Sonntag, 22. März 2009

15.03.2009 Bitte aufwachen!

Lukas 9, 57 – 62
Predigt in Lobetal
von Roland Schindler

Wer will schon gerne verschlafen! Und weil es vielen wichtig ist, rechtzei-tig wach zu werden, deshalb werden immer neue Wecker erfunden. Drei der neuesten Modelle möchte ich gerne vorstellen:
a. das ist „clocky“ – ein ziemlich frecher Wecker, denn wenn man den ausschalten will, ist er schon weg. Wenn der Alarm losgeht, setzt er sich in Bewegung und fegt kreuz und quer durch den Raum.
b. Hier haben wir „blowfly“ – und er hält, was er verspricht. Der flie-gende Wecker hebt sich wirklich in die Luft und gibt einen schrillen Ton von sich – ähnlich lieblich wie der einer Stechmücke. „Blowfly“ schwirrt an der Zimmerdecke entlang, bis er vom Pantoffel getroffen zu Boden taumelt.
c. Nun kommt das erstaunlichste Exemplar – der „SnuzNLuz“ Wecker. Dieses raffinierte Ding schaltet im Moment des Weckalarms eine Verbindung per WLAN zum eigenen Konto – und nun wird je Sekun-de, die man verträumt, zu irgendeinem über den Browser festgeleg-ten Empfänger - eine möglichst verhasste Organisation - automa-tisch Geld gespendet. Bisher werden gut 1600 meist amerikanische Banken und 6200 Organisationen unterstützt. Im Display werden in rot die aktuellen Kosten des Verschlafens angezeigt.

Nun hat unser Herr in sein Wort auch so etwas wie einen Wecker einge-baut – nennen wir es eine „Klingelgeschichte“.
Jesus möchte, dass wir hellwach sind, wenn wir mit ihm leben. Wir sollen aufwachen, wach und verantwortlich wahrnehmen, worum es geht. Wir sollen uns über unsere Motive im Klaren sein und unsere Erwartungen re-flektieren. Tun wir das nicht, dann wird es auf unserem Weg mit Jesus ei-nen Bruch geben - früher oder später. Denn wir werden irgendwann mer-ken, dass Jesus nicht unsere Erwartungen erfüllt. Nicht wir rufen Jesus zur Mitarbeit in unserem Lebensbereich – er beruft uns, damit wir das tun, was er auf dem Herzen hat.

In meiner englischen Bibel ist unser Bibelwort überschrieben: „The Would-be Followers of Jesus“ – „Möchtegernnachfolger Jesu“
Das ist nicht ironisch gemeint – eher tragisch. Da sind Menschen, die wirk-lich mit diesem Jesus leben möchten, die ihn schätzen und bewundern. Doch es gibt ein großes „Aber“ in ihrem Leben. Dieses „Aber“ behauptet sich immer wieder neu. Und dieses „Aber“ wird in unserer Geschichte eini-ge Mal zum Ausdruck gebracht – nicht nur von Menschen, auch durch Je-sus. „Aber“ – das deutet auf einen Einwand hin. Hier gibt es verdeckte Motive und Konsequenzen, die nicht wahrgenommen wurden.

Ich lese uns das Bibelwort noch einmal:
Und als die Jünger auf dem Wege waren, sprach einer zu ihm: Ich will dir fol-gen, wohin du gehst.
Und Jesus sprach zu ihm: Die Füchse haben Gruben und die Vögel unter dem Himmel haben Nester; aber des Menschensohn hat nichts, wo er sein Haupt hin-lege.
Und er sprach zu einem andern: Folge mir nach! Der aber sprach: Herr, erlaube mir, dass ich zuvor hingehe und meinen Vater begrabe.
Aber Jesus sprach zu ihm: Lass die Toten ihre Toten begraben; du aber gehe hin und verkündige das Reich Gottes!
Und ein anderer sprach: Herr, ich will dir nachfolgen; aber erlaube mir zuvor, dass ich Abschied nehme von denen, die in meinem Hause sind.
Jesus aber sprach zu ihm: Wer seine Hand an den Pflug legt und sieht zurück, der ist nicht geschickt für das Reich Gottes.

1. Mit Jesus unterwegs sein: heimatlos und doch geborgen
„Ich will Dir nachfolgen, wohin du gehst!“ Da will jemand ein deutliches Zeichen setzen. Er will sich zu Jesus halten und dessen Weg teilen. In sei-ner Nähe will er leben. Er macht dabei bewusst keine Einschränkung. Ü-berall hin will ich dir folgen – ist das nicht Klasse!
Da ist ein Mensch, der sich zu Jesus hingezogen weiß. Bei Jesus ist er ge-borgen. Egal wo der Weg hinführt – „… ich bleibe bei Jesus“. Hier ist je-mand total entschieden. Ein Kandidat für den EC. Nachfolge ohne „wenn und aber“. Wunderbar!
Doch das „aber“ kommt von Jesus. Er möchte, dass wir wach wahrneh-men, was es mit der Geborgenheit auf dem Weg mit ihm auf sich hat.
Jesus hat ein seltsames Zuhause – es liegt im Himmel. Auf der Erde ist Jesus heimatlos. Da haben es die Tiere besser. Jesus hat keine Vierwände. Jesus hat keinen Ort, an den er sich zurückziehen kann. Er lässt nicht einmal ein Gemeindehaus errichten – er ist unterwegs und sucht die Nähe zu den Menschen.

Und dennoch lebt Jesus zutiefst geborgen. Er weiß, sich bei seinem Vater im Himmel geborgen. Er ist nicht allein auf dieser Welt. Hilfe und Schutz geben nicht Mauern – sondern Gott. Und Gott geht mit – Gott ist mit Jesus unterwegs. Er wird seinem himmlischen Vater nicht verloren gehen.
Jesus lädt uns Menschen ein, Kinder Gottes zu sein. Kind sein bedeutet im tiefsten Sinn geliebt und geborgen zu sein! Ich darf unter den lieben Au-gen Gottes leben. Das ist das Wesen Gottes: seine Kinder in Liebe umsor-gen, für das Leben stark machen und ihre Persönlichkeit durch Güte zu Entfaltung kommen zu lassen.
Geborgen sein beim Vater! Geborgen sein inmitten von Gefahren. Gebor-gen sein trotz Erschütterungen und Krisen, Geborgen sein Angesichts des Todes. Geborgen sein, wenn ich nicht mehr weiter weiß! Geborgen sein in einer Gemeinde, in der man nicht mehr die Lebensgeschichte eines jeden kennt. Geborgen sein angesichts schwindender Kräfte. Geborgen sein am Herzen Gottes!
Bist du für diese Geborgenheit offen? Schaffst du es, den Wunsch nach einer vertrauten und heimeligen Gemeinschaft los zu lassen? Bist du be-reit, in Gottes Gegenwart geborgen zu leben und aufzubrechen aus den Orten, in denen du dich eingerichtet hast?

2. Mit Jesus unterwegs sein: nicht um Erwartungen zu erfüllen sondern um Leben zu retten
Das hört sich schroff an: „Lass die Toten ihre Toten begraben; du aber gehe hin und verkündige das Reich Gottes.“
„Du sollst Vater und Mutter ehren, auf das es dir gut geht und…“ – diese Aufforderung richtet sich klar gegen das vierte Gebot. Kann das sein? Und verstößt sie nicht auch gegen die „guten Sitten“? Ich bitte euch: das Be-gräbnis des Vaters steht an und man sagt: Sorry, ich habe einen Dienst in Wanne Eickel! Wie soll man das verstehen?

Jesus sagt uns an dieser Stelle, dass es nicht darum geht, Erwartungen anderer zu entsprechen oder uns nach dem zu richten, was dran ist. Jesus fordert uns heraus, dass wir in der Nachfolge auf sein Wort hören. Er ist Herr. Er ist auch der Herr über die Gebote. Und er beruft zu einer Aufga-be, hinter die alles andere zurückfällt: die Herrschaft Gottes ist anzusa-gen!

Gott hat in unsern Tagen eine schlechte Presse. Wir, als seine PR Berater müssten ihn doch bitten: nimm diese Geschichte aus deinem Katalog! Das kommt nicht gut an! Das findet man totalitär und absolut – und das ist heute völlig out.
Sollte Gott stattdessen nicht dafür sorgen, dass nicht mehr so viel beer-digt wird? Könnte er dafür sorgen, dass es ein Ende hat mit diesem elen-den Sterben. Könnte Gott dafür sorgen, dass man beim Wörtchen „Win-nenden“ wieder an eine nette schwäbische Kleinstadt denkt, in der man Spätzle und Häusle finden kann und viele glückliche Menschen! Könnte er nicht dafür sogen, dass die Erde, die er geschaffen hat, wenigstens einen U-Bahn-Bau aushält!

„Gott erfüllt nicht unsere Erwartungen, aber seine Verheißungen“, sagte Dietrich Bonhoeffer. Was sind seine Verheißungen, was ist sein Verspre-chen? Worauf hat er uns sein Wort gegeben? Gott hat versprochen, dass er seine Leute nicht alleine lässt und sie eines Tages aufsuchen wird in ei-nen Gesandten, von dem gilt: „Der Geist des Herrn ist auf mit, weil er mich gesalbt hat, zu verkündigen das Evangelium den Armen; er hat mich gesandt, zu predigen den Gefangenen, dass sie frei sein sollen, den Zer-schlagenen, dass sie frei und ledig sein sollen, zu verkündigen das Gna-denjahr des Herrn.“ (Lukas 4, 18-19).
Auf dieser Welt soll das Wehklagen nicht mehr der Grundton sein, sondern eine frohe Botschaft. Gott kommt und er befreit zum Leben. Und genau das ist mit Jesus Christus Wirklichkeit geworden. Gott ist auf diese Welt gekommen und hat uns gelöst von Macht des Misstrauens und der Macht des Todes, von der Macht des Egoismus und der Macht, sich gegen Gott behaupten zu müssen. Vor allem aber sind wir befreit von der Macht, die begangene Schuld auf unser Leben ausübt. Denn Misstrauen, Egoismus und die Abschaffung des lebendigen Gottes führt unweigerlich dazu, Men-schen, der Schöpfung und sich selbst gegenüber schuldig zu werden.
Die Bibel berichtet, dass Jesus eine klare Richtung in seinem Leben hat: Jerusalem – der Tempel: Er richtet den Ort wieder her, an dem man einen barmherzigen und gnädigen Gott finden kann, einen, der geduldig ist mit uns und der uns unbeschreiblich in einer Güte begegnet, die es kein zwei-tes Mal gibt.
Jesus ist auf dem Weg, die Schuldfrage dieser Welt zu klären. Jesus ist unterwegs zum Kreuz. Im Leiden und Sterben wird er die Liebe Gottes durchhalten und Gott für jeden bitten, der nun zu ihm kommt: „Vater, vergib ihm, um meinetwillen!“ Hier wird man seine Schuld los. Hier wird man wieder aufgerichtet. Hier findet man eine Kraft, in der man das Leben neu anpacken kann. Hier findet man alles, damit wir den Ort, an dem wir Leben, mit Güte und Barmherzigkeit prägen können – ob er nun Winnen-den, Belfast oder Bochum heißt. Hier hört man frohe Botschaften trotz Weinen und Trauer. Hier findet man den Herrn der Welt.
Hier spricht der Herr – es geht nicht darum, Gebote und Verbote zu folgen, sondern einer Stimme zu gehorchen, die Leben schafft!

Diese Stimme kann aber auch sagen: Nun leg dich hin und schlaf dich aus. Nun stärke dich erst einmal, bevor du wieder auf den Weg kommst. Jesus kann auch sagen: „Ruht ein Weilchen“!
Jesus ist Herr des Lebens – wir stehen in der dringlichsten Sendung der Welt: die Gegenwart dieses Herrn ist anzusagen!
Dafür müssen wir wieder neu geweckt werden. Wir können das Gespräch mit den Nachbarn nicht auf Übermorgen verschieben und die Einladung für den Arbeitskollegen auf den Sommer – jetzt gilt es ihnen zu begegnen und ihnen die Liebe Gottes zu bezeugen, in der man das ganze persönliche E-lend erkennt, wahrhaftig werden kann, weil man die Einladung hört: „Komm her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid – ich will euch erquicken!“
Wir leben in einer dringlichen Sendung. Wir leben in einer umfassenden Sendung – sie ist nicht konzentriert auf 90 Minuten Teenkreis oder 60 Mi-nuten Bibelstunde. Sie umfasst meinen ganzen Alltag mit allen Sonntagen und auch den Urlaub!

3. Mit Jesus unterwegs sein: eine einzige Perspektive haben – nach vorne (auf das, was Gott tun wird) sehen!
Es gäbe so vieles zu tun – und manches zu pflügen. Wo fangen wir an? Bei den Menschen in unserer Nachbarschaft? In unserer eigenen Familie? In den Gruppenstunden hier in Lobetal? Bei den Arbeitskollegen? Im be-nachbarten Seniorenwohnstift? In den Schulen? Oder bei mir selbst? Wo beginnen wir damit, dem Leben zu dienen?
Ich würde sagen: bei ProChrist! Das sollte in der nächsten Zeit unsere ganze Aufmerksamkeit beanspruchen dürfen. Jetzt ist ProChrist dran. Da soll alles andere hinten angestellt werden. Alles an Kraft und Zeit ist nun gefordert für diese Aufgabe! Richtet alles Beten darauf aus! Richtet alle Begegnungen aus auf die Frage: Wie kann ich meinem Gegenüber durch Jesus zum Leben einladen?
Was müssen wir in unserer Lebensführung verändern, damit wir wieder Spannkraft für das gewinnen, was wir tun sollen? Wir leben in einer Welt, in der man sich zu Tode amüsieren kann – so lautet ein Buch von Neil Postmann, das 1985 veröffentlicht wurde. Unsere Aufgabe ist, für das Le-ben zu arbeiten. Vielleicht müssen wir hier einiges in unserem Alltag und in unseren Lebensabläufen verändern. Jesus kann man in sein Leben nicht einbauen – ihn kann man nur dabei unterstützen, dass er mit uns unser Leben umbaut!

Ich kann nicht mehr zu jeder Abschiedsparty und zu jedem Sportevent. Ich kann nicht mehr jeden Film mit Denzel Washington oder jedes „Wet-ten dass…“ gucken. Es gibt Wichtigeres!

Ich denke nicht, dass unser Problem darin liegt, dass wir nicht den neues-ten Wecker haben – aber wohl darin, dass wir uns durch das Verweilen im Wort Gottes, durch das Bibellesen und Beten hellwach für das machen las-sen, was jetzt dran ist.
Jesus hinterfragt manche Nachfolgewilligen – aber er schickt keinen weg. Wir selbst haben die Entscheidung zu fällen, für was wir unser Leben ein-setzen wollen!
Schließen möchte ich mit einem Zitat, das ich im Vorfeld unseres Seelsor-geseminars für ProChrist von einem Mitarbeiter geschickt bekam: „Die Welt ruft die Fähigen – Gott befähigt die Gerufenen!“ In der Klarheit und Schärfe ist unser Predigtwort nicht zu überbieten – das Evangelium aber auch nicht, das damit zusammenhängt: Gott ist mit dir und er ist für dich! Deshalb: Stelle dich nun ihm zur Verfügung – für die wichtigste Aufgabe in der Welt: Gott will im Leben von Menschen seine wohltuende Herrschaft aufrichten!

Amen

08.03.2009 Aufruhr im Weinberg

Predigt am 8. März 2009 in Lobetal von Roland Schindler

Markus 12, 1-12

Und er fing an, zu ihnen in Gleichnissen zu reden: Ein Mensch pflanzte einen Weinberg und zog einen Zaun darum und grub eine Kelter und baute einen Turm und verpachtete ihn an Weingärtner und ging außer Landes.

Und er sandte, als die Zeit kam, einen Knecht zu den Weingärtnern, damit er von den Weingärtnern seinen Anteil an den Früchten des Weinbergs hole.

Sie nahmen ihn aber, schlugen ihn und schickten ihn mit leeren Händen fort.

Abermals sandte er zu ihnen einen anderen Knecht; den schlugen sie auf den Kopf und schmähten ihn.

Und er sandte noch einen anderen; den töteten sie; und viele andere; die einen schlugen sie, die anderen töteten sie.

Da hatte er noch einen, seinen geliebten Sohn; den sandte er als letztes auch zu ihnen und sagte sich: Sie werden sich vor meinen Sohn scheuen.

Sie aber, die Weingärtner, sprachen untereinander: Dies ist der Erbe; kommt, lasst uns ihn töten, so wird das Erbe unser sein!

Und sie nahmen ihn, und töteten ihn und warfen ihn hinaus vor den Weinberg.

Was wird nun der Herr des Weinbergs tun? Er wird kommen und die Weingärtner umbringen und den Weinberg andern geben.

Habt ihr nicht dieses Schriftwort gelesen (Psalm 118, 22-23) „Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, ist zum Eckstein geworden. Vom Herrn ist das geschehen und ist ein Wunder vor unseren Augen.“?

Und sie trachteten danach, ihn zu ergreifen, und fürchteten sich doch vor dem Volk!

In diesem Gleichnis erfahren wir, worum es im Leben geht: um Haushalterschaft. Uns Menschen ist etwas Großartiges anvertraut, und darüber müssen wir Rechenschaft ablegen vor dem, der es uns anvertraut. So einfach ist das mit dem Leben. Und so einfach ist das, mit unserem Gleichnis.

1. Es geht um Vertrauen, das durch Aufruhr zerstört wird

Jesus erzählt dieses Gleichnis nicht irgendwelchen Menschen, sondern denjenigen, den Gott etwas Wunderbares anvertraut hat: den Tempel in Jerusalem.

Klar, das Wort „Tempel“ kommt hier überhaupt nicht vor – aber die Zuhörer wussten sofort, dass davon die Rede ist. Auch der Zusammenhang dieser Begebenheit macht das deutlich: Jesus ist nach Jerusalem gezogen – der Stadt Gottes, in der Gottes Tempel stand. Der Tempel ist Zeichen der Gegenwart Gottes und Zeichen der Treue und Barmherzigkeit Gottes, weil hier Versöhnung gestiftet und Gemeinschaft mit dem barmherzigen Gott wieder ermöglicht wird. Doch in der Stadt des Tempels findet Jesus keine Früchte der Barmherzigkeit – sie ist wie ein wunderschöner Feigenbaum, an dem keine Frucht findet. Hier, wo Gott wohnt wollte, gibt es keine Erfrischung, hier wird kein Verlangen nach Leben gestillt und hier gibt es keinen Geschmack der Freundlichkeit Gottes.

Und weil das so ist, geht Jesus in den Tempel und räumt mächtig auf. Er jagt alle davon die aus der Barmherzigkeit Gottes ein Geschäft gemacht haben. Jesus geht es darum, dass der Tempel wieder ein Ort der Ehre Gottes wird. Doch er ist zu einem Dokument menschlicher Hartherzigkeit verkommen.

Und so eilten die herbei, die damit betraut waren, diesen Tempel in der Verantwortung vor Gott zu führen und ihn nach dem Herzen Gottes zu gestalten. Und die fragen Jesus: Sag mal, wer gibt dir das Recht, hier so aufzuräumen und so zu handeln?

Und Jesus sagt: Ich bin der Sohn des Eigentümers!

Und er sagt ihnen in diesem Gleichnis die ganze Geschichte des Tempels in Kurzform. Gott setzt alle seine Kraft und sein ganzes Wesen in diesen Weinberg – auf dieser wüsten Erde schafft er einen Ort, auf dem Gutes wächst – der Weinstock, ein Inbegriff der Freude!

Deshalb war für jeden sichtbar über dem Portal des Tempels, den Herodes der Große errichten ließ, ein großer, goldener Weinstock abgebildet, wie eine große Einladung: Kommt her zu mir alle, die ihr nach Leben dürstet – kommt und kauft umsonst! Kommt, ihr sollt Gutes hören und leben (nach Jesaja 55, 1ff.).

Aber hier findet man nichts Gutes mehr. Hier findet man nichts mehr, das uns in die Freude eines Lebens mit dem lebendigen Gott führt.

Es gab nämlich einen Zwischenfall: es fand ein Aufstand statt. Diejenigen, denen der Tempel anvertraut wurde, die haben ihn für die eigenen Interessen benutzt und jeden abgewiesen und sorgfältig entfernt, der sie an den eigentlichen Besitzer und ihre Aufgabe erinnerte.

Aufruhr im Weinberg. Die Haushalter haben sich zum Eigentümer erklärt!

Und jetzt, am Ende der Geschichte, schickt der Eigentümer seinen geliebten Sohn. Der Sohn ist die große Einladung: nun kommt bitte zur Besinnung! Gebt Gott die Ehre! Bittet ihn um Vergebung! Fleht um Erbarmen und um Erneuerung euerer Beauftragung – ihr könnt jetzt die Gnade Gottes finden.

Aber es spitzt sich nur noch zu, was seinen tragischen Anfang genommen hat: die Verhärtung und Verrohung der Herzen derer, die Gott zu Repräsentanten seiner Güte und Barmherzigkeit gerufen hat, werden gegenüber der immer weiter wachsenden Güte und Geduld des Weinbergbesitzers noch verschlossener und rebellischer. Sie erkennen seinen Sohn und beschließen, das Kapitel „Wer ist Eigentümer des Weinbergs?“ ein für allemal zu beenden. Der Sohn muss weg – und deshalb werden sie ihn töten und aus dem Weinberg des Tempels werfen.

Gleichnisse, das haben wir schon gehört, sind Gerichtsworte. Durch die Gleichnisse soll etwas Entscheidendes wieder „gerichtet“, aufgerichtet und hergerichtet werden. Das Gleichnis Jesu ist eine letzte Einladung an die Schriftgelehrten und Pharisäer, zu Gott zurückzukommen – doch es wird letztlich nur zur Überführung der Schuld. Der Tempel stand in der Verantwortung des Hohen Rates – und seine Repräsentanten standen nun vor Jesus – und sie drehten ihm den Rücken zu und gingen weg, weil sie einen Entschluss gefasst hatten.

Nun könnten wir ja heute sagen: Tragische Geschichte – aber was geht das uns an?

2. Es geht um ein Menschsein, das durch Rebellion zerstört wird

Jesus ist mit einer klaren Botschaft zu uns gekommen: Gott will nun seine Herrschaft aufrichten. Deshalb wendet euch ihm zu und gebt euerem Leben eine neue Ausrichtung!

Wir Menschen leben nämlich nicht aus Versehen. Wir leben gewollt und wir leben mit einem Auftrag: Entfaltet euer Leben in der Liebe zu Gott und in der Liebe zu den Mitmenschen. Das ist der Wille Gottes über deinen Leben: „es ist dir gesagt Mensch, was gut ist und was der Herr von dir fordert, nämlich Gottes Wort halten, und Liebe üben, und demütig sein vor deinem Gott!“ (Micha 6,8)

Paulus sagt einmal den Leuten in einer Großstadtgemeinde, die meinten, dass sie leben konnten wie sie es wollten: „Ja wisst ihr nicht, dass euer Leib ein Tempel des Heiligen Geistes ist, der in euch ist, und den ihr von Gott habt, und dass ihr nicht euch selbst gehört? Denn ihr seid teuer erkauft; darum preist Gott mit euerem Leib!“ (1. Korinther 6, 19f.)

Das bedeutet, dass wir dazu leben, durch unser Leben die Liebe und Güte Gottes in dieser Welt zu dokumentieren. Wir leben nicht dazu, damit es uns gut geht. Wir leben dazu, dass es den Menschen in unserer Nähe gut geht!

Wie verhältst du dich nun angesichts dieser Wahrheit? Richte dieses Menschsein wieder her, indem du dich auf diesen Gott wieder neu einlässt – ihn bestimmen lässt.

3. Es geht um ein Menschsein mit Herz, das durch einen Eckstein wieder hergerichtet wird.

Man kann mit Jesus scheinbar verfahren wie man will – aber eines kann man nicht machen: ihn als Zierde in sein Leben einbauen. Jesus sagt: Ich bin wie ein Stein – entweder ein Stein des Anstoßes, oder ein Grundstein, der dir einen Neuaufbau deines Lebens ermöglicht. Jesus ist Anstoß oder Basis eines Neuaufbaus! Er ist das eine oder das andere – aber nie und nimmer ist er ein Zierstein für den Vorgarten deines Lebens. Denn er ist der Markstein Gottes, der die Besitzverhältnisse wieder zurecht rückt und klärt.

Man kann Jesus für nicht existent und tot erklären, man kann sagen, dass er nichts zu sagen hat, man kann ihm den Mund verbieten. Das geht. Aber man kann ihn nicht ins Leben lassen, damit es mit ihm noch angenehmer in die Richtung geht, in die man will. Ich kann Jesus nicht benützen! Das verweigert er. Er lässt es nicht zu. Er ist ein kantiger Stein, der nicht für unsere Lebenspläne zurechtzuschleifen ist.

Jesus möchte Eckstein in deinem Leben werden.

Die Zuhörer gingen damals zornig weg. Sie wollten Jesus aus ihrem Leben entfernen. Und du?

Amen!