Predigt in Lobetal am 5. Sept. 2010
Römer 8, 14-17
„14 Wenn welche der Geist Gottes treibt, die sind Gottes Kinder. 15 Denn ihr habt nicht ei-nen knechtischen Geist empfangen, dass ihr euch abermals fürchten müsstet; sondern ihr habt einen kindlichen Geist empfangen, durch den wir rufen: Abba, lieber Vater! 16 Der Geist gibt Zeugnis unserm Geist, dass wir Gottes Kinder sind. 17 Sind wir aber Kinder, so sind wir auch Erben, nämlich Gottes Erben und Miterben Christen, wenn wir denn mit ihm leiden, damit wir auch zur Herrlichkeit erhoben werden.“
Heute geht es um Gewissheit. Gestern vor einer Woche haben Tesia und Phi-lipp geheiratet, denn sie haben Gewissheit darüber bekommen, was der andere für einen bedeutet. So kam jeder zu der Überzeugung: „mit diesem Einen will ich mein Leben teilen, ihn lieben und mit ihm alt werden.“
Heute haben wir eine Taufe gefeiert. Kim hat Gewissheit darüber gewonnen, was dieser Jesus Christus für sie bedeutet. Und nun will sie ohne diesen Jesus nicht mehr leben. Es kommen schöne Dinge in deinem Leben, Kim, und du wirst viel Grund haben, Jesus zu danken; es kommen aber auch schwierige Zeiten in deinem Leben – und er wird dich begleiten und durchtragen – und er hat dich ja in eine Gemeinde gestellt, in der man dich auf Händen trägt (oder so ähnlich ;-))
Gewissheit – gewiss bedeutet, dass man etwas sicher weiß und kennt. So will sich Gott uns Menschen zeigen: ich bin zuverlässig und treu! So werdet ihr mich immer erfahren – darauf könnt ihr euch verlassen. „Ich bin der ich bin“, so übersetzt Luther den Namen Gottes im Alten Testament. „Ich bin der ich bin“ – in dem Wesenszug seiner Treue und Güte bleibt Gott wie er ist. Darauf kannst du dich verlassen – auch in schweren Zeiten. Gewissheit bedeutet: durch dieses Leben musst du nicht alleine gehen – da ist einer dabei, da geht jemand mit, da hat einer die Verantwortung übernommen, dass du am Ende Grund zur Freude hat.
Gott will, dass wir gewiss sein können, wie er zu uns steht. Er will uns nämlich deutlich machen, dass er unser liebender Vater ist und wir seine Kinder. Er will uns das ins Herz schreiben, dass er mit uns eine Einheit ist. Er will, dass es uns einleuchtet, dass er uns liebt und alles für uns wirkt, damit unser Leben gelingt – darum geht es doch: Unser Leben soll gelingen!
Warum brauchen wir diese Gewissheit? Weil wir selbst untreu sind und immer wieder gegen Gott leben – an ihm vorbei leben. Da muss man wissen: steht er dennoch zu mir, obwohl er weiß, wie ich bin. Und es gilt: Er ist treu – sind wir es auch nicht. Wir sollen immer wieder zu ihm kommen, auch nachdem wir ei-gentlich die Beziehung mit ihm vorher zerbrochen hatten und so gelebt haben, als gäbe es ihn nicht. Wir sollen zu ihm kommen und wir sollen wissen: Wir bleiben dennoch seine Kinder und er unser liebender Vater.
Die Bibel berichtet immer wieder davon, wie Menschen in der Gemeinschaft mit Gott heil werden, gesund werden, stark werden, Bedeutung gewinnen, ihre Gaben entfalten.
Viele Menschen meinen, dass sie alleine stark sind und dazu Gott nicht brau-chen. Gott hat sich ja entschieden, keinen Menschen zu seinem Glück zu zwin-gen – seine Menschen aber immer wieder zu sich einzuladen, dass sie zu ihm kommen. Leider kommen viele erst dann, wenn alles andere nichts mehr bringt und sie sich in eine aussichtslose Lage gelebt haben. Manchmal liegt in so einer ausweglosen Situation die Chance, dass man an anderer Stelle nach Hilfe sucht. Mancher kehrt in der Not um und entdeckt, dass Gott nicht weit weg ist – er ist da, er war da – immer. Der Mensch hat Gott nur nicht wahrgenommen.
Gott liebt seinen Menschen – egal, wann er kommt, egal, wie er kommt – Hauptsache er kommt! Hauptsache, der Mensch gibt Gott eine Chance, ihm zu begegnen. Und Gott begegnen bedeutet Leben! In der Begegnung mit Gott steckt Leben – Leben für uns!
Was in dieser Begegnung Gottes mit einem Menschen für Chancen stecken, möchte ich durch eine ungewöhnliche Tiergeschichte verdeutlichen. An Weih-nachten 2002 wurde ein kleiner Hund geboren – ihm fehlten aber die Vorder-pfoten. Er hatte nur Hinterbeine. Sein Besitzer hat gesagt: „für ihn ist es das beste, dass er geht“ – meint: dass er nicht weiterlebt.
Aber Jude Springfellow sah ihn und gewann ihn sofort lieb. Sie nahm ihn mit. Sie nannte ihn „Faith“ (Glaube). Sie setzte Faith auf ein Surfboard, um ihm Be-wegung zu zeigen. Später versuchte sie ihn zum Aufspringen und Umhergehen zu bewegen. Sie köderte ihn mit einem Löffel Erdnussbutter als Belohnung. Und nach einem halben Jahr steter Übung lernte er, auf seinen Hinterbeinen zu balancieren und später sogar sich fortzubewegen. Das ist Faith heute:
Er folgt seinem Frauchen überall hin, macht Menschen froh, kann mehr als an-dere Hunde und ist einfach ein glückliches Tier.
Was hat Jude nicht alles in Faith investiert: Zeit, Kraft, Liebe, Erdnussbutter… Wie viel mehr investiert Gott in dich, damit dein Leben zur Entfaltung und du zu einem erfüllten Leben kommst!
Unser Wort sagt: Gott will dich gewiss machen. Du sollst wissen, dass er für dich da ist und in allen Bereichen für dich ist. Er kann aus deinem Leben etwas machen, egal was vorher gelaufen ist und egal, wie du bist. Und wenn alle sa-gen würden: „aus dem wird nie etwas!“ – Gott kann dennoch aus dir was ma-chen!
Gott ist Vater – nicht Automat und nicht Diener. Vater bedeutet „Haupt der Familie, Herr – aber auch die Wurzel von „schützen“ und „hüten“. Gott ist ein Herr, der dient und doch nie zum Diener wird. Er bleibt darin Herr. Vertraue auf seine Gegenwart – setze auf ihn. Setze nicht auf deine Strategien – setze auf seine. Lass dich auf das ein, was er dir sagt und wozu sein Wort dich einlädt – lebe nicht mehr dagegen! Faith hat sich auch eingelassen auf das, was seine Jude gesagt hat.
Mir scheint, dass wir in einer Zeit leben, in der viele Kraft und Hilfe benötigen – aber man will sie nicht von einem Gott, der zu einem eine persönliche Bezie-hung wie ein Vater hat. So einen Gott sucht man sich nicht. Man kommt gar nicht auf den Gedanken, einen „Vater“ zu suchen. Man möchte eine Macht, die zur Verfügung steht. Man wünscht sich eine Kraft, die einfach immer den Tank füllt. Man sehnt sich nach aufregenden Grenzerfahrungen. Man wünscht sich jemand, der endlich einmal auf das hört was man sagt und der vielleicht einen guten Rat gibt. Aber einen „Vater“ sucht man nicht – da reicht ja in der Regel der, den man hat. Man will keinen, in dessen Verantwortung man sich begibt. Man will unabhängig bleichen.
Wir Menschen suchen Psychologen. Mit denen kann man reden. „Ich habe ei-nen, der mir zuhört!“ war die Auskunft einer Frau auf die Frage, warum sie psy-chologische Begleitung so schätzt.
Menschen gehen zu Sehern. Heute morgen wurde im WDR eine Seherin vorge-stellt und interviewt. Auf die Frage, wie sie sich den enormen Ansturm von Hil-fesuchenden erklären könne, sagte sie: „die Menschen haben nichts Verlässli-ches mehr, sie sind verunsichert und haben keine Gewissheit. Sie kommen sich angesichts einer Zukunft, die sie nicht kennen, einfach überfordert vor.“
Viele suchen sich einen Ersatz. Sie finden im Internet eine bizarre und aufre-gende Welt – hier suchen sie und finden viele Türen und Kontakte. Aber sie fin-den keine Gemeinschaft. Sie finden spannende Ablenkung aber keinen, der hilft, dass das Leben gelingt – im Gegenteil: es verkümmert immer mehr.
Unser Schriftwort sagt, dass nicht wir Menschen diesen Gott suchen. Die Schrift sagt auch, dass Gott seine Menschen sucht. Und denen, die er gefunden hat, denen schenkt er seinen Heiligen Geist. Dieser Heilige Geist treibt uns. Er führt und leitet uns. Er weiß, wie wohltuend es ist, vor Gott zu sein und ihm zu be-gegnen. In dieser Beziehung steckt das Leben! Und so nimmt er uns immer wie-der in seine Beziehung mit dem Vater mit, denn der Geist ist EINS mit dem Va-ter – wie auch mit dem Sohn.
Gottes Geist holt uns aus der Beziehungslosigkeit immer wieder heraus und nimmt uns mit zu seinem Vater – und nimmt uns mit in dessen Gemeinde!
Das ist das Geheimnis des Glaubens, dass wir einen Gott haben, den man be-gegnen, mit dem man reden, dem man zuhören und auf den man sich einlassen sollte. Dazu sind wir Menschen geschaffen. Wir sind Beziehungswesen. Und in der Beziehung zu Gott schenkt er uns Anteil an sich selbst. Das ist heilsam für unser Leben.
Beziehung – das bezeichnet das Miteinander von zwei Partnern. Ihr habt keinen Geist erhalten, der euch versklavt. Ihr wurdet nicht entmündigt. Ihr werdet nicht unter Druck gesetzt. Nein – Gott nimmt Angst und er gibt uns Anteil an sich selbst. Und Gottes Geist zeigt uns, dass wir Kinder Gottes sind – nicht Knechte, nicht Arbeitnehmer, nicht Bittsteller!
Deshalb hebt Paulus immer hervor, dass wir als Kinder Gottes „Erben“ Gottes sind. Gott gibt uns Anteil an sich. Er schenkt seinen Geist. Gottes Geist – scha-de, dass uns Menschen das sowenig sagt. Geist - das ist die Anwesenheit die-ses Gottes. Hier geht es nicht um Gespenster sondern um Realität – denn die-ser Geist hilft uns auch, beim Bewältigen unserer Realität. In ihm wird Gottes Liebe wirksam, wirksam wie bei Faith die Liebe von Jude.
Gottes Geist uns immer wieder zu Gott zu kommen. Gottes macht uns gewiss!
Gottes Geist drängt uns als Menschen zu leben, die in der Gemeinschaft mit Gott geborgen sind. Er nimmt uns die Ungewissheit. Er nimmt die Einsamkeit, in der wir uns überfordert fühlten. Er zeigt wie es weiter geht, wenn wir am Ende sind. Er sagt mit: Hey, du bist dazu da, geliebt zu werden.
Gott macht gewiss.
Amen
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