Freitag, 26. Dezember 2008

24.12.2008 Die Wende

Titus 3, 4-7
Gottesdienst am 1. Weihnachtsfeiertag 2008 in Lobetal von Roland Schindler

Als aber erschienen ist die Freundlichkeit und Menschenliebe Gottes, unseres Heilands,
machte er uns selig, nicht um der Werke der Gerechtigkeit willen, die wir getan hatten, sondern nach seiner Barmherzigkeit - durch das Bad der Wiedergeburt und Erneuerung im Heiligen Geist,
den er über uns reichlich ausgegossen hat, durch Jesus Christus, unsern Hei-land,
damit wir, durch dessen Gnade gerecht geworden, Erben des Ewigen Lebens würden nach unserer Hoffnung.

Ich habe ihnen ein Bild mitgebracht – ich fand es in der Dienstagsausgabe der WAZ von dieser Woche – wie man sich Weihnachten ohne Jesus vor-stellen muss. So etwa: - Bild von Dagobert Duck: „Weihnachten liegt mir nicht. Ich kann niemanden leiden und mich kann auch niemand leiden.“
Weihnachten ohne Jesus: Dagobert Duck ist Weihnachtsmuffel durch und durch. Mit dem Fest der Liebe hat er es nicht besonders. Liebe ist viel zu verschwenderisch und kostet zu viel. Zeit und Geld – das behält er für sich – und zwar in der Variante: Zeit für mein Geld! So badet er lieber in sei-nem Geldspeicher und taucht durch sein Hartgeld.
Hartgeld – hartes Herz – das ist Dagobert. Bei ihm ist es noch nicht Weih-nachten geworden.

Was wäre bei uns ein Weihnachten ohne Jesus. Vielleicht ein Fest der Ge-schenke! Geschenke über Geschenke aber keine Liebe und keine Güte. Eine Zeit lang ist das nett. Aber irgendwann brauchen wir einen Menschen und keine Abspeisung mit einem Geschenk. Wir brauchen einen, er uns Zeit schenkt, Zuneigung und Hilfe. Geschenke sind nett – aber sie erfüllen nicht. Im Gegenteil: je mehr man hat, desto mehr will man. Aber das Herz und die Freundlichkeit eines Menschen sind viel kostbarer als Geschenke.

Weihnachten ist das Fest der Liebe. Klar, jeder Mensch hat in seinem Her-zen Liebe und Freundlichkeit. Aber wir haben diese Eigenschaften und Be-gabungen nur sehr begrenzt. Wir haben etwas davon, und das Wenige ist schnell aufgebraucht.
Was bei uns Menschen an Liebe und Freundlichkeit vorhanden ist, reicht nur für sehr wenige. Und manchmal für die auch nicht so ganz. Es reicht für die eigene Familie und für ein paar sympathische Freunde. Aber dann ist es aus damit. Es sieht nicht gut aus mit unseren Herzen!

Aber Weihnachten bringt die Wende in unsere Herzen! Denn durch Jesus ist…
1. … uns die Menschenliebe und Freundlichkeit Gottes erschienen und macht selig
Erschienen – das griechische Wort beschreibt die „Epiphanie“ Gottes. In diesem Wort steckt das Wort „Licht“. Hier geht ein Licht auf. Hier leuchtet etwas völlig Neues auf: Menschenliebe und Freundlichkeit aus einem vol-lem Herzen! Merkwürdig: Gerade Gott zeichnet Menschenliebe und Freundlichkeit aus. Man meint eigentlich, dass dies Eigenschaften von uns sind. Wir entdecken: das ist das Wesen Gottes. Wir Menschen sind eher tierlieb als Menschenliebhaber. In allen Jesusgeschichten des Neuen Tes-tamentes erfahren Menschen diese Freundlichkeit und Menschenliebe ganz konkret. Sie hören keine netten Geschichten darüber. Sie erfahren es am eigenen Leib: Gott liebt sie und er hat ein Herz für sie. Es berührt ihm zu-tiefst, wie es um sie bestellt ist und er wendet sich ihnen zu. Er schenkt seine Liebe und Freundlichkeit sehr unterschiedlich: als Heilung, als Ver-gebung von Schuld, als Aufnahme in seine Gemeinschaft, in sein Team, als Hilfe in konkreter Notlage oder als Hoffnung in hoffnungsloser Situati-on. Gottes Freundlichkeit und Menschenliebe sind nicht Gefühle – es sind Taten!

Die Menschenliebe und Freundlichkeit Gottes kommt sozusagen handfest und ganz konkret. Und das bringt eine Wende in unser Leben. Denn weil wir als Person diese Menschenliebe und Freundlichkeit erfahren, weil unser Herz durch sie berührt wird, vollzieht sich etwas schier Unmögliches: Das sehr begrenzte Kontingent unserer Fähigkeit, Menschen zu lieben und freundlich zu ihnen zu sein weitet sich. Das kann man erfahren. Das funk-tioniert tatsächlich. Menschen, die unsere Freundlichkeit noch nie erfahren haben erleben uns plötzlich von einer Seite, die ihnen bislang verschlossen war.
Unser Menschliches Herz ist wie ein trockener Schwamm, der diese We-sensmerkmale Gottes aufsaugt und dann regelrecht vorrätig hat. Unsere Aufgabe ist es nur, uns in dieses Licht der Liebe und Freundlichkeit Gottes immer wieder selbst zu begeben. Das geschieht vor allem in der Gemein-schaft der Christen, der Gemeinschaft derer, die von Gottes Liebe und Freundlichkeit ergriffen wurden. Das geschieht dort, wo man diesem Gott zujubelt und ihm seinen Dank zum Ausdruck bringt. Deshalb ist Gemein-schaft so wichtig, denn Menschenfreundlichkeit gibt es nicht in der Ein-samkeit meines persönlichen Gebetes, sondern immer dort, wo ich sie brauche!

2. Gottes Menschenfreundlichkeit hat ein Ziel: Unsere Seligkeit!
Seligkeit ist nun nicht gerade ein Begriff, der sich uns sofort erschließt. Dieses Wort meint einen Zustand der Freude und Zufriedenheit, der Tat-kraft und der Hoffnung. Seligkeit ist also kein Zustand des gemütlichen Dahinschlummerns nach einem guten Essen. Seligkeit ist das Aufbrechen zu Abenteuern mit optimaler Ausrüstung und starkem Team. Seligkeit ist ein bewusstes und intensives Leben. Seligkeit bedeutet, dass meine Ver-gangenheit geklärt, meine Gegenwart erfüllt und meine Zukunft gesichert ist. Seligkeit ist Leben!
Manche meinen, dass Seligkeit so etwas ist wie 10 Siege des VfL in Folge. Die Bibel sagt, Seligkeit ist das erklärte Ziel Gottes mit seinen Menschen und nicht ein zufälliges, kaum anzunehmendes Ereignis. Gott will, dass du ein Leben führst, in dem du dich freust und in dem du einfach zufrieden bist. Und dieses Leben ist nicht abhängig von anderen Menschen oder Er-eignissen. Es ist nur abhängig davon, dass seine Menschenliebe und Freundlichkeit auch in unser Leben kommt.
Dazu ist Jesus geboren, dazu hat Jesus Zeichen der Liebe und Freundlich-keit in unserer Welt getan, dafür hat er gelitten, dafür ist er gestorben, wurde auferweckt und dazu ist er zu seinem Vater in seine unsichtbare Welt zurückgekehrt!
Wie kommt also seine Liebe und Freundlichkeit zu uns? Wie kommt die entscheidende Wende in unser Leben? Wie kann sich unser hartes Herz verändern? Nur durch Gott! Nur Gott kann das! Und er macht das durch seinen Heiligen Geist.

Ja, ich weiß, dass wir heute nicht Pfingsten feiern. Aber wir können Weih-nachten ohne den Heiligen Geist nicht begreifen. Ohne den Geist Gottes verstehen wir Weihnachten nicht. Denn erst durch den Geist Gottes kommt Gott in unsere Herzen. Der Geist Gottes ist mit dem Vater und dem Sohn eine Einheit. Und er nimmt uns hinein in Gott – er nimmt uns hinein in die Einheit Gottes, er macht uns zu Kindern Gottes.

Eine Frage bleibt nun noch: Wie kommt Gottes Geist in unser Leben? Un-ser Wort sagt, durch eine Badeveranstaltung: durch das „Bad der Wieder-geburt und Erneuerung“.
Nun wissen wir alle, dass Bäder angesagt sind in dem Augenblick, in dem wir unser Äußeres tüchtig verunstaltet haben. Wenn wir total verschwitzt und schmutzig sind, dann ist baden angesagt, oder eine angenehme Du-sche! Auf alle Fälle muss der Schmutz weg, der Schweiß muss ab und die müden Knochen müssen belebt werden. So ist das auch mit unserem Her-zen. Wenn es in unserem Herzen nicht gut aussieht, wenn es da äußerst unangenehme Gerüche hat, wenn da Schmutz und Unrat herumliegt, wenn da wenig Menschenliebe und Freundlichkeit ist, dann kann Gott das auswaschen, abwaschen und erneuern. Wenn wir diese Einsicht in unser Herz haben, wenn wir Gottes Herz kennen gelernt haben und wissen, wie es eigentlich beschaffen sein müsste, dann können wir sagen: „Ja Herr, komm du in mein Herz und reinige es. Vergib mir meine Schuld und Lieb-losigkeit. Vergib, dass ich bislang alles nur für mich eingesetzt habe. Ich will ab jetzt so leben wie du, ich will mit dir leben, aus dir leben und für dich leben. Komm, Heiliger Geist, und fülle du die Liebe Gottes in mein Herz.“
Das ist die Wende!
Jetzt beginnt das Leben!
Jetzt ist Weihnachten in deinem Herzen. Durch den Heiligen Geist ist Jesus in dir geboren!

Weil Jesus auf diese Welt gekommen ist, gibt es Hoffnung für Dagobert. Weil Jesus die Wende gebracht hat, müssen harte Herzen nicht hart blei-ben. In Jesus ist die Menschenliebe und Freundlichkeit Gottes zu uns ge-kommen, damit wir das Leben neu beginnen!
Amen



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