternis hinaus; da wird sein Heulen und Zähneklappern.

Wer hat, dem wird gegeben werden! Das könnte auch der Slogan der Gemeindebank in Jerusalem gewesen sein. Wer was hat, der bekommt noch was oben drauf! Wer schon einen Batzen Geld besitzt, der bekommt obendrein noch günstige Kredite. Wer aber auf einen günstigen Kredit angewiesen ist, wer eben kein kräftiges Kapital in der Hinterhand har, der geht leer aus. Ungerecht – oder?

Auf der anderen Seite auch wieder verständlich. Denn wenn jemand sich Geld borgt, will man das ja wieder haben. Das schießt man ja nicht einfach in den Wind. Da will man Sicherheiten! Das Risiko soll kalkulierbar bleiben.

Wer hat, dem wird gegeben werden – schauen wir unsere Geschichte einmal an, um dieses Wort zu verstehen.

Unser Wort beginnt damit, dass ein Chef seinen Mitarbeitern sein Vermögen überlässt – so steht es hier: seine Habe. Also – wir halten fest:

- Unsere Geschichte beginnt damit, dass jeder hat!

- Unsere Geschichte endet damit, dass einer nicht hat und ein anderer noch die Fülle bekommt

Wie kann es dazu kommen?

1. Menschen sind vermögend – Gott verteilt sein Vermögen unter sie auf

Da staunt man. Ich kenne keinen Chef, der sein Vermögen aufteilt. Es gibt wohl welche, die jemandem einen gewissen Betrag übertragen und dann sehen, was dabei herauskommt – aber das hier, das sprengt alles „Vernünftige“. Die Chefs in dieser Welt lassen sich in der Regel ihr Vermögen nicht aus der Hand nehmen. Die Chefs dieser Welt geben wichtige Aufgaben schwer ab – das wollen sie selbst in der Hand halten.

In unserem Wort investiert jemand nicht nur sein Vermögen, das, womit man etwas bewirken, etwas kaufen, etwas machen kann – hier investiert jemand auch Vertrauen in seine Mitarbeiter. Dieser Chef bestimmt keinen Aufpasser – er installiert keine Kameras – er hinterlässt nicht einmal einen Verhaltenskatalog oder einen Masterplan für den Umgang mit seinem Vermögen. Dieser Chef begabt seine Leute – und dann geht er.

Das finde ich sehr erstaunlich. Es ist nicht wenig, was die Mitarbeiter da erhalten. Ein enormes Vermögen ist ihnen zuteil geworden. Nicht ein paar Notgroschen – sondern handfestes Gut! Mit diesem Vermögen vermag man etwas zu bewirken! Dieses Vermögen hinterlässt Spuren. Mit diesem Vermögen kann man etwas aufbauen!

Und scheinbar kannte der Chef seine Mitarbeiter genau. Er hat nicht jedem das Gleiche gegeben – sondern jedem das Seine. Er hat genau hingesehen und wahrgenommen, was seinen Leuten gut tut, was sie überfordern würde, was sie fördern könnte. Er hat ihnen das rechte Maß anvertraut. Und derjenige, dessen Vermögensanteil am geringsten ausfiel, hat noch einen gehörigen Anteil am Gesamtvermögen erhalten.

Das Vertrauen ist beachtlich: Der Chef geht außer Landes – nicht in den Nebenraum, auch nicht auf einen behaglichen Landsitz – er geht scheinbar außer Sicht- und Reichweite. Seine Mitarbeiter besitzen alles was er hat und sie repräsentieren ihren abwesenden Chef.

Dieses Verhalten motiviert und beflügelt die Mitarbeiter. Sofort macht sich einer daran, mit dem Empfangenen zu handeln, es einzusetzen, es ins Leben zu bringen. Sogleich: der Mitarbeiter will sehen, was draus wird, der ist gespannt auf die Folgen; und irgendwie weiß er, was zu tun ist – er benötigt keine langen Erklärungen und Einweisungen.

Das Vermögen soll dem Herrn alle Ehre machen – es vermag etwas – es vermehrt sich, es fördert Leben, es befreit leben, es ermutigt zum Leben. Wer die Gaben einsetzt, der wird die Erfahrung machen: Über kurz oder lang schaffen und wecken sie auch an anderer Stelle Gaben und sie verdoppelen so das empfangene Gut.

Was will Jesus uns mit dieser Geschichte sagen?

Jesus war damals dabei, seinen Mitarbeiter ein Geheimnis zu erklären. Er wollte ihnen nahe bringen, wie sie seine Herrschaft zu verstehen haben. Wie wirkt sich seine Herrschaft auf dieser Erde aus. Wie regiert und wirkt der mächtige Herr dieser Welt. Und da sagt er:

  1. Der Herr lebt lange Zeit außerhalb einer sichtbaren Wahrnehmung – man nimmt scheinbar nur seine Abwesenheit war. Das kann wissenschaftlich nachgewiesen werden: Gott ist außer Landes. Man sieht ihn nicht. Man begegnet ihm nicht. Man kann ihn nicht beweisen. Man hat ihn nicht verfügbar.
  2. Aber: der Herr überlässt aber, bevor er geht, seinen Mitarbeitern sein Vermögen; dieses Vermögen ist eine große Gabe und jeder seiner Mitarbeiter hat einen erheblichen Anteil daran. Und dieses Vermögen wirkt. Das kann man wissenschaftlich nachweisen. Wenn man es einsetzt, dann verändert sich etwas, dann wächst etwas, dann vermehrt ist etwas.

Mit der Herrschaft Gottes verhält es sich also so, dass Gott wirkt und handelt, indem seine Mitarbeiter sein persönliches Vermögen einsetzen. So wichtig sind seine Mitarbeiter. So hoch talentiert – denn das bedeutet ja das griechische Wort „talanton“ – ein abgemessenes Gewicht wurde verliehen – Menschen mit Bedeutung ausgestattet.

So sollen wir uns also verstehen – wir verdanken Gott, dass wir vermögend leben. Unser Dasein ist nicht bedeutungslos. Unser Leben ist bestimmt durch die Talente, die Gott uns zugemessen hat. Und es ist von großer Bedeutung, ob wir dadurch unser Leben prägen und bestimmen lassen.

- diese Talente sind unsere natürlichen Begabungen, die wir für Menschen einsetzen können – sie sollen wir auch entdecken. Wir sollen wissen, worin unsere Begabungen liegen und wir sollen diese Begabungen anderen Menschen nicht vorenthalten.

- diese Talente sind unsere geistlichen Begabungen, die Gott uns anvertrauen will, damit Menschen seine heilsame Nähe und schenkende Güte erfahren – wir sollen uns diesen Gaben ausstrecken. Wir sollen wissen, wozu Gott uns als Lobetal in Bochum eingepflanzt hat; wir sollen uns nach den Gaben ausstrecken, durch die wir Menschen in unserer Stadt dienen können

- diese Talente sind die vielfältigen Gemeinden in dieser Stadt und auf dieser Welt, durch die sich Gott verherrlichen will und die viel vermögen für diese Welt.

Wir also prägt meine Pläne und Lebensziele. Wer entscheidet, was ich mache und was nicht? Bin ich es? Ist es der Herr? Auch wenn der Herr „außer Landes“ ist, sollen wir durch sein Vermögen ihn wirken lassen.

2. Der Chef verteilt sein Vermögen – Mitarbeiter kennen ihren Herrn

Das ist das wesentliche: Welches Bild habe ich von Gott? Was leitet mich, wenn ich an ihn denke? Was erfüllt mich, angesichts der Erinnerung an ihn?

Da ist ein Knecht, der stöhnt unter seinen Herrn. Ständig fühlt er sich überfordert. Ständig fühlt er sich gedrängt. Dauernd beobachtet. Immer belastet. Er ist gelähmt von einem Gott, der ständig drückt und fordert. Das sollst du tun und jenes sollst du machen – das darfst du nicht – das will ich, das sollst du mir geben…. Das ist das ganze Drama dieser Welt: die Menschen erkennen den barmherzigen und gütigen Vater von Jesus Christus nicht. Sie vergraben ihre Begabungen, oder sie setzen sie nur für sich selbst ein – verlieren dabei aber die Freude und Leidenschaft, ohne die unser Leben bleiern schwer wird.

Es ist ein regelrechtes Elend, wenn da jemand ein falsches Bild von Gott hat. Gott ist heute ein Containerbegriff geworden – man sieht nicht, womit der Container gefüllt ist.

Wenn wir mit Menschen über Gott reden, dann müssen wir genau hinhören, wie sie diesen Gott beschreiben und was er für sie bedeutet. Wer begeistert über Gott redet, aber sein Gegenüber sieht in ihn nur einen, der ständig fordert, der immer an einem herumnörgelt und dem man es nie recht machen kann, der wird beim andern kein Gehör finden, denn sein Gegenüber schaltet ab. Von so einem Gott hat er genug.

Gott kennen lernen – das ist unsere Aufgabe und das ist die Aufgabe, die wir in dieser Welt haben. Unsere Talente sollen dazu dienen, dass die Menschen die Güte Gottes erkennen und froh werden!

- Wir können Menschen in die Gemeinde einladen – hier ist der Ort, an dem man ihn erfahren kann. Hier ist der Ort, an dem man ihn neu kennen lernen kann.

- Wir können Menschen helfen, dass sie durch Gottes Wort ihn erkennen und Vertrauen gewinnen. Sein Wort – das ist ein zuverlässiger Erfahrungsbericht von Leuten, die ihm begegnet sind

- Gott wird durch Jesus eindeutig – deshalb verkünden wir Jesus, weil ohne ihn Gott eine unfassbare Chiffre wird.

- Die Güte dieses Gottes werden wir dort wahrzunehmen beginnen, wo wir den Reichtum der eigenen Begabungen kennen lernen und auch einsetzen

3. Am Ende soll die Freude stehen – wir leben heute vermögend; doch Gott will das noch überbieten

„Geh ein zu deines Herren Freuden!“ – Das sollen wir am Ende hören und dieser Einladung folgen. Damit am Ende der Zeit keiner entdeckt, dass er eigentlich nichts hat und in trostloser Öde verkommen muss, möchte Gott uns einladen, unser Leben wach auszurichten auf sein Reich.

Dieser Herr will Anteil geben an dem, worüber er sich freut. Der Herr will uns in seine Freude hinein nehmen. Er will, dass wir vergnügt leben. Er möchte, dass wir gute Erfahrungen machen.

Freude - sie beginnt ja nicht erst dann, wenn er wiederkommt. Sie beginnt dort, wo Menschen erfahren, dass Gott barmherzig ist und er uns ein Leben in Vertrauen und Gemeinschaft ermöglicht. Es startet, wenn Menschen nicht mehr von Verletzungen oder Ängsten bestimmt werden, sondern von Vertrauen und Freude. Es ist hier schon herrlich, die Freude Gottes zu erleben, die darüber jubelt, wenn ein Mensch sich von ihm bestimmen lässt, aus seiner Hand seine Talente annimmt und diese Gaben nun einsetzt und damit umgeht.

Freude entsteht, wenn jemand wieder auf die Füße gestellt wird und die Lähmungen weichen, die ihn niederdrückten und ohnmächtig machten.

Freude will er uns schenken, durch Gottesdienst und Anbeten. Er will uns dienen und erfüllen, stärken und ermutigen. In der Anbetung drücken wir unsere Freude und unser Staunen über seine Güte aus.

Freude will er uns schenken, indem er uns mitten in seine Herrliche Natur setzt und uns darin leben öffnet.

Freude will er uns schenken, indem er uns in eine Gemeinschaft von Menschen stellt, die für uns da ist, wo einer des andern Last trägt.

Freude will er uns auch in unserem Alltag geben – er möchte uns jeden Morgen neu erfüllen mit allem, was wir brauchen und was andere nötig haben, denen wir begegnen.

Freude möchte er uns schenken, an jedem einzelnen Tag. Gut – Freude ist hier sicher begrenzt. Hier gibt es auch viel zu tun – aber wer mit Gott lebt, der lebt nicht mehr in einer „Tretmühle“, sondern aus erfrischenden Lebensressourcen.

Gott will uns zu einem tätiges Leben befähigen und einladen, das gekennzeichnet ist von Hingabe und Ruhe, von Fest und von Arbeit. Es wird ein leidenschaftliches Leben. Es wird ein neu ausgerichtetes Leben, denn die Wertmaßstäbe werden verschoben. Plötzlich geht es darum, seine Talente für seine Nächsten einzusetzen – so, dass die anderen darüber Gott danken und beginnen, ihn mit neuen Augen zu sehen!

Gottes Kapital liegt in uns. Beginnen wir, sein Kapital an den Mann und an die Frau zu bringen. Beginnen wir, unser Leben Gott nicht wegzunehmen. Starten wird damit, dass wir ihm neu unser Leben verdanken. Dass wir neu unsere Talente tanzen lassen in unserer Umgebung – Gott zur Ehre. Die Menschen sollen die Erfahrung machen: Gott ist barmherzig und er gönnt uns Leben – schon heute!

Amen

01.08.2009 Gemeinde zwischen Schein und Sein

Gottesdienst am 1. August 2009 in Wanne
Matthäus 5, 13 – 16

Ihr seid das Salz der Erde. Wenn nun das Salz nicht mehr salzt, womit soll man salzen? Es ist zu nichts mehr nütze, als dass man es wegschüttet und lässt es von den Leuten zertreten.
Ihr seid das Licht der Welt. Es kann die Stadt, die auf einem Berge liegt, nicht verborgen sein.
Man zündet auch nicht ein Licht an und setzt es unter einen Scheffel, sondern auf einen Leuchter; so leuchtet es allen, die im Hause sind.
So lasst euer Licht leuchten vor den Leuten, damit sie euere guten Werke sehen und eueren Vater im Himmel preisen.


Gemeinde denkt ja ab und zu darüber nach, wie sie wieder Aufmerksam-keit wecken kann. Man möchte ja irgendwie auffallen, damit die Menschen einen wahrnehmen und kommen. Und viele versuchen dabei, das Wün-schenswerte mit dem Nützlichen zu verbinden. Da gibt es zum Beispiel eine Kirchengemeinde, die ihren Kirchturm für Werbezwecke nützt. Oder eine andere richtet auf ihrem Kirchturm eine große Mobilfunkantenne auf. Ein Pfarrer in dem US-Bundesstaat Texas (Grapevine) ließ sich noch etwas anderes einfallen. Ed Young stellte ein Ehebett in seiner Kirche auf, setzte sich darauf und predigte über die Liebe. Das kommt an – vor allem in den Zeitungen!
Oder man kann Thomas Gottschalk in seiner Gemeinde auftreten lassen. Über www.bild.de kann man seinen Wetteinsatz der Saalwette bestimmen. Gottschalk sagte: „Ich bin nach verlorenen Wetten im Knast, im Puff und auf der Kanzel gelandet. Langsam fallen meiner Redaktion keine Gemein-heiten mehr für mich ein…“ Nun dürfen die Bildleser entscheiden.

Tja – wie fällt man auf, wie wird man gesehen. Wenn wir heute bedenken, was Jesus seiner Gemeinde sagt, dann kann man das gar nicht wahrha-ben. „Ihr seid das Salz der Erde! Ihr seid das Licht der Welt!“ Das bedeu-tet, dass seine Gemeinde einen außerordentlich wichtigen Part spielt in dieser Welt spielt. Gemeinde muss sich nicht wichtig machen – Gemeinde ist wichtig. Salz ist nicht irgendein Mineral – es war damals eines der wichtigsten und kostbarsten Güter. Salz hat man nicht nur zum Würzen gebraucht, sondern vor allem zum Konservieren. Salz macht haltbar. Und vom Licht müssen wir ja gar nicht reden – ohne Licht gibt es kein Leben. Der Gemeinde wird also von Jesus zugesagt, dass sie Salz und Licht ist – die Konsequenzen davon wollen wir in zwei Gedankengängen klären.

1. Die Gemeinde Jesu erhält die Welt
Wie gesagt – nicht die Gemeinde klärt hier ihre Bestimmung und zeigt ihre Bedeutung. Nicht die Gemeinde fährt hier eine PR-Aktion. Jesus sagt ihr, was sie in den Augen Gottes ist, wenn er, der Herr der Gemeinde, in den Herzen der Menschen lebt und das Wesen der Christen bestimmt.
Weil die Gemeinde Gottes in dieser Welt lebt, deshalb gibt es sie über-haupt noch. Die Gemeinde wirkt auf dieser Erde so, dass diese Welt Gott noch nicht zu einem faden Gericht geworden ist – er hat seinen Ge-schmack an den Menschen und an ihrer Geschichte noch nicht verloren. Deshalb gibt es diese Welt noch. Deshalb besteht noch die Chance, dass Gottes Geschöpfe zu ihm zurückfinden.

Manchmal wären wir allerdings lieber etwas andres als Salz. Würde Jesus damals gefragt haben: „na, was möchtet ihr denn für diese Welt sein?“, hätte die Jünger vielleicht geantwortet: „Honig“! Vielleicht würden wir hin-zufügen: Sahne? Honig ist süß und Sahne garniert herrlich. Aber wir sollen weder den Menschen Honig um den Mund streichen noch das Sahnehäupt-chen auf dem religiösen Nachtisch der Menschen setzen. Salz sollen wir sein. Haltbar sollen wir diese Welt machen – denn weil es die Gemeinde gibt, findet Gott noch immer Geschmack und Langmut für diese Welt.

Wenn Christus Raum findet in unserem Leben, dann werden wir sein, was Jesus sagt. Dann werden wir der Welt vielleicht nicht schmecken. Denn sie fordert ja zur Anpassung heraus – anpassen, an die ethischen Normen der Zeit und anpassen, an das Design einer modernen Religion. Aber die Ge-meinde verkündigt den Bergprediger. Wir halten uns zu dem, der uns sagt: „Ich aber sage euch…“ Das wird auch ins Leid führen – wie es Chris-tus ins Leid geführt hat. Aber das allein ist unsere Bestimmung. Gemeinde hat ja nicht sich selbst zum Thema, sondern ihren Herrn. Salz brennt in einer Wunde und die Gemeinde Gottes reizt eine Gesellschaft, die sich die Lebensnormen selbst setzt und die ihre Werte selbst definiert. Nein - Ge-meinde ist nicht Honig, sondern sie ist Salz der Erde.

Also, dann lasst uns auch „Salz der Erde“ sein. Salz kann man nicht wer-den. Entweder man ist es, oder man ist es nicht. Wenn Christus in uns ist, dann wird er uns erhalten, er uns durchtragen, er uns prägen und er uns die Kraft schenken, dass wir uns immer wieder neu in diese Welt schicken lassen. Wer aber ohne ihn lebt, der kann keinen Geschmack mehr verbrei-tet, an dem Gott das Wasser im Munde zusammen läuft; dann sind wir zu nichts mehr zu gebrauchen. Dann taugt man nicht mal mehr als Streusalz. Dann ist man aufgegangen im Leben und Treiben der Welt, die ein Leben ohne Gott proklamiert.


2. Gemeinde Jesu erhellt die Welt
Dass das klar ist: Jesus ist das Licht der Welt. Er verbreitet helles Licht. Licht braucht man zum Leben und Licht benötigt man zur Orientierung, wenn es dunkel ist.

a. Ihr seid das Licht der Welt – weil Jesus bei euch ist!
Jesus ist das Licht der Welt. In ihm wird ganz hell, was auf dieser Erde immer mehr verblasst und immer dunkler wird: die Erkenntnis, wer Gott ist! Und Jesus sagt: Gott ist wie ein liebender Vater und er ist ein Freund des Lebens. Er ist aber entschiedener Gegner der Finsternis. Finsternis und Licht passen einfach nicht zueinander.
Das ist das Tragische im Leben der Menschen, dass sie von Gott nichts mehr erwarten. Naja – in Krisenzeit betet man schon und hofft auf Hilfe. Aber man Gott hat keinen gestaltenden Einfluss mehr. Wünsche, Ziele und Aufgaben werden nicht mehr durch ihn geformt. Wir formen. Wir setzten fest, was wichtig ist. Und deshalb bestimmen wir unser Leben. Wir bestimmen das Tempo – und das ist wie auf dem Jahrmarkt in einem der vielen Attraktionen: höllische Geschwindigkeit. Kurz bereitet es ein Krib-beln im Magen – aber auf lange Sicht gesehen zerstört es Leben.

Aber Gott hat diese Welt noch nicht aufgegeben. Noch ist Zeit da, dass Menschen ihr Leben neu ausrichten. Noch gibt es Leuchtfeuer vor den Klippen und Untiefen dieser Welt.

b. Ihr seid das Licht der Welt bedeutet auch: deckt auf, was Leben zer-stört!
Es gibt so viel, was Leben zerstört und Menschen kaputt macht.
Es gibt in unserem Leben so viele dunklen Flecke und so viele Wunde Punkte, so viel kaputte Hoffnung und enttäuschte Liebe – und wir sind Meister darin, das alles zu verstecken. Wir meinen, das darf keiner sehen und wir werden mit diesem Kram schon irgendwie fertig. – Meinen sie das wirklich? Ist das nicht unsere Erfahrung, dass es so viele Dinge in unse-rem Leben gibt, die uns belasten, die uns ängstigen, die uns kaputt ma-chen?
Jesus deckt das alles auf. Da fällt Licht darauf und es wird sichtbar. Wir haben versucht, es wegzuschließen, aber jetzt steht es wieder vor uns. Und Jesus sagt nicht: Wie kannst Du nur? Oder – Das hätte ich nicht von Dir gedacht! Jesus sagt: Gib mir das! Gibt mir all die Verletzungen und all das Leidvolle, auch das Boshafte von andern und auch deine eigene Bos-heit – gib mir alles. Gib mir die Gier nach Leben und die Rebellion gegen Gott. Ich bewältige es!

Das, was keiner an uns sehen soll – das sollen wir ihm gegenüber aus-sprechen und bekennen. In seinem Licht wird es heil und heil. Jesus hat antiseptische Wirkung – wenn man ihn an die wunden Punkte des Lebens lässt, dann heilen sie.
Das weiß auch die Bibel. Deshalb bekennen in ihr die Menschen, die Gott kennen gelernt haben: „Der Herr ist mein Licht und mein Heil“.

Als Licht der Welt leben wir aus der Vergebung.
Aus der Vergebung lebende Menschen strahlen aus – sie schauen nicht weg, wenn bei anderen etwas nicht in Ordnung ist – sie laden ein, zu Je-sus zu kommen und heil zu werden.

c. Ich seid das Licht der Welt – das bedeutet: Menschen Lebensmut schenken.
Wir wissen, dass alles was lebt, Licht braucht. Ohne Licht kein Leben. Ich bin das Licht der Welt – sagt Jesus. Bei mir findest du Lebensvorausset-zungen!

Deshalb gehen wir immer wieder in die Dunkelheiten des Lebens. Wir wenden uns nicht ab – wir wenden uns zu!

Ich liebe Dich. Ich schenke dir ganz neu Würde und Achtung. Mit ihm kommen wir in einen heilsamen Zusammenhang. Er wirkt, dass Menschen endlich wieder Gutes erwarten und erhoffen können.


d. Ihr seid das Licht der Welt bedeutet dann auch: seid leuchtende Vorbil-der!
Wir sind nicht darin Vorbilder, dass wir alles besser können oder besser wissen als andere. Wir sind Vorbilder darin, dass wir ohne Jesus nicht mehr leben können. Wir brauchen ihn für unser Leben.
Wir sind darin Vorbilder, dass Vertrauen zu Gott das Leben fördert.
Wir sind darin Vorbilder, dass Gott uns Ruhe gönnt und in unser Leben hineinreden möchte um es zu erneuern und zu erfrischen.


Salz und Licht sollen wir sein. Wir sollen in die Öffentlichkeit drängen – uns nicht verstecken. Wir sollen sichtbar leben als Gemeinde. Wir sollen uns nicht zurückziehen. Wir sollen uns hingeben in diese Welt, weil wir ei-nen Herrn haben, der sich hingegeben hat für uns.

Amen