Predigt über 1. Timotheus 2, 1-6a
Sonntag, 9. Mai 2010 Lobetal
1 So ermahne ich nun, dass man vor allen Dingen tue Bitte, Gebet, Fürbitte und Danksagung für alle Menschen, 2 für die Könige und für alle Obrigkeit, damit wir ein ruhiges und stilles Leben führen können in aller Frömmigkeit und Ehrbarkeit. 3 Dies ist gut und wohlgefällig vor Gott, unserm Heiland, 4 welcher will, dass allen Menschen geholfen werde und sie zur Erkenntnis der Wahrheit kommen. 5 Denn es ist ein Gott und ein Mittler zwischen Gott und den Menschen, nämlich der Mensch Christus Jesus, 6 der sich selbst gegeben hat für alle Menschen zur Erlösung, dass dies zu seiner Zeit gepredigt werde.
Kennt ihr ein württembergisches Haustier, das gleichzeitig als wichtiges Kommunikationsmittel in existentiellen Notlagen fungiert – das „Notrufsäule“!
Nun sind die Gemeinden vielleicht so etwas als die Notrufsäulen in dieser Welt. Manchmal kommen Menschen, die nicht mehr weiter wissen und hier letzte Hilfe erwarten. Aber manchmal sind wir als Gemeinde auch eine Notrufsäule, in die Gott seine Not hineinruft.
Er ruft: „Ich will, dass allen Menschen geholfen werde und sie zur Erkenntnis der Wahrheit kommen“. Das Wort „geholfen“ ist dabei nicht wirklich eine Hilfe, um zu erfassen, worum es Gott geht. Das griechische Wort ist besser mit „retten“ zu übersetzen. „Gott will, dass alle Menschen gerettet werden und sie zur Erkenntnis der Wahrheit kommen.“
Gottes Menschen befinden sich in einer gefährlichen Situation. Ob sie das Leben feiern oder fürchten, ob sie unter den gegebenen Umständen leiden oder sich laben – die Menschen, die an Gott vorbei leben oder sterben, die fallen am Ende in ein großes NICHTS. Wer jetzt nicht auf Gott baut, hat im Sterben keinen Halt.
Gott setzt alle Hebel in Bewegung, dass das nicht geschieht. Er möchte, dass alle in seine gute Vaterhand fallen. Und damit sein Plan gelingt, die Menschen vor dem Nichts zu bewahren, gibt er alles. Das ist Gottes leidenschaftliches Ziel: die Menschen müssen vor dem Sturz ins Bodenlose bewahrt werden.
„Gott will, dass alle gerettet werden, und sie zur Erkenntnis der Wahrheit kommen.“
Was ist eigentlich los, dass manche Menschen dieses Vorhaben, dass Gott will, dass alle gerettet werden, als Druck empfinden, oder als Überlastung, oder störend, als aufdringlich oder als Aufforderung, nun alle retten zu müssen?
Erst einmal muss man doch sagen: Man muss Gott eigentlich verstehen.
Wir haben 4 Kinder – Martina und ich versuchten nicht, dass einer von ihnen seinen guten Weg geht, einer Jesus kennen lernt, einer sich dem Leben stellt. Wir haben auch nicht gesagt – naja, versuchen wir mal, dass wir 1 ½ hinbekommen. Den Rest schreiben wir ab. Nein – wir wollen, dass ALLE das Leben packen, ihre Gaben entdecken und für andere einsetzen, in Jesus die Liebe Gottes entdecken und dass alle einen guten Weg gehen.
Klar, Gott will alle. Was wäre er sonst für ein Schöpfer, wenn ihm seine Geschöpfe egal sein würden?
Und nun kommen wir ins Spiel: Gott zeigt uns sein Herzensanliegen. Wozu? Was möchte er bei uns bewegen und erreichen?
Jetzt kommt Schultz von Thun ins Spiel. Der Kommunikationswissenschaftler hilft uns bei der Wahrnehmung. Schultz von Thun lehrt, dass man eine Botschaft auf vier unterschiedliche Weise hören kann.
Als Appell? Wenn wir Gottes Äußerung als Appell hören, dann etwa so: „Was sitzt ihr noch hier – auf! Ihr habt alle Hände voll zu tun. Denn das, was ich will, will ich durch euch erreichen! Ich will alle Menschen retten und das geht nur, wenn ihr euch sofort aufmacht!“
Als Information? – Gott würde uns also informieren unter dem Motto: „Übrigens: Ob ein Leben gelingt oder nicht, das hängt davon ab, dass ein Mensch die Wahrheit erkennt. Ohne diese Wahrheit geht ein Mensch verloren.“
Als Selbstaussage? Gott teilt uns etwas über sich selbst mit: „Ich bin besorgt! Ich leide, weil noch so viele Menschen mich nicht kennen und ich will nicht, dass sie verloren werden.“
Als Beziehungoffenbarung? „Ich bin auch euer Vater und ihr seid die Geschwister von den Leuten, die meine Vaterschaft noch nicht anerkennen!“
Wie ist das in unserem Wort zu verstehen? Es handelt sich um eine Selbstaussage Gottes!
Gott lässt uns in sein Herz blicken! Er öffnet sich uns in seiner großen Sehnsucht nach seinen Geschöpfen. Er sagt: „Seht, so sieht es in mir aus! Das bewegt mich ständig! Meine Geschöpfe gehen mir nicht aus dem Kopf. Ich will mich nicht damit abfinden, auch nur einen zu verlieren.“
Und es ist eine Beziehungsoffenbarung: Gott spricht uns an als seine Kinder und als die Geschwister derer, die noch nicht ihren Vater kennen und nichts wissen, von unserer gemeinsamen Verbundenheit.
Es gibt Menschen, die hören alles zuerst als Appell, als Aufforderung, dass sie tun sollen, worum es Gott geht. Sie hören also: „Was, ich soll alle retten – wie soll ich das schaffen? Ich wusste es: Gott überfordert und der Prediger hetzt.“ Ihre Reaktion: „Ich wechsle die Gemeinde!“
Nein, Gott hetzt nicht. Gott überfordert nicht.
Was sollen wir also tun:
1. Wir können Gott unterstützen! Wir können ihm sagen: „Ich verstehe dich. Ich kann das nachvollziehen. Herr, das ist gut – mach das mal!
2. Wir können Gott erlauben, dass er sein „Rettungsprogramm auch durch uns machen kann! Ich kann zu Gott sagen: „Herr, wenn ich dich dabei unterstützen kann, dann mach mir deutlich, wen du durch mich erreichen willst. Bei welchen Menschen möchtest du durch mich anklopfen?“
Das ist eine wichtige Frage. Denn es ist ja klar, dass wir einige Menschen lieber haben als andere. Mit manchen Menschen tun wir uns sogar schwer. Wir möchten gerne, dass Gott die zum Glauben überwindet, die wir lieben. Für sie beten wir. Ihnen bezeugen wir immer wieder die Liebe Gottes. Aber könnte es nicht sein, dass es in unserer Nähe jemand gibt, der sehnsüchtig auf Hilfe hofft? Wir sollen die Menschen in unserer Nähe mit den Augen Gottes sehen!
3. Gott danken, dass er das auch durch die anderen Gemeinden macht. Auch für sie beten und uns an ihnen freuen. Sekten sind nur für sich da – wir aber sind Teil von Gottes weltweiter Kirche. „Beleb dein Werk o Herr, zeig deinen starken Arm, weck durch die Wort die Toten auf, der Deinen Herz mach warm…“ Betet für starke Gemeinden. Betet für Pfarrer, dass Gott ihnen bei der Predigtvorbereitung ihr Herz öffnet und seine Herzensanliegen auf sie legt.
Wir sollen nicht hingehen und die Welt retten. Aber wir können hingehen und unser Herz öffnen, dass Gott mit seinem Herzensanliegen zu uns kommt.
Konkrete Handlungsanweisungen
1. Freut euch: Ihr seid gerettet! Ihr seid Kinder Gottes! Ihr seid befreit aus den Zwängen eines Tyrannen, nach dessen Diktat ihr leben musstet. Ihr habt Geschwister. Ihr seid geliebt. Ihr habt Zukunft. Vater hört, wenn ihr euch zu ihm wendet.
2. Schafft ein rechtes Umfeld, in dem Menschen die Wahrheit finden können
- Dieses gute Umfeld schaffen wir durch Gebet für die Obrigkeit: für die Politiker und für die Manager. Heute ist Wahl. Bete für den, den du wählst und für den, der heute zum Ministerpräsidenten gewählt wird.
3. Bezeugen – martys = ganzheitlich Zeugnis geben, dass Jesus mich befreit hat zur Liebe und zum Handeln.
Liebe Geschwister, wir können nichts bewirken – Gott bewirkt. Das ist doch das Erstaunliche in der Bibel: Gott wirkt und handelt – die Menschen werden beauftragt, sein Handeln anzusagen und sich demgemäß zu einzustellen. Mose soll nicht Israel befreien – er soll ansagen, dass Gott sein Volk befreien wird. Wenn Petrus dem Lahmen am Tempeleingang zu Jerusalem sagt: „Im Namen Jesu von Nazareth, steh auf und vertrete dir ein bisschen die Beine“!, dann sagt er das, weil Jesus handelt. Gott handelt – Gott ist da – Gott erbarmt sich über seine Menschen – das allein gibt uns Hoffnung und schenkt eine gespannte Erwartung auf das, was er weiter noch wirken wird.
Jesus hat sich über die Menschen erbarmt, die ihm begegnet sind. Als Bartimäus schrie: Herr, erbarme dich – da hat sich Gott schon längst erbarmt und Jesus konnte deshalb sagen: sei sehend, dein Vertrauen auf Gott hilft. Jesus hat nicht gesagt – geh heim und bete zu Gott. Oder „Glaube an Gott, dann wird er dir schon helfen“. Nein – weil in diesem Jesus der lebendige Gott gegenwärtig ist, deshalb gibt es gegenwärtig das Handeln dieses Gottes zu erwarten.
Die Wunder, die Jesus getan hat, waren Zeichen seiner Liebe und Zeichen seiner Vollmacht.
Er wurde ja immer wieder gefragt: in wessen Vollmacht tust du das – welche Macht wirkt da durch dich.
Liebe Geschwister, unsere Vollmacht ist die Liebe, in der wir uns den Menschen zuwenden. Die Liebe Gottes ist eine Macht. Die Liebe Gottes hilft, schenkt, teilt, heilt…
Ohne Liebe können wir machen was wir wollen – da kommt nichts heraus, was Gott segnen kann.
Wir sollen den Menschen einen Hinweis auf Gott in der Liebe Gottes geben – unser Wort sagt dazu aber noch etwas: bezeugt das zu „seiner Zeit“. Dazu benötigen wir das Gebet. Wir dürfen Gott fragen: „Herr, wann ist deine Zeit!“ Paulus benützt das griechische Wort Kairos, um auszudrücken, worum es ihm geht. Das bedeutet: Gottes Zeitpunkt, oder „der günstige Zeitpunkt“. Auf diesen Kairos sollen wir achten und im Gebet werden wir ihn entdecken.
Wir wenden uns einem Menschen in der Liebe Gottes zu – Gott befreit in dieser Zuwendung. Wir erkennen die rechte Zeit, etwas von Gottes Rettungstag in Jesus zu bezeugen. Und im Himmel gibt’s Party mit Festessen.
Übrigens: wisst ihr, was ein Festessen für italienische Dentisten ist: Zahnpasta!
Amen
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