Dienstag, 31. August 2010

25.04.2010 Das Geheimnis echter Gemeinschaft

1. Johannes 5, 1-4
Gottesdienst am 25. April 2010 Lobetal

1 Wer glaubt, dass Jesus der Christus ist, der ist von Gott geboren; und wer den liebt, der ihn geboren hat, der liebt auch den, der von ihm geboren ist. 2 Daran erkennen wir, dass wir Gottes Kinder lieben, wenn wir Gott lieben und seine Gebote halten. 3 Denn das ist die Liebe zu Gott, dass wir seine Gebote halten; und seine Gebote sind nicht schwer. 4 Denn alles, was von Gott geboren ist, ü-berwindet die Welt; und der Glaube ist der Sieg, der die Welt überwunden hat.

Heute ist der Sonntag „Jubilate“. Doch es gibt Spieltage, nach denen ist das Jubeln ausgeschlossen. Es müsste heute schon ein Schwabe predigen, Torsten zum Beispiel, um jubelnde Klänge ertönen zu lassen. Aber nun predigt ein Franke hier. Die haben nach einem „schwarz-gelben“ Besuch auch keinen Grund zum singen. Noch schlimmer haben es momentan nur die Griechen. Bei denen ist es nur schwarz – über etwas gelb würden die sich freuen. Um den drohenden Bankrott zu entgehen, benötigen sie kurz-fristig 45 Milliarden Euro – 30 Milliarden von Europa – fast 7 Milliarden von Deutschland.
Wie ist das mit dem Grund zum Jubeln bei uns? Wie sieht es aus mit unseren Siegen? Mir geht es angesichts meiner Gegner so, wie der Ein-tracht Waltrop im Kreisliga B-Ost Spiel gegen TuS Haltern II. Der Trainer von Waltrop bat in der 66. Minute den Schiedsrichter: „Bitte brechen sie das Spiel ab. Der Gegner ist zu überlegen“. Gerade war das 0:13 gefallen und dem Trainer kamen die Tränen. Hoffnungslos überfordert!

Befindet man sich als Christen heute nicht eher in der Defensive. Glaube hat zur Zeit keine gute Presse. Überall wird mobil gemacht gegen Kirche und ihre Repräsentanten. Margot Käsmann wurde aus ihrem Amt beblitzt und Bischof Walter Mixa hat sich selbst hinausgewatscht. Die Ge-sellschaft bläst zum Angriff auf die „weißen Westen“ der Christen. Wie ist das überhaupt mit den „weißen Westen“? Haben Christen überhaupt so etwas? Oder zeichnet sie etwas ganz anderes aus?

Was macht einen Christen zum Christen? Unser Wort sagt: Eine Geburt. Der Glaube an Jesus Christus ist ein Indiz, dass man Christ ist, dass man Kind Gottes ist, neu geboren ist und mit Gott Gemeinschaft hat. Christ wird man durch eine Geburt und einen Christen zeichnet ei-ne starke Gemeinschaft aus!

1. Gemeinschaft durch neue Geburt
Warum ist Gemeinschaft mit Gott so wichtig? Weil Gott das Leben ist. Gott ist die Liebe. Gott ist alles, wonach sich der Mensch sehnt. Gott hat seine Menschen nie aufgegeben.

Nun sagt die Bibel nicht, dass der Mensch durch seine Sehnsucht die Ge-meinschaft mit Gott sucht und zum Glauben an Jesus kommt. Man wird nicht Christ durch Glück, oder durch die richtigen Eltern, auch nicht durch eigene Anstrengungen oder durch Bildung.
Christ wird man auf Grund einer Geburt. Kinder sind bei ihrer Geburt nicht beteiligt. Sie sind ganz und gar passiv – sie sind Ergebnis einer Lie-besentscheidung. Man wird nicht aus Versehen geboren – Gott sehnt sich nach seinen Menschen. Gott sucht seine Menschen durch Jesus. Gott sucht seine Menschen durch die Gemeinde Jesu.
Überall, wo diese Gemeinde etwas von der Liebe Gottes in diesen Jesus Christus bezeugt – bezeugt heißt: das habe ich erfahren – kann sich so eine neue Geburt ereignen. Plötzlich hat man einen Gott, der einen liebt.

Die frohe Botschaft von einem Gott, der mich liebt ist immer ge-paart mit dem Anspruch: gib mir dein Herz! Stell dich nun auch in ein Leben, das durch meine Gegenwart und meinen Willen geprägt wird.
Evangelium = Herrschaftswechsel!
Ich bestimme nicht mehr über mein Leben, weil ich die Überzeugung ha-be: Gott kennt mich viel besser und er will mein Leben entfalten, meine Gaben nützen, mein Herz schützen und meinem Leben Sinn verleihen. Mein „Bestimmer“ ist dieser Jesus!
Christ wird man nicht auf Grund von weißen Westen. Christ wird man nicht durch ein Leben, mit dem man sich empfiehlt. Christ wird man durch Geburt – durch den Willen Gottes. Wer Christ ist, der bekennt Jesus Christus. Christus heißt Messias – Gott, der anwesend ist, der mich befreit hat zu einem leben in guter Gemeinschaft und der nun mein Leben prägt.

So – und wie wirkt sich das dann aus? Wenn so ein „Wiedergeborener“ nun den Leuten begegnet, die ihn gestern getroffen haben, vor der Wie-dergeburt – was merken die?

- Geprägt durch die Eltern – durch einen liebenden Vater im Himmel
- Geprägt durch das Wesen und Erbe – durch den Heiligen Geist
- Freude in Gemeinschaft – durch Brüder und Schwestern dieses Got-tes

Nicht „weiße Westen“ und Heiligenschein prägen Christen, sondern eine neue Lebenskompetenz. Eine neue Lebenskraft: die Liebe Gottes.
Die Liebe Gottes ist kein Gefühl – Liebe ist eine Kraft, Liebe handelt. Liebe wirkt. Liebe heilt. Liebe stärkt. Liebe korrigiert. Liebe ermutigt. Liebe er-mahnt. Liebe erfreut. Was auch immer – Liebe ist eine treibende Kraft, dass sich der andere Mensch in der Richtung entfaltet, wie er von Gott ge-dacht und geschaffen wurde.
Christen leben in der Liebe, die Gott ihnen immer wieder neu schenkt. Christen leben miteinander, helfen einander, korrigieren einander – sie leben „Gemeinschaft“. Christen werden aus dieser Gemeinschaft immer wieder in die Welt gesandt, um diese Liebe weiterzugeben. Wie „Schaft mitten unter Wölfe“, so sendet Jesus seine Leute.

2. Wie bewährt sich nun diese neue Gemeinschaft in dieser Welt?
Die Gemeinschaft der Christen ist in dieser Welt umkämpft. In dieser Welt gibt es Mächte und Kräfte, die zerstören, die verführen, die anklagen und überführen, die stolz machen, die krank machen – Mächte, die alles dran-setzen, dass wir von diesem Jesus Christus isoliert werden. Diese Mächte wollen Gemeinschaft zerstören.
Wie also behaupten wir uns gegen diese Mächte? Unser Wort sagt: siegreich! Aber dieses Wort macht sofort deutlich, dass nicht wir über diese Mächte siegen – diese Mächte sind besiegt in diesem Jesus Christus. Er hat die Mächte entkleidet – er hat ihnen das Herr-schaftsgewand ausgezogen. An seiner Liebe sind alle Mächte zerbrochen. Sie haben gegen diese Liebe den kürzeren gezogen. Sie haben sich an der Liebe Gottes die Zähne ausgebissen. Sogar der Tot hat sich an der Liebe Gottes tödlich verschluckt. Wir siegen, indem wir ihn durch uns siegen las-sen! Wir geben ihm Raum in unserem Leben – immer mehr!

Die Strategien dieser Welt:
1. Sie zerrt uns immer wieder in das Waffenarsenal unserer Persönlich-keit: der hat dich verletzt – zahl es ihm heim und wehr dich – willst du dir das gefallen lassen! Ja – Vater vergib ihnen!
2. Sie zerrt uns immer wieder vor den Spiegel: sieh dich an! Was willst du sein? Christ? Du bist ein Looser! Nein, ich bin Gottes Kind!
3. Sie zerrt uns immer wieder auf den Olymp: siehst du all diese Dinge – ich will dir alles geben, wenn du mich anbetest. Jesus: Du sollst Gott allein anbeten! Ihm verdanken wir alles. Er ist zu ehren. Bei-spiel: Sabine Ball, die in Dresden eine erstaunliche Arbeit für Kinder und Jugendliche aufgebaut hat, sollte des Bundesverdienstkreuz empfangen. Sie lehnte es ab mit den Worten: „Was soll ich damit; es ist nicht mein Verdienst, sondern Gottes Gnade.“
4. Sie zerrt uns immer wieder weg von Gott zu den Angeboten für un-sere Sehnsüchte: du kannst dich hier bedienen und dir sofort wohl tun – ich habe jetzt Mangel – ja; aber ich weiß, dass Gott mir gibt was ich benötige und ich habe im Moment wichtiges zu tun.
5. Sie zerrt uns immer wieder ins Tribunal über den Bruder: kommst du nicht auch zu dem Ergebnis, dass der unter aller Kanone ist… - ich habe keinen Grund, Steine zu werfen.

Ein Leben als Christ ist spannend. Wir leben in Spannungen. Die Welt, die gegen Gott rebelliert ist nicht nur außerhalb von uns – sie ist auch in uns. So sind wir wie neugeborene Kinder ganz von unseren himmlischen Vater geliebt und ganz herausgefordert, uns in dieser Welt als seine Kinder zu bewähren. Wir sollen unser Leben steuern und bewusst gestalten. Herz ist das wesentliche Organ der Lebensfüh-rung = Wille, Verstand, Geist. Wir sollen es aus der Liebe Gottes gestalten.

Es gehört wesensartig zum Christsein, dass man sich dem Menschen hel-fend und stärkend zuwendet, dass man sich engagiert. Man könnte als Christ ja auch sagen: Ich muss nun mehr und mehr von der Liebe Gottes durchdrungen werden und ich muss versuchen, in die Sphäre des Voll-kommenen zu gelangen.
Aber die Liebe Gottes lässt sich nur auf dem Übungsplatz des All-tags handhaben – hier hilft sie mir und hier prägt sie mich!

Wir werden immer in der Spannung stehen, dass wir in unserer Persön-lichkeit noch viele „alte Lebensäußerungen“ zur Schau tragen und doch von Gott her als seine Kinder geliebt und gerettet sind und über uns das „Du bist mein geliebter Sohn!“ steht. Diese Spannung ertragen wir im Licht der Liebe Gottes. Wir können zu unserem Wesen stehen, an unserem Wesen leiden und unserem Wesen immer wieder auch den Kampf ansagen, indem wir uns liebend den Menschen zuwen-den. Wir können unserem Herz sagen, wenn es uns verklagt: Gott ist größer! Ja, ich habe keine „weiße Weste“ – aber „Jesus ist meine weiße Weste!“

Wir feiern heute den Sonntag „Jubilate“. Wir haben allen Grund zu feiern, denn wir leben in der Liebe Gottes. Das Geheimnis echter Gemein-schaft ist die Liebe Gottes. Er wendet sich uns in seiner Liebe zu. Er schaut auf uns – nicht kritisch, sondern herzlich und liebevoll.

Amen

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