Mittwoch, 13. Oktober 2010

05.09.2010 Ein Geist, der gewiss macht

Predigt in Lobetal am 5. Sept. 2010
Römer 8, 14-17

„14 Wenn welche der Geist Gottes treibt, die sind Gottes Kinder. 15 Denn ihr habt nicht ei-nen knechtischen Geist empfangen, dass ihr euch abermals fürchten müsstet; sondern ihr habt einen kindlichen Geist empfangen, durch den wir rufen: Abba, lieber Vater! 16 Der Geist gibt Zeugnis unserm Geist, dass wir Gottes Kinder sind. 17 Sind wir aber Kinder, so sind wir auch Erben, nämlich Gottes Erben und Miterben Christen, wenn wir denn mit ihm leiden, damit wir auch zur Herrlichkeit erhoben werden.“

Heute geht es um Gewissheit. Gestern vor einer Woche haben Tesia und Phi-lipp geheiratet, denn sie haben Gewissheit darüber bekommen, was der andere für einen bedeutet. So kam jeder zu der Überzeugung: „mit diesem Einen will ich mein Leben teilen, ihn lieben und mit ihm alt werden.“
Heute haben wir eine Taufe gefeiert. Kim hat Gewissheit darüber gewonnen, was dieser Jesus Christus für sie bedeutet. Und nun will sie ohne diesen Jesus nicht mehr leben. Es kommen schöne Dinge in deinem Leben, Kim, und du wirst viel Grund haben, Jesus zu danken; es kommen aber auch schwierige Zeiten in deinem Leben – und er wird dich begleiten und durchtragen – und er hat dich ja in eine Gemeinde gestellt, in der man dich auf Händen trägt (oder so ähnlich ;-))
Gewissheit – gewiss bedeutet, dass man etwas sicher weiß und kennt. So will sich Gott uns Menschen zeigen: ich bin zuverlässig und treu! So werdet ihr mich immer erfahren – darauf könnt ihr euch verlassen. „Ich bin der ich bin“, so übersetzt Luther den Namen Gottes im Alten Testament. „Ich bin der ich bin“ – in dem Wesenszug seiner Treue und Güte bleibt Gott wie er ist. Darauf kannst du dich verlassen – auch in schweren Zeiten. Gewissheit bedeutet: durch dieses Leben musst du nicht alleine gehen – da ist einer dabei, da geht jemand mit, da hat einer die Verantwortung übernommen, dass du am Ende Grund zur Freude hat.

Gott will, dass wir gewiss sein können, wie er zu uns steht. Er will uns nämlich deutlich machen, dass er unser liebender Vater ist und wir seine Kinder. Er will uns das ins Herz schreiben, dass er mit uns eine Einheit ist. Er will, dass es uns einleuchtet, dass er uns liebt und alles für uns wirkt, damit unser Leben gelingt – darum geht es doch: Unser Leben soll gelingen!
Warum brauchen wir diese Gewissheit? Weil wir selbst untreu sind und immer wieder gegen Gott leben – an ihm vorbei leben. Da muss man wissen: steht er dennoch zu mir, obwohl er weiß, wie ich bin. Und es gilt: Er ist treu – sind wir es auch nicht. Wir sollen immer wieder zu ihm kommen, auch nachdem wir ei-gentlich die Beziehung mit ihm vorher zerbrochen hatten und so gelebt haben, als gäbe es ihn nicht. Wir sollen zu ihm kommen und wir sollen wissen: Wir bleiben dennoch seine Kinder und er unser liebender Vater.

Die Bibel berichtet immer wieder davon, wie Menschen in der Gemeinschaft mit Gott heil werden, gesund werden, stark werden, Bedeutung gewinnen, ihre Gaben entfalten.
Viele Menschen meinen, dass sie alleine stark sind und dazu Gott nicht brau-chen. Gott hat sich ja entschieden, keinen Menschen zu seinem Glück zu zwin-gen – seine Menschen aber immer wieder zu sich einzuladen, dass sie zu ihm kommen. Leider kommen viele erst dann, wenn alles andere nichts mehr bringt und sie sich in eine aussichtslose Lage gelebt haben. Manchmal liegt in so einer ausweglosen Situation die Chance, dass man an anderer Stelle nach Hilfe sucht. Mancher kehrt in der Not um und entdeckt, dass Gott nicht weit weg ist – er ist da, er war da – immer. Der Mensch hat Gott nur nicht wahrgenommen.
Gott liebt seinen Menschen – egal, wann er kommt, egal, wie er kommt – Hauptsache er kommt! Hauptsache, der Mensch gibt Gott eine Chance, ihm zu begegnen. Und Gott begegnen bedeutet Leben! In der Begegnung mit Gott steckt Leben – Leben für uns!

Was in dieser Begegnung Gottes mit einem Menschen für Chancen stecken, möchte ich durch eine ungewöhnliche Tiergeschichte verdeutlichen. An Weih-nachten 2002 wurde ein kleiner Hund geboren – ihm fehlten aber die Vorder-pfoten. Er hatte nur Hinterbeine. Sein Besitzer hat gesagt: „für ihn ist es das beste, dass er geht“ – meint: dass er nicht weiterlebt.
Aber Jude Springfellow sah ihn und gewann ihn sofort lieb. Sie nahm ihn mit. Sie nannte ihn „Faith“ (Glaube). Sie setzte Faith auf ein Surfboard, um ihm Be-wegung zu zeigen. Später versuchte sie ihn zum Aufspringen und Umhergehen zu bewegen. Sie köderte ihn mit einem Löffel Erdnussbutter als Belohnung. Und nach einem halben Jahr steter Übung lernte er, auf seinen Hinterbeinen zu balancieren und später sogar sich fortzubewegen. Das ist Faith heute:



Er folgt seinem Frauchen überall hin, macht Menschen froh, kann mehr als an-dere Hunde und ist einfach ein glückliches Tier.



Was hat Jude nicht alles in Faith investiert: Zeit, Kraft, Liebe, Erdnussbutter… Wie viel mehr investiert Gott in dich, damit dein Leben zur Entfaltung und du zu einem erfüllten Leben kommst!

Unser Wort sagt: Gott will dich gewiss machen. Du sollst wissen, dass er für dich da ist und in allen Bereichen für dich ist. Er kann aus deinem Leben etwas machen, egal was vorher gelaufen ist und egal, wie du bist. Und wenn alle sa-gen würden: „aus dem wird nie etwas!“ – Gott kann dennoch aus dir was ma-chen!

Gott ist Vater – nicht Automat und nicht Diener. Vater bedeutet „Haupt der Familie, Herr – aber auch die Wurzel von „schützen“ und „hüten“. Gott ist ein Herr, der dient und doch nie zum Diener wird. Er bleibt darin Herr. Vertraue auf seine Gegenwart – setze auf ihn. Setze nicht auf deine Strategien – setze auf seine. Lass dich auf das ein, was er dir sagt und wozu sein Wort dich einlädt – lebe nicht mehr dagegen! Faith hat sich auch eingelassen auf das, was seine Jude gesagt hat.

Mir scheint, dass wir in einer Zeit leben, in der viele Kraft und Hilfe benötigen – aber man will sie nicht von einem Gott, der zu einem eine persönliche Bezie-hung wie ein Vater hat. So einen Gott sucht man sich nicht. Man kommt gar nicht auf den Gedanken, einen „Vater“ zu suchen. Man möchte eine Macht, die zur Verfügung steht. Man wünscht sich eine Kraft, die einfach immer den Tank füllt. Man sehnt sich nach aufregenden Grenzerfahrungen. Man wünscht sich jemand, der endlich einmal auf das hört was man sagt und der vielleicht einen guten Rat gibt. Aber einen „Vater“ sucht man nicht – da reicht ja in der Regel der, den man hat. Man will keinen, in dessen Verantwortung man sich begibt. Man will unabhängig bleichen.
Wir Menschen suchen Psychologen. Mit denen kann man reden. „Ich habe ei-nen, der mir zuhört!“ war die Auskunft einer Frau auf die Frage, warum sie psy-chologische Begleitung so schätzt.
Menschen gehen zu Sehern. Heute morgen wurde im WDR eine Seherin vorge-stellt und interviewt. Auf die Frage, wie sie sich den enormen Ansturm von Hil-fesuchenden erklären könne, sagte sie: „die Menschen haben nichts Verlässli-ches mehr, sie sind verunsichert und haben keine Gewissheit. Sie kommen sich angesichts einer Zukunft, die sie nicht kennen, einfach überfordert vor.“
Viele suchen sich einen Ersatz. Sie finden im Internet eine bizarre und aufre-gende Welt – hier suchen sie und finden viele Türen und Kontakte. Aber sie fin-den keine Gemeinschaft. Sie finden spannende Ablenkung aber keinen, der hilft, dass das Leben gelingt – im Gegenteil: es verkümmert immer mehr.

Unser Schriftwort sagt, dass nicht wir Menschen diesen Gott suchen. Die Schrift sagt auch, dass Gott seine Menschen sucht. Und denen, die er gefunden hat, denen schenkt er seinen Heiligen Geist. Dieser Heilige Geist treibt uns. Er führt und leitet uns. Er weiß, wie wohltuend es ist, vor Gott zu sein und ihm zu be-gegnen. In dieser Beziehung steckt das Leben! Und so nimmt er uns immer wie-der in seine Beziehung mit dem Vater mit, denn der Geist ist EINS mit dem Va-ter – wie auch mit dem Sohn.

Gottes Geist holt uns aus der Beziehungslosigkeit immer wieder heraus und nimmt uns mit zu seinem Vater – und nimmt uns mit in dessen Gemeinde!
Das ist das Geheimnis des Glaubens, dass wir einen Gott haben, den man be-gegnen, mit dem man reden, dem man zuhören und auf den man sich einlassen sollte. Dazu sind wir Menschen geschaffen. Wir sind Beziehungswesen. Und in der Beziehung zu Gott schenkt er uns Anteil an sich selbst. Das ist heilsam für unser Leben.

Beziehung – das bezeichnet das Miteinander von zwei Partnern. Ihr habt keinen Geist erhalten, der euch versklavt. Ihr wurdet nicht entmündigt. Ihr werdet nicht unter Druck gesetzt. Nein – Gott nimmt Angst und er gibt uns Anteil an sich selbst. Und Gottes Geist zeigt uns, dass wir Kinder Gottes sind – nicht Knechte, nicht Arbeitnehmer, nicht Bittsteller!
Deshalb hebt Paulus immer hervor, dass wir als Kinder Gottes „Erben“ Gottes sind. Gott gibt uns Anteil an sich. Er schenkt seinen Geist. Gottes Geist – scha-de, dass uns Menschen das sowenig sagt. Geist - das ist die Anwesenheit die-ses Gottes. Hier geht es nicht um Gespenster sondern um Realität – denn die-ser Geist hilft uns auch, beim Bewältigen unserer Realität. In ihm wird Gottes Liebe wirksam, wirksam wie bei Faith die Liebe von Jude.

Gottes Geist uns immer wieder zu Gott zu kommen. Gottes macht uns gewiss!
Gottes Geist drängt uns als Menschen zu leben, die in der Gemeinschaft mit Gott geborgen sind. Er nimmt uns die Ungewissheit. Er nimmt die Einsamkeit, in der wir uns überfordert fühlten. Er zeigt wie es weiter geht, wenn wir am Ende sind. Er sagt mit: Hey, du bist dazu da, geliebt zu werden.
Gott macht gewiss.
Amen

15.08.2010 Abschied von Illusionen

Gottesdienst in Lobetal
15. August 2010
Epheser 2, 4 – 10

4 Aber Gott, der reich ist an Barmherzigkeit, hat in seiner großen Liebe, mit der er uns geliebt hat,
5 auch uns, die wir tot waren in den Sünden, mit Christus lebendig gemacht – aus Gnaden seid ihr selig geworden - ;
6 und er hat uns mit auferweckt und mit eingesetzt im Himmel in Christus Jesus,
7 damit er in den kommenden Zeiten erzeige den überschwänglichen Reichtum sei-ner Gnade durch seine Güte gegen uns in Christus Jesus.
8 Denn aus Gnade seid ihr selig geworden durch Glauben, und das nicht aus euch; Gottes Gabe ist es,
9 nicht aus Werken, damit sich nicht jemand rühme.
10 Denn wir sind sein Werk, geschaffen in Christus Jesus zu guten Werken, die Gott zuvor bereitet hat, dass wir darin wandeln sollen

Es gibt Abschiede von Illusionen, die unerlässlich sind. Viele meinen, zu wenig Geld ist das Grundproblem in ihrem Leben. Aber einmal ehrlich: Die eigentlichen Probleme sind keine Geldprobleme!
Auch die Meinung, dass „jetzt alles aus ist“ ist eine Illusion. Denn wir le-ben nicht alleine. Wir haben Freunde und manchmal kommt unverhofft eine Wende. So ging es Anfang August einer Familie aus dem Bundesstaat New York. Sie war hoch verschuldet und musste ihr Hausräumen. Es ging ihnen schlecht damit, aber was half es. So räumten sie ihr Haus. Als sie altes Zeug aus dem Keller als Tageslicht brachten, fanden sie ein Comic. Nach Angaben von „ABC“ fand die Familie das „Action Comic“ Nr 1. Es handelt sich um das Heft, in dem zu ersten Mal „Superman“ in seiner heu-tigen Form erschien. Es gilt als das teuerste Comic der Welt. 1938 war es für 10 Cent gekauft worden. Heute bringt es über eine Million Dollar. (dpa)
Die Familie räumt jetzt wieder ein.
Es gibt auch notwendige Abschiede von Illusionen, in denen Christen le-ben. Paulus ermutigt uns von drei Illusionen zu trennen:

Illusion 1: „Der Mensch hat einen freien Willen, durch den er sich für oder gegen Gott entscheiden kann“
Unser Wort sagt: Vor Gott ist jeder Mensch, der nicht glaubt, entschei-dungsunfähig, wie ein Toter. Er bedarf erst einer „Totenauferweckung“ durch die Kraft und Barmherzigkeit Gottes.
Da gibt es Christen, die vom „freien Willen“ reden und darauf verweisen, dass sich der Mensch für das „Gute“, für Gott, entscheiden kann. Die Aus-sage „Ich habe mich bekehrt“, beschreibt diese Haltung. Man will sagen, dass es eben auf den Willen des Menschen ankommt, wenn es darum geht, ob man an Jesus glaubt oder nicht. Der Mensch muss nur wollen.

Nun sagt unser Predigtwort: „Aber Gott, der reich ist an Barmherzigkeit, hat in seiner großen Liebe, mit der er uns geliebt hat, auch uns, die wir tot waren in den Sünden, mit Christus lebendig gemacht – aus Gnaden seid ihr selig geworden…“
Zum Glaubenkommen ist wie eine Totenauferweckung. Paulus zeigt uns, dass ein Mensch, der nicht an Gott glaubt, nicht einer kleinen Korrektur bedarf, nachdem er sich über die Vorzüge des Glaubens einen Überblick geschaffen hat. Es geht beim Glauben nicht um den Kauf eines „besseren Kleidungsstückes“, in dem man sich wohler fühlen kann. Es geht nicht um das Abwägen von Vor- und Nachteilen.
Paulus sagt: Zum Glauben kommen ist ein Schöpfungsakt Gottes. Das ist wie bei einer Totenauferweckung. Ein Toter ist bei einem solchen Akt rela-tiv unbeteiligt. Er hilft nicht mit. Er kommt Gott nicht entgegen, indem er schon mal zu zucken beginnt. Er ist tot. Der Wortstamm ist verwandt mit dem Wortstamm „Dunst“ – wenn etwas verdunstet ist, dann ist es weg. Ein Wadi ist ein ausgetrockneter Fluss. Alles verdunstet. Da muss erst je-mand das Wasser wieder aufdrehen, sonst kommt nichts Nasses mehr in das Flussbett.

Gott erweckt also den Menschen zum Glauben, wie er am Ostermorgen Christus ins Leben erweckt hat. Damals gab es keine Zuschauer. Auferwe-ckung bleibt ein Geheimnis. Das „Wie“ der Auferweckung ist uns verbor-gen. Somit ist das „Zum Glauben Kommen“ auch ein Geheimnis. Gott schenkt das. Gott wirkt das. Warum bei dem einen und nicht beim andern – ich weiß es nicht. Aber weil er es wirkt, ist beim andern eben noch nicht aller Tage Abend! Weil Gott Glauben schenkt, ist immer noch Hoff-nung da.
Weil Gott Glauben schenkt, müssen wir Menschen nicht bedrängen oder bedrohen – wir sollen nur unseren Glauben bekennen. Dazu sind wir in dieser Stadt an dieser Stelle eine Gemeinde, damit wir unseren Glauben nicht verstecken, sondern bekennen. Und dieses Bekenntnis nutzt Gott, im Menschen zu erleuchten, zu erwecken, zu bekehren – kurz: Um Menschen dafür die Augen zu öffnen, dass sie in diesem Jesus Christus seine Liebe und Freundlichkeit, seine Güte und Treue erkennen – ihn als liebenden Vater im Himmel wahrzunehmen. Nun geht aber unser Wort noch weiter:

Illusion 2 „Am Ende des Lebens entscheidet sich, ob man in den Himmel kommt.“
Wer wie Christus erweckt wurde, in Gott seinen liebenden Vater wahr-nimmt und in Jesus seinen Herrn erkennt, der ihn von den Lebenszerstö-renden Mächten befreit hat, der ist mit Christus in den Himmel versetzt. Wir sind im Himmel, wenn wir an Jesus glauben. Er hat uns mit in den Le-bensraum Gottes genommen. Wir leben bei Gott – Himmel beschreibt den unsichtbaren Lebensraum Gottes und nicht das Firmament über den Wol-ken. Paulus sagt hier allen Ernstes: Ihr seid im Himmel!
Es gibt ja Christen, die immer noch ängstlich sind und denken: hoffentlich schaffe ich das in den Himmel. Paulus sagt – Jesus hat das schon ge-schafft! Wir Christen leben nicht hoffnungslos allein auf dieser Erde und in diesem riesigen Weltall – wir leben an der Seite Gottes und „in Christus“. Vorher getrennt – jetzt vereint. Vorher wie tot, jetzt voll lebendig. Vorher in Angst und Sorge. Jetzt in Zuversicht und Geborgenheit.

Gottes Heilsgeschichte mit seinen Menschen kommt eben zur Erfüllung. Er hat sie als Gegenüber erschaffen – durch Christus finden sie wieder heim zu ihm. Jetzt kann er sich seinen Geschöpfen wieder in seiner Lieben und Güte zuwenden – so will er doch unser Gott sein! Paulus beschreibt das Ziel der Auferweckung zum Glauben damit, dass er sagt „…er hat uns mit ihm auferweckt und mit eingesetzt im Himmel in Christus Jesus, damit er in den kommenden Zeiten erzeige den überschwänglichen Reichtum seiner Gnade durch seine Güte gegen uns in Christus Jesus…“ Gott will uns jeden Tag seine Gnade durch seine Güte erweisen. Gott möchte uns jeden Tag durch seine Güte erfüllen und froh machen.
Luther hat zu dieser Stelle gesagt: „…Es ist noch um den linken Schenkel zu tun, um den alten Sack; Im Übrigen ist schon mehr als die Hälfte im Jüngsten Tag…“
Wir sehen es noch nicht, aber wir leben bereits am Herzen Gottes. Unser Heil ist nicht mehr in der Schwebe, sondern in Christus fest bei Gott ver-ankert und über uns ausgesprochen und uns zugesprochen.

Illusion 3 „Christsein ist anstrengend“
Viele meinen, Christsein ist anstrengend und man müsse nun viel Bibel lesen und ständig beten, in der Gemeinde mitarbeiten und zu den Men-schen irgendwie nett sein. Sie halten das Christsein für einen neuen Auf-guss der alten Gesetzesreligion.
Zum Glaubenkommen führt in ein Neues Leben. Neues Leben ist ein Ge-schenk und nicht das Ergebnis unserer positiven Veränderung. Nehmt Ab-schied von der Haltung, wir könnten uns bessern! Hier geht es eigentlich um einen doppelten Abschied. Einmal bedeutet es für diejenigen, die auf ihre Mitarbeit und Vorzüge verweisen, dass ihnen der „Stolz“ aus ihrem Leben entzogen wird. Diejenigen, die von sich nur ganz kleinlaut und in depressiver Haltung reden, erhalten ein neues Selbstverständnis.
Paulus sagt uns in diesem Wort: Euere Taten und euer Wirken als Christ in dieser Welt und in euerer Umgebung – das ist alles schon vorbereitet, das will nur noch ins Leben kommen!
Ich möchte dies durch ein Bild versuchen auszudrücken: Ich habe im April Sonnenblumensamen ausgesät – vier Tüten habe ich auf Erde in einen großen Bottich gestreut, zugedeckt und fleißig gegossen. Seit zwei Wo-chen blühen die ersten Sonnenblumen. In den letzten Tagen war ja herrli-cher Sonnenschein – und wie verhalten sich da die Sonnenblumen? Sie drehen sich alle der Sonne zu!
Liebe Geschwister, wir sind nicht zu neuen Gesetzeshandlungen berufen, sondern dazu, im Angesicht dieses herrlichen Gottes zu leben. Ihn suche ich am Morgen, weil mir seine Nähe gut tut und weil ich seine schenkende Gnade benötige. Es lebt sich gut, wenn Gott uns vergewissert, dass er uns liebt und er mit uns in und durch den Tag geht. Geliebte Menschen sind schöne Menschen. Hass entstellt den Menschen.
Ich bin überzeugt, dass es viel, viel besser ist, in einen neuen Tag zuge-hen, nachdem wir Gottes liebendes Angesicht in seinem Wort betrachtet haben, ihm zugehört und mit ihm geredet haben. Das wirkt sich wohltu-end aus – auch auf die Menschen, die mir begegnen.

So können wir Zeuge sein von einem wunderbaren und einmaligen Gott. Wir müssen nicht erst im Keller nach antiken Comics suchen, um in die-sem Leben zu bestehen – wir brauchen uns nur dem zuzuwenden, der uns zum Leben mit ihm erweckt hat. Dazu hat er uns doch geschaffen, dass wir vor ihm und durch ihn beschenkte und geliebte Menschen sind. Dazu hat er uns begabt, dass in unserem Leben Gutes erwächst. Wenn wir ihm zugewandt leben, kommt das Gute in unseren Alltag und zu den Menschen – das ist nicht schwer! Christen leben im Angesicht ihres liebenden Gottes – das ist Realität!
Amen

25.07.2010 Vom Licht und seinen Folgen

Epheser 5, 8b - 14 Predigt am 25. Juli 2010 in Lobetal
8b Lebt als Kinder des Lichts; 9 die Frucht des Lichts ist lauter Güte und Gerech-tigkeit und Wahrheit. 10 Prüft, was dem Herrn wohlgefällig ist, 11 und habt nicht Gemeinschaft mit den unfruchtbaren Werken der Finsternis; deckt sie vielmehr auf. 12 Denn was von ihnen heimlich getan wird, davon auch nur zu reden ist schändlich. 13 Das alles aber wird offenbar, wenn´s vom Licht aufge-deckt wird; 14 denn alles, was offenbar wird, das ist Licht. Darum heißt es: Wach auf, der du schläfst, und steh auf von den Toten, so wird dich Christus er-leuchten.
(Filmausschnitt: Clown Oleg Popov)
Der Clown lässt es sich im Licht gut gehen. Da fühlt er sich richtig wohl. Aber seltsam – das Licht bleibt nicht. Das Licht wandert. Und so macht er sich auf die Reise; er will in diesem Licht bleiben. Und am Schluss packt er es behutsam zusammen und legt es in seinen Picknickkorb. Oleg will ohne dieses Licht nicht sein.
Im Licht lässt es sich gut leben. Ohne Licht gibt’s kein Leben.

1. Von der Schönheit des Lichts
Die Berichte darüber, wie Menschen zu Jesus kommen, sind erstaunlich. Das Fazit, das man dabei ziehen kann, ist eindeutig: Zu Jesus kannst du kommen wie du bist. Du kannst alles gewesen sein. Egal. Jesus hat keine Berührungsängste. Er berührt die Aussätzigen, nimmt die Ehebrecherin an und sucht die Raffgierigen und verspricht Verbrechern den Himmel.
Diesen Jesus suchen die Leute. Sie haben damals alles durchkämmt, bis sie ihn gefunden haben. Sie mussten ihn einfach finden. Wie das Licht die Motten anzieht, so sind die Kranken und Außenseiter, die Gesetzlosen und Hilflosen fasziniert von diesen Jesus. Bei ihm sein, das ist gut. Sich in sei-ner Gegenwart aufhalten bedeutet, sich im Licht zu sonnen. Und in seinem Licht werden Menschen heil – von diesem Jesus gehen heilende Kräfte aus. In seinem Licht verbrennt man nicht - in seinem Licht wird man wie-der Mensch!

Das Alte Testament zeigt uns einen interessanten Zusammenhang. Dort steht Licht in der Verbindung mit „Heil“. „Der Herr ist mein Licht und mein Heil…“ In diesem Licht wird man heil. „Heil“ bedeutet ganz – man wird heil, weil hier jemand ist, der einen ganz annimmt. Er sucht sich nicht nur das Filetstück aus. Er nimmt nicht nur die guten Eigenschaften an. Er nimmt mich ganz an. Das tut so gut. Das ist so wohltuend, wenn man weiß: Da kennt mich jemand durch und durch und er liebt mich durch und durch. Hier ist jemand, der mich endlich „ganz“ annimmt, „ganz“ bejaht und ganz liebt.
Dieses warme Licht der Liebe Gottes ist die eine Umgebung, in der wir Menschen aufgerichtet und gestärkt werden. Nach diesem Licht haben die Menschen Sehnsucht. Und dieses Licht hat uns berührt, erleuchtet und heil gemacht.

Heilende Wirkung geht auch vom natürlichen Licht aus. Die Biophotonen sind im ultravioletten bis infraroten Spektrum des Lichts. Sie haben eine so geringe Abstrahlung, dass man den Lichtschein von 1000 Biophotonen auf einem cm² vergleichen kann mit einem Kerzenlicht, das man aus einer Entfernung von 20km sieht – es ist nicht wahrnehmbar. Dieses Licht strahlt ganz gleichmäßig. Aber unsere Zellen können es aufnehmen. Wenn eine Zelle kein Licht aufnehmen kann, wird sie krank. Wenn eine Zelle dieses Licht nicht mehr hat, ist sie tot. Ohne Licht gibt es kein Leben. Der deutsche Professor für Biophysik, Fritz Albert Popp, der dieses Phänomen erforschte, beschreibt deshalb die menschliche Existenz sehr bezeichnend. Er sagte: „Der Mensch ist ein Lichtsauger.“ Licht tut gut.
(Apropos Licht: Wisst ihr, wie man den Brunftschrei einer Leuchtstofflam-pe nennt: Neonröhren!)
Das erste, das Gott geschaffen hat, war das Licht. Seine Schöpfung erfolg-te in einem hellen und heilsamen Schein. Licht tut gut. Jesus sagt: Ich bin das Licht der Welt. Er ist wunderbar. Es tut so gut, im zu begegnen. Er hat uns angenommen – ganz! Wir dürfen als angenommene und bejahte Men-schen leben – herrlich!

2. Die Auswirkungen des Lichts
In dieses Licht kannst du also kommen, wie du bist. Man kann alles gewe-sen sein. Egal. Aber: nun kann man nicht mehr bleiben, was man gewesen ist!
Jesus sagt zu der Ehebrecherin „sündige hinfort nicht mehr“ und Za-chäus sagt zu Jesus „siehe, Herr, die Hälfte von meinem Besitz gebe ich den Armen und wenn ich jemand betrogen habe, dann gebe ich es vier-fach zurück!“ Ein Verbrecher am Kreuz sagt zu seinem Kumpel: „dieser ist unschuldig!“ und dann wendet er sich Jesus zu und bittet: „Herr, denke an mich, wenn du in dein Reich kommst.“ Einer, der sich alles mit Gewalt nimmt, fängt an, ein Empfinden für „recht“ und „unrecht“ zu haben und zu bitten!

Begegnungen mit Jesus haben Folgen. Begegnungen mit dem Licht der Welt beschreiben eine wunderbare Wandlung bei den Menschen.
Es hat erstaunliche Folgen, wenn man durch das Licht erhellt wird. Es hat Konsequenzen, wenn dieses Licht uns anscheint und annimmt. Es kommt zur Wandlung, wenn Jesus uns sein Leben schenkt, seine Liebe, seine Güte, seine Treue, seine Barmherzigkeit, seine Geduld und sein „Ja“ zu uns sagt. Und deshalb sagt Paulus in unserem Wort: „Lebt als Kinder des Lichts“. Und weiter sagt er: „habt keine Gemein-schaft mit den unfruchtbaren Werken der Finsternis…“ – das heißt: macht nicht mehr mit, wenn es um Dinge geht, an denen Gott keine Freude hat und die nun nicht mehr zu euch passen.

Worum geht es hier eigentlich? Hier geht es um das Heil, das Gott uns schenkt und um die Folgen, die das bei uns hinterlässt. Wir haben gesagt: Gott nimmt uns ganz an!
Wir wissen, dass in dieser vollständigen Annahme auch das ganze Heil beschlossen ist, das nun unserem Leben gilt. Und deshalb sagt Jesus: Folge mir nach!

Folge mir nach heißt: Lass mich dein ganzes Leben ausfüllen und erfüllen. Halte dich mir „ganz“ hin – lass mein Licht dein ganzes Leben ausstrahlen und – gib mir dein Leben ganz. Gib mir dein ganzes Leben!
Die Halbheiten unseres Lebens sollen aufhören, weil sie nichts Gutes brin-gen. Lebe ganz mit Jesus. Eindeutig. Echt. Das Zwielichtige hat ein Ende.

Deshalb gilt es nun für uns, dass wir „wach“ leben. Das Wort „wach“ kommt von „wecken“ und bedeutet soviel wie „frisch und munter ma-chen“. Gott will nicht den Schlaf stören; er will uns erfrischen und ermuntern und wer will, dass wir unterscheiden können, was aus seinem Herzen kommt und was aus der Dunkelheit kriecht. Christen leben als „Lichtsauger“ – sie strecken sich aus nach dem Licht der Liebe Gottes! Und deshalb können sie nun von diesem Licht, das sich in ihrem Leben bricht, auch etwas in ihre Umgebung reflektieren.

3. Bringt sein Licht in diese Welt!
Der Schlüssel für ein Leben in der Nachfolge ist nicht, dass wir alles richtig machen und alle Gebote befolgen. Der Schlüssel für die Nachfolge ist, dass wir Gott alles machen lassen. Der Schlüssel für unser Christsein liegt darin, dass wir uns täglich von ihm erfüllen lassen. Er will uns geben, was wir benötigen. Er will uns täglich mit seinem Licht erhellen und mit seiner Liebe erfüllen. Er macht alles gut! Darauf vertrauen wir.
Um dieses Vertrauen geht es – in diesem Vertrauen ist das ganze Ge-heimnis der christlichen Existenz beschlossen: Vater gibt mir, was ich heu-te benötige. Ich muss es mir nicht an ihm vorbei organisieren!

Seid wach für die Dinge, die euerem Leben nun nicht mehr gut tun. Gebt ihnen nicht einmal mehr Raum in eueren Gedanken. Das wissen wir doch: in den Gedanken beginnen die Taten. Deshalb ist es wichtig, dass wir un-ser Denken reflektieren. Wenn sich finstere Gedanken einstellen, dann können wir sie Gott sagen.

Wir sind herausgefordert, die Programme zu bewerten, denen wir uns heute in unserer Freizeit aussetzen. Wir sollen auf Qualität der Unterhal-tung wieder Wert legen – der Unterhaltunssendungen wie auch der Ge-spräche, die wir führen. Es gibt Sendungen, die schreien nach dem „Ausknopf“ und es gibt Gespräche, die drängen zum „Einspruch“! Wir sol-len von Gottes Güte zeugen und Grenzen achten. Die „Gürtellinie“ ist eine gute Grenze – sie sollte nicht nach „untern“ überschritten werden.
Gebt euch ganz Gott hin und lasst euch ganz von ihm erfüllen – da spricht Paulus zu Beginn des 5. Kapitels zwei Bereiche an: Porneia und Pleonexia – Unzucht und Habsucht.
Unzucht meint jede Art von Geschlechtsverkehr ohne die feste, ernst ge-meinte, öffentliche und unwiderrufliche Übernahme von lebenslanger Ver-antwortung. Habsucht – man will immer mehr haben an Geld und Einfluss und immer weniger teilen und dienen. Davon wird die Welt beherrscht. Davon werden die Sendeprogramme beherrscht. Davon lasst euch nicht beherrschen. Davon soll unter euch nicht einmal die Rede sein.

Gottes Licht hat eine reinigende Wirkung. Wir lassen nicht mehr zu, dass wir wieder „verunreinigt“ werden. Gottes Licht deckt auf und schenkt einen Austausch von Reinheit und Unreinheit. Hier wird schon vorweggenommen, was am Ende der Zeit sein wird – Gott wird diese Welt belichten! Deshalb: lebt als Kinder des Lichts!
Dieses Lied werden wir gleich singen: „Wir schauen der Gnade ins Auge“; Gnade und Wahrheit gehören bei Gott zusammen; er nimmt uns ganz an – und als angenommene Menschen dürfen wir wahrhaftig leben. Stellen wir uns ihm ganz zur Verfügung – er will uns durchdringen und prägen mit seinem Licht!
Lebt als Kinder des Lichts!
Amen