Predigt in Lobetal am 29. Nov. 2009
Römer 13, 8-12
8 Seid niemanden etwas schuldig, außer dass ihr euch untereinander liebt; denn wer den andern liebt, der hat das Gesetz erfüllt. 9 Denn was da gesagt ist (2. Mose 20, 13-17): „Du sollst nicht ehebrechen; du sollst nicht töten; du sollst nicht stehen; du sollst nicht begehren“, und was da sonst an Geboten ist, das wird in diesem Wort zusammengefasst (3. Mose 19, 18): „Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.“ 10 Die Liebe tut dem Nächsten nichts Böses. So ist nun die Liebe des Gesetzes Erfüllung.
11 Und das tut, weil ihr die Zeit erkennt, nämlich dass die Stunde da ist, aufzu-stehen vom Schlaf, denn unser Heil ist jetzt näher als zu der Zeit, da wir gläubig wurden. 12 Die Nacht ist vorgerückt, der Tag aber nahe herbeigekommen. So lasset uns ablegen die Werke der Finsternis und anlegen die Waffen des Lichts.
Kennen sie Hans-Georg Schellinger (45); er hat in diesem Jahr seinen Titel als Deutscher Monopoly-Meister verteidigt. Der Brettspieler aus Reutlingen über-stand unbeschadet am Samstag in der Vorhalle des Frankfurter Hauptbahnhofs zwei Vorrunden und schickte in der Finalrunde seine «Mit-Monopolysten» der Reihe nach in den Bankrott. Der Kälteanlagenbauer hatte damit eine Reise nach Las Vegas gewonnen. Dort wurde vom 20. bis 22. Oktober die Weltmeisterschaft im Monopoly ausgespielt. Sieger wurde allerdings Björn Knappskog.
Apropos USA: kennen sie den Staat, der am höchsten verschuldet ist: 11,4 Billi-onen USD – so hoch ist aktuell die Summe der US-Staatsverschuldung. Das ent-spricht in etwa 37.000 USD für jeden US-Bürger. (Tipp: unter usdeptclock.org können sie sich bei Interesse die rasend wachsende US-Staatsverschuldung in real time anschauen – wirklich faszinierend).
Die höchste Pro-Kopf-Verschuldung in Deutschland liegt in den Kommunen Meck-lenburg-Vorpommerns: 4.619.- Euro betrug sie laut Bertelsmannstiftung (laut Finanz- und Schuldenreport 2008).
Schulden sind in aller Munde. 2008 waren in Deutschland 3,5 Mio. Haushalte ü-berschuldet – im Schnitt lagen die Schulden bei den einbezogenen Personen bei 37000 Euro.
Schulden prägen Menschen. Menschen die – verschuldet oder unverschul-det – in finanzielle Not geraten sind, verlieren häufig ihren sozialen Sta-tus, und nicht selten kommt es zur gesellschaftlichen Ausgrenzung. Schul-den sind eine Last.
Und nun sagt unser Bibelwort: Ihr seid den Menschen schuldig, dass ihr sie liebt! Ihr habt dicke Schulden – tragt die mal ab! Ihr seid Menschen ein Licht in ihrer Dunkelheit schuldig!
Darum geht es in der Adventszeit, dass es in unseren Herzen ganz Hell ist und aus ihnen ein helles Licht in diese Welt scheint. Landläufig meint man immer, dass die Häuser hell sind und die Vorgärten im weihnachtlichen Glanz erstrahlen. Doch darum geht es nicht – es geht darum, dass wir un-sere Herzen schmücken. Deshalb ist die Adventszeit auch eine Fastenzeit. Schon die „Väter und Mütter im Glauben“ haben gewusst, dass die Herzen nur so für Gott und die Menschen „geschmückt“ werden können, wann man mit Sorgfalt und Leidenschaft Gottes Wort aufnimmt. Bibellesen nicht im Vorbeigehen – Bibellesen mit Tiefgang; mit Zeit, in Wachheit, mit Lei-denschaft.
Das Geheimnis eines leuchtenden Herzens ist, „dass das Licht der Welt“ hell aus diesem Herzen scheint. Darauf zielt das ganze „Gesetz“ ( = AT): dass wir Gott und den Menschen in dienender Liebe begegnen. Die Gebote fordern also auf: lebe entschieden und ganzheitlich in dienender Liebe zu Gott und zu deinem Nächsten. Entweder bemühen wir uns, dies aus eige-ner Kraft zu tun – oder wir überlassen und ganz diesem Jesus Christus, der von sich sagt: „Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, der wird nicht mehr in der Finsternis leben, sondern wird das Licht des Lebens ha-ben.“ (Johannes 8, 12). Wer also beginnt, sich auf diesen Jesus zu verlas-sen, der wird eine erstaunliche „Erhellung“ seines Lebens wahrnehmen. In wem dieser Christus Lebensraum findet, in dem wird durch Gottes Geist auch die Liebe Gottes ausgegossen. Nun kann ich in der Liebe Gottes Men-schen begegnen und Gott darin ehren. Paulus bringt den Lebensprozess, um den es hier geht, auf dem Punkt: „Denn ich bin durchs Gesetz dem Gesetz gestorben, damit ich Gott lebe. Ich bin mit Christus gekreuzigt. Ich lebe, doch nun nicht ich, sondern Christus lebt in mir!“ (Galater 2, 19f.)
Wer selbst versucht, dem Gesetz zu genügen, der wird ein Schuldner blei-ben. Wir bekommen es vielleicht hin, nicht die Ehe zu brechen, aber wie ist es mit einem begehrlichen Blick? Wir bekommen es hin, einen Men-schen am Leben zu lassen, wie ist es aber mit unseren Gedanken über ihn? Es geht nicht darum, etwas christlich durchs Leben zu gleiten – es geht darum, Christus in dieser Welt zu verherrlichen. Deshalb lasst ihn durch euer Leben leuchten!
Wenn nun jemand kommt und dich beleidigt oder verletzt, dann kannst du ganz ruhig bleiben – er trifft dich nicht mehr. Du bist ja nicht mehr da. Du hast dich ja verlassen. Jetzt ist Christus da. Er wird verletzt. Christus sagt: Vergib ihm, er hat keine Ahnung, was er da tut! Und wenn dich jemand enttäuscht, dann reagiere nicht, wie du´s gewohnt bist – mit Rückzug o-der mit angriff, zynisch oder hart. Segne ihn einfach - Jesus tut das im-mer. Wir können uns erlauben, den Ehepartner nicht erziehen zu wollen – wir beginnen nun, ihm zu dienen, ihn zu stärken. Wir sagen Jesus, was wir am Partner mit unseren Augen sehen und dann bitten wir ihn, dass wir Jesu Augen bekommen – sonst sind wir blind. Aber mit den Augen Jesu erkennen wir den andern als geliebtes Kind Gottes. Er ist mit mir in eine Lebensgemeinschaft gestellt, damit er durch mich von Gott erfährt, was er benötigt.
Darum geht es im Christsein: Christus soll in uns leben. Nicht wir sollen Christus werden – er darf ICH werden! Das ist meine Frage an dich heute Morgen: Möchtest du diesem Christus neu Raum in deinem Herzen geben – Herz ist das Zentrum deiner Person, der Ort deiner Entscheidungen und der Sitz deiner Lebensplanung. Willst du Jesus neu oder erneut sage: Komm, Herr! Lebe in mir! Nimm mich in deine Hand! Bitte vergib mir mei-nen Berg an Lieblosigkeiten und schuldig gebliebenen Liebestaten. Nimm mir diese Last ab. Entbinde mich. Befreie mich, damit ich wieder dir in meinem Leben Raum geben kann. Vergib, dass ich dich so lange ausge-sperrt habe.
Und dann kommt dieser Herr in seinem Heiligen Geist und erfüllt Dich neu! Komm, Schöpfer Geist! Erfülle mich!
Advent heißt: Ankunft! In Jesus ist die Liebe Gottes zu uns gekommen und hat uns befreit von der Last eines lieblosen Lebens. Im heiligen Geist ist Jesus in uns gekommen in der Kraft seiner Liebe. Und nun sagt unser Wort, dass wir uns auf noch eine Ankunft einstellen sollen: Die Ankunft dieses Königs steht vor uns! Das soll uns vor allem motivieren – Jesus kommt als eindeutiger König. Er richtet seine Herrschaft der dienenden Liebe auf. Er wird jeden zur Verantwortung ziehen, der auf dieser Welt ge-lebt hat.
Im Advent richtet sich die Gemeinde Jesu auf den kommenden König aus. Nicht Weihnachten ist das Ziel! Christen drehen sich nicht im Kreis. Chris-ten richten sich aus auf den, der da kommt! Sie lernen ihn mehr und mehr kennen und geben ihm mehr und mehr Raum. Sie freuen sich, weil er kommt und dann endlich Schluss sein wird mit der fatalen Lieblosigkeit, dem harten Egoismus, dem Sich-Selbst-Behaupten und dem „sich selbst der Nächste sein“! Wenn dieser Herr kommt, dann fängt das Leben ei-gentlich erst richtig an. Dann hat alles „Üben“ ein Ende. Dann hat alles „Versagen“ ein Ende. Dann hat alles „Halbherzige“ ein Ende.
Auf dieser Welt geht unsere Liebe immer wieder pleite. Aber Jesus kommt und entbindet uns von unserer Schuld. Er kommt und trägt. Er kommt und füllt uns neu. Mit ihm ist es keine Illusion, schuldenfrei zu leben!
Jesus kann unsere Schulden tragen. Wir sollten das nicht selbst in die Hand nehmen – Lasst Jesus machen!
Amen
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