Mittwoch, 13. Oktober 2010

15.08.2010 Abschied von Illusionen

Gottesdienst in Lobetal
15. August 2010
Epheser 2, 4 – 10

4 Aber Gott, der reich ist an Barmherzigkeit, hat in seiner großen Liebe, mit der er uns geliebt hat,
5 auch uns, die wir tot waren in den Sünden, mit Christus lebendig gemacht – aus Gnaden seid ihr selig geworden - ;
6 und er hat uns mit auferweckt und mit eingesetzt im Himmel in Christus Jesus,
7 damit er in den kommenden Zeiten erzeige den überschwänglichen Reichtum sei-ner Gnade durch seine Güte gegen uns in Christus Jesus.
8 Denn aus Gnade seid ihr selig geworden durch Glauben, und das nicht aus euch; Gottes Gabe ist es,
9 nicht aus Werken, damit sich nicht jemand rühme.
10 Denn wir sind sein Werk, geschaffen in Christus Jesus zu guten Werken, die Gott zuvor bereitet hat, dass wir darin wandeln sollen

Es gibt Abschiede von Illusionen, die unerlässlich sind. Viele meinen, zu wenig Geld ist das Grundproblem in ihrem Leben. Aber einmal ehrlich: Die eigentlichen Probleme sind keine Geldprobleme!
Auch die Meinung, dass „jetzt alles aus ist“ ist eine Illusion. Denn wir le-ben nicht alleine. Wir haben Freunde und manchmal kommt unverhofft eine Wende. So ging es Anfang August einer Familie aus dem Bundesstaat New York. Sie war hoch verschuldet und musste ihr Hausräumen. Es ging ihnen schlecht damit, aber was half es. So räumten sie ihr Haus. Als sie altes Zeug aus dem Keller als Tageslicht brachten, fanden sie ein Comic. Nach Angaben von „ABC“ fand die Familie das „Action Comic“ Nr 1. Es handelt sich um das Heft, in dem zu ersten Mal „Superman“ in seiner heu-tigen Form erschien. Es gilt als das teuerste Comic der Welt. 1938 war es für 10 Cent gekauft worden. Heute bringt es über eine Million Dollar. (dpa)
Die Familie räumt jetzt wieder ein.
Es gibt auch notwendige Abschiede von Illusionen, in denen Christen le-ben. Paulus ermutigt uns von drei Illusionen zu trennen:

Illusion 1: „Der Mensch hat einen freien Willen, durch den er sich für oder gegen Gott entscheiden kann“
Unser Wort sagt: Vor Gott ist jeder Mensch, der nicht glaubt, entschei-dungsunfähig, wie ein Toter. Er bedarf erst einer „Totenauferweckung“ durch die Kraft und Barmherzigkeit Gottes.
Da gibt es Christen, die vom „freien Willen“ reden und darauf verweisen, dass sich der Mensch für das „Gute“, für Gott, entscheiden kann. Die Aus-sage „Ich habe mich bekehrt“, beschreibt diese Haltung. Man will sagen, dass es eben auf den Willen des Menschen ankommt, wenn es darum geht, ob man an Jesus glaubt oder nicht. Der Mensch muss nur wollen.

Nun sagt unser Predigtwort: „Aber Gott, der reich ist an Barmherzigkeit, hat in seiner großen Liebe, mit der er uns geliebt hat, auch uns, die wir tot waren in den Sünden, mit Christus lebendig gemacht – aus Gnaden seid ihr selig geworden…“
Zum Glaubenkommen ist wie eine Totenauferweckung. Paulus zeigt uns, dass ein Mensch, der nicht an Gott glaubt, nicht einer kleinen Korrektur bedarf, nachdem er sich über die Vorzüge des Glaubens einen Überblick geschaffen hat. Es geht beim Glauben nicht um den Kauf eines „besseren Kleidungsstückes“, in dem man sich wohler fühlen kann. Es geht nicht um das Abwägen von Vor- und Nachteilen.
Paulus sagt: Zum Glauben kommen ist ein Schöpfungsakt Gottes. Das ist wie bei einer Totenauferweckung. Ein Toter ist bei einem solchen Akt rela-tiv unbeteiligt. Er hilft nicht mit. Er kommt Gott nicht entgegen, indem er schon mal zu zucken beginnt. Er ist tot. Der Wortstamm ist verwandt mit dem Wortstamm „Dunst“ – wenn etwas verdunstet ist, dann ist es weg. Ein Wadi ist ein ausgetrockneter Fluss. Alles verdunstet. Da muss erst je-mand das Wasser wieder aufdrehen, sonst kommt nichts Nasses mehr in das Flussbett.

Gott erweckt also den Menschen zum Glauben, wie er am Ostermorgen Christus ins Leben erweckt hat. Damals gab es keine Zuschauer. Auferwe-ckung bleibt ein Geheimnis. Das „Wie“ der Auferweckung ist uns verbor-gen. Somit ist das „Zum Glauben Kommen“ auch ein Geheimnis. Gott schenkt das. Gott wirkt das. Warum bei dem einen und nicht beim andern – ich weiß es nicht. Aber weil er es wirkt, ist beim andern eben noch nicht aller Tage Abend! Weil Gott Glauben schenkt, ist immer noch Hoff-nung da.
Weil Gott Glauben schenkt, müssen wir Menschen nicht bedrängen oder bedrohen – wir sollen nur unseren Glauben bekennen. Dazu sind wir in dieser Stadt an dieser Stelle eine Gemeinde, damit wir unseren Glauben nicht verstecken, sondern bekennen. Und dieses Bekenntnis nutzt Gott, im Menschen zu erleuchten, zu erwecken, zu bekehren – kurz: Um Menschen dafür die Augen zu öffnen, dass sie in diesem Jesus Christus seine Liebe und Freundlichkeit, seine Güte und Treue erkennen – ihn als liebenden Vater im Himmel wahrzunehmen. Nun geht aber unser Wort noch weiter:

Illusion 2 „Am Ende des Lebens entscheidet sich, ob man in den Himmel kommt.“
Wer wie Christus erweckt wurde, in Gott seinen liebenden Vater wahr-nimmt und in Jesus seinen Herrn erkennt, der ihn von den Lebenszerstö-renden Mächten befreit hat, der ist mit Christus in den Himmel versetzt. Wir sind im Himmel, wenn wir an Jesus glauben. Er hat uns mit in den Le-bensraum Gottes genommen. Wir leben bei Gott – Himmel beschreibt den unsichtbaren Lebensraum Gottes und nicht das Firmament über den Wol-ken. Paulus sagt hier allen Ernstes: Ihr seid im Himmel!
Es gibt ja Christen, die immer noch ängstlich sind und denken: hoffentlich schaffe ich das in den Himmel. Paulus sagt – Jesus hat das schon ge-schafft! Wir Christen leben nicht hoffnungslos allein auf dieser Erde und in diesem riesigen Weltall – wir leben an der Seite Gottes und „in Christus“. Vorher getrennt – jetzt vereint. Vorher wie tot, jetzt voll lebendig. Vorher in Angst und Sorge. Jetzt in Zuversicht und Geborgenheit.

Gottes Heilsgeschichte mit seinen Menschen kommt eben zur Erfüllung. Er hat sie als Gegenüber erschaffen – durch Christus finden sie wieder heim zu ihm. Jetzt kann er sich seinen Geschöpfen wieder in seiner Lieben und Güte zuwenden – so will er doch unser Gott sein! Paulus beschreibt das Ziel der Auferweckung zum Glauben damit, dass er sagt „…er hat uns mit ihm auferweckt und mit eingesetzt im Himmel in Christus Jesus, damit er in den kommenden Zeiten erzeige den überschwänglichen Reichtum seiner Gnade durch seine Güte gegen uns in Christus Jesus…“ Gott will uns jeden Tag seine Gnade durch seine Güte erweisen. Gott möchte uns jeden Tag durch seine Güte erfüllen und froh machen.
Luther hat zu dieser Stelle gesagt: „…Es ist noch um den linken Schenkel zu tun, um den alten Sack; Im Übrigen ist schon mehr als die Hälfte im Jüngsten Tag…“
Wir sehen es noch nicht, aber wir leben bereits am Herzen Gottes. Unser Heil ist nicht mehr in der Schwebe, sondern in Christus fest bei Gott ver-ankert und über uns ausgesprochen und uns zugesprochen.

Illusion 3 „Christsein ist anstrengend“
Viele meinen, Christsein ist anstrengend und man müsse nun viel Bibel lesen und ständig beten, in der Gemeinde mitarbeiten und zu den Men-schen irgendwie nett sein. Sie halten das Christsein für einen neuen Auf-guss der alten Gesetzesreligion.
Zum Glaubenkommen führt in ein Neues Leben. Neues Leben ist ein Ge-schenk und nicht das Ergebnis unserer positiven Veränderung. Nehmt Ab-schied von der Haltung, wir könnten uns bessern! Hier geht es eigentlich um einen doppelten Abschied. Einmal bedeutet es für diejenigen, die auf ihre Mitarbeit und Vorzüge verweisen, dass ihnen der „Stolz“ aus ihrem Leben entzogen wird. Diejenigen, die von sich nur ganz kleinlaut und in depressiver Haltung reden, erhalten ein neues Selbstverständnis.
Paulus sagt uns in diesem Wort: Euere Taten und euer Wirken als Christ in dieser Welt und in euerer Umgebung – das ist alles schon vorbereitet, das will nur noch ins Leben kommen!
Ich möchte dies durch ein Bild versuchen auszudrücken: Ich habe im April Sonnenblumensamen ausgesät – vier Tüten habe ich auf Erde in einen großen Bottich gestreut, zugedeckt und fleißig gegossen. Seit zwei Wo-chen blühen die ersten Sonnenblumen. In den letzten Tagen war ja herrli-cher Sonnenschein – und wie verhalten sich da die Sonnenblumen? Sie drehen sich alle der Sonne zu!
Liebe Geschwister, wir sind nicht zu neuen Gesetzeshandlungen berufen, sondern dazu, im Angesicht dieses herrlichen Gottes zu leben. Ihn suche ich am Morgen, weil mir seine Nähe gut tut und weil ich seine schenkende Gnade benötige. Es lebt sich gut, wenn Gott uns vergewissert, dass er uns liebt und er mit uns in und durch den Tag geht. Geliebte Menschen sind schöne Menschen. Hass entstellt den Menschen.
Ich bin überzeugt, dass es viel, viel besser ist, in einen neuen Tag zuge-hen, nachdem wir Gottes liebendes Angesicht in seinem Wort betrachtet haben, ihm zugehört und mit ihm geredet haben. Das wirkt sich wohltu-end aus – auch auf die Menschen, die mir begegnen.

So können wir Zeuge sein von einem wunderbaren und einmaligen Gott. Wir müssen nicht erst im Keller nach antiken Comics suchen, um in die-sem Leben zu bestehen – wir brauchen uns nur dem zuzuwenden, der uns zum Leben mit ihm erweckt hat. Dazu hat er uns doch geschaffen, dass wir vor ihm und durch ihn beschenkte und geliebte Menschen sind. Dazu hat er uns begabt, dass in unserem Leben Gutes erwächst. Wenn wir ihm zugewandt leben, kommt das Gute in unseren Alltag und zu den Menschen – das ist nicht schwer! Christen leben im Angesicht ihres liebenden Gottes – das ist Realität!
Amen