Freitag, 1. Januar 2010

25.12.2009 Das Richtige schenken

Liedpredigt zu „Ich steh an deiner Krippe hier“
Weihnachten 2009 in Lobetal (1. Feiertag)

Predigt zu einigen Strophen aus dem Lied: „Ich steh an seiner Krippen hier…“ und zu dem Bild von Rembrandt „Anbetung der Hirten“ (Alte Pinakothek München)

Ich steh an deiner Krippen hier, o Jesu, du mein Leben;
ich komme bring und gebe dir, was du mir hast gegeben.
Nimm hin, es ist mein Geist und Sinn,
Herz, Seel und Mund nimm alles hin
und lass dir´s wohl gefallen.

Stehen ist angebracht – meint Paul Gerhardt. Das, was an Weihnachten geschehen ist, lässt sich nicht im Vorübergehen verstehen, erfassen und begreifen. “Stehen“ und „staunen“ kommen aus dem selben Wortstamm. Stehen ist angemessen. „Stehen“ ist eine konzentrierte Haltung. Und das „Stehen“ bringt auch unsere Ehrerbietung zum Ausdruck. Man steht auf, wenn man jemand begrüßt. Man erhebt sich, in einem ergreifenden Mo-ment. Man erhebt sich im Gottesdienst zum Gebet.

Stehen ist angebracht – sagt Paul Gerhardt.
In diesem Lied geht es um das Geheimnis dieses Jesus Christus: In die-sem Jesus liegt mein Leben – sagt Paul Gerhardt.
Rembrandt bringt das in seinem Bild „Anbetung“ darin zum Ausdruck, dass sich der eine Bursche – in unserem Bildausschnitt in der Bildmitte – mit seiner Faust an die Brust schlägt. Er wird scheinbar „ergriffen“ von dem Kind, das er da sieht. Er kommt – wie auch Paul Gerhardt – nicht un-vorbereitet. Er hat die Engelbotschaft im Gedächtnis: „Euch ist heute der Heiland geboren…“ Heiland bedeutet Retter! Hier liegt der, der dich retten wird! Und da kann der Bursche sich nur an die Brust schlagen, was soviel bedeutet: „Ach, Retter, erbarme dich über mich – sei mir gnädig!“

Denn was da in der Krippe liegt, ist von immens großer Bedeutung. Dieses Jesuskind ist „mein Leben“. In ihm ist das Leben er schienen, so schreibt auch Johannes in seinem 1. Brief. Und dieses Leben ist zu „meinem“ Le-ben geworden. Mein Leben liegt also nicht in mir – als ein großer Schatz an Zeit, Gaben, Kraft usw., sondern mein Leben liegt in Jesus.
Weil das so ist, kann ich „mein“ Leben nun verschenken. Das ist das an-gemessene Weihnachtsgeschenk: Ich schenke mich diesem Jesus! Dieses Bekenntnis ist Gerhardt so wichtig, dass er dieses Lied in „Ich-Form“ schreibt und nicht, wie seit der Reformation üblich, in der „Wir-Form“. Hier schreibt nicht jemand über einen Sachverhalt – hier beschreibt jemand den Stand dieser Sache in seinem Leben.

Es ist Weihnachten – welches Geschenk möchtest du dem Christus brin-gen. Erneuere dein Geschenk der Taufe und verschenke dich wieder – das ist die eine, angemessene Gabe für diesen Retter. Denn in ihm ist unser Leben.

Gerhardts Weihnachtslied aus dem Jahr 1653 wurde im selben Jahr noch in das musikalische Andachtsbuch "Praxis Pietatis Melica" von Johann Crü-ger aufgenommen. Zusammen mit 64 neuen Liedern stellte es in der 5. Auflage dieses Büchleins den Reichtum des Schaffens von Paul Gerhardt dar, die er während seiner Zeit als Pfarrer in Mittenwalde geschaffen hat-te.
Gesungen wurde das Lied „Ich steh an deiner Krippe hier“ aber kaum. Es wurde oft gelesen und auswendig gelernt, aber die Melodie war zu schwie-rig. Eine grundlegende Veränderung trat erst über 80 Jahre später ein. 1736 komponierte Johann Sebastian Bach die uns bekannte Melodie zu diesem Lied. Der Kommentar von Ludwig van Beethoven war treffend: „Meer müsste er heißen!“ Ja, so unermesslich weit und reich waren die Melodien, die aus Bauch hervorsprudelten.

Zurück zum Lied:

Ich lag in tiefster Todesnacht, du warest meine Sonne,
die Sonne, die mir zugebracht Licht, Leben, Freud und Wonne.
O Sonne, die das werte Licht
des Glaubens in mir zugericht´,
wie schön sind deine Strahlen!

Hier geht es um Tot und Leben – um alles oder nichts. Das sieht man auch in Rembrandts Bild. In der Bildmitte steht das Kreuz – gezeichnet als tragendes Gebälk des Stalles. Am Fuß des Kreuzes ist Jesus. Es erhebt sich direkt hinter Josef.
So ist es: in der Geburt bildet sich schon das Kreuz ab. Jesus kommt zu den Seinen – aber er findet keine Aufnahme. Kurze Zeit später wird der Befehl des Herodes ca. 200 Kleinkindern das Leben kosten. Jesus wird dann mit seinen Eltern auf der Flucht sein.
Weihnachten ist ein ernstes Fest: Es geht darum, wie wir in unserer To-desnacht bestehen wollen – die Sache entscheidet sich hier. Nur hier gibt es ein Licht, das die Todesnacht erhellt und in der die Macht des Trostes liegt: Du bist geborgen!
Rembrandt malt das Licht des Lebens. Die Lichtquelle ist nicht in der Lam-pe, die Josef in der Hand über das Kind hält – die Quelle des Lichtes ist in dem Jesuskind. In ihm geht die Sonne des Lebens auf! Und diese Sonne wirkt – sie wirkt Glauben!
Paul Gerhardt bekennt: in mir ist das wertvolle Licht des Glaubens. Der Glaube ist die rechte Reflexion dieses Lichtes, das in Jesus zu uns ge-kommen ist. Wenn etwas in diese Welt hinein Leuchtkraft hat, dann sind es nicht wir – dann ist es Christus. Er leuchtet durch uns hindurch. Wer diesem Jesus vertraut, aus dessen Leben werden kleine und bescheidene Strahlen der Liebe so große Wirkkraft haben, dass sie die Herzen derer berührt und verändert, denen er sich zuwendet. Dieses Licht weckt Leben – die Macht der Kälte und des Frostes ist nicht das Letzte, das diese Welt und die Herzen der Menschen beherrscht!

Ich sehe dich mit Freuden an und kann mich nicht satt sehen;
und weil ich nun nichts weiter kann, bleib ich anbetend stehen.
O dass mein Sinn ein Abgrund wär
und meine Seel ein weites Meer,
dass ich dich möchte fassen!

Das Sehen gelingt in dieser Beziehung zum Kind in der Krippe nur in Ge-betshaltung. Sehen heißt Beten. Sehen ist verweilende Anbetung. Auf eine andere Weise erschließt sich das Geheimnis dieses Christus nicht.
Hans-Peter Royer wurde von einem Mitarbeiter von Idea interviewt zum Thema „Warum werden in Europa so wenige Christen?“ Er antwortete: - Zitat aus Idea Nr. 21, 20. Mai 2009, S 18 „Wenn ein Wirt will, dass seine Gäste viel trinken, muss er die Pommes ordentlich salzen. Wir Christen sind das Salz der Erde. Und wenn wir intensiv mit Jesus leben, bekommen auch andere Menschen Durst nach ihm.“ Frage: wie lebt man mit Jesus? „Bist du verheiratet?“ fragt Royer – Ja! „Es ist wie in deiner Ehe,“ sagt Royer. „Das Wertvollste, was du deiner Frau schenken kannst, ist deine Zeit. Und das gilt auch für Gott. Du redest mit ihm, du hörst auf ihn, gehst spazieren mit ihm, trinkst Kaffee mit ihm – genau wie mit deiner Frau. Wenn wir Zeit mit Gott verbringen, ändert sich unser Leben.“

Kann es sein, dass Christsein heute so spurlos gelebt wird, weil die Chris-ten Gott keine Zeit mehr schenken – man speist ihn mit ein paar Minuten ab – den Rest braucht man für sich.
Gott wieder Zeit schenken – das ist eine Seite dessen, dass ich ihm mein Leben geschenkt habe. Aber wir Menschen haben ja heute keine Zeit – mit anderen Worten: wir haben so viele Dinge, die wir haben möchten.
Der Mensch bleibt heute nur kurz stehen. Man zappt sich durchs Leben. Da mal einen Blick hinwerfen. Dort mal kurz verweilen. Sie hier mal einen Überblick verschaffen. Die Frage ist: Zappen wir uns auch durch Weih-nachten – hüpfen wir durch die Feiertage oder schaffen wir uns Zeiten des Verweilens?
Das ist die Schlüsselfrage unserer Zeit: Woran sehen wir uns eigentlich satt? (was wir essen, das wird neuen Appetit wecken…)

Eins aber, hoff ich, wirst du mir, mein Heiland, nicht versagen:
dass ich dich möge für und für in, bei und an mir tragen.
So lass mich doch dein Kripplein sein;
komm, komm und lege bei mir ein
dich und all deine Freuden.

Am Schluss bleibt die neuerliche Bitte: Darf mein Herz deine Krippe sein? Paul Gerhard lädt uns ein, Gott darum zu bitten. Bekenne dich zu diesem Jesus – lebe so, dass man erkennt: „Ah, der mag diesen Jesus!“
1. Es ist ein Bekenntnis der eigenen Armut
Wir bekennen damit, dass wir Nichts haben, was uns erfüllt – außer diesen Jesus Christus. Alles andere erfüllt nicht. Alles andere bleibt nicht!
2. Es wird zu einem Bekenntnis des Reichtums
Denn mit diesem Jesus legt Gott seine „Freuden“ seine guten Gaben mit in mein Leben. Wer Gottes „Freuden“ in seinem Leben aufnimmt, der wird andere Menschen erfreuen und bereichern.
3. Dieses Bekenntnis hat Auswirkungen auf die persönliche Tragkraft
Wer Jesus bei sich trägt, wird tragfähig. Er kann schwere Erlebnisse er-tragen, weil er selber getragen wird. Er kann die Nöte anderer mittra-gen.
4. Diese Bekenntnis hat Auswirkungen auf das Lebens
Wer diesen Jesus in sich trägt, dessen Herz wird immer wieder neu er-füllt werden von Glaube, Hoffnung und Liebe. Diese heilsamen Gaben prägen ein frohes und getrostes Leben.

Amen

24.12.2009 Gesegnet in seinem Licht

Weihnachtsgottesdienst 2009 in Lobetal (24. Dez. 2009)
Johannes 1, 4-5 und 11-12

4 In ihm war das Leben, und das Leben war das Licht der Menschen. 5 Und das Licht scheint in der Finsternis, und die Finsternis hat´s nicht er-griffen.
11 Er kam in sein Eigentum; und die Seinen nahmen ihn nicht auf; 12 wie viele ihn aber aufnahmen, denen gab er Macht, Gottes Kinder zu werden, denen, die an seinen Namen glauben.

Anspiel: Weihnachtsmanagement
Dieser Mensch ist damit beschäftigt, das Beste aus den Feiertagen für sich herauszuholen. Er will Geschäfte machen und dabei gut abschneiden.
Gott hingegen ist damit beschäftigt, an Weihnachten das Beste für seine Menschen herauszuholen. Gott will beschenken!
Unser Weihnachtsmanager ist ein kreativer Kopf – er denkt nach, was die Leute an Weihnachten brauchen könnten und womit er mit ihnen ins „Ge-schäft“ kommen kann. Dabei ist er schon auf einer wesentlichen Spur: er versucht, den Leuten mit Weihnachten auch noch etwas Praktisches zu-kommen zu lassen. So ein „Weihnachtsmann Typ H“ ist schon nicht schlecht!

Gott hat sich auch entschlossen, uns etwas Praktisches zukommen zu las-sen. Er wollte, dass es wieder „hell“ wird, im Leben seiner Menschen. An Weihnachten ist es also hell geworden auf unserer Erde. Gott hat das „Licht“ angemacht – das ist Weihnachten. Gott hat uns Jesus geschenkt – er ist das Licht Gottes auf dieser Welt.
Wenn wir heute Kerzen anzünden und viele Lichter anmachen, dann nicht deshalb, dass es etwas wärmer oder gemütlicher wird. Kerzen und Lichter sollen vielmehr Zeichen für diesen Jesus sein.

Was bedeutet das nun, dass Jesus das Licht Gottes zu uns Menschen bringt? Sehen wir in seinem Licht etwas, das wir sonst nicht sehen?

1. sehen, dass ich wertvoll bin.
Was darf ein Geschenk kosten, das dem andern zeigt: Du bist mir wert-voll?!
Das amerikanische Magazin Robb Report ist für seine exklusive Liste mit den teuersten Weihnachtsgeschenken der Welt bekannt. Auch in diesem Jahre haben sich die Redakteure wieder Gedanken darüber gemacht, wie man möglichst viel Geld zum Weihnachtsfest los-werden kann. Einige davon sind jedoch einfach unerschwinglich: Das exklusivste Geschenk beinhaltet beispielsweise eine Yacht und einen Privat-Jet und kostet den Schenkenden min-destens 500 Millionen US-Dollar. Ein wenig realistischer ist da schon das Monaco Grand Prix Paket im Wert von 1,5 Millionen US-Dollar. Darin enthalten ist ein VIP-Auftritt im Rahmen des Monaco F1 Grand Prix 2010 im Mai nächsten Jahres, eine Reise im Privat-Jet von Nord-amerika nach Nizza, ein Helikopterflug nach Monte Carlo mit einer Party für vier Personen und fünf Nächte im Monte Carlo Bay Hotel & Resort.
Reiche Leute geben für diese Dinge einen Teil ihres Vermögens aus.
Aber Gott gibt nicht einen Teil seines Vermögens – Gott schenkt uns an Weihnachten alles, was er hat. An Weihnachten wurde der Himmel arm und die Erde reich – alles, was Gott hatte, schickte er zu uns. Deshalb sind auch so viele Engel da – im Himmel war es richtig trist!

Das sollen wir wissen: wir sind Gott unendlich wertvoll! Weil wir wertvolle Menschen sind, ist es Gott nicht egal, was aus uns wird. Deshalb setzt Gott alles daran, dass wir das auch wissen. Es gibt nämlich so viele Leute, die nicht wissen, dass sie ein richtiger „Schatz“ sind. Seit Weihnachten wissen wir es wieder. Seit Weihnachten darf ich wissen: wenn irgendwas in meinem Leben daneben gegangen ist, ich eine Schulaufgabe verhaue, ein Spielzeug kaputt mache, den Braten anbrennen lasse, den Geburtstag meiner Frau vergesse oder nie die neuesten Sachen bekomme: ich bin dennoch von Gott geliebt. Bei Gottes Casting stehen wir alle auf dem Po-dest!
Was haben wir davon, dass wir wissen: ich bin ein wertvoller Mensch? Das ist eine gute Nachricht. Ich muss mich nicht erst wertvoll machen. Meinen Wert legen auch nicht andere fest! Dass ich genial bin, muss man nicht mehr an den Zeugnissen ablesen – das sieht man, wenn man mir in die Augen schaut! Ja – deine Augen gibt es nur einmal! Du bist einmalig. Viele Menschen meinen nun, sie sind nichts mehr wert. Keiner braucht sie. Beim Fußballspiel will mich keiner in seiner Mannschaft haben. Manche denken: ich habe keine Arbeit – ich bin zu nichts zu gebrauchen! Andere sind alt und schwach geworden – sie fühlen sich als Last, aber nicht als Schatz!
Es ist Weihnachten: schau, Gott gibt alles was er hat für dich! So wertvoll bist du ihm!
Jeder einzelne Mensch ist Gott so wichtig, dass er auch heute seinen Leu-ten und seiner Kirche Befehl gibt: sucht jeden Menschen und zeigt ihm, dass er mir sehr viel bedeutet.

2. wissen, dass Gott liebt
Das Zweite: Gott will, dass wir wissen, wer er ist. Mit „Gott“ benennt man auf dieser Welt vieles. Da gibt’s einen Fußballgott und einen Flankengott, da gibt es einen Naturgott und einen, mit dem man leben kann wie Gott in Frankreich. Es gibt einen Kochgott, einen Modegott, einen Literaturgott – eben einen für jede Religion. Jeder glaubt an etwas – und wenn es auch „Nichts“ ist. Wenn wir mit Menschen über Gott reden, dann müssen wir immer genau hinhören um zu erfahren, welchen Gott sie meinen.

Gott will sich zeigen. Er will aus dem Dunkel ins Licht kommen und ein-deutig werden – die Bibel nennt das „ sich offenbaren“. Gott offenbart sich uns in Jesus. Er schenkt uns Erkennungszeichen. An diesem Jesus sollen wir eindeutig wahrnehmen, wie er ist: er ist ein Gott der liebt!
Weihnachten heißt: Gott wird Mensch und zeigt, wie er ist.

Deshalb ist Weihnachten das Fest der Liebe, weil die Liebe Gottes gefeiert wird. In Jesus sehen wir, dass Gott eine unerschöpfliche Quelle der Liebe ist. Wir Menschen können ja auch lieben – aber das bisschen Liebe, das in unserem Herzen ist, das ist leider so schnell aufgebraucht. Manchmal reicht es für die Nachbarn schon nicht mehr. Manchmal ist hat man den Freund zu Beginn eines Spiels noch gerne. Aber schon kurze Zeit später will man nicht mehr mit ihm spielen. Die Liebe ist in unserem Leben so schnell aufgebraucht.
Seit Weihnachten kennen wir eine Adresse, wo wir nachtanken können. Gott kann uns von seiner Liebe immer was abgeben – dabei wird seine Liebe nie weniger!
Nun könnten wir fragen: Was hab ich von seiner Liebe? So ist Kirche: ich habe keine Arbeit und die reden von der Liebe Gottes. Ich habe keinen, der mich liebt – ich bin alleine, und nette Worte ändern auch nichts daran. Ich komme in der Schule nicht weiter und packe einfach Mathe nicht – die 6 Jahre Schule von der 1. bis zur 10. Klasse kann ich mir gleich sparen. Was hilft da die Liebe Gottes?

Die Bibel zeigt uns: die Liebe Gottes ist kein Baby geblieben – seine Liebe ist erwachsen geworden – ein Mann! In Jesus ist die Liebe Gottes den Menschen begegnet: Jesus hat sich den Menschen zugewendet und ihnen geholfen. Er hat sie gesundgemacht. Er hat Menschen angenommen, die andere abgelehnt oder ausgeschlossen haben. Er hat Menschen Schuld vergeben und eine neue Chance im Leben eingeräumt. Er hat mut ge-macht, gestärkt, manchmal auch gemahnt.
Die Liebe Gottes ist eine Kraft, die mich für mein Leben stark macht, die mich auf die Beine stellt. Die Liebe Gottes ist kein Wunschroboter, der mir alles bringt wonach ich mich sehne. Die Liebe Gottes ist die Kraft, die mich wieder aufrichtet und mich stärkt, die mir zeigt: Gott ist an deiner Seite und geht mit.

3. erfahren, dass Gott mich begleitet
Seit Weihnachten machen Menschen die Erfahrung, dass sie nicht alleine sind. Damals waren Hirten auf dem Feld. Es war mitten in der Nacht und sie passten auf Schafe auf. Nachts muss man besonders aufpassen, denn in der Dunkelheit kommen wilde Tiere und finstere Gesellen. Deshalb ist es einem nachts manchmal etwas bange.
Und plötzlich: es wird taghell! Die Hirten sehen auf einmal Engel. Plötzlich offenbart sich ihnen, was sie vorher nicht wahrnehmen konnten. Gott ist nicht irgendwo über den Wolken. Gott ist direkt vor mir. Oh – und da be-kommen sie noch mehr Angst. Aber Gott lässt sagen: „Fürchtet euch nicht! Für euch und alle Welt gibt es Grund zur Freude. Die Liebe Gottes ist Mensch geworden und wohnt nun bei euch.“ Die Hirten erkennen plötz-lich: Gott ist mitten in ihrem Alltag, mitten in ihrer Nacht, sogar bei ihrem Job ist er da und er nimmt ihnen die Angst. Gott hat für sie seinen Sohn Jesus ins Leben geschickt, damit es hell wird bei ihnen.

Gott will dich begleiten. Du darfst Erfahrungen mit ihm machen. Er will dich stärken und fördern. Er will, dass durch dein Leben seine Liebe ande-re Menschen berührt und ermutigt. Er will, dass du in deinem Leben im-mer wieder solche Hoffnungszeichen der Liebe setzt.
Der WDR hat mit den Tafeln in NRW eine Aktion durchgeführt. Er hat auf-gerufen, bedürftigen Menschen ein Zeichen der Liebe zu schenken in ei-nem Päckchen – über 70.000 Pakete sind zusammengekommen, die heute verschenkt werden. Genial! Verschenkte Liebe macht Menschen Mut! Es sind Hoffnungszeichen. Sie machen sichtbar: Du lebst nicht allein! Du bist nicht verlassen. Gott ist an deiner Seite. Er schickt auch immer wieder seine Leute. In den Nöten des Lebens bist du nicht allein. Um die Noten des Lebens musst du nicht alleine kämpfen – lass dir helfen!

Wir brauchen nicht alleine zu leben. Gott hat es bei uns durch Jesus hell werden lassen. Und dieser Jesus begleitet uns. Wir sind durch ihn geseg-net. Gott segnet seine Menschen!
Das ist Weihnachten: Menschen empfangen den Segen Gottes!
Der Weihnachstmanager sollte einen Schnellkurs im Segnen machen.
Wer darf segnen? Jeder, der gesegnet ist!
Wie geht segnen? Kreuz über jemanden schlagen und ihm Gottes Liebe zusagen!
Kreuz – das bedeutet, dass Gott seine Liebe durchgehalten hat. Jesus hat am Kreuz nicht gesagt: jetzt ist Schluss mit Lustig! Jetzt schlage ich zu-rück. Jesus hat sich bei seinem Vater geborgen gewusst – deshalb bat er: Vater, vergib ihnen. Sie wissen nicht was sie tun. Jesus hält die Liebe durch – deshalb steht sie auch dir offen. Die Liebe Gottes ist eine Kraft, die dich für dein Leben stärken möchte.
Im Licht dieser Liebe darfst du leben!
Deshalb: Fröhliche Weihnachten! Amen.

20.12.2009 Du hast Grund zur Freude

Philipper 4, 4-7
Predigt in Lobetal am 4. Advent 2009 (20. Dez. 2009)

4 Freuet euch in dem Herrn alle Wege, und abermals sage ich: Freuet euch! 5 Eure Güte lasst kund sein allen Menschen! Der Herr ist nahe! 6 Sorgt euch um nichts, sondern in allen Dingen lasst eure Bitten in Gebet und Flehen mit Dank-sagung vor Gott kundwerden! 7 Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus.

Heute ist Freude angesagt!
Freuet euch – obwohl der Klimagipfel in Kopenhagen gescheitert ist! Freu-et euch – trotz der Tatsache, dass die Neuverschuldung unseres Landes im neuen Jahr ein Rekordhoch erreicht! Freuet euch – wenn auch noch keine Nachfolge für Cordelia in Sicht ist! Freuet euch – auch wenn viele Familien schwer zu tragen haben an den Ereignissen der letzten Monate. Freuet euch, trotz finanzieller Engpässe, die euch belasten, trotz kritischer Entwicklungen auf dem Arbeitsmarkt, die zur Sorge Anlass geben. Freuet euch, wenngleich Krankheit und Leid euere Gefährten zu sein scheinen. Freuet euch – das gilt auch unserem VfB Fan Torsten, obwohl die Stutt-garter in der Champions League gegen den FC Barcelona spielen - hoff-nungslos!

Mit Vernunft scheint dieser Aufruf zur Freude nicht zu verstehen sein – schon damals nicht. Paulus schreibt diesen Brief der Freude aus dem Ge-fängnis. Er scheint einer unabsehbaren Zukunft entgegenzugehen. Aber er schreibt einen Brief der Freude. Ist das nicht seltsam? Wenn man die Au-gen auf macht und die Gegebenheiten sieht, dann hat man allen Anlass zur Sorge und zur Furcht. Aber Paulus fordert uns heute auf, die Augen sehr wohl weit zu öffnen und die Sinne zu schärfen – er will uns zeigen, dass wir tatsächlich Grund zur Freude haben!

Hier geht es um Gegebenheiten, die höher sind als alle Vernunft. Hier geht es um eine Haltung, die man nicht gewinnt aufgrund exakter Analysen der gegenwärtigen Entwicklungen – weder derer im eigenen Leben noch derer in unserer Gesellschaft.
Nicht die Gegebenheiten fordern zur Freude auf – Gott fordert sein Volk auf, Freudengesänge anzustimmen und das Jubeln einzuüben. „Freuet euch“ – dieser Aufruf trifft die Gemeinde Gottes immer wieder. Bereits im Alten Testament ruft ein Prophet geängstigten Leuten zu: „Du Tochter Zi-on, freue dich sehr, und du, Tochter Jerusalem, jauchze! Siehe, dein König kommt zu dir, ein Gerechter und ein Helfer!“ (Sacharja 9,9) Auch noch ein anderer Prophet rüttelt dieses Volk freudenwach: „Jauchze, du Tochter Zion! Frohlocke Israel! Freue dich und sei fröhlich von ganzem Herzen, du Tochter Jerusalem! Denn der Herr hat deine Strafe weggenommen und deine Feinde abgewendet!“ (Zefanja 3, 14f.) Propheten übten ein Wächte-ramt aus. Sie halten Ausschau in die Zukunft, hören, was Gott zu tun be-absichtigt. Sie sagen an, was das Volk noch nicht wahrnimmt und rufen aus, was noch nicht angekommen ist. Wie ein Wächter auf einer Stadt-mauer sehen sie am Horizont „Bewegungen“, die andere nicht wahrneh-men. Sie rufen die Gegebenheiten aus, die Gott in dieser Welt wirkt, bevor sie ins Heute einbrechen!

Aber Paulus ist kein Prophet, sondern Evangelist. Der sieht Gottes Handeln nicht erst in ferner Zukunft. Er hat Gottes heilsames Eingreifen und Kom-men in seinem Leben erfahren. Paulus sieht die Gegebenheiten. Paulus ruft eine reale frohe Botschaft. Das hat er erfahren: Jesus ist uns gege-ben. Jesus ist gegenwärtig. Diese Wahrnehmung ist die entscheidende Wahrnehmung – hier gewinnt man eine Perspektive, mit der man auch in den „Dunkelheiten“ dieses Lebens bestehen kann. Hier gewinnt man die Kraft, in der man auch in schweren Zeiten nicht zerbricht und auch in Kri-sen nicht flieht. Hier gewinnt man die Haltung, die geprägt wird von Hoff-nung und froher Erwartung. Freude ist angesagt – du hast Grund zur Freude!

1. Der Grund der Freude: Der Herr ist nahe!
Nicht die Stimmung ist ausschlaggebend – auch nicht das, was mir wider-fährt. Jesus ist nahe – das ist entscheidend! Jesus ist nahe, das ist Grund zur Freude.
Jesus ist nahe – das bedeutet: er ist bei dir! Jesus ist aus dem Himmel Gottes aufgebrochen, um dich zu suchen. Er ist angekommen. Er kam als Kind, um in deinem kleinen Herzen Platz zu haben. Er ist da! Er erfüllt de-in Herz mit den Lebensgaben Gottes: Glaube, Hoffnung und Liebe.
Jesus ist nahe – das bedeutet aber auch – er kommt noch einmal! Er bricht aus der unsichtbaren Welt Gottes noch einmal auf, um als Herr der Welt, in Macht und Kompetenz, in Glanz und eindeutigem Triumph den letzten Feind zu besiegen, der hier auf Erden sein Unwesen treibt: den Tod. Freuet euch!

Ich rede heute Morgen über die Freude, die eine geistliche Aufgabe und Herausforderung ist!
Ich rede heute morgen über die Freude, die uns eröffnet ist – die wie ein Kleidungsstück vor uns liegt: Ziehen wir es an – ziehen wir die Freude an!
Ich rede heute Morgen über eine Freude, die das ganze Leben prägen will.
Ich rede heute Morgen über die Freude, die für uns vielleicht ein hartes Stück Arbeit ist – eine Arbeit die sich lohnt!

Freude als geistliche Aufgabe – wie können wir zur Freude befreit werden?
Diese Freude ist nicht in uns – Paulus sagt: Ich freue mich in dem Herrn! Paulus verlässt sozusagen sein Leben und hängt sich ganz an diesen Je-sus; er schlüpft sozusagen in ihn hinein: in Christus sein – das ist für ihn angesagt. Und in diesen Christus sollen wir jeden neuen Tag hineinschlüp-fen. Es ist die entscheidende Frage, wie du dir jeden Tag neu vergegen-wärtigst: Du bist durch Jesus losgekauft von einer Macht, die dir ein Leben ohne Gott versprochen hat. Diese Macht hat erstaunliche und verlockende Angebote – aber letztlich werden dich diese alles kosten und am Ende wirst du auch noch das Leben verlieren. Ohne Gott verliert man auch die Würde und die Freiheit der Kinder Gottes. Man wird beherrscht von Sorge und Angst.
Paulus fasst zusammen, was die Realität eines Christen ausmacht. In Ka-pitel 3, 20 + 21 benennt er, was in Christus gilt: „Unser Bürgerrecht aber ist im Himmel; woher wir auch erwarten den Heiland, den Herrn Jesus Christus, der unsern nichtigen Leib verwandeln wird, dass er gleich werde seinem verherrlichten Leibe nach der Kraft, mit der er sich alle Dinge un-tertan machen kann.“ Mitten in einer Welt, in der alles vergeht, haben wir bereits den Pass zu einem Leben bereitliegen, das in der Gegenwart Got-tes stattfindet. In Jesus haben wir bereits jetzt die Zusage eines zukünfti-gen Lebens!

Heute sieht man ständig auf das, was man hat. Man ist froh, wenn man viele gute Dinge hat: Gesundheit, Beruf, Familie und tragfähige Ressour-cen. Aber man wird unruhig und besorgt, wenn man das nicht hat. Wir fal-len in Angst und Schrecken, wenn es uns aus der Hand gleitet.
Die geistliche Aufgabe heißt: Lass dich prägen durch das, was durch Jesus für dich gilt. Lass dich prägen durch das, was er für dich erworben hat. Lass dich davon bestimmen. Vergegenwärtige dir das immer wieder. Schreib es dir auf und placiere es in deinem Gesichtsfeld – das darfst du nicht übersehen.

Jetzt könnte man sagen: typisch Christlich. Man muss sich einreden, dass man besser dran ist als es den Anschein hat. Man muss irgendwie die Au-gen verschließen vor der Realität dieser Welt.

Gerade nicht. Deshalb:
2. Die Auswirkungen der Freude: Handlungsfähigkeit
Wenn Christen auf das sehen, was für sie durch Christus gilt, dann öffnen sich in ihrem Leben alle Türen, dann zieht frischer Wind durch ihr Leben. Es wird hell und man gewinnt neuen Mut. Christen werden handlungsfä-hig. Spaß zieht einen Menschen aus seinem Alltag heraus – Freude schickt uns in den Alltag hinein. Spaß kostet Leben, Zeit, Geld – Freude fördert Leben, spart Zeit und du hast plötzlich Geld übrig! Spaß verfliegt – Freude bleibt.
Und diese Freude richtet uns immer wieder auf, öffnet uns für die Leute, denen wir begegnen und schickt uns zu ihnen. Paulus sagt: „Eure Güte lasst kund sein allen Menschen.“
Liebe Geschwister: zur Güte muss man befreit sein. Es gibt zu viele Grün-de, dem anderen nicht in Güte zu begegnen. Misstrauen ist doch nicht schlecht. Vielleicht will der andere mich ja ausnutzen?

Paulus sagt: Euere Güte lasst kund sein allen Menschen! Lasst allen Güte widerfahren. Das deutsche Wort „lind“ bedeutet „weich, zart, mild und nachgiebig“. Das lateinische Wort „lenis, lene“ bedeutet: „linde, mürbe gemacht, windelweich geschlagen“. Das bezieht sich also auf unser Herz. Unser Herz war hart, aber die Liebe und Barmherzigkeit Gottes haben es zerschlagen und weich gemacht. Wir können nun mitleiden. Härte weicht. Wir können mitfühlen. Das Schicksal von Menschen berührt uns.

Güte bedeutet nicht, dass man jedem 10 Euro schenkt und zu Weihnach-ten niemand vergisst und alle mit Gaben bedenkt. Güte bedeutet zualler-erst: Ich öffne mich dem anderen Menschen. Ich speise ihn nicht schnell ab. Ich wende mich ihm zu. Das ist das Wichtigste – das heißt: ich schen-ke dem andern Zeit und Aufmerksamkeit, Kraft und meine Begabungen. Wozu das führt weiß man nicht vorher. Worin Güte konkret wird, klärt sich erst mit der Zeit. Das wird man dann schon erkennen.

Unser Problem heute ist, dass man den Menschen keine Zeit mehr schenkt. Man verbringt Zeit mit so vielen Dingen – schenkt Menschen wieder Zeit und Aufmerksamkeit! Verschenkt den Kindern zu Weihnachten Zeit, auch dem Ehepartner, den Nachbarn, den älteren Geschwistern! Zeigt ihnen, was ihr an Güte bei euch habt!

3. Milde Herzen brauchen Schutz!
In der gütigen Hinwendung zu den Menschen werden wir aber eine unan-genehme Erfahrung machen: Die Freude verfliegt immer wieder. Dem an-dern in Güte zu begegnen, das ist Arbeit. Ihn wahrzunehmen und zu hel-fen, das kostet Kraft. Hinwendung an die Menschen führt an unsere Gren-zen! Menschen mit offenen Herzen zu begegnen bedeutet eben auch, dass unsere Herzen verletzt werden können.
Liebe Geschwister, wir benötigen Schutz. Deshalb schreibt Paulus hier:
„Der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus!“ Das brauchen wir – Bewahrung. Das griechi-sche Wort wird vielleicht besser wieder gegeben mit „Bewachung“! Wir benötigen jemand, der auf uns aufpasst.
Weil wir ein mitfühlendes und mildes Herz haben, wird es immer wieder verletzt werden. Der Friede unseres Herrn aber ist die große Schutzmaß-nahme Gottes, damit wir weder selbst zerbrechen noch so reagieren, dass wir den anderen zerbrechen.
Liebe Geschwister, wir wissen doch, wie unser Herz tickt. Wenn ihm weh getan wird, dann reagiert es in der Regel in zwei Richtungen: Rückzug o-der Angriff.
Das ist ein Problem in vielen Gemeinden, dass Menschen da sind und sich engagieren und einsetzen, aber dass es immer wieder zu Konflikten und dann auch zu Re-Aktionen kommt. Die Konflikte sind verständlich – aber die Reaktionen sind schwierig. Hier wird es emotional. Hier wird es gefähr-lich! Hier kann man verletzt werden. Verletzte verletzen wieder! Keine gu-te Kettenreaktion!
Wie kann uns nun der Friede Gottes schützen? Liebe Geschwister, wir müssen wach werden für den Augenblick, in dem in unser Herz Unfriede einziehen will. Wenn unser Herz aufrüstet, wenn die Leber dem Großhirn den Auftrag gibt, der Faust „ballen!“ zu verordnen, dann müssen wir aktiv werden und sagen: Stopp! Gott ist jetzt da, und er sagt: Friede, lieber Ro-land! Ich habe in deinem Leben alle Voraussetzungen geschaffen, dass alles gut wird. Das ist auf keinen Fall gefährdet! Deshalb: Langsam! Wie kannst du angemessen reagieren!?

Mache aus allem, was dich bewegt, ein dankbares Gebet! Wende dich Gott zu. Blicke nicht ständig auf das, was dir Angst macht. Der Herr ist nahe. Er ist für dich da! Sprich mit ihm und danke im schon dafür, dass er dich leiten und führen wird. Du hast Grund zur Freude, deshalb wende dich den Menschen in Güte zu – lass dabei dein Herz bewahrt sein!
Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, der bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus! Amen