Dienstag, 31. August 2010

18.07.2010 Wie Gemeinde ihre Relevanz (zurück-)gewinnt

Apostelgeschichte 2, 41-47
Predigt am 18. Juli 2010 in Lobetal

41 Die nun sein Wort annahmen, ließen sich taufen; und an diesem Tag wurden hinzugefügt dreitausend Menschen.
42 Sie blieben aber beständig in der Lehre der Apostel und in der Gemein-schaft und im Brotbrechen und im Gebet. 43 Es kam aber Furcht über alle Seelen und es geschahen auch viele Wunder und Zeichen durch die Apos-tel. 44 Alle aber, die gläubig geworden waren, waren beieinander und hat-ten alle Dinge gemeinsam. 45 Sie verkauften Güter und Habe und teilten sie aus unter alle, je nachdem es einer nötig hatte. 46 Und sie waren täg-lich einmütig beieinander im Tempel und brachen das Brot hin und her in den Häusern, hielten die Mahlzeiten mit Freude und lauterem Herzen 47 und lobten Gott und fanden Wohlwollen beim ganzen Volk. Der Herr aber fügte täglich zu der Gemeinde hinzu, die gerettet wurden.

Welch eine Zusammenfassung des Gemeindelebens der damaligen Zeit. Gottes Geist wirkt auf dieser Welt und er formt Gemeinden und Gemein-deleben.
Wie werden die Lobetaler im Jahr 2500 auf unser Gemeindeleben zu Be-ginn des 21. Jahrhunderts zurückschauen und es zusammenfassen? Viel-leicht: „Die nun die verkündigte Botschaft annahmen, beantragten eine Gemeindeaufnahme. So kamen an einem Sonntag im Jahr 2010 sogar 4 Personen auf einmal dazu. Sie blieben aber treu in den ERlebt Gottesdiensten, im Bibellesen, führten Glaubenskurse durch, kamen in Kleingruppen zusammen, besuchten sich ständig zum Geburtstag und feierten sogenannte „Grillfeste“. Es überkam aber großer Schrecken alle Nachbarn, wenn die Gemeinde eine Konfinight ankündigte oder wundersame Zeichen am Grundstück befestigt wurden.“

Was meint ihr – sollten wir das schon mal für die Nachwelt aufschreiben?
Die Frage, die mich in der Vorbereitung dieser Predigt beschäftigt hat, lau-tet: Haben wir diese Relevanz, von der unser Predigtwort aus der Apostel-geschichte Zeugnis gibt? Manifestiert sich die Gegenwart von Gottes Geist in unserem Leben auch durch jenes Profil? Sind das unsere Kennzeichen: „beständig bleiben… ehrfürchtig leben… abgeben und teilen… Gemein-schaft leben, und Hausgemeinschaft und freudige Tischgemeinschaft… Ist das die Folge: eine hohe Wertschätzung durch Nachbarn und distanzierten Menschen?

Liebe Geschwister: der lebendige Christus ist in unserer Mitte und durch uns wendet er sich den Menschen in unserer Umgebung zu. Wir haben Re-levanz um Christi willen! Weil Jesus lebt hat er einen wahrnehmbaren Leib – seine Gemeinde!
Jesus sendet seinen Heiligen Geist – und er zeichnet nun diese sichtbaren Spuren auf unsere Welt. Unser Wort aus der Apostelgeschichte ist weder ein Dokument vergangener Tage noch ein verloren gegan-genes Stück urchristliche Idylle. Unsere Worte beschreiben das, was Gottes Geist heute durch uns in unsere Stadt zeichnen möch-te. Wir brauchen seinem Geist nur Raum zu geben – alles andere wird er wirken!
Drei Bereiche möchte ich kurz aufgreifen, in die sich Gottes Geist leiden-schaftlich einbringt und auswirkt:

1.Gottes Geist Raum geben durch beständiges Verweilen in der Gemeinde
Das griechische Wort könnte man vielleicht am besten mit „sich fleißig be-schäftigen mit…“ übersetzen. Diejenigen, denen die Verkündigung von Je-sus Christus durchs Herz ging, haben sich Gott zugewendet – haben ihr Leben neu ausgerichtet. Ihr Leben hat ein neues Koordinatensys-tem erhalten. Das ist gekennzeichnet durch folgende Größen: A-postolische Lehre, Gemeinschaft, Brotbrechen und Gebet.
Vorher wurde ihr Leben durch andere Koordinaten bestimmt. Vielleicht war es: Arbeiten, Auto, guter Urlaub und schöner Garten – oder: mein Hobby, lange Schlafen am Sonntag, sich kulturelle Leckerbissen gönnen und eine blitzsaubere Wohnung. Aber jetzt ist alles anders. Jetzt suchen diese Menschen emsig die Gottesdienste auf, lesen die Bibel in Hausge-meinschaften, stärken sich durch das Abendmahl und verankern das Ge-bet in ihrem Leben.
Diese Bereiche überlassen Christen nicht dem Zufall. Gott hat ihnen sein Heil geschenkt – die Freude darüber wirkt sich aus. Freude und Leiden-schaft prägen das Leben.
Ob sie in diesen neuen Koordinaten leben, machen Christen nicht mehr abhängig vom Wohlergehen. Es glaubt sich scheinbar gut, wenn unser Christsein mit Gesundheit und Freude gepaart ist. Was aber, wenn das nicht mehr deckungsgleich ist? Was, wenn es plötzlich hart wird in unse-rem Leben? Was, wenn viele schmerzhafte Lebensumstände einstellen? Was, wenn sich kritische Situationen weiter zuspitzen und es dramatisch wird in unserem Leben?
Dann benötigen wir die Gemeinschaft um so mehr. Uns ist nicht lebens-langes Wohlergehen zugesagt, wohl aber lebenslange Treue durch unse-ren Gott. Und uns ist eindeutig zugesagt: Am Ende wird unser Vertrauen auf ihn belohnt, weil dieser Gott treu zu seinen Zusagen steht, die er ge-macht hat.
Unser Leben ist in einen grundsätzlich neuen und heilsamen Zusammen-hang gestellt worden. Über unserem Leben steht Gottes „Ja“ und unsere Zukunft gestaltet sich als ein prall gefülltes Leben in Gemeinschaft mit Gott und seinen Menschen. Unsere Versäumnisse klagen uns nicht mehr an. Die Vergangenheit ist wie ein stilles Meer.

Was für ein Geschenk: Wir leben im Heil Gottes. Doch es gibt Menschen, die hätten lieber Heilung. Aber Christus bringt Heil. Christus schenkt, dass wir frei werden von negativen Bindungen und Gott vertrauen schenken. Es ist schon erstaunlich: Die Menschen wollen lieber Heilung. In der Bibellese haben wir das in der letzten Woche gehört. Jesus sagt zu dem Menschen, der ihn bat, seinem Sohn zu helfen: „Wenn ihr nicht Zeichen und Wunder seht, so glaubt ihr nicht.“ (Johannes 5, 48). Oder schauen wir auf die Ge-schichte, in der 4 Freunde einen Menschen zu Jesus bringen, der durch die Gicht gelähmt war. Es heißt: „Als Jesus das Vertrauen sah, das sie in ihn hatten, sprach er zu dem Gelähmten: Mein Sohn, deine Sünden sind dir vergeben!“ Jesus nimmt diesen Menschen an. Mein Sohn – nichts steht mehr zwischen Gott und dir. Nichts trennt dich mehr vom lebendigen Gott. Alles, was gegen dich spricht, nehme ich weg!
Und dann heißt es: „Als er ihre Gedanken erkannte – sie waren empört, dass er Schuld vergibt – sprach er: Damit ihr aber wisst, dass der Men-schen Sohn Vollmacht hat, Sünden zu vergeben auf Erden – spricht er zum Gelähmten: steh auf, nimm dein Bett und geh umher!“ Heilungen sind nur „Zeichen“ von Jesu Macht. Das Wesentliche ist, dass wir nun mit diesem Herrn leben. Er ist bei uns! Unser deutsches Wort „leben“ kommt aus dem gleichen Wortstamm wie „kleben“. Am Leben kleben ja Dinge, die man nicht abwaschen kann. Die Bibel sagt: da kleben Sünde und Tod dran. Doch Christus hat uns von diesen Bindungen erlöst und jetzt klebt er an uns. Und Leben! Und Liebe! Und Vertrauen! Und Hoffnung!
So halten wir uns fleißig zu den Gottesdiensten. Wenn wir viel zu tun ha-ben, achten wir noch genauer auf die Zeit für Gottes Wort und das Zu-sammensein mit denen,

2. Herzliches Teilen
Es heißt: sie verkauften Güter und Habe und teilten den Ertrag unter die, welche Mangel litten. Tja – was soll man von diesem „urgemeindlichen Kommunismus“ – so formulierte ein Theologe diese Haltung – halten? Ist das nicht zu abgefahren?
Aber nein. Das ist ganz normal. Wer seinem Leben eine neue Rich-tung gibt, der erfährt bald auch eine neue Haltung gegenüber an-deren Dingen. Christen sind Herren ihres Besitzes – nicht Sklaven. Weil nun Gottes Liebe durch Gottes Geist in unser Leben kommt, wird die-se Liebe uns mehr und mehr verändern. Das mag wachsen. Aber das hat begonnen und wirkt sich aus.
Weil wir von den guten Gaben unseres Gottes leben, schenken wir ande-ren von dem, was wir haben. Nicht die Besitzlosigkeit ist das Ziel - sondern der Überfluss ist die Ursache. Wir haben einfach zuviel. Wir sehen uns plötzlich als reiche Menschen. Wir sind reich an Zeit und Kraft. Wir sind reich an Erfahrungen und Kenntnissen. Wir sind reich an Geld und Gut. Wir sind reich an Liebe und Wertschätzung. Und so geben wir gerne.

Eine Welt, in die der Geist Gottes hineinkommt und Menschen prägt, wird auch an einigen Stellen verändert werden.
Wir können nicht die Not der Welt lindern und nicht jedem helfen, der um Hilfe bittet. Aber wir können Zeichen der Liebe Gottes setzen. Wir können deutlich machen, dass wir gerne teilen und austeilen, denn Gott teilt sein Leben mit uns.

3. Durch ein gemeinsames Sich-Stark-Essen
Mahlzeiten prägen nun das Leben. Wenn wir mit Menschen zu Tisch sitzen, dann lernen wir sie kennen. Hier erfährt man, wer der andere ist. Hier entdeckt man, was den andern bewegt. Wer zusammen ist, der wird auch mit der Zeit vertraut.
Von Jesus wird berichtet, dass er immer wieder mit Menschen zusammen war und mit ihnen aß. Er feierte Barbecue mit 5000 Burschen und deren Anhang. Er aß mit wohlhabenden Außenseitern und mit Freunden. Er ge-währt Tischgemeinschaft. Er möchte uns stärken und ermutigen. Er möch-te uns sättigen und erfüllen. „Sie brachen das Brot hier und dort in den Häusern und hielten die Mahlzeiten mit Freude!“ Grillfeste sind in! Mitar-beiteressen! Jeden Sonntag gibt’s hier lecker Kuchen und Keks und am Abendmahlssonntag ein geniales Mittagessen.
Wir bringen Menschen wohl kaum in unsere Bibelstunde. Aber es könnte gelingen, dass wir sie an unseren Tisch holen! Gemeinschaft entsteht um den Tisch. Hier bekommt man Gutes zu essen. Hier wird Hunger nach Le-ben und Anerkennung gestillt.
Wir haben ja heute eine Hochkonjunktur des Kochens. Promidinners ste-hen hoch im Kurs und Fernsehköche zeigen ständig neue Finessen. Essen muss zum Event werden. Tim Mälzer, Ralf Zacherl, Johann Lafer, Jamie Oliver, Sarah Wiener, Horst Lichter – und wie sie alle heißen. Man kann sich für ein Essen auch so viel Arbeit machen, dass man anschließend ka-putt umfällt und eine längere Regenerationsphase benötigt.
Ach - apropos essen: Warum können Adam und Eva keine Chinesen ge-wesen sein? Na, weil sie sonst nicht die Frucht gegessen hätten, sondern die Schlage.

Man kann Essen einfach und herzlich gestalten. Man braucht nicht viel – nur ein offenes Herz! Oder noch besser: ein erfülltes Herz.

Dieses Wort markiert also den Beginn von Willow-Creek. Bill Hybels mach-te an diesem Wort von Apostelgeschichte 2, 41ff. seine Entdeckung und fasste das Erkannte in dem Satz zusammen: „Die Ortsgemeinde ist die Hoffnung für die Welt.“ Jesus sagt: „Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen!“ Darin liegt die Relevanz der Gemeinde.
Amen