Predigt über Matthäus 28, 16 – 20 von Roland Schindler
Aber die elf Jünger gingen nach Galiläa auf den Berg, wohin Jesus sie beschieden hatte. (17) Und Jesus trat herzu und sprach zu ihnen: Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden. (19) Darum gehet hin und machet zu Jüngern alle Völker; Taufet sie auf den Namen des Vaters und den Sohnes und des Heiligen Geistes (20) und lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe. Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.
Deutschland ist das Eldorado für Heimwerkler, die unbestrittene Nr. 1 in Europa. Knapp 1000.- Euro gibt der Deutsche durchschnittlich pro Jahr für Werkzeuge, Materialen und weiteren Baubedarf aus. „Es gibt immer was zu tun“ ist wohl der bekannteste Slogan. Sogar ein Buch ist mit diesem Titel erschienen und lädt dazu ein, von der Pieke an alles Rund um Haus und Garten selbst zu werkeln. Eine Frau schrieb begeistert: „Das optimale Geschenk für meinen Mann. Endlich hat er was zu tun. Eine Pergola und einen Teich will er dieses Jahr anlegen – herrlich, ich sehe ihn den ganzen Tag nicht!“
Tja, da bleibt den Engländern, Franzosen und Belgiern nur das Nachsehen. Dabei mischen heute die Frauen kräftig mit. Früher hantierten sie ja ausschließlich mit der „Stichelsäge“, aber heute wünschen sie sich schon zum Geburtstag und zu Weihnachten Bandschleifer, Dekupiersäge und Schlagbohrmaschine.
Ich dachte, da wir heute kein Anspiel haben, machen wir gleich mal die Probe aufs Exempel und sehen, wie gut ihr euch in der Baumarktlandschaft auskennt. Ich nenne die Slogans und ihr sagt mir, welcher Baumarkt damit seine Philosophie zum Ausdruck bringt.
„Ideen muss man haben“ - Hellweg
„Es gibt immer was zu tun“ - Hornbach
„Schön, dass sie da sind“ - Bahr
„Wenn´s gut werden muss“ - Bauhaus
„Wie, wo, was – weiß ….“ - Obi
„Mach dein Ding“ - Hagebau
„Gut für die Umwelt – günstig für sie“ - Toom-Baumarkt
„Hier spricht der Preis“ - Praktiker
„Ein Paradies für Profis und Heimwerker“ - Hammer
„Wir haben den besten Preis“ - Discount Baumarkt B1
Selber „machen“ – das scheint eines unserer Gene zu sein. Wir finden Bautrupps in Schulen und Kindergärten, in Kleingartenanlagen und Vereinsheimen, in Garagen und auf einem Baugerüst in Wanne – sogar in unserer Gemeinde. Schon die Kinder sind nicht aus dem Sandkasten zu kriegen und natürlich gibt es auch ein Kinderbuch mit dem vielsagenden Titel: „Es gibt immer viel zu tun“ – eine Geschichte des „kleinen roten Traktors.“
Doch wir sind nicht eingeladen, Gemeindehäuser zu bauen – Gott lädt uns ein, dass wir seine Gemeinde mitbauen. Er möchte uns begeistern für die lohnenswerteste Aufgabe dieser Welt. Er will uns ermutigen unsere Kraft und unseren Verstand dahingehend einzusetzen, Menschen für Gott zu begeistern. Dazu möchte er uns heute durch „Matthäi am Letzten“ ermutigen.
Wobei – Matthäi am Letzten – wissen sie, wofür das steht? Im Internet erfährt man, dass dieser Ausdruck in Österreich eine stehende Redewendung ist. Wofür sie steht, sieht man an den Übersetzungen – im Deutschein bedeutet diese Redewendung: „Der Zug ist abgefahren“ – im Englischen: „This ist the End“. Wenn jemand am Ende ist, keinen Ausweg mehr sieht oder dem Sterben entgegengeht, wird auch heute noch manchmal sprichwörtlich gesagt: "Bei ihm oder bei ihr ist Matthäi am Letzten."
Diese Redewendung geht auf Martin Luther zurück. In seinem Katechismus schreibt der Reformator zum Hauptstück „Taufe“: "Unser Herr Jesus Christus spricht Matthäi am Letzten ‚Mir ist alle Macht gegeben im Himmel und auf der Erde’ und ‚Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt’." Martin Luther weist alle, die in ihrer Lebenssituation irgendwie wie am Ende ist, darauf hin, dass am Ende des Evangeliums nicht steht "Alles aus und vorbei", sondern "Mir ist alle Macht gegeben" und "Ich bin bei euch alle Tage". Also lieber Volksmud – da hast du aber Martin Luther nicht aufs „Maul geschaut“, als du dir diese Redewendung als geflügeltes Wort einverleibt hast!
„Matthäi am Letzten“ ist also ein Hoffnungswort. Eine Geschichte schien am Ende – doch der Auferstandene Jesus Christus bezeugte sich seinen Nachfolgern und verwandelte resignierte Leute in einen Trupp leidenschaftlicher Menschen, die mit einer „frohen Botschaft“ Menschen neue Hoffnung brachten. Nun wird vor allem Gemeinde gebaut – keine Gemeindehäuser. Menschen werden eingeladen, diesen Gott zu entdecken, der in seiner Gemeinde wirkt, der Gemeinde will und der Gemeinde fördert. Dieser „Bauplatz“ Gemeinde ist ein lohnender Einsatzort für unsere „Bau-Gene“. Hier können wir unsere Gaben entfalten. Hier können wir nach Herzenslust unsere Kreativität und unsere Leidenschaft einbringen. Es gibt keine Aufgabe, die so lohnend und so erfüllend, so herausfordernd und so großartig ist, wie die, auf der „Baustelle“ Gemeinde mitzuwirken. Damit man aber nun genau weiß, welche Werkzeuge man da vor allem benötigt und wo man die am besten erhält, hören wir auf den „Bauauftrag“ des Chefs:
- Der Bau klappt nur mit Jesus
Er ist mächtig – er hat alle Macht in der sichtbaren und der unsichtbaren Welt. Er ist Herr! Und als dieser Herr tritt er auf und zeigt, dass er nicht als netter Restaurator auftritt, oder als freundlicher Handwerker, der dein Seelenleben wieder in Ordnung bringt. Er kommt als Herr und Eigentümer deines Lebens. Er ist auch Herr und Eigentümer dieser Welt. Er ist derjenige, der das Leben designt hat. Er hat es entworfen und es gelingt nur mit ihm. Deshalb ist vor allem und zuerst er zu verkündigen und auf ihn hinzuweisen. Wir werden immer wieder von diesem Herrn zu reden haben. Wir werden selbst immer wieder auf diesen Herrn zurückkommen müssen – denn wir werden selbst immer an Grenzen kommen.
Jesus ist wie ein Fundament, auf dem es sich leben lässt. Wer sein Leben auf eine andere Grundlage gestellt hat, der läuft Gefahr, sich mit seinem Leben am Ende zu verlieren. Es geht nun darum, den Menschen auf dieser Welt und besonders in deiner Umwelt auf diesen Jesus aufmerksam zu machen. Entdecke Jesus! Das gilt auch Opelanern!
- Jesus empfängt man durch die Taufe und man lernt ihn nur durch die Bibel kennen.
Wie soll das nun gehen, dass dieser Jesus Christus zum Fundament eines Lebens wird? Jesus sagt: Durch die Taufe. Die Taufe ist eine erstaunliche Gabe Gottes. Der heutige Sonntag erinnert uns daran, dass wir getauft sind und will uns in das Wesen dieser Gabe neu hinein nehmen. Schauen wir uns also diese Taufe einmal genauer an.
In der Taufe wird man auf den Namen „Jesus Christus“ getauft und mit Wasser übergossen – eigentlich in das Wasser eingetaucht und wieder herausgehoben. Es ist ein Zeichen dafür, dass man jetzt Jesus gehört. Taufe signalisiert sozusagen einen Besitzerwechsel. Wem man vorher gehört hat – sei es der Angst oder schlechten Gewohnheiten, sei es sich selbst oder sei es den prägenden Worten seines Vaters, sei es der Unzufriedenheit oder sei es der Beliebigkeit – jetzt gehört man Jesus. Er ist sozusagen der, der mich nun besitzt. Er hat seine Hand auf mein Leben gelegt und gesagt: „Fürchte dich nicht mehr, du gehörst jetzt mit und ich werde alles daran setzen, dass dein Leben gelingt und bestand hat.“ Taufe bedeutet, dass man sich entscheiden hat und dem Rechnung trägt, dass man von ihm geliebt und zum Leben befreit wurde. Sich taufen lassen heißt, sich für Jesus entscheiden. Das muss nicht zusammenfallen – das kann auch so gehen, dass man zuerst getauft wurde und dann – viel später – entdeckt, was man in dieser Taufe geschenkt bekommt. Und nun nimmt man ihn – Jesus – an und lebt mit ihm.
Und Taufe bedeutet, dass Gott selbst darin handelt und kommt und durch seinen Geist in uns wohnt. Taufe ist ein Geheimnis – denn darin wirkt Gott. Er erfüllt uns mit seiner Gegenwart. Er erfüllt uns durch seinen guten Geist.
- Jesus will, dass wir Menschen nicht mehr alleine sind
Ich habe ein prägnantes Lied von Reinhard May gefunden. Es heißt „Allein.“
„Er drang mir in die Seele, weiß Gott, wie er mich traf,
Der Spott der guten Kinder, ich war das schwarze Schaf.
Im Pausenhof, die Tränen niederkämpfend, stand ich stumm,
Der Inhalt meines Ranzens lag verstreut um mich herum.
Wie wünscht‘ ich mir beim Aufsammeln eine helfende Hand,
Ein Lächeln, einen Trost, und da war keiner, der sich fand.
Ich hatte keinen Freund und schlechte Noten, ist ja wahr,
Und unmoderne Kleider und widerspenst‘ges Haar.
Allein,
Wir sind allein,
Wir kommen und wir gehen ganz allein.
Wir mögen noch so sehr geliebt, von Zuneigung umgeben sein:
Die Kreuzwege des Lebens geh‘n wir immer ganz allein.
Allein,
Wir sind allein,
Wir kommen und wir gehen ganz allein.
Und noch ein Glas Champagner, und sie drückten mir die Hand,
Und alle waren freundlich zu mir, alle war‘n charmant.
Und mancher hat mir auf die Schulter geklopft, doch mir scheint,
Es hat wohl mancher eher sich, als mich damit gemeint.
Die Worte wurden lauter, und sie gaben keinen Sinn,
Das Gedränge immer enger, und ich stand mittendrin
Und fühlte mich gefangen, wie ein Insekt im Sand:
Je mehr es krabbelt, desto weiter rückt der Kraterrand.
Nun, ein Teil meines Lebens liegt hinter mir im Licht,
Von Liebe überflutet, gesäumt von Zuversicht.
In Höhen und in Tiefen, auf manchem verschlung‘nen Pfad
Fand ich gute Gefährten und fand ich guten Rat.
Doch je teurer der Gefährte, desto bitterer der Schluß,
Daß ich den letzten Schritt des Wegs allein gehen muß.
Wie sehr wir uns auch aneinander klammern, uns bleibt nur
Die gleiche leere Bank auf einem kalten, leeren Flur“
Allein – das ist hart. Alleinsein ist schmerzlich. Und das ist so – der Verlust der liebsten Menschen ist am Schmerzlichsten. Aber Jesus sagt: „Siehe, ich bin bei euch, bis ans Ende der Zeit!“ Jesus ist bei uns – er geht mit, er begleitet, er ist treu, er ist „Gott mit uns!“
Dieser Jesus überlässt dich nicht mehr der zerstörenden Einsamkeit. Er schenkt dir immer wieder neu seine heilsame Nähe!
Es gibt viel zu tun – damit die Menschen auf tragfähigem Grund leben. Helft mit, damit sie Jesus kennen lernen und ihr Leben sicher wird.
Er hat viel zu tun – pack mit an!
Amen!
o
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