Dienstag, 31. August 2010

04.07.2010 Ist Gott schlau?

1. Korinther 1, 18 – 25
Gottesdienst in Lobetal am 4. Juli 2010

Gott ist wirklich schlau. Die Art und Weise, wie er verhindert hat, dass die Welt zusehen muss, wie Diego Armando Maradona in Buenos Aires nackt um den Obelisken läuft, ist einfach beachtlich.
Das Wort „schlau“ kommt vom Wort „schlüpfen“ her – es geht darum, wie etwas durch eine ganz kleine Öffnung hindurchkommt – zum Beispiel ein Kamel durch ein Nadelöhr. Das kann kein Mensch – aber Gott kann das! Gott ist genial. Seine Weisheit ist aber aus einer anderen Liga als die unsere.

1. Das Wort vom Kreuz ist das Evangelium
Paulus hat sich klar entschieden, nicht über Fußballergebnisse oder über das Wetter mit den Menschen zu reden. Paulus spricht über das Evangelium. Und das Evangelium ist das Wort vom Kreuz!
Wo liegt in diesem Wort eine frohe Botschaft versteckt? Die frohe Botschaft ist das: Ein Herrschaftswechsel hat sich vollzogen. Der neue König ist da. Am Kreuz steht es schwarz auf weiß geschrieben: „Jesus Christus, König der Juden“.
Mit diesem König kommt auch das Reich Gottes – der Herrschaftsbereich, in dem sich die Gegenwart Gottes auswirkt.

Das ist eine Tatsache. Paulus berichtet nicht über seine religiösen Vorlieben und über seine transzendenten Wünsche. Paulus stellt die Fakten fest. Inmitten einer Welt, in dem es so viele Mächte und Herrschaften gibt, die ihren Anspruch auf den Menschen postulieren, teilt er mit: Der eine Herrscher und König ist im Kommen, der jeden anderen Anspruch verblassen und verstummen lässt. Gott ist in diesem Jesus gekommen und fordert alle Mächte auf: „in Jesu Namen: lass mein Volk ziehen – gib meine Menschen frei!“
Herrschaftswechsel – das hat schon ein Pharao im alten Ägypten erfahren müssen. Er bestimmte über ein Volk, das er zur Zwangsarbeit bestimmt hat. Und da taucht eines Tages ein Mann auf und sagt im Auftrag Gottes: „Lass mein Volk ziehen.“ Und Pharao lachte, angesichts dieser kümmerlichen Gestalt des Moses. Pharao wunderte sich über so viel Kühnheit, ihn, den Repräsentanten der Götter, den Befehlshaber über Mächte und Soldaten, über Heere und Kulturdenkmäler, über ein geniales Volk und Repräsentant von Schönheit und menschliche Kraft, derart herauszufordern. Aber Gott setzte sich durch und befreite Israel.

Und nun ist da der Mann am Kreuz. Wo er verkündigt wird, wird dem Machthaber, dem „Fürsten dieser Welt“ und seinen dunklen Mächten gesagt: gib diesen Menschen frei! Jesus, dieser Mann am Kreuz, ist Gottes Sohn. Er, der Mann am Kreuz, ist der Herr, vor dem sich alle Knie beugen werden und alles am Ende der Zeit bekennen muss: Christus ist Herr!

2. Das Wort vom Kreuz ist Erweis der genialen Kraft Gottes
Die Machthaber pflegen zuweilen, ihre Macht zu demonstrieren. In großen Paraden lassen sie öffentlich ihre militärischen Truppen aufziehen und zeigen ihre Waffen zur Abschreckung.
Gott dokumentiert seine Macht der Liebe am Kreuz von Golgatha. Hier, für jedermann sichtbar, breitet er seine Arme aus und ruft: Kommt her, hier ist der Ort, an dem Leben heil werden kann.
Wie anders ist seine Macht. Wie anders sind seine Methoden. Diese Welt tötet. Das kann sie gut. Darin ist sie Weltmeister. Aber Gott kann Tote lebendig machen. Gott hat das letzte Wort. Gott setzt in völliger Ruhe und bestimmter Entschlossenheit auf das, was am Ende steht. Nach dem Abpfiff wird klar werden, wer auf dem Platz gesiegt hat – nicht vorher. Nach dem Abpfiff wird offenbar, was vorher schon verborgen gegenwärtig war.
Wer diesen König annimmt, der wählt Gotte als Herrn. Und dieser Herr macht lebendig – schenkt jetzt schon ein neues Leben und setzt sich jetzt schon gegen Mächte durch, die Leben zerstören.
Deshalb setze ich jetzt auf den Mann am Kreuz. Seine Kraft trägt mich durch. Seine Macht befreit mich aus den Klauen von zerstörerischen Mächten. Seine Gegenwart schenkt mir heute Frieden und Zuversicht. Dieser Jesus ist Herr – ein starker Herr. Er wird es nie auf die öffentliche Showbühne der Kulturhauptstadt bringen. Er wird nicht in der Öffentlichkeit umjubelt. Aber auf ihn setzen in dieser Welt die Kleinen und Schwachen, die Kinder und die Greise – und immer mehr Menschen, die von sich behaupten müssen: Ich bin mit meinem Leben überfordert.

In der Zeit der Christenverfolgungen setzten viele Christen auf diesen Gott am Kreuz. Mit dem Bekenntnis: „Christus ist unser Leben“ gingen sie in den Tod und setzten auf den, der Tote lebendig machen kann.
Als letztes Wort von einem russischen Bischof wurde folgendes überliefert – er stand 1919 vor einem sowjetischen Erschießungskommando: „Lebt wohl, ihr Toten – ich gehe zu den Lebendigen!“

3. Das Wort vom Kreuz ist Zeichen der Weisheit Gottes
Unserem menschlichen Verstand ist der Zugang zu Gott verwehrt. Es gibt keinen schlüssigen Gottesbeweis, der einen Menschen von der Existenz Gottes überzeugt. Exaktes Denken führt nicht zu Gott.
Die Religionsgeschichte beschreibt das Ergebnis menschlichen Suchens und Dankes: viele Götter.
Die Bibel beschreibt den Weg, den Gott uns zeigt: Er sucht uns in Christus und er lässt sich finden in Christus. Jesus ist der „Weg, die Wahrheit und das Leben – niemand kommt zum Vater“, außer über diesen Jesus. Gott hat diesen Weg gewählt. In großer Gelassenheit – aber höchst eindeutig, hat er diesen Weg in genialen Etappen vorbereitet. Alles, was Gott tut, kündigt er im Vorfeld an. Gott hat in das Bildnis dieser Welt eine unübersehbare Spur seiner Handschrift gezeichnet: Berufungs- und Befreiungsgeschichten, in denen wir erkennen können: Er will, dass seine Geschöpfe ihn ehren, indem sie einander in seinem Namen dienen und fördern.
Nun hat Gott ja dem Menschen einen Verstand gegeben und freut sich daran, wenn man den gelegentlich benützt. Aber unser Verstehen hat Grenzen. Unser Denken ist nicht das Maß der Dinge. Deshalb sollten wir Menschen unser Denken immer wieder kritisch überprüfen.

Gottes Weisheit ist im Kreuz erkennbar. Seine Weisheit ist gepaart mit Liebe und Wahrheit – hier können wir wahrnehmen, wer wir Menschen sind und wozu wir unsere Weisheit oft gebrauchen. Und hier kann man Gottes Weisheit erkennen, der einen Weg findet, auf dem wir Menschen heil werden und leben können.
Paulus wird später sagen: „In Christus liegen verborgen alle Schätze der Weisheit und der Erkenntnis!“ Wer diesen Jesus in seinem Leben Raum gibt, der wird auch fähig werden, sein Leben in guter Weise zu führen und sich dieser Welt in Verantwortung und Liebe zu dienen.

4. Das Wort vom Kreuz ist das Kriterium des Lebens
Das ist hier nicht zu verschweigen: „Denen, die verloren gehen, sagt das Wort vom Kreuz nichts!“ Es liegt nichts in diesem Wort, was ihm helfen könnte. Er setzt lieber auf sich. Er bleibt ganz bei sich.
Diese Tatsache führt uns zum Danken und zur Fürbitten. Zum Danken, weil wir nicht Gott gesucht, sondern Gott uns überwunden hat. Zur Fürbitte, weil niemand von sich aus sich für Gott entscheiden kann – Gott hat den Zugang zum Herzen. Wir bitten Gott um sein Erbarmen und darum, dass er sich andern Menschen offenbar macht. Wir bitten Gott, dass er die Verkündigung der frohen Nachricht über Jesus Christus nützt, um Menschen „einzuleuchten“. Wir bedrängen keine Menschen. Wir bezeugen Jesus – und das eindeutigste Zeugnis ist das, von seiner Hingabe am Kreuz!

Was bleibt? Wir predigen Christus als göttliche Kraft, in der Leben erneuert werden kann und als göttliche Weisheit, in der man sein Leben neu ausrichten und gestalten kann.
Was gepredigt wird, wird nicht bestimmt durch die Probleme unserer Zeit oder die Notlage der Menschen, es wird bestimmt durch dieses eine Wort vom Kreuz, in dem die ganze Hoffnung des Lebens und die ganze Barmherzigkeit Gottes hängt.
Amen