Donnerstag, 30. Juli 2009

26.07.2009 Empfangen, was satt macht

Predigt am 26. Juli 2009 Lobetal von Roland Schindler
Johannes 6, 1-15

1 Danach fuhr Jesus weg über das Galiläische Meer, das auch See von Tiberias heißt. 2 Und es zog ihm viel Volks nach, weil sie die Zeichen sahen, die er an den Kranken tat. 3 Jesus aber ging auf einen Berg und setzte sich dort mit seinen Jüngern. 4 Es war aber kurz vor dem Passah, dam Fest der Juden.
5 Da hob Jesus seine Augen auf und sieht, dass viel Volks zu ihm kommt und spricht zu Philippus: „Wo kaufen wir Brot, damit diese zu essen haben?“ 6 Das sagte er aber, um ihn zu prüfen; denn er wusste wohl, was er tun wollte. 7 Philippus antwortete ihm: Für zweihundert Silbergroschen ist nicht genug für sie, dass jeder ein wenig bekomme. 8 Spricht zu ihm einer seiner Jünger, Andreas, der Bruder des Simon Petrus: 9 „Es ist ein Kind hier, das hat 5 Gerstenbrote und 2 Fische; aber was ist das für so viele?“ 10 Jesus aber sprach: „Lasst die Leute sich lagern.“ Es war aber viel Gras an dem Ort. Da lagerten sich etwa fünftausend Männer.
11 Jesus aber nahm die Brote, dankte und gab sie denen, die sich gelagert hatten; des-gleichen auch von den Fischen, so viele sie wollten.
12 Als sie aber satt waren, sprach er zu seinen Jüngern: „Sammelt die übrigen Brocken, damit nichts umkommt.“ 13 Da sammelten sie und füllten von den fünf Gerstenbroten zwölf Körbe mit Brocken, die denen übrig blieben, die gespeist worden waren.
14 Als die Menschen das Zeichen sagen, das Jesus tat, sprachen sie: „Das ist wahrlich der Prophet, der in die Welt kommen soll.“ 15 Als Jesus nun merkte, dass sie kommen würden und ihn greifen, um ihn zum König zu machen, entwich er wieder auf den Berg, er selbst allein.

Es gibt Dinge, die sind nun einmal so. Nehmen wir zum Beispiel den 1.FC Nürnberg. Er ist eine typische Fahrstuhlmannschaft. Eben in die Bundesli-ga aufgestiegen und schon wird wieder gezittert. Das ist der Herzschmerz eines Clubfans. Kaum ist die Aufstiegsfreude verklungen, muss man schon wieder an seiner Frustrationstoleranz üben.
Oder nehmen wir Schalke 04; sie wollen Meister werden und schaffen es nicht. Sie versuchen alles – und sollten sie in der abgelaufenen Spielzeit vorne stehen, dann kommt halt die Nachspielzeit.
Oder nehmen wir Schweden; da ist es im Juli einfach nass. Da kannst du nichts machen. Da muss man einfach warten, bis es Dezember wird – dann regnet es zumindest nicht mehr.
Oder nehmen wir die Amerikaner – sie sind einfach „das Land der unbe-grenzten Möglichkeiten. Da ist zum Beispiel Joey Chestnut. Wo andere Grenzen haben, scheint er unbegrenzte Möglichkeiten zu haben. Bei einem Hamburgerwettessen hat er in 8 Minuten 103 Hamburger verdrückt. Da-mit ist er Weltmeistern im Hamburgeressen. Als man ihn anschließend fragte, wie es ihm geht, meinte er: „Ganz gut, nur sei jetzt etwas hung-rig.“
Die Hamburger sind in den scharfen Sachen unschlagbar. Das ist halt so. Siggi Siegler hat den Currywurst-Schärfe Wettbewerb gewonnen. Er sprach nach dem Championat von „Freudentränen“, während sich seine Kontrahenten wahlweise entweder übergaben oder im Rettungswagen be-handeln ließen. Die Schärfewettesser steigen bei einem Schärfegrad von 80.000 Scoville ein – zum Vergleich: Tabasco hat 5000 Scoville. Siggi schaffte sogar Capsaicin – 16 Millionen Scoville scharf. Das schärfste Zeug der Welt. Man braucht einen Swimmingpool voller Wasser, um einen Trop-fen zu neutralisieren. Die Hamburger sind Spezialisten für scharfe Sachen.
Tja, es gibt Dinge, die sind halt so.

Oder Jesus: der kann Brot vermehren. Das ist eben so. Die Gemeinde schafft das nicht. Aber Jesus und das Brot – das ist einmalig. Manchmal könnte man meinen: Jesus = Brot! Es gibt Dinge, die sind halt so.
Unser Wort „Brot“ bedeutet eigentlich soviel wie „Lebensunterhalt“ oder „Nahrung“. Wenn etwas „brotlos“ ist, dann ist es sinnlos. Wer aber „Brot“ hat, der hat, was er zum Leben braucht.

In unserem Predigtwort sieht man etwas von der Wertschätzung Jesu ge-genüber dem Brot. Er sagt nach der Mahlzeit: „Sammelt die übrigen Bro-cken, damit nichts umkommt.“ Brot ist kostbar. Brot sättigt. Brot stärkt. Brot erhält Leben.

Doch wenn Jesus dieses Brot in die Hand nimmt, dann geschieht eine er-staunliche Wandlung. Wenn er Brot austeilt, dann werden viele satt. Und das Brot, das er austeilt, das sättigt viel tiefer als jedes Vollkornbrot aus unseren guten Bäckereien.

Unser Thema lautet: „Empfangen, was wirklich satt macht.“ Gemeint ist damit, dass unser Hunger immer nur für kurze Zeit gestillt ist. Unser Kör-per verarbeitet das Brot und braucht immer wieder Nachschub. Jesus gibt etwas ähnliches wie Brot – das stillt unseren Lebenshunger bleibend.

Drei Gedanken unseres Predigtwortes dazu:
1. Jesus ist wie ein Lebensbrot
Das Wunder in dieser Geschichte ist nicht das viele Brot, das aus 5 Gers-tenbroten gebrochen 5000 Männer sättigt. Das Wunder in dieser Ge-schichte ist derjenige, der das Brot bricht, der Gott dankt, der die Men-schen, die da hungrig vor ihm sind, liebt, und einfach nicht möchte, dass für einen nichts mehr übrig bleibt.

Das meinen wir doch manchmal: „Führ uns gibt es nichts mehr! Die an-dern, die haben es gut. Die haben, was man für das Leben braucht. Aber für mich gab es in dieser Welt scheinbar nicht einmal mehr einen Rest. Ich muss mit Mangel leben.“
Wer Hunger hat und nichts zu essen hat, bei dem knurrt der Magen. Wer Lebenshunger hat und meint, für ihn hat die „Küche“ des Lebens ge-schlossen, der wird mit der Zeit „knurrig“, der wird mürrisch und gereizt, der wird trotzig und traurig. Hunger tut weh. Lebenshunger auch. Man wird neidisch. Man wird hart. Manchmal auch sarkastisch - ha, die andern – die haben gut reden, die haben gut glauben! Aber ich – für mich bleibt scheinbar nur die Hoffnung auf das Jenseits. Vertröstungen. Ewiges Leben – ha – und jetzt zeitliches Hungern!

Aber an dieser Botschaft soll kein Mensch vorbeihören: Jesus ist gekom-men, damit dein Lebenshunger gestillt wird. Er sieht dich. Wie damals, als die vielen Menschen ihn suchten und er sie sah. Sie wollten eigentlich et-was spektakuläres Erleben. Sie wollten in Erfahrung bringen, ob auch bei ihnen das zutrifft, was da andere sagen: Er macht gesund – er wirkt Heil. Das wollten sie: eine spektakuläre Erfahrung mit Jesus erleben – aber was bekommen sie: etwas zu essen!
Warum gibt Jesus ihnen etwas zu essen? Weil er deutlich macht: Euch treibt nicht die Sehnsucht nach außergewöhnlichen Erfahrungen um – sondern euch treibt ein Hunger des Lebens um. Ihr möchtet ein Leben le-ben, das erfüllt ist, das prall gepackt ist mit guten Erfahrungen. Ihr seid ruhelos bis ihr etwas habt, was euch so erfüllt, dass euer ganzes Leben von dieser Erfüllung geprägt ist. Und das, was ihr sucht, das bin ich! Ich gebe, was satt macht. Ich, der ich anscheinend nichts in der Hand habe, kann dir geben, wonach du dich sehnst; denn ich gebe mich! Und das reicht für alle!

2. Jesus will deinen Hunger stillen
Jesus bist du so kostbar, dass er sich ganz investiert, damit du lebst. Hat sich für dich schon mal jemand so eingesetzt wie Jesus? Zu allen, die dich verklagen, die auf dich zeigen, denen gegenüber du Schulden hast, sagt er: „Was er schuldig geblieben ist, das gebe ich; sein Unrecht sühne ich und seinen Tod sterbe ich. Jesus schenkt sich dir als Gabe, die so erfüllt, dass dein Leben frei wird von Gier, Neid, Schmerz und Unzufriedenheit.

Glaube ist keine Gedankenakrobatik für Zukurzgekommene. Hier wird nicht mit deinen Sehnsüchten und Verletzungen, mit deinen Sorgen und Ängsten jongliert. Hier wird dir nicht weiß gemacht, dass sie nicht mehr da sind, obwohl sie ständig in deinem Schoß landen. Glaube ist die Erfah-rung: Hier ist einer so eindeutig und so unmissverständlich für mich da, dass ich mich auf ihn einlassen und ihm vertrauen kann – auch wenn mei-ne eigentlichen Wünsche immer noch Wünsche sind und keine Realität wurden. Hier ist einer, der mich liebt und der für mich eintritt, der mich stärkt und mich ermutigt, der mich schützt und der mir mein Leben ga-rantiert.

Nicht die Dinge dieser Welt stillen unseren Lebenshunger – sondern Jesus. Kein Mensch vermag und zu erfüllen aber Jesus. Und wen Jesus erfüllt, der wird plötzlich fähig, mit den Dingen recht umzugehen. Nun bekommen Geld und Auto, Gesundheit und Haus, Mode und Brot erst ihren richtigen Wert. Die Dinge in dieser Welt sättigen nicht, sondern vergrößern den Hunger. Wer viel hat, der will noch mehr. Aber wer Jesus hat, der kann teilen.
Auch Menschen erfüllen uns nicht. Aber Jesus erfüllt uns mit seiner Liebe, so dass wir in die Lage versetzt werden, mit Menschen in Beziehung zu leben, mit ihnen auszukommen, Konflikte zu klären, den andern zu helfen und zu fördern. Jetzt fällt die Angst vor dem Alleinsein ab. Jetzt löst sich die Sorge vor einem Verlust. Jetzt entspannt sich meine Person und wird nicht mehr beherrscht oder manipuliert, nicht mehr getrieben oder beses-sen – wenn Jesus deinen Hunger stillt, dann wirst du frei für das Leben! Er hat sich dir so „einverleibt“ dass er alles ausfüllt und erfüllt. Er ist kein flüchtiges Erlebnis sondern eine Gabe zum Leben!

3. Jesus sättigt dich heute
Heute feiern wir Abendmahl. Am 7. Sonntag nach Trinitatis werden wir auf die Gabe des Abendmahls hingewiesen. Wir sollen wahrnehmen: Heute sollst du schmecken und sehen, wie freundlich Gott ist. Heute will er dich stärken. Heute will er dir Brot geben – aber in diesem Brot sich dir selbst einverleiben. Heute will er sich dir im Wein schenken – erfrischend und köstlich. Er will sich dir „köstlich“ schenken. Er hat es sich alles kosten lassen, damit er dich recht verköstigen kann.

Aber wie will das Abendmahl sättigen? Die Gemüsesuppe, von Hildegard und Erika lecker zubereitet, die wir gleich nach dem Gottesdienst schmau-sen werden, die wird satt machen – vorerst – aber ein Stück Brot und ein Schluck Wein?
Brot und Wein machen es nicht, sagt Martin Luther in der Erklärung zum Hauptstück des Abendmahls – sondern der Herr, der dazu sein Wort gibt, der darin seinen Willen kundtut und sagt: Ich bin das Brot des Lebens! Iss im Vertrauen darauf, dass ich zu dir komme und mich so in dein Leben investieren will, dass es in mir gesichert und geschützt ist. Er gibt dir heu-te schon von „seinem Tisch“. Der Ort, von dem uns das Mahl gegeben wird ist eigentlich in Gottes Welt. Dort gibt es am Ende aller Tage ein gro-ßes Festessen. Doch ein Bissen ist schon jetzt für uns da. Einen Schluck gibt’s schon heute. Hierin liegt Kraft und Lebensmut für die kommenden Tage. Hier liegt schon jetzt ein Zeichen für Dich: Gemeinschaft! Du bist nicht allein – er ist da. Du bist nicht allein – er umgibt dich mit Menschen, die dir ganz langsam vertraut werden, die für dich langsam wie Geschwis-ter werden.

Typisch Jesus. Er macht aus wenig viel. Er macht aus Brot eine Mahlzeit zum Leben. Er gibt dir heute, was wirklich satt macht. Satt sein bedeutet, genug zu haben – genug im Sinne von „vergnügt“. Es gibt Dinge, die sind halt so. ER lebt – deshalb wird man im Gottesdienst vergnügt!

Amen!

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