1. Petrus 2, 1-10
Dass die Achillessehne ein neuralgischer Punkt ist, das wissen wir. Die Göttin Thetis wollte ihrem Sohn Achilles was Gutes tun und badete ihn im Fluss Styx, der die Ober- und Unterwelt trennt. Wo auch immer das Wasser dieses Fluss hinkommt – so die Sage – wird man unsterblich. Dummerweise hielt Achilles seinen Fuß über der Ferse fest – es wurde zu seinem wunden Punkt. Aber heute Abend ist der wunde Punkt die Wade – die Wade von Michael Ballack. Spielt er oder spielt er nicht – es steht doch so viel auf dem Spiel! Ob aber die Deutsche Fußballnationalmannschaft die wahren Champions sind, wird sich zeigen – denn es steht noch nicht fest, wer gewinnt und wer verliert.
Nun prognostiziert man ja schon lange, dass die Gemeinde verloren hat. Der Zerbruch unserer Volkskirche deutet ein siechendes Ende. Man muss dabei aber bedenken: im 4. Jahrhundert wurden Gemeinde und Staat zusammen gezwungen – ein Wunder, dass das so lange gehalten hat. Nun aber wird Kirche vielleicht wieder, was sie einmal gewesen ist: eine Gemeinschaft von Außenseitern, die an Jesus glaubt und der übrigen Weltgesellschaft das Zeugnis des Auferstandenen Christus vorhält. Nicht mehr und nicht weniger war die Gemeinde in den ersten Jahrzehnten. Es war eine bedrängte und eine verfolgte Gemeinde. Das Geheimnis dieser Gemeinde war aber nicht die Art und weise, wie sie zusammen lebt sondern, dass sie alles was sie ist, alleine durch Gott ist. Sie ist durch Gott geworden. Sie ist für Gott da. Sie lebt von dem, was Gott ihr gibt.
Diese Gemeinde lebt das, was von Anbeginn gelebt werden soll: Sie lebt Gemeinschaft mit Gott.
Diese Gemeinde ist das ganze Ziel der Heilsgeschichte Gottes – oder besser gesagt: hier beginn, worum es Gott zutiefst geht. Hier leben Menschen im liebevollen Gehorsam gegenüber seinem Wort.
1. Nicht wir Menschen sind die Champions – Gott ist ein freundlicher Sieger!
1. Petrus 2, 1-3 So legt nun ab, alle Bosheit und allen Betrug und Heuchelei und alle üble Nachrede und seid begierig nach der vernünftigen, lauteren Milch, wie die neugeborenen Kindlein, damit ihr durch sie zunehmt zu euerem Heil, da ihr ja geschmeckt habt, dass der Herr freundlich ist.
- Grund für den Gehorsam ist die Freundlichkeit Gottes. Grund für den Glauben ist die Freundlichkeit Gottes. Diese Freundlichkeit hat unser Misstrauen überwunden. Dieser Freundlichkeit und Güte haben wir uns geöffnet. Wir haben sie geschmeckt – im Abendmahl. Die Grundlage unseres Glaubens ist Jesus, der sich als Opfer für unsere Sünden hingab. Vergebung – das ist Freundlichkeit. Schuld wird nicht angerechnet: das ist die Güte Gottes. Und das nicht nur als einmaliges Geschehen – dies ist vielmehr das Erkennungszeichen der Gemeinde geworden: Gemeinde schmeckt und sieht immer wieder neu, wie freundlich Gott ist. Da ist man also auf den Geschmack gekommen und das schmeckt man immer wieder. – Da lebt man nicht von aus sich heraus – man lebt von den täglichen Erfahrungen, die man mit der Freundlichkeit Gottes macht. Man lebt nicht aus Konserven, in denen eine fromme Vergangenheit eingeweckt ist.
- In einer Gemeinde zu leben ist eine ganz praktische Sache. In der Gemeinde übt man, sich in dieser Freundlichkeit zu begegnen. Man übt Altes abzulegen indem man Gottes Güte und Freundlichkeit aufnimmt. Bosheit, Betrug, Heuchelei und üble Nachrede sollen wir lassen – wir sollen eindeutig werden. Wo wir auch sind, wir gehören zu Gott und sind gefangen in seiner Freundlichkeit. Das Alte passt nun nicht mehr. Das sind Kleider, die uns nicht mehr stehen. Kleider machen Leute – heiß es. Wir sind nun eingekleidet durch Gottes Güte. Die sollen wir zur Schau stellen, die sollen wir zeigen am Laufsteg dieser Welt.
- Gemeinde wird in das Wesen Gottes hinein genommen. Gemeinde folgt nach. Jesus ist das Licht der Welt – und nun heißt es von der Gemeinde: Mache dich auf und werde Licht. Gott ist Liebe und nun heißt es: liebet einander! Gott ist sanftmütig – und die Gemeinde soll ihre Lindigkeit jedermann zukommen lassen. Gott prägt die, die bei ihm sind. So ist Gemeinde! Fromm sein bedeutet soviel wie: ein wahrer Champion sein. Wer fromm ist, der lebt ganz von Gottes Sieg her, von Gottes Treue. Champions brauchen Übung. Ohne Training und ständiges Üben wird man nicht in den Sieg Gottes hineinkommen. Fromm wird man in der Gemeinschaft mit andern Christen. Das ist Geschenk an die, die sich selbst in die Gemeinde schenken. Hier wird man gütig, geduldig, freundlich, tragfähig und liebend. Auch wenn das nur im Ansatz erreicht wird, wenn wir darin nicht perfekt werden, so beginnen wir mit dem Üben immer wieder neu, weil wir die Güte Gottes geschmeckt haben. Und Übung macht zu Champions.
2. Gemeinde ist eine ständige Bewegung zu Jesus
1. Petrus 2, 3-5 Zu ihm kommt als zu dem lebendigen Stein, der von den Menschen verworfen ist, aber bei Gott auserwählt und kostbar. Und auch ihr – als lebendige Steine erbaut euch zum geistlichen Hause und zur heiligen Priesterschaft, zu opfern Gott geistliche Opfer, die Gott wohlgefällig sind durch Jesus Christus.
- das ist die Bewegung einer Gemeinde: sie geht immer wieder zu Jesus. Und hier geschieht etwas Einmaliges: wer bei Jesus ist, der kann sich erbauen zu einem geistlichen Haus, zu einer heiligen Priesterschaft. Menschen, die zum „Lebendigen Eckstein“ gehen, werden zu „lebendigen Steinen“. Lebendige Steine gibt es eigentlich nicht. Steine leben nicht. Steine sind unbeweglich, hart und kalt. Lebendige Steine machen – das kann alleine Gott. Johannes der Täufer sagte einmal: „Gott vermag aus diesen Steinen Abraham Kinder zu erwecken!“ Und Jesus kann das auch – wer zu Jesus geht wird verwandelt. Er kann sich einfügen in ein lebendiges Ganzes. In der Gemeinde lebt zusammen, was eigentlich nicht zusammen passt. Hier sind also Leute, die würde sich nie zusammenfügen lassen. Viel zu unterschiedlich. Viel zu anstrengend. Jeder ist anders. Jeder hat eine andere Sicht und andere Ziele. Jeder ist ein Individuum, ein Individualist. Der andere ist da immer der Gegner - die personifizierte Bedrohung. Und doch: Wer zu Jesus kommt, der erlebt dieses Wunder. Hier hält zusammen, was eigentlich nicht zusammen gehört. Hier lebt miteinander, was sich eigentlich aus dem Weg gehen würde. Nur weil Jesus die Grundlage ist, nur deshalb geht das. Ein geistliches Haus, in dem Gott richtig gerne ist und wo man ihn finden kann, gibt es auf dieser Welt nicht mehr. Das war früher einmal der Tempel Gottes – doch der wurde zerstört. Jetzt ist etwas Atemberaubendes geschehen. Gott lässt sich nicht in einem Haus aus Steinen finden, sondern in einem Haus der lebendigen Steine. Das ist das Geheimnis der Gemeinde: An diesem Ort will sich Gott finden und erfahren lassen.
- Bausteine entfalten da erst ihren Wert, wo sie in einen Bau eingefügt sind. Liegen sie auf einem Haufen herum, dann sind es bloß Steine. Wertlos. Aber wenn sie eingebaut sind, dann tragen sie bei zum Bau des Ganzen – man kann sie nicht mehr herausnehmen, ohne dem Bau zu schaden. Deshalb hat Zinzendorf gesagt: „Ich statuiere: kein Christsein ohne Gemeinde.“ Wachstum der Gemeinde Jesu und Wachstum eines einzelnen Christen hängen auf das tiefste zusammen: erst wo sie sich einbauen lassen, dort wird etwas wachsen. Erbaut euch! Wollt das auch – wer das nicht will, der bleibt letztlich alleine. Geistliches Leben ist ganz und gar ein Geschenk und es ist ganz und gar unser Tun. Geistliche Übung: Baut euch in eine Gemeinde ein. Unser heutiger Sonntag ist der 6. Sonntag nach Trinitatis. Dieser Sonntag erinnert immer an die Taufe. Hier geht es um euere Entscheidung: Ihr seid zu Jesus gekommen und damit habt ihr euch in seine Gemeinde eingefügt! Diese Entscheidung habt ihr getroffen – steht zu ihr und lebt in Gottes Gemeinde.
- Gemeinde hat einen Auftrag: Sie bringt geistliche Opfer. Der Tempel des Herrn war ein Zeichen seiner Güte. Hier lebte man vom Opfer – das man für seine eigene Schuld gibt. Hier kommt man Gott nahe – da kann Schuld nicht stehen bleiben – da muss gesühnt werden. Damals opferte man Gott Tiere, aber das Haus der lebendigen Steine lebt ganz von dem Opfer, das Gott gegeben hat. Dieses Opfer wird hier ausgeteilt und dieses Versöhnungsopfer lädt die Welt ein: Kommt zu Gott – er lädt zur Versöhnung ein. Bei ihm ist Lebensraum und Lebenskraft. Denn der wahre Champion hat sein Leben für uns Menschen gegeben.
- Gemeinde, die andere zur Versöhnung mit Gott einlädt, ist eine Gemeinde, an der sich Gott freut. Sie ist wohlgefällig. Man kann viel zu dieser Gemeinde sagen und über ihre Leute. Aber das tut Gott nicht. Er trägt jeden einzelnen Menschen, jeden einzelnen lebendigen Stein. Er trägt ihn ein Leben lang, und freut sich daran. Ist euch das klar: Gott hat an euch Wohlgefallen.
3. Gemeinde ist er Ort des Gerichts in dieser Welt
Darum steht in der Schrift (Jesaja 28, 16): „Siehe, ich lege in Zion einen auserwählten, kostbaren Eckstein; und wer an ihn glaubt, der soll nicht zuschanden werden“. Für euch nun, die er glaubt, ist er kostbar; für die Ungläubigen aber ist „der Stein, den die Bauleute verworfen haben und der zum Eckstein geworden ist, ein Stein des Anstoßes und ein Fels des Ärgernisses“ (Psalm 118, 22; Jesaja 8, 14); sie stoßen sich an ihm, weil sie nicht an das Wort glauben, wozu sie auch bestimmt sind.
- Gemeinde fordert zum Glauben an Jesus Christus heraus. Sie tut das, weil sie dazu gesandt ist. Gemeinde ist ein stetiger Hinweis auf einen liebenden und heiligen Gott, der seine Menschen nicht sich selbst überlässt, sondern der sie zu sich ruft. Gemeinde wird ein steter Ort der Entscheidung und der Scheidung. Gemeinde wird ein Ort, wo man sich freut über den, der umkehrt und zu Gott kommt und wo man leidet an dem, der sein Leben ohne Gott gestalten will. Eine Gemeinde, die nicht mehr zu Jesus ruft, ist keine Gemeinde mehr. Sie hat sich zu etwas anderem gemacht – sie hat Gott verwehrt, sie zusammenzufügen, damit die Welt gerettet wird.
- Aus diesem Grund ist Gemeinde immer eine verfolgte Gemeinde. Die Welt hat Jesus nicht gewollt; die Welt will auch die Gemeinde nicht. Das einzige, was uns im liebevollem Dienst für die Menschen in unserer Stadt bleiben lässt, ist die große Liebe, die Gott in unsere Herzen gegossen hat durch den heiligen Geist. Und es ist die Kraft Gottes, die widerstehen lässt.
4. Gemeinde – die wahren Champions
Ihr aber seid das auserwählte Geschlecht, die königliche Priesterschaft, das heilige Volk, das Volk des Eigentums, dass ihr verkündigen sollt die Wohltaten dessen, der euch berufen hat von der Finsternis zu seinem wunderbaren Licht; die ihr einst nicht ein Volk wart, nun aber „Gottes Volk“ seid, und einst nicht in Gnaden wart, nun aber in Gnaden seid (Hosea 2, 25).
- Champions sind wir durch Jesus. Das haben wir nicht aus uns selbst gemacht. Zu Champions, die von seinem Sieg leben, wurden wir befreit. Ihr wart nicht ein Volk – ihr wart ganz unterschiedliche Grüppchen. Ihr wart dabei, hattet aber eueren Rückzugsraum. Ihr habt mitgemacht, aber immer nur ein Stück weit. Und jetzt: Jetzt seid ihr sein Volk. Jetzt lebt ihr miteinander und tragt euch. Und ihr habt miteinander den Auftrag, den Menschen in dieser Stadt die Wohltaten Gottes zu verkündigen. Das würde keiner alleine können. Das würde auch kein Grüppchen können. Das kann man nur zusammen. Wenn man alleine bliebe, dann würde man vielleicht auch freundlich sein und andern was Gutes tun. Aber man würde den Menschen nicht die Wohltaten Gottes bezeugen. Also: kommt zusammen und haltet euch zusammen. Seid, was ihr durch Gottes Gnade und leidenschaftliche Hingabe sein: sein Volk. Rutscht wieder enger zusammen. Lebt euch nicht ohnmächtig – lebt euch wieder zusammen. Übt wieder Gemeinschaft: täglich füreinander beten; Wöchentlich zusammenkommen; jeder mit einem Dienst für den gemeinsamen Auftrag (der eine betet, der andere gibt, der nächste organisiert, wieder andere gestalten Räume, weitere Singen, andere dienen Menschen, wieder andere predigen...)!
- Freud euch: Ihr seid in Gnaden. Dass ihr gnädig angesehen seid, das ist nun nicht mehr das Ergebnis von einem tollen und gelungenen Dienst. Das ist nicht mehr Folge einer Leistung. Ihr lebt in einem bleibenden gnädigen Stand – weil sich Jesus für euch hingegeben hat. Glaubt das und freut euch! Weil wir in einem Stand der Gnade leben, können wir auch mit anderen Leuten gnädig sein. Weil wir in einem Stand der Gnade leben, deshalb können wir wahrhaftig leben. Wir leben ohne Masken! Wir sind Champions, weil wir auf den einen Champion hinweisen!
Wahre Champions also, obwohl es an uns genug zu meckern gäbe – es gäbe genug Einwände; es gäbe genug, was dagegen spricht. Aber weil Gott in unserer Mitte ist, deshalb gilt das. Weil er da ist, deshalb können wir freundlich und gütig, geduldig und eindeutig sein.
Keine Ahnung, wer heute Abend Champion wird – aber jeder, der in dieser Welt Sieger wird, muss sich morgen schon wieder unter Beweis stellen, ob er noch Champion ist. Jesus aber ist ein für allemal Champion – er bleibt. Seine Gemeinde bleibt auch – sie wird nicht überwunden werden. Wirklich: wahre Champons!
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen