Mittwoch, 19. August 2009

09.08.2009 Vermögend leben

Gottesdienst am 9. August 2009 in Lobetal

Matthäus 25, 14 – 30

14 Denn es ist wie mit einem Menschen, der außer Landes ging: Er rief seine Knechte und vertraute ihnen sein Vermögen an;

15 dem einen gab er fünf Zentner Silber, dem anderen zwei, dem dritten einen, jedem nach seiner Tüchtigkeit, und zog fort.

16 Sogleich ging der hin, der fünf Zentner empfangen hatte, und handelte mit ihnen und gewann fünf weitere hinzu.

17 Ebenso gewann der, der zwei Zentner empfangen hatte, zwei weitere dazu.

18 Der aber einen empfangen hatte, ging hin, grub ein Loch in die Erde und verbarg das Geld seines Herrn.

19 Nach langer Zeit kam der Herr dieser Knechte und forderte Rechenschaft von ihnen.

20 Da trat hinzu, der fünf Zentner empfangen hatte, und legte weitere fünf Zentner dazu und sprach: Herr, du hast mir fünf Zentner anvertraut; siehe da, ich habe damit weitere fünf Zentner gewonnen.

21 Da sprach der Herr zu ihm: Recht so, du tüchtiger und treuer Knecht, du bist über wenigem treu gewesen, ich will dich über viel setzten; geh hinein zu deines Herren Freude.

22 Da trat auch herzu, der zwei Zentner empfangen hatte, und sprach: Herr, du hast mir zwei Zentner anvertraut; siehe, ich habe damit zwei weitere gewonnen.

23 Sein Herr sprach zu ihm: Recht so, du tüchtiger und treuer Knecht, du bist über wenigem treu gewesen, ich will dich über viel setzen; geh hinein zu deines Herren Freude!

24 Da trat auch herzu, der einen Zentner empfangen hatte, und sprach: Herr, ich wusste, dass du ein harter Mann bist: Du erntest, wo du nicht gesät hast, und sammelst ein, wo du nicht ausgestreut hat;

25 und ich fürchtete mich, ging hin und verbarg deinen Zentner in der Erde. Siehe, da hast du das Deine.

26 Sein Herr aber antwortete und sprach zu ihm: Du böser und fauler Knecht! Wusstest du, dass ich ernte, wo ich nicht gesät habe, und einsammle, wo ich nicht ausgestreut habe?

27 Dann hättest du mein Geld zu den Wechslern bringen sollen, und wenn ich gekommen wäre, hätte ich das Meine wiederbekommen mit Zinsen.

28 Darum nehmt ihm den Zentner ab und gebt ihn den, der zehn Zentner hat.

29 Denn wer da hat, dem wird gegeben werden und er wird die Fülle haben; wer aber nicht hat, dem wird auch, was er hat, genommen werden.

30 Und den unnützen Knecht werft in die Finsternis hinaus; da wird sein Heulen und Zähneklappern.

Wer hat, dem wird gegeben werden! Das könnte auch der Slogan der Gemeindebank in Jerusalem gewesen sein. Wer was hat, der bekommt noch was oben drauf! Wer schon einen Batzen Geld besitzt, der bekommt obendrein noch günstige Kredite. Wer aber auf einen günstigen Kredit angewiesen ist, wer eben kein kräftiges Kapital in der Hinterhand har, der geht leer aus. Ungerecht – oder?

Auf der anderen Seite auch wieder verständlich. Denn wenn jemand sich Geld borgt, will man das ja wieder haben. Das schießt man ja nicht einfach in den Wind. Da will man Sicherheiten! Das Risiko soll kalkulierbar bleiben.

Wer hat, dem wird gegeben werden – schauen wir unsere Geschichte einmal an, um dieses Wort zu verstehen.

Unser Wort beginnt damit, dass ein Chef seinen Mitarbeitern sein Vermögen überlässt – so steht es hier: seine Habe. Also – wir halten fest:

- Unsere Geschichte beginnt damit, dass jeder hat!

- Unsere Geschichte endet damit, dass einer nicht hat und ein anderer noch die Fülle bekommt

Wie kann es dazu kommen?

1. Menschen sind vermögend – Gott verteilt sein Vermögen unter sie auf

Da staunt man. Ich kenne keinen Chef, der sein Vermögen aufteilt. Es gibt wohl welche, die jemandem einen gewissen Betrag übertragen und dann sehen, was dabei herauskommt – aber das hier, das sprengt alles „Vernünftige“. Die Chefs in dieser Welt lassen sich in der Regel ihr Vermögen nicht aus der Hand nehmen. Die Chefs dieser Welt geben wichtige Aufgaben schwer ab – das wollen sie selbst in der Hand halten.

In unserem Wort investiert jemand nicht nur sein Vermögen, das, womit man etwas bewirken, etwas kaufen, etwas machen kann – hier investiert jemand auch Vertrauen in seine Mitarbeiter. Dieser Chef bestimmt keinen Aufpasser – er installiert keine Kameras – er hinterlässt nicht einmal einen Verhaltenskatalog oder einen Masterplan für den Umgang mit seinem Vermögen. Dieser Chef begabt seine Leute – und dann geht er.

Das finde ich sehr erstaunlich. Es ist nicht wenig, was die Mitarbeiter da erhalten. Ein enormes Vermögen ist ihnen zuteil geworden. Nicht ein paar Notgroschen – sondern handfestes Gut! Mit diesem Vermögen vermag man etwas zu bewirken! Dieses Vermögen hinterlässt Spuren. Mit diesem Vermögen kann man etwas aufbauen!

Und scheinbar kannte der Chef seine Mitarbeiter genau. Er hat nicht jedem das Gleiche gegeben – sondern jedem das Seine. Er hat genau hingesehen und wahrgenommen, was seinen Leuten gut tut, was sie überfordern würde, was sie fördern könnte. Er hat ihnen das rechte Maß anvertraut. Und derjenige, dessen Vermögensanteil am geringsten ausfiel, hat noch einen gehörigen Anteil am Gesamtvermögen erhalten.

Das Vertrauen ist beachtlich: Der Chef geht außer Landes – nicht in den Nebenraum, auch nicht auf einen behaglichen Landsitz – er geht scheinbar außer Sicht- und Reichweite. Seine Mitarbeiter besitzen alles was er hat und sie repräsentieren ihren abwesenden Chef.

Dieses Verhalten motiviert und beflügelt die Mitarbeiter. Sofort macht sich einer daran, mit dem Empfangenen zu handeln, es einzusetzen, es ins Leben zu bringen. Sogleich: der Mitarbeiter will sehen, was draus wird, der ist gespannt auf die Folgen; und irgendwie weiß er, was zu tun ist – er benötigt keine langen Erklärungen und Einweisungen.

Das Vermögen soll dem Herrn alle Ehre machen – es vermag etwas – es vermehrt sich, es fördert Leben, es befreit leben, es ermutigt zum Leben. Wer die Gaben einsetzt, der wird die Erfahrung machen: Über kurz oder lang schaffen und wecken sie auch an anderer Stelle Gaben und sie verdoppelen so das empfangene Gut.

Was will Jesus uns mit dieser Geschichte sagen?

Jesus war damals dabei, seinen Mitarbeiter ein Geheimnis zu erklären. Er wollte ihnen nahe bringen, wie sie seine Herrschaft zu verstehen haben. Wie wirkt sich seine Herrschaft auf dieser Erde aus. Wie regiert und wirkt der mächtige Herr dieser Welt. Und da sagt er:

  1. Der Herr lebt lange Zeit außerhalb einer sichtbaren Wahrnehmung – man nimmt scheinbar nur seine Abwesenheit war. Das kann wissenschaftlich nachgewiesen werden: Gott ist außer Landes. Man sieht ihn nicht. Man begegnet ihm nicht. Man kann ihn nicht beweisen. Man hat ihn nicht verfügbar.
  2. Aber: der Herr überlässt aber, bevor er geht, seinen Mitarbeitern sein Vermögen; dieses Vermögen ist eine große Gabe und jeder seiner Mitarbeiter hat einen erheblichen Anteil daran. Und dieses Vermögen wirkt. Das kann man wissenschaftlich nachweisen. Wenn man es einsetzt, dann verändert sich etwas, dann wächst etwas, dann vermehrt ist etwas.

Mit der Herrschaft Gottes verhält es sich also so, dass Gott wirkt und handelt, indem seine Mitarbeiter sein persönliches Vermögen einsetzen. So wichtig sind seine Mitarbeiter. So hoch talentiert – denn das bedeutet ja das griechische Wort „talanton“ – ein abgemessenes Gewicht wurde verliehen – Menschen mit Bedeutung ausgestattet.

So sollen wir uns also verstehen – wir verdanken Gott, dass wir vermögend leben. Unser Dasein ist nicht bedeutungslos. Unser Leben ist bestimmt durch die Talente, die Gott uns zugemessen hat. Und es ist von großer Bedeutung, ob wir dadurch unser Leben prägen und bestimmen lassen.

- diese Talente sind unsere natürlichen Begabungen, die wir für Menschen einsetzen können – sie sollen wir auch entdecken. Wir sollen wissen, worin unsere Begabungen liegen und wir sollen diese Begabungen anderen Menschen nicht vorenthalten.

- diese Talente sind unsere geistlichen Begabungen, die Gott uns anvertrauen will, damit Menschen seine heilsame Nähe und schenkende Güte erfahren – wir sollen uns diesen Gaben ausstrecken. Wir sollen wissen, wozu Gott uns als Lobetal in Bochum eingepflanzt hat; wir sollen uns nach den Gaben ausstrecken, durch die wir Menschen in unserer Stadt dienen können

- diese Talente sind die vielfältigen Gemeinden in dieser Stadt und auf dieser Welt, durch die sich Gott verherrlichen will und die viel vermögen für diese Welt.

Wir also prägt meine Pläne und Lebensziele. Wer entscheidet, was ich mache und was nicht? Bin ich es? Ist es der Herr? Auch wenn der Herr „außer Landes“ ist, sollen wir durch sein Vermögen ihn wirken lassen.

2. Der Chef verteilt sein Vermögen – Mitarbeiter kennen ihren Herrn

Das ist das wesentliche: Welches Bild habe ich von Gott? Was leitet mich, wenn ich an ihn denke? Was erfüllt mich, angesichts der Erinnerung an ihn?

Da ist ein Knecht, der stöhnt unter seinen Herrn. Ständig fühlt er sich überfordert. Ständig fühlt er sich gedrängt. Dauernd beobachtet. Immer belastet. Er ist gelähmt von einem Gott, der ständig drückt und fordert. Das sollst du tun und jenes sollst du machen – das darfst du nicht – das will ich, das sollst du mir geben…. Das ist das ganze Drama dieser Welt: die Menschen erkennen den barmherzigen und gütigen Vater von Jesus Christus nicht. Sie vergraben ihre Begabungen, oder sie setzen sie nur für sich selbst ein – verlieren dabei aber die Freude und Leidenschaft, ohne die unser Leben bleiern schwer wird.

Es ist ein regelrechtes Elend, wenn da jemand ein falsches Bild von Gott hat. Gott ist heute ein Containerbegriff geworden – man sieht nicht, womit der Container gefüllt ist.

Wenn wir mit Menschen über Gott reden, dann müssen wir genau hinhören, wie sie diesen Gott beschreiben und was er für sie bedeutet. Wer begeistert über Gott redet, aber sein Gegenüber sieht in ihn nur einen, der ständig fordert, der immer an einem herumnörgelt und dem man es nie recht machen kann, der wird beim andern kein Gehör finden, denn sein Gegenüber schaltet ab. Von so einem Gott hat er genug.

Gott kennen lernen – das ist unsere Aufgabe und das ist die Aufgabe, die wir in dieser Welt haben. Unsere Talente sollen dazu dienen, dass die Menschen die Güte Gottes erkennen und froh werden!

- Wir können Menschen in die Gemeinde einladen – hier ist der Ort, an dem man ihn erfahren kann. Hier ist der Ort, an dem man ihn neu kennen lernen kann.

- Wir können Menschen helfen, dass sie durch Gottes Wort ihn erkennen und Vertrauen gewinnen. Sein Wort – das ist ein zuverlässiger Erfahrungsbericht von Leuten, die ihm begegnet sind

- Gott wird durch Jesus eindeutig – deshalb verkünden wir Jesus, weil ohne ihn Gott eine unfassbare Chiffre wird.

- Die Güte dieses Gottes werden wir dort wahrzunehmen beginnen, wo wir den Reichtum der eigenen Begabungen kennen lernen und auch einsetzen

3. Am Ende soll die Freude stehen – wir leben heute vermögend; doch Gott will das noch überbieten

„Geh ein zu deines Herren Freuden!“ – Das sollen wir am Ende hören und dieser Einladung folgen. Damit am Ende der Zeit keiner entdeckt, dass er eigentlich nichts hat und in trostloser Öde verkommen muss, möchte Gott uns einladen, unser Leben wach auszurichten auf sein Reich.

Dieser Herr will Anteil geben an dem, worüber er sich freut. Der Herr will uns in seine Freude hinein nehmen. Er will, dass wir vergnügt leben. Er möchte, dass wir gute Erfahrungen machen.

Freude - sie beginnt ja nicht erst dann, wenn er wiederkommt. Sie beginnt dort, wo Menschen erfahren, dass Gott barmherzig ist und er uns ein Leben in Vertrauen und Gemeinschaft ermöglicht. Es startet, wenn Menschen nicht mehr von Verletzungen oder Ängsten bestimmt werden, sondern von Vertrauen und Freude. Es ist hier schon herrlich, die Freude Gottes zu erleben, die darüber jubelt, wenn ein Mensch sich von ihm bestimmen lässt, aus seiner Hand seine Talente annimmt und diese Gaben nun einsetzt und damit umgeht.

Freude entsteht, wenn jemand wieder auf die Füße gestellt wird und die Lähmungen weichen, die ihn niederdrückten und ohnmächtig machten.

Freude will er uns schenken, durch Gottesdienst und Anbeten. Er will uns dienen und erfüllen, stärken und ermutigen. In der Anbetung drücken wir unsere Freude und unser Staunen über seine Güte aus.

Freude will er uns schenken, indem er uns mitten in seine Herrliche Natur setzt und uns darin leben öffnet.

Freude will er uns schenken, indem er uns in eine Gemeinschaft von Menschen stellt, die für uns da ist, wo einer des andern Last trägt.

Freude will er uns auch in unserem Alltag geben – er möchte uns jeden Morgen neu erfüllen mit allem, was wir brauchen und was andere nötig haben, denen wir begegnen.

Freude möchte er uns schenken, an jedem einzelnen Tag. Gut – Freude ist hier sicher begrenzt. Hier gibt es auch viel zu tun – aber wer mit Gott lebt, der lebt nicht mehr in einer „Tretmühle“, sondern aus erfrischenden Lebensressourcen.

Gott will uns zu einem tätiges Leben befähigen und einladen, das gekennzeichnet ist von Hingabe und Ruhe, von Fest und von Arbeit. Es wird ein leidenschaftliches Leben. Es wird ein neu ausgerichtetes Leben, denn die Wertmaßstäbe werden verschoben. Plötzlich geht es darum, seine Talente für seine Nächsten einzusetzen – so, dass die anderen darüber Gott danken und beginnen, ihn mit neuen Augen zu sehen!

Gottes Kapital liegt in uns. Beginnen wir, sein Kapital an den Mann und an die Frau zu bringen. Beginnen wir, unser Leben Gott nicht wegzunehmen. Starten wird damit, dass wir ihm neu unser Leben verdanken. Dass wir neu unsere Talente tanzen lassen in unserer Umgebung – Gott zur Ehre. Die Menschen sollen die Erfahrung machen: Gott ist barmherzig und er gönnt uns Leben – schon heute!

Amen

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