Mittwoch, 19. August 2009

01.08.2009 Gemeinde zwischen Schein und Sein

Gottesdienst am 1. August 2009 in Wanne
Matthäus 5, 13 – 16

Ihr seid das Salz der Erde. Wenn nun das Salz nicht mehr salzt, womit soll man salzen? Es ist zu nichts mehr nütze, als dass man es wegschüttet und lässt es von den Leuten zertreten.
Ihr seid das Licht der Welt. Es kann die Stadt, die auf einem Berge liegt, nicht verborgen sein.
Man zündet auch nicht ein Licht an und setzt es unter einen Scheffel, sondern auf einen Leuchter; so leuchtet es allen, die im Hause sind.
So lasst euer Licht leuchten vor den Leuten, damit sie euere guten Werke sehen und eueren Vater im Himmel preisen.


Gemeinde denkt ja ab und zu darüber nach, wie sie wieder Aufmerksam-keit wecken kann. Man möchte ja irgendwie auffallen, damit die Menschen einen wahrnehmen und kommen. Und viele versuchen dabei, das Wün-schenswerte mit dem Nützlichen zu verbinden. Da gibt es zum Beispiel eine Kirchengemeinde, die ihren Kirchturm für Werbezwecke nützt. Oder eine andere richtet auf ihrem Kirchturm eine große Mobilfunkantenne auf. Ein Pfarrer in dem US-Bundesstaat Texas (Grapevine) ließ sich noch etwas anderes einfallen. Ed Young stellte ein Ehebett in seiner Kirche auf, setzte sich darauf und predigte über die Liebe. Das kommt an – vor allem in den Zeitungen!
Oder man kann Thomas Gottschalk in seiner Gemeinde auftreten lassen. Über www.bild.de kann man seinen Wetteinsatz der Saalwette bestimmen. Gottschalk sagte: „Ich bin nach verlorenen Wetten im Knast, im Puff und auf der Kanzel gelandet. Langsam fallen meiner Redaktion keine Gemein-heiten mehr für mich ein…“ Nun dürfen die Bildleser entscheiden.

Tja – wie fällt man auf, wie wird man gesehen. Wenn wir heute bedenken, was Jesus seiner Gemeinde sagt, dann kann man das gar nicht wahrha-ben. „Ihr seid das Salz der Erde! Ihr seid das Licht der Welt!“ Das bedeu-tet, dass seine Gemeinde einen außerordentlich wichtigen Part spielt in dieser Welt spielt. Gemeinde muss sich nicht wichtig machen – Gemeinde ist wichtig. Salz ist nicht irgendein Mineral – es war damals eines der wichtigsten und kostbarsten Güter. Salz hat man nicht nur zum Würzen gebraucht, sondern vor allem zum Konservieren. Salz macht haltbar. Und vom Licht müssen wir ja gar nicht reden – ohne Licht gibt es kein Leben. Der Gemeinde wird also von Jesus zugesagt, dass sie Salz und Licht ist – die Konsequenzen davon wollen wir in zwei Gedankengängen klären.

1. Die Gemeinde Jesu erhält die Welt
Wie gesagt – nicht die Gemeinde klärt hier ihre Bestimmung und zeigt ihre Bedeutung. Nicht die Gemeinde fährt hier eine PR-Aktion. Jesus sagt ihr, was sie in den Augen Gottes ist, wenn er, der Herr der Gemeinde, in den Herzen der Menschen lebt und das Wesen der Christen bestimmt.
Weil die Gemeinde Gottes in dieser Welt lebt, deshalb gibt es sie über-haupt noch. Die Gemeinde wirkt auf dieser Erde so, dass diese Welt Gott noch nicht zu einem faden Gericht geworden ist – er hat seinen Ge-schmack an den Menschen und an ihrer Geschichte noch nicht verloren. Deshalb gibt es diese Welt noch. Deshalb besteht noch die Chance, dass Gottes Geschöpfe zu ihm zurückfinden.

Manchmal wären wir allerdings lieber etwas andres als Salz. Würde Jesus damals gefragt haben: „na, was möchtet ihr denn für diese Welt sein?“, hätte die Jünger vielleicht geantwortet: „Honig“! Vielleicht würden wir hin-zufügen: Sahne? Honig ist süß und Sahne garniert herrlich. Aber wir sollen weder den Menschen Honig um den Mund streichen noch das Sahnehäupt-chen auf dem religiösen Nachtisch der Menschen setzen. Salz sollen wir sein. Haltbar sollen wir diese Welt machen – denn weil es die Gemeinde gibt, findet Gott noch immer Geschmack und Langmut für diese Welt.

Wenn Christus Raum findet in unserem Leben, dann werden wir sein, was Jesus sagt. Dann werden wir der Welt vielleicht nicht schmecken. Denn sie fordert ja zur Anpassung heraus – anpassen, an die ethischen Normen der Zeit und anpassen, an das Design einer modernen Religion. Aber die Ge-meinde verkündigt den Bergprediger. Wir halten uns zu dem, der uns sagt: „Ich aber sage euch…“ Das wird auch ins Leid führen – wie es Chris-tus ins Leid geführt hat. Aber das allein ist unsere Bestimmung. Gemeinde hat ja nicht sich selbst zum Thema, sondern ihren Herrn. Salz brennt in einer Wunde und die Gemeinde Gottes reizt eine Gesellschaft, die sich die Lebensnormen selbst setzt und die ihre Werte selbst definiert. Nein - Ge-meinde ist nicht Honig, sondern sie ist Salz der Erde.

Also, dann lasst uns auch „Salz der Erde“ sein. Salz kann man nicht wer-den. Entweder man ist es, oder man ist es nicht. Wenn Christus in uns ist, dann wird er uns erhalten, er uns durchtragen, er uns prägen und er uns die Kraft schenken, dass wir uns immer wieder neu in diese Welt schicken lassen. Wer aber ohne ihn lebt, der kann keinen Geschmack mehr verbrei-tet, an dem Gott das Wasser im Munde zusammen läuft; dann sind wir zu nichts mehr zu gebrauchen. Dann taugt man nicht mal mehr als Streusalz. Dann ist man aufgegangen im Leben und Treiben der Welt, die ein Leben ohne Gott proklamiert.


2. Gemeinde Jesu erhellt die Welt
Dass das klar ist: Jesus ist das Licht der Welt. Er verbreitet helles Licht. Licht braucht man zum Leben und Licht benötigt man zur Orientierung, wenn es dunkel ist.

a. Ihr seid das Licht der Welt – weil Jesus bei euch ist!
Jesus ist das Licht der Welt. In ihm wird ganz hell, was auf dieser Erde immer mehr verblasst und immer dunkler wird: die Erkenntnis, wer Gott ist! Und Jesus sagt: Gott ist wie ein liebender Vater und er ist ein Freund des Lebens. Er ist aber entschiedener Gegner der Finsternis. Finsternis und Licht passen einfach nicht zueinander.
Das ist das Tragische im Leben der Menschen, dass sie von Gott nichts mehr erwarten. Naja – in Krisenzeit betet man schon und hofft auf Hilfe. Aber man Gott hat keinen gestaltenden Einfluss mehr. Wünsche, Ziele und Aufgaben werden nicht mehr durch ihn geformt. Wir formen. Wir setzten fest, was wichtig ist. Und deshalb bestimmen wir unser Leben. Wir bestimmen das Tempo – und das ist wie auf dem Jahrmarkt in einem der vielen Attraktionen: höllische Geschwindigkeit. Kurz bereitet es ein Krib-beln im Magen – aber auf lange Sicht gesehen zerstört es Leben.

Aber Gott hat diese Welt noch nicht aufgegeben. Noch ist Zeit da, dass Menschen ihr Leben neu ausrichten. Noch gibt es Leuchtfeuer vor den Klippen und Untiefen dieser Welt.

b. Ihr seid das Licht der Welt bedeutet auch: deckt auf, was Leben zer-stört!
Es gibt so viel, was Leben zerstört und Menschen kaputt macht.
Es gibt in unserem Leben so viele dunklen Flecke und so viele Wunde Punkte, so viel kaputte Hoffnung und enttäuschte Liebe – und wir sind Meister darin, das alles zu verstecken. Wir meinen, das darf keiner sehen und wir werden mit diesem Kram schon irgendwie fertig. – Meinen sie das wirklich? Ist das nicht unsere Erfahrung, dass es so viele Dinge in unse-rem Leben gibt, die uns belasten, die uns ängstigen, die uns kaputt ma-chen?
Jesus deckt das alles auf. Da fällt Licht darauf und es wird sichtbar. Wir haben versucht, es wegzuschließen, aber jetzt steht es wieder vor uns. Und Jesus sagt nicht: Wie kannst Du nur? Oder – Das hätte ich nicht von Dir gedacht! Jesus sagt: Gib mir das! Gibt mir all die Verletzungen und all das Leidvolle, auch das Boshafte von andern und auch deine eigene Bos-heit – gib mir alles. Gib mir die Gier nach Leben und die Rebellion gegen Gott. Ich bewältige es!

Das, was keiner an uns sehen soll – das sollen wir ihm gegenüber aus-sprechen und bekennen. In seinem Licht wird es heil und heil. Jesus hat antiseptische Wirkung – wenn man ihn an die wunden Punkte des Lebens lässt, dann heilen sie.
Das weiß auch die Bibel. Deshalb bekennen in ihr die Menschen, die Gott kennen gelernt haben: „Der Herr ist mein Licht und mein Heil“.

Als Licht der Welt leben wir aus der Vergebung.
Aus der Vergebung lebende Menschen strahlen aus – sie schauen nicht weg, wenn bei anderen etwas nicht in Ordnung ist – sie laden ein, zu Je-sus zu kommen und heil zu werden.

c. Ich seid das Licht der Welt – das bedeutet: Menschen Lebensmut schenken.
Wir wissen, dass alles was lebt, Licht braucht. Ohne Licht kein Leben. Ich bin das Licht der Welt – sagt Jesus. Bei mir findest du Lebensvorausset-zungen!

Deshalb gehen wir immer wieder in die Dunkelheiten des Lebens. Wir wenden uns nicht ab – wir wenden uns zu!

Ich liebe Dich. Ich schenke dir ganz neu Würde und Achtung. Mit ihm kommen wir in einen heilsamen Zusammenhang. Er wirkt, dass Menschen endlich wieder Gutes erwarten und erhoffen können.


d. Ihr seid das Licht der Welt bedeutet dann auch: seid leuchtende Vorbil-der!
Wir sind nicht darin Vorbilder, dass wir alles besser können oder besser wissen als andere. Wir sind Vorbilder darin, dass wir ohne Jesus nicht mehr leben können. Wir brauchen ihn für unser Leben.
Wir sind darin Vorbilder, dass Vertrauen zu Gott das Leben fördert.
Wir sind darin Vorbilder, dass Gott uns Ruhe gönnt und in unser Leben hineinreden möchte um es zu erneuern und zu erfrischen.


Salz und Licht sollen wir sein. Wir sollen in die Öffentlichkeit drängen – uns nicht verstecken. Wir sollen sichtbar leben als Gemeinde. Wir sollen uns nicht zurückziehen. Wir sollen uns hingeben in diese Welt, weil wir ei-nen Herrn haben, der sich hingegeben hat für uns.

Amen

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