Predigt am 6. Dez. 2009
Lukas 21, 25 – 33
25 Und es werden Zeichen geschehen an Sonne und Mond und Sternen, und auf Erden wird den Völkern bange sein, und sei werden verzagen vor dem Brausen und Wogen des Meeres, 26 und die Menschen werden vergehen vor Furcht und in Erwartung der Dinge, die kommen sollen über die ganze Erde; denn die Kräfte der Himmel werden ins Wanken kommen. 27 Und alsbald werden sie sehen den Menschensohn kommen in einer Wolke mit großer Kraft und Herrlichkeit. 28 Wenn aber dies alles anfängt zu geschehen, dann seht auf und erhebt eure Häupter, weil sich eure Erlösung naht.
29 Und er sagte ihnen ein Gleichnis: Seht den Feigenbaum und alle Bäume an: 30 wenn sie jetzt ausschlagen und ihr seht es, so wisst ihr selber, dass jetzt der Sommer nahe ist. 31 So auch ihr: wenn ihr seht, dass dies alles geschieht, so wisst, dass das Reich Gottes nahe ist.
32 Wahrlich, ich sage euch: dies Geschlecht wird nicht vergehen, bis es alles geschieht. 33 Himmel und Erde werden vergehen; aber meine Worte vergehen nicht.
Kopf hoch – das klingt so: ist doch alles halb so schlimm! Komm, reiß dich zusammen! Das Leben muss weitergehen!
Das sind alles leicht daher gesagte Floskeln. Oberflächlich. So viel Herzlo-sigkeit tut weh – wie auf diesem Cartoon (Bild einblenden).
Wir wissen doch, dass Wunden ausheilen und Schmerzen getragen werden müssen. Leid huscht nicht nur leichtfüßig durch unser Leben – es legt sich träge und schwer darüber. Manchmal hat das Leid uns Menschen regel-recht in der Zange. Man steckt fest. Sehnsucht nach Lösungen und Hilfe ergreift uns – Gebete zu Gott, Fürbittengebete von Freunden; aber die Mut machenden Zusagen, die uns Gott für ein Leben im Leid gegeben hat, bleiben unerfüllt – jedenfalls für das sofortige hier und jetzt. Es ändert sich nichts. Der ausschlaggebende Grund für das, was in unserem Leben so schmerzt, bleibt bestehen.
Liebe Geschwister, es gibt in unserer Gemeinde seit einiger Zeit einige Menschen, die vom Leid gebeutelt sind. Ihre Situation ist kaum zu ertra-gen. Es ist keine Lösung in Sicht. Es scheinen Mächte am Zug zu sein, de-nen wir hoffnungslos unterlegen sind. Es muss nicht gleich der ganze Kosmos ins Schleudern geraten – es gibt auch Ereignisse in unserem Le-ben, die uns so erschüttern, dass wir verzagen und uns bange ist.
Nein – Kopf hoch greift nicht – es verletzt! Wie aber gewinnen wir in die-sen Situationen Kraft zurück? Wie können wir wieder Mut fassen? Wie kann uns Trost widerfahren? Wie können wir wieder Hoffnung gewinnen? Wie können wir in einem Leben in Leid bestehen?
1. Bleibt bei dem, was stark genug ist euch zu tragen
Angesichts der starken Erschütterungen, die über unser Leben immer wie-der kommen werden, braucht es einen sicheren Grund.
Es gibt viele Bereiche des Lebens, die grundlegende Bedeutung für uns haben, die uns tragen und fördern, mit denen es sich einfach gut leben lässt: Gesundheit, lohnende Aufgaben am Lebensabend, eine Arbeitsstelle in der Lebensmitte, mit der wir unseren Lebensunterhalt sichern können oder ein Ausbildungsplatz in jungen Jahren. Dann sind Beziehungen zu Menschen wesentlich und die Familie. Doch all diese Dinge können wir auch wieder verlieren – das alles ist sehr zerbrechlich. Sie bestehen vorü-bergehend – Grund, dankbar zu sein und Anlass genug, diese Dinge zu pflegen und zu schützen. Aber auf diesen Dingen lässt sich nicht unser Le-ben bauen. Das alles kann nicht tragen. Ein Fundament muss stabil sein – stellen sich Schäden am Fundament ein, wäre das dramatisch.
Was also trägt? Was gibt Halt? Was weckt unsere Hoffnung und was lässt uns im Leid nicht zerbrechen? Wo liegt dieser sichere Grund?
Unser Bibelwort weist uns die Spur: „Himmel und Erde werden vergehen; aber meine Worte vergehen nicht.“ Das Wort Gottes bleibt!
Und da haben wir wieder die Christen und ihre Bibel! Bibel – Wort Gottes – was gibt das her, angesichts beruflicher Krisen, zerrissenen Beziehun-gen, gescheiterten Hoffnungen, bedrohlichen Erkrankungen? Wir wollen doch die sofortige Hilfe und die schnelle Lösung – was gibt da dieses Wort Gottes her?
Interessant ist, dass uns das Neue Testament auf eine neue Spur bringt. Wort Gottes sind nicht Vokabeln – das Wort Gottes, so lesen wir im Jo-hannesevangelium, ist Mensch geworden. Jesus ist das Wort Gottes. Wenn Jesus hier also sagt, dass seine Worte Bestand haben, dass heißt das: ICH HABE BESTAND! Er steht zu dir! Er steht neben dir! Er schützt dich in sei-ner Hand! Der einzige sichere Ort in unserem Kosmos ist in seiner Hand zu sein und aus den Worten seines Mundes Trost und Hoffnung zu schöp-fen! Hier auf Erden gibt es nichts Sicheres – wir rasen durch das All, bis zum Tag der kosmischen Erschütterung.
Also: Haltet euch an dieses Wort.
Wir haben Fastenzeit – Fastenzeit bedeutet, dass man sich Zeit nimmt für das Wesentliche. Lass dich nicht trennen vom Wort Gottes. Lass dich nicht wegdrängen von Herzen Gottes! Hör, was sein Wille ist und höre auf das, was er dir in deiner Situation zu sagen hat. Höre das immer wieder neu, dass er an deiner Seite steht und sagt: Fürchte dich nicht! Nimm, wenn es nötig ist, in deinem Leben Umbaumaßnahmen vor. Gründe dich auf das Wort des lebendigen Gottes.
Was sind Kennzeichen für ein Leben, das auf dem Wort Gottes besteht?
a. ich bleibe im Danken für die Dinge, die mir verliehen sind; sie tra-gen weder mein Leben, noch beherrsche ich sie – sie sind Gaben, die ich dankbar aus Gottes Hand nehmen darf. Wenn ich mir wichti-ge Dinge wieder loslassen muss, dann ist das schmerzlich – aber es wird gelingen; denn ich habe sie nie besessen!
b. bleibe im ausführlichen Bibelstudium. Es gibt nichts anderes, was uns den Ertrag dieser Investition geben könnte. In der Fastenzeit täglich; nach der Fastenzeit einmal in der Woche.
c. Bleibe in Kleingruppen, die über der Bibel zusammenkommen, hören und beten. Kleingruppen oder Bibelkreise – das ist keine Frage des geistlichen Geschmacks, sondern eine Frage des Überlebens.
2. Werde tragfähig im Leid
Nicht das rasche Loswerden von Leid und Schmerz sind Zeichen des Glau-bens – sondern das Bestehen im Leiden ist ein Indiz für das Gehaltensein durch Gottes Wort.
Die Herausforderung an dieser Stelle heißt: „Seht auf und erhebt eure Häupter, weil sich eure Erlösung naht.“ Vers 28
„Kopf hoch“ bedeutet hier nicht: „Das wird schon wieder. Alles halb so schlimm.“ „Kopf hoch“ heißt: es kommt ganz dick, deshalb benötigst du einen klaren Durchblick und die richtige Perspektive! Lass dich jetzt nicht „gefangen nehmen“ vom Leid und von die Dingen in deinem Leben, die so schmerzen und die Sehnsucht schüren, dass Gottes Macht sich behauptet und die Dinge so verändert, dass es gut ist. „Kopf hoch“ bedeutet: „richte dein Leben neu aus!“ Jesus hat gesagt, dass schwere Zeiten kommen, in denen es nicht leicht sein wird, sich zu bewähren. Aber er hat immer zum Ausdruck gebracht, dass er in diesen Zeiten in besonderer Weise nahe ist.
Das wirkt sich praktisch aus. Menschen, die diesen Gott erfahren, die sind gehalten im Leid. Und es sind Menschen, die können mit anderen mit-leiden. Weil Jesus an unserer Seite ist, deshalb zerbrechen wir nicht mehr im Leid – wir gewinnen Kraft in den Hoffnungen seiner Zusagen. Kopf hoch – das heißt deshalb auch: Schaue angesichts von Leid und Schmerz, von Angst und Sorge auf die Zusagen unseres Herrn in seinem Wort – hier schaust du ihm in die Augen!
Erhebe dein Haupt – das bedeutet auch: Schau auf den gekreuzigten Gott, der ins Leid eingetaucht ist, um dich zu retten. Dieser Gott kommt wieder, um dich zu lösen von der Macht des Todes und des Leides! Tod und Leid haben ihre Zeit; sie bleiben nicht ewig!
Kopf hoch – das bedeutet auch: nicht alles, was dir wehtut, bedroht dein Leben. Es gibt vieles, das nicht so ist, wie wir es uns wünschen. Aber wir können es einordnen und ihm damit den rechten Stellenwert geben. Es gibt auch Unangenehmes, das wir einfach ertragen können; unangenehm, aber halt nicht schlimm!
Und: Wer im Leid getragen wird, der wird auch tragfähig für das Leid und für Menschen im Leid. Hier lernen wir, mit-Leid zu haben! Hier gewinnen wir die Kraft, die Menschen in ihrem Leid nicht alleine zu lassen sondern uns mit hineinzubegeben in ihr leidvolles Erleben. Wir stehen an ihrer Sei-te und wir tragen etwas mit – aber wir sagen auch, was es von Gott her zu sagen gibt: „Erhebt euere Häupter, weil sich eure Erlösung naht!“
3. Behalte eine hoffnungsfrohe Erwartung
Wir warten nicht auf den Weltuntergang – wir warten auf den Liebhaber des Lebens, auf unseren stärksten Verbündeten und auf unseren Mutma-cher!
Jesus kommt. Das Bild, das den Jüngern im Gedächtnis bleiben soll, ist ein Hoffnungsbild. Knospen sind die Vorboten des Frühlings. Sie deuten dar-auf hin, dass nicht Kälte und Dunkelheit das Leben nicht auf Dauer blo-ckieren und zerstören können. Sie deuten darauf auf die stärker werdende Kraft der Sonne hin. Der Sommer kommt! Die Mächte, die alles Leben scheinbar lähmen, sind im Rückzug – sie haben keine Chance gegen diese Anrückende Macht des Lebens!
Lass dir bitte deine Hoffnung nicht zerstören! Nähre sie immer wieder am Wort Gottes! Erneuere sie immer wieder in der Gemeinschaft von Men-schen, die mit dir zusammenkommen, um als kleine Schar ihrem Gott zu-jubeln, der in der unsichtbaren Welt schon im Aufbruch ist. Er kommt. Der König kommt! Der Tröster kommt! Es kommt die Macht der Liebe! Es kommt Gott mit sichtbarer Macht und sichtbarem Glanz.
Seine Macht ist aber auch schon jetzt in deinem Leben! Sein Heiliger Geist hält dich in der Kraft seiner Liebe! Er liebt dich. Diese Liebe hält deine Lie-be am Leben. Du kannst deshalb lieben – sogar in einer Umgebung, in der dir diese Liebe nicht gedankt wird. Du kannst trösten an Orten, wo es scheinbar keinen Trost gibt und du kannst tragen, auch wenn du ohn-mächtig bist.
Die Dunkelheit dieser Welt ist gewaltig! Doch das Licht und die Liebe Got-tes sind haushoch überlegen – auch wenn jetzt alles dagegen zu sprechen scheint.
Jeder Fußballfan weiß: ein Spiel dauert 90 Minuten plus Nachspielzeit. Der Halbzeitstand sagt noch nichts über den Spielausgang aus. Erst mit dem Schlusspfiff sehe ich das Ergebnis klar. So ist es auch mit dieser Welt und unserem Leben. Erst mit dem Schlusspfiff ist das Spiel des Lebens been-det. Und mit dem Schlusspfiff wird der siegbringende Angriff Gottes das Spiel drehen! Deshalb – Kopf hoch – ER kommt!
Amen
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